Für Myanmar gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Das Land befindet sich im Bürgerkrieg, und am 28. März 2025 hat das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten die Landesmitte getroffen. Wer die politische Lage in Myanmar für eine Auswanderung bewertet, muss beide Katastrophen zusammen lesen: eine bewaffnete und eine geologische, die sich gegenseitig verstärken.

Bürgerkrieg und Reisewarnung

Die vom Militär im Dezember 2025 und Januar 2026 abgehaltenen Wahlen verliefen in den großen Städten weitgehend ruhig. Eine nachhaltige Befriedung ist davon nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes nicht zu erwarten, weil pro-demokratische und ethnische Oppositionskräfte ausgeschlossen wurden. Oppositionelle Kräfte kontrollieren schätzungsweise rund 40 Prozent des Landes.

Die Reise- und Sicherheitshinweise zu Myanmar halten fest: Außer den Regionen Rangun, Naypyidaw und Ayeyarwaddy sowie der Stadt Mandalay sind die übrigen Landesteile von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen, einschließlich Artillerie- und Luftwaffeneinsätzen auch gegen die Zivilbevölkerung. Landesweit kommt es zu Sprengstoffanschlägen. Willkürliche Verhaftungen auch von ausländischen Staatsangehörigen sind nicht auszuschließen. Ein- und Ausreisen auf dem Land- und Seeweg sind grundsätzlich nicht möglich, der internationale Flughafen Rangun ist geöffnet, Flüge werden aber kurzfristig storniert oder verschoben.

Banken, Transport, Strom- und Gesundheitsversorgung sind teilweise erheblich beeinträchtigt, Internet und Telefon fallen zeitweise aus. Die praktische Seite für Menschen, die trotzdem vor Ort sind, behandelt der Leitfaden Sicherheit in Myanmar.

Das Beben vom 28. März 2025

Um 12:50 Uhr Ortszeit erschütterte ein Beben der Magnitude 7,7 Zentralmyanmar. Das Epizentrum lag rund 16 Kilometer außerhalb von Sagaing in etwa zehn Kilometern Tiefe, direkt an der Sagaing-Verwerfung. Zwölf Minuten später folgte ein zweites Beben der Stärke 6,4.

Die Bilanz stieg über Wochen. Am 30. März 2025 nannte die Militärverwaltung 1.644 Tote und 3.408 Verletzte, am 9. April bereits 3.645 Tote, 5.017 Verletzte und 148 Vermisste. Bis zum 23. April überstieg die Zahl der Toten 3.700, über 5.100 Menschen waren verletzt, rund 115 galten als vermisst. Das Department of Meteorology and Hydrology zählte in den Wochen danach 98 Nachbeben mit Magnituden zwischen 2,8 und 7,5. In Mandalay stürzte das Kloster Ma Soe Yane ein, der historische Palast wurde schwer beschädigt.

Ein Jahr später hält das Auswärtige Amt fest, dass Straßen und Eisenbahnverbindungen wegen des Bebens teilweise weiterhin beeinträchtigt sind. Wiederaufbau in einem Bürgerkriegsland läuft nicht nach Bauplan, sondern nach Frontverlauf, und humanitärer Zugang blieb in mehreren Gebieten eingeschränkt. Die Vereinten Nationen dokumentierten den Verlauf in einem Lagebericht zum Erdbeben in Zentralmyanmar.

Weitere Naturgefahren

Myanmar liegt in einer seismisch aktiven Zone; die Sagaing-Verwerfung durchzieht das Land von Norden nach Süden und verläuft nahe an Mandalay, Sagaing und Naypyidaw. Weitere schwere Beben sind jederzeit möglich.

In den Küstenregionen treten während des Monsuns von Mai bis Oktober Zyklone auf, die Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen und Evakuierungen erforderlich machen. Das Delta des Ayeyarwaddy ist besonders exponiert; die Sturmflut des Zyklons Nargis kostete 2008 mehr als 130.000 Menschen das Leben und bleibt der Referenzfall für die Verwundbarkeit der Region. Während des Monsuns können Landstraßen im Gebirge und entlang von Flüssen tagelang unpassierbar sein. Eine Übersicht über Naturgefahren in Asien bietet die Leitfadensammlung zu Naturkatastrophen.

Hinzu kommt eine Hitzebelastung, die in der Trockenzeit von März bis Mai regelmäßig über 40 Grad steigt und in Zentralmyanmar auch darüber. In einem Land mit stundenlangen Stromausfällen bedeutet das Hitze ohne Kühlung, und die Folgen treffen zuerst Kinder, ältere Menschen und Beschäftigte im Freien. Wer in Behelfsunterkünften lebt, weil das Beben Wohnraum zerstört hat, ist doppelt betroffen. Katastrophen wirken in Myanmar nicht nacheinander, sondern übereinander.

Wehrpflicht, Zwangsrekrutierung und Grenzkriminalität

Seit Februar 2024 setzt das Militär ein Wehrpflichtgesetz um. Berichte über Zwangsrekrutierungen junger Männer und Frauen haben eine große Fluchtbewegung ausgelöst, unter anderem nach Thailand. Für ausländische Arbeitgeber heißt das, dass lokales Personal kurzfristig verschwinden kann, ohne dass jemand darüber spricht. Wer in Myanmar Mitarbeiter beschäftigt, trägt eine Verantwortung, die weit über Arbeitsrecht hinausgeht.

Ein zweites Feld sind die Betrugszentren in den Grenzregionen zu Thailand und China. Dort werden Menschen unter falschen Jobversprechen festgehalten und zu Online-Betrug gezwungen. Deutschsprachige Reisende sind davon selten unmittelbar betroffen, wohl aber von den Sicherheitsoperationen, Straßensperren und Internetabschaltungen, die daraus folgen. Angebote mit hohen Gehältern im Grenzgebiet sind ausnahmslos zu meiden.

