Ein Umzug nach Guinea-Bissau mit Hund oder Katze unterscheidet sich in einem Punkt von den meisten anderen Zielen: Es gibt kein öffentlich einsehbares Onlineverfahren für die Einfuhr von Heimtieren. Wer im Netz sucht, findet Allgemeinplätze, aber kein amtliches Formular.

Daraus folgt nicht, dass es keine Regeln gibt. Es folgt, dass du sie dir schriftlich bestätigen lassen musst, statt dich auf Zusammenfassungen Dritter zu verlassen. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du dabei vorgehst und welche Nachweise du in jedem Fall brauchst.

Verbindliche Auskunft ist der erste Arbeitsschritt

Zuständig für Tiergesundheit ist in Guinea-Bissau die staatliche Veterinärverwaltung im Geschäftsbereich des Landwirtschaftsministeriums. Die maßgebliche Rechtsgrundlage für den Tierhaltungssektor wurde in den vergangenen Jahren mit internationaler Unterstützung überarbeitet, was bedeutet: Die Praxis kann sich schneller ändern als jede Online-Zusammenfassung.

Wende dich deshalb an die Botschaft oder das Konsulat des Landes und bitte um schriftliche Auskunft zu vier Punkten: ob eine Einfuhrgenehmigung erforderlich ist, welches Zeugnismuster verlangt wird, innerhalb welcher Frist das Zeugnis ausgestellt sein muss und ob ein Antikörpertest gegen Tollwut verlangt wird. Nimm den Ausdruck der Antwort mit und lege ihn zu den Reisepapieren, damit du an der Kontrolle belegen kannst, worauf du dich gestützt hast.

Ein zweiter Weg führt über die abfliegende Airline. Fluggesellschaften führen eigene Länderinformationen für Tiertransporte und verweigern die Annahme, wenn die Dokumentenlage nicht passt. Diese Auskunft ersetzt die behördliche nicht, deckt aber Widersprüche früh auf. Frage dort zusätzlich nach den Buchungsfristen für den Tierplatz und nach den Boxvorgaben, weil beide Punkte den Zeitplan mitbestimmen und sich zwischen Airlines deutlich unterscheiden.

Unabhängig von der konkreten Verfahrensfrage baut sich der Papiersatz für Westafrika immer gleich auf. Erstens ein ISO-konformer Mikrochip, gesetzt vor der Tollwutimpfung. Zweitens eine gültige Tollwutimpfung, die üblicherweise mindestens 21 bis 30 Tage zurückliegt und nicht älter als zwölf Monate ist. Drittens ein internationales Gesundheitszeugnis eines amtlichen Tierarztes, ausgestellt kurz vor der Abreise.

Dazu kommt ein aktueller Grundschutz: bei Hunden gegen Staupe, Hepatitis, Leptospirose und Parvovirose, bei Katzen gegen Katzenseuche, Calicivirus und Rhinotracheitis, jeweils mit Datum, Impfstoff und Chargennummer im Heimtierausweis. Eine dokumentierte Behandlung gegen innere und äußere Parasiten gehört ebenfalls dazu.

Amtssprache ist Portugiesisch. Das Gesundheitszeugnis gehört in portugiesischer Fassung oder mit beglaubigter Übersetzung in die Mappe. Im lusophonen Raum existieren feste Zeugnismuster; wie ein solches Verfahren aufgebaut ist, lässt sich bei der portugiesischen Veterinärbehörde DGAV zum Reisen mit Heimtieren nachvollziehen. Verbindlich bleibt die Auskunft der bissau-guineischen Stellen.

Den Antikörpertest so oder so einplanen

Ob Guinea-Bissau bei der Einreise einen Titernachweis verlangt, musst du dir bestätigen lassen. Für den Rückweg brauchst du ihn ohnehin. Deshalb lautet die Empfehlung ohne Einschränkung: Lass die Blutprobe vor der Ausreise in Europa nehmen, frühestens 30 Tage nach der Tollwutimpfung, ausgewertet in einem von der EU-Kommission zugelassenen Labor, und trage das Ergebnis in den Heimtierausweis ein.

Flug nach Bissau

Kleine Hunde und Katzen dürfen bei mehreren europäischen Airlines in die Kabine, wenn Tier und Tasche zusammen acht Kilogramm nicht überschreiten und die Tasche unter den Vordersitz passt, meist bei einem Maß um 55 x 40 x 23 Zentimeter. Größere Tiere reisen im klimatisierten Frachtraum oder als eigenständige Luftfracht.

Die Box muss den IATA-Vorgaben für lebende Tiere entsprechen: stabile Bauweise, verschraubte Tür mit Metallgitter, Belüftung an mindestens drei Seiten, außen befüllbare Näpfe, saugfähige Einlage. Das Tier muss aufrecht stehen, sich drehen und ausgestreckt liegen können. Kurznasige Rassen lehnen viele Airlines für den Frachtraum ab, und Hitzegrenzen können eine Sendung kurzfristig stoppen.

Verbindungen nach Bissau laufen fast immer über Lissabon oder Dakar. Achte auf einen einzigen Umstieg und eine kurze Standzeit; jede zusätzliche Stunde auf dem Vorfeld ist für dein Tier belastender als die Flugzeit selbst. Wie sich der Tiertransport in einen gesamten Umzug einfügt, zeigt der Erfahrungsbericht unserer Kanzlei St Matthew zur Auswanderung mit dem vierbeinigen Freund.

