Mauretanien ist der Sonderfall der Sahelregion: Während Mali, Burkina Faso und Niger nach Militärputschen aus westlichen Bündnissen ausgeschert sind, blieb Nouakchott politisch berechenbar, hat seit 2011 keinen dschihadistischen Anschlag auf eigenem Boden erlebt und arbeitet eng mit der EU zusammen. Für Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist diese Insellage die zentrale Nachricht, aber sie hat klare geografische Grenzen.
Regierung und politische Entwicklung
Staatspräsident ist Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani, im Juni 2024 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Premierminister ist seit August 2024 Moctar Ould Djay, ein Ökonom mit Finanzhintergrund. Ghazouani war 2019 der erste Präsident, der in Mauretanien in einem geordneten Verfahren von einem gewählten Vorgänger übernahm, was in der Geschichte des Landes nach Jahrzehnten von Putschen ein Bruch war.
Sein Kurs ist eine kontrollierte Öffnung. Ein nationaler Dialog soll Oppositionsparteien, Zivilgesellschaft und staatliche Institutionen zusammenbringen und Antworten auf politische Teilhabe, soziale Ungleichheit und die Frage der nationalen Identität finden. Das größte ungelöste Thema bleibt die Nachwirkung der Sklaverei, die 1981 offiziell abgeschafft und erst 2007 strafbar wurde; Aktivisten, die das Thema öffentlich verhandeln, geraten regelmäßig unter Druck. Pressefreiheit und Versammlungsrecht existieren auf dem Papier, die Praxis bleibt eingeschränkt. Offizielle Verlautbarungen findest du auf der Seite der Präsidentschaft der Islamischen Republik Mauretanien.
Sicherheitslage: die Trennlinie verläuft im Osten
Für Mauretanien besteht eine Teilreisewarnung, Stand 2. August 2026, unverändert gültig seit dem 2. April 2026. Die Reise- und Sicherheitshinweise für Mauretanien nennen die betroffenen Gebiete konkret: die unmittelbaren Grenzgebiete zu Algerien und Mali, die abgelegenen Regionen der Sahara und der Sahelzone, die Region Tiris Zemmour nördlich von Zouérate, den östlichen und nordöstlichen Teil des Adrar in der Umgebung von Ouadane sowie die Regionen Hodh El Gharbi, Hodh El Charghi, Guidimaka, Assaba und Tagant.
Die Begründung ist eindeutig: Anschläge terroristischer Gruppen, die sich auch gegen ausländische Personen und Einrichtungen richten können, sind in der gesamten Region möglich. In den Grenzgebieten zu Mali und Algerien operieren grenzüberschreitende kriminelle Banden, es kommt regelmäßig zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Entführungsrisiko besteht in den Wüsten- und Grenzzonen fort.
Anders sieht es entlang der Atlantikküste aus. Nouakchott und Nouadhibou sind für Reisende und Zugezogene handhabbar, die klassische Wüstentour über Atar und die Zugfahrt auf dem Erzzug werden wieder angeboten. Kriminalität beschränkt sich überwiegend auf Diebstahl und gelegentlichen Raub. Wer die östlichen Regionen meidet, bewegt sich in einem der ruhigsten Umfelder der Region.
Zwei praktische Regeln haben sich bewährt. Erstens: Fahre Überlandstrecken nur bei Tageslicht und bleibe auf asphaltierten Hauptrouten, vor allem auf der Verbindung Nouakchott nach Nouadhibou und Richtung Senegal. Zweitens: Meide Pisten in die Wüste ohne ortskundige Begleitung, denn Minengefahr aus dem Westsahara-Konflikt und Orientierungsverlust sind reale Risiken. Militärische Kontrollpunkte begleiten jede Fahrt, führe deine Papiere sowie Kopien mit.
Der Druck aus dem Sahel
Mauretanien hat rund 2.200 Kilometer Grenze zu Mali. Der Krieg dort und der wachsende Einfluss russischer Militärdienstleister haben Folgen. Im Lager Mbera und dessen Umfeld leben inzwischen weit über 100.000 Geflüchtete aus Mali, das Aufnahmesystem gilt regional als vorbildlich, ist aber überlastet. Wiederholt wurden zudem Übergriffe auf mauretanische Zivilisten im Grenzgebiet gemeldet, was zu diplomatischen Spannungen führte.
Sicherheitspolitisch hat sich Mauretanien neu ausgerichtet. Der Fünferverbund G5 Sahel löste sich nach dem Austritt der Militärregierungen faktisch auf, Nouakchott setzt seither auf bilaterale Partnerschaften und auf die EU. Ein Migrationsabkommen mit der Europäischen Union von 2024 brachte ein Paket von 210 Millionen Euro für Grenzmanagement, Aufnahme von Geflüchteten und wirtschaftliche Entwicklung. Sanktionen gegen Mauretanien bestehen nicht, das Land ist Mitglied der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga; aus der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten ist es bereits 2000 ausgetreten und über ein Assoziierungsabkommen angebunden.