Wirtschaft, Währung und Versorgung

Die Kyat-Währung hat massiv an Wert verloren, Devisen sind bewirtschaftet, und Banken begrenzen Abhebungen. Importe stocken, Treibstoff wird rationiert, und Stromausfälle über viele Stunden am Tag sind in Rangun und Mandalay normal geworden. Wer ein Gehalt in Kyat bezieht, verliert laufend Kaufkraft.

Internationale Zahlungsdienste funktionieren nur eingeschränkt, weil Sanktionen und Bankenrückzug den Korridor verengt haben. Lohnzahlungen, Mietzahlungen und Rücklagen sollten deshalb nie vollständig im lokalen Bankensystem liegen. Das ist kein Steuerthema, sondern Liquiditätsvorsorge in einem Land mit Kapitalverkehrskontrollen.

Warnsysteme und Notrufnummern

  • Polizei 999, Feuerwehr 191, Rettungsdienst 192. Die Erreichbarkeit hängt stark von der Region und vom Zustand des Mobilfunknetzes ab.
  • Wetter-, Zyklon- und Bebenmeldungen kommen vom Department of Meteorology and Hydrology; internationale Sturmwarnungen liefert das Joint Typhoon Warning Center zuverlässiger.
  • Internet- und Telefonabschaltungen sind ein politisches Instrument, kein technischer Ausfall. Ein Plan ohne Netz ist Pflicht.
  • Wer trotz Reisewarnung beruflich vor Ort sein muss, braucht ein professionell ausgearbeitetes Sicherheitskonzept und eine Registrierung in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND.

Versicherbarkeit: faktisch keine

Bei geltender Reisewarnung greifen viele Auslandskranken- und Reiseversicherungen nicht mehr oder nur mit ausdrücklicher Sonderdeckung. Kriegs-, Bürgerkriegs- und Terrorereignisse sind in Standardpolicen regelmäßig ausgeschlossen. Sanktionen erschweren zusätzlich Zahlungen und Leistungsabwicklung.

Rechne damit, dass weder Erdbebenschäden an Immobilien noch kriegsbedingte Verluste ersetzt werden. Sachversicherungen lokaler Anbieter sind im Schadensfall nur so belastbar wie die Währung und das Bankensystem dahinter, und beides steht unter Druck. Für Vermögenswerte gilt daher die einfachste Regel: nichts Wesentliches im Land halten, was man nicht verlieren kann. Grundlagen zur Streuung über Jurisdiktionen findest du bei Asset Protection Plus, ein Konto außerhalb des Landes ist bei Kapitalverkehrskontrollen ohnehin Grundvoraussetzung.

Gesundheitsversorgung im Ausnahmezustand

Das Gesundheitssystem war schon vor dem Beben geschwächt, danach fielen in Zentralmyanmar Krankenhäuser aus. Fachärztliche Versorgung auf internationalem Niveau gibt es faktisch nicht; ernsthafte Fälle werden nach Bangkok ausgeflogen, sofern Flüge verfügbar sind. Deutsche und internationale Führerscheine werden nicht anerkannt, Straßensperren von Militär, Polizei und Widerstandsgruppen sind Alltag.

Hotels und Gästehäuser müssen Passdaten an die Polizei melden, eine Unterbringung außerhalb offizieller Einrichtungen ist unzulässig und kann mehrmonatige Haftstrafen nach sich ziehen. Diese Meldepflicht ist der Grund, warum informelles Wohnen in Myanmar kein Ausweg ist, sondern ein zusätzliches Risiko.

Rechtsrisiken und Verhaltensregeln

Myanmar ist überwiegend buddhistisch geprägt, religiöse Rituale haben großen Einfluss auf das Alltagsleben und dürfen nicht gestört werden. Kritische Äußerungen über Regierung oder Militär sind zu vermeiden, auch im privaten Rahmen und in digitalen Nachrichten. Homosexuelle Handlungen werden im Strafrecht nicht ausdrücklich genannt, können aber über den Tatbestand der unnatürlichen Handlungen verfolgt werden, mit Strafrahmen bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe.

Reisende sind verpflichtet, ihren Pass ständig mit sich zu führen, und müssen mit Passkontrollen auch bei Inlandsflügen rechnen. Für einige Inlandsziele ist eine vorherige Genehmigung lokaler Behörden nötig. Fotografieren von Militär, Sicherheitskräften und Kontrollpunkten ist ein reales Festnahmerisiko, kein Kavaliersdelikt, und das gilt auch für Aufnahmen von Erdbebenschäden an militärisch genutzten Gebäuden.

Warum Myanmar derzeit ausscheidet

Myanmar ist ein Land mit außergewöhnlicher Kultur und einer Bevölkerung, die seit Jahren zwischen Militärgewalt und Naturkatastrophe steht. Als Auswanderungsziel scheidet es aus, und zwar nicht wegen fehlender Visa, sondern weil Reisewarnung, Bürgerkrieg, Bebenrisiko und fehlende Versicherbarkeit zusammenfallen.

Wer beruflich gebunden ist, braucht ein schriftliches Sicherheits- und Evakuierungskonzept, eine Sonderdeckung mit ausdrücklichem Einschluss politischer Gewalt und einen Ausreiseplan über Rangun mit Zeitpuffer. Wer frei entscheiden kann, prüft Alternativen in der Region. Welche davon steuerlich und aufenthaltsrechtlich zu dir passt, klärt sich am schnellsten im Gespräch, etwa in einem Beratungsgespräch.