Wer mit Hund oder Katze nach Guinea zieht, hat es mit überschaubaren Einfuhrregeln zu tun. Weder eine Quarantäne noch ein Antikörpertest sind für die Einreise vorgeschrieben. Der Aufwand steckt in den Fristen: Eine der wichtigsten Bescheinigungen darf bei Ankunft nur wenige Stunden alt sein.
Und es gibt einen zweiten Punkt, der oft erst zu spät auffällt: Guinea gilt als Land mit hohem Tollwutrisiko. Das macht die Hinreise nicht komplizierter, wohl aber die Rückkehr nach Europa. Wer beides gleich zusammen plant, spart Geld und mehrere Monate Wartezeit.
Was Guinea bei der Einreise verlangt
Für Hunde und Katzen gelten vier Kernanforderungen: eine elektronische Kennzeichnung mit ISO-konformem Mikrochip nach den Normen 11784 und 11785, ein Heimtierausweis, eine Tollwutimpfung, die nicht älter als zwölf Monate ist, und ein internationales Gesundheitszeugnis. Zuständig für Tiergesundheit ist der nationale Veterinärdienst im Geschäftsbereich des Landwirtschafts- und Viehzuchtministeriums.
Die Tollwutimpfung muss mindestens einen Monat vor der Einreise verabreicht worden sein und darf zwölf Monate nicht überschreiten. Entscheidend ist auch hier die Reihenfolge: erst Chip, dann Impfung. Eine Impfung vor der Kennzeichnung wird bei der Kontrolle in der Regel nicht anerkannt, weil sie sich keinem eindeutig identifizierten Tier zuordnen lässt.
Zusätzlich verlangt Guinea einen vollständigen Grundschutz. Bei Hunden sind das die Impfungen gegen Staupe, Hepatitis, Leptospirose und Parvovirose, bei Katzen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Diese Nachweise gehören mit Datum, Impfstoff und Chargennummer in den Heimtierausweis.
Das internationale