Ankunft in Bissau

Plane die Ankunft auf einen Vormittag unter der Woche. Lebende Tiere werden bei Frachtsendungen über einen eigenen Schalter abgefertigt, der nur zu bestimmten Zeiten besetzt ist. Kommt die Sendung außerhalb dieser Zeiten an, wartet dein Tier bis zum nächsten Arbeitstag.

Achte darauf, dass die Chipnummer auf jedem einzelnen Dokument gleich geschrieben ist. Abweichungen zwischen Heimtierausweis, Impfbescheinigung, Laborbefund und Gesundheitszeugnis sind der häufigste Grund für Rückfragen an der Kontrolle. Nimm einen vollständigen Kopiensatz in einer wasserfesten Hülle außen an der Box mit und einen zweiten Satz im Handgepäck, dazu Zieladresse und eine erreichbare Telefonnummer gut lesbar auf der Box.

Halte für den Weg in die Unterkunft Wasser, Napf, Leine und ein Handtuch bereit. Nach einem langen Flug braucht das Tier zuerst Ruhe und Flüssigkeit, erst danach Futter.

Was du einplanen solltest

  • Mikrochip: 30 bis 60 Euro
  • Tollwutimpfung und Grundschutz: 50 bis 150 Euro
  • Tollwut-Antikörperbestimmung inklusive Blutentnahme: 80 bis 150 Euro
  • Amtliches Gesundheitszeugnis mit Beglaubigung: 30 bis 100 Euro
  • Beglaubigte Übersetzung ins Portugiesische: 50 bis 150 Euro
  • IATA-Box: 80 bis 300 Euro
  • Kabinenplatz: ab rund 60 Euro pro Strecke
  • Frachtraum oder Luftfracht nach Bissau: meist 700 bis 2.000 Euro

Bei Luftfracht zählt das Volumengewicht der Box. Eine sauber am Tier ausgemessene Box senkt die Rechnung spürbar, solange die Mindestmaße eingehalten bleiben.

Zurück in die EU: die Frist, die alles bestimmt

Guinea-Bissau steht nicht auf der EU-Liste anerkannter Drittländer. Für die Rückkehr gelten Mikrochip, gültige Tollwutimpfung, ein Titer von mindestens 0,5 IU/ml aus einer Blutprobe, die frühestens 30 Tage nach der Impfung entnommen wurde, danach drei Monate Wartezeit, eine amtliche Tiergesundheitsbescheinigung und die Einreise über einen zugelassenen Reisendeneingang.

Wird die Blutentnahme vor der Ausreise in der EU durchgeführt und im Heimtierausweis dokumentiert, entfällt die Dreimonatsfrist vollständig. Welche Nachweise die EU im Einzelnen verlangt, erläutert das Portal Your Europe zu Reisen mit Haustieren. Für Hunde gilt zusätzlich das deutsche Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz mit dem Verbringungsverbot für Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier und deren Kreuzungen.

Versorgung und Alltag vor Ort

Die tierärztliche Versorgung ist begrenzt und konzentriert sich auf Bissau. Spezialdiagnostik, Operationen unter Vollnarkose und stationäre Betreuung sind nicht überall verfügbar. Wer mit einem älteren oder chronisch kranken Tier plant, sollte ehrlich abwägen, ob dieser Schritt dem Tier zumutbar ist.

Nimm einen Vorrat an Dauermedikation, Entwurmungsmitteln und Zecken- sowie Flohschutz mit, dazu ein Erste-Hilfe-Set. Spezialfutter ist schwer zu bekommen; stelle die Fütterung schrittweise auf lokal verfügbare Produkte um, statt es am Ankunftstag zu erzwingen.

Klimatisch bedeutet der Umzug hohe Luftfeuchtigkeit, eine ausgeprägte Regenzeit und ganzjährigen Parasitendruck. Prophylaxe ist Grundversorgung, nicht Komfort. Streunende Hunde sind verbreitet und der Impfstatus unbekannt, deshalb gilt: Tollwutschutz durchgehend aktuell halten und Kontakt meiden. Medizinische Unterlagen auf Portugiesisch erleichtern jeden Praxisbesuch. Eine kurze Übersicht über Vorerkrankungen, Allergien und Dauermedikation in portugiesischer Sprache spart im Notfall wertvolle Minuten.

Rassen, junge Tiere und Quarantäne

Eine veröffentlichte Rasseliste mit Einfuhrverboten ist für Guinea-Bissau nicht bekannt. Junge Tiere sind wegen der Impf- und Testfristen erst spät reisefähig: Tollwutimpfung ab der zwölften Lebenswoche, danach mindestens 30 Tage bis zur Blutentnahme und dazu die Laufzeit des Labors. In der Praxis läuft das auf ein Mindestalter von rund fünf Monaten hinaus.

Wie du das Risiko klein hältst

Der entscheidende Unterschied bei diesem Ziel ist nicht die Menge der Dokumente, sondern die Verlässlichkeit der Auskunft. Hol dir die Bestätigung schriftlich, baue den Papiersatz vollständig auf, und mache den Titertest in Europa, bevor du fliegst. Damit bist du gegen jede Auslegung an der Grenze gewappnet und hältst dir den Rückweg offen.

Weil Wohnsitzwechsel, Abmeldung und Steuerfragen im gleichen Zeitraum anfallen, ordne diesen Teil früh. Ein Beratungsgespräch vor dem Umzugstermin verhindert, dass sich Behördenfristen und Tiertransport gegenseitig blockieren.