Wo Zuzügler tatsächlich leben
Die Auslandsgemeinde ist klein und konzentriert sich auf zwei Orte. Nouakchott ist Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum, hier sitzen Botschaften, internationale Organisationen und die Zentralen der Rohstoffunternehmen. Nouadhibou im Norden lebt von Fischerei, Erzverladung und einer Sonderwirtschaftszone, die für Logistik und Verarbeitung geschaffen wurde.
Der Wohnungsmarkt ist informell organisiert, Verträge werden häufig mündlich geschlossen und Mieten jährlich im Voraus verlangt. Klimatisch ist die Küste erträglich, das Landesinnere im Sommer extrem. Sandstürme treffen Nouakchott regelmäßig und belasten Atemwege und Technik. Die Stadt liegt zudem kaum über dem Meeresspiegel, weshalb Küstenerosion und Überschwemmungen ein wachsendes Problem sind. Wer eine Wohnung sucht, orientiert sich an bestehenden Kontakten vor Ort, ein transparenter Markt mit Portalen existiert nicht.
Gas, Erz und die wirtschaftliche Wende
Wirtschaftlich hat 2025 eine neue Phase begonnen. Das gemeinsam mit Senegal betriebene Offshore-Gasfeld Greater Tortue Ahmeyim nahm Anfang 2025 die Produktion auf, erste Lieferungen liefen im April 2025. Das Gas dient sowohl der nationalen Stromversorgung als auch dem Export. Dazu kommen Eisenerz aus Zouérate, Gold und Kupfer sowie ambitionierte Projekte für grünen Wasserstoff und Uran.
Die Erwartungen sind hoch, die Struktur bleibt anfällig. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei, und der Klimawandel setzt genau diesen Sektoren zu. Für dich als Zuzügler heißt das: Es entstehen Nischen in Beratung, Technik und Logistik rund um Energie und Bergbau, aber es gibt keinen breiten Arbeitsmarkt für Ausländer.
Ein zweiter Effekt betrifft die Fischerei. Die Gewässer vor der mauretanischen Küste gehören zu den fischreichsten der Welt, europäische und chinesische Flotten fischen dort auf Basis von Abkommen. Der Sektor bringt Devisen, steht aber wegen Überfischung und der Konkurrenz zur handwerklichen Fischerei unter Druck. Wer im Bereich Verarbeitung oder Logistik einsteigen will, findet in Nouadhibou reale Ansatzpunkte, muss aber mit einem stark regulierten Genehmigungsumfeld rechnen.
Aufenthalt, Alltag und Steuern
Ein Visum ist erforderlich und kann bei Ankunft am Flughafen Nouakchott oder an bestimmten Landgrenzen erteilt werden. Für längere Aufenthalte brauchst du eine Aufenthaltskarte, die an Arbeitsvertrag, Firmengründung oder Nachweis eigener Mittel gebunden ist. Amtssprache ist Arabisch, Französisch ist Verkehrs- und Geschäftssprache. Ohne Französisch kommst du weder bei Behörden noch bei Verträgen weiter, Englisch hilft nur im Rohstoffsektor.
Mauretanien ist eine islamische Republik mit strenger Rechtsordnung. Alkohol ist verboten, Missionierung und Religionswechsel sind strafbar, und die Kleiderordnung ist im öffentlichen Raum konservativ. Das ist kein Detail, sondern bestimmt den Alltag. Die medizinische Versorgung ist begrenzt, ernsthafte Fälle werden nach Europa oder Marokko ausgeflogen, eine Versicherung mit Rückholdeckung ist Pflicht.
Zur Steuerpflicht, den Einkommensteuersätzen und der Unternehmensbesteuerung liefert der Steueratlas zu Mauretanien die Details, für digitale Vermögenswerte ergänzt KryptoSteuern zu Mauretanien. Die Währung Ouguiya ist nicht frei konvertierbar, Devisenvorschriften begrenzen Transfers; eine Kontostruktur außerhalb des Landes gehört zur Grundplanung, Einstieg dazu bei Freedom Banking. Weitere Länderinformationen bündelt das Länderportal des Auswärtigen Amts zu Mauretanien.
Was Mauretanien dir bietet und was nicht
Mauretanien bietet eine stabile Regierung, seit über einem Jahrzehnt keine Anschläge im eigenen Land, wachsende Energieeinnahmen, eine klare Ausrichtung auf die EU und eine Küstenzone, in der Alltag ohne Sicherheitsdienstleister funktioniert. Das ist im Sahel-Umfeld bemerkenswert und der Grund, warum europäische Partner das Land konsequent stützen.
Es bietet dir jedoch keinen offenen Arbeitsmarkt, keine belastbare Gesundheitsversorgung, keine Rentnerregelung und kein liberales gesellschaftliches Umfeld. Die Teilreisewarnung für die östlichen Regionen ist real und wird sich nicht auflösen, solange der Krieg in Mali andauert. Wer Westafrika mit mehr Infrastruktur sucht, prüft Senegal oder Marokko als Alternative.
Wenn du dennoch planst, kläre Aufenthaltsweg und Steuerfolgen vorab. In einem Beratungsgespräch lässt sich sortieren, was der Wegzug aus dem deutschsprachigen Raum auslöst und welche Struktur trägt. Unsere Kanzlei St Matthew begleitet solche Fälle laufend, mehr dazu unter stmatthew.de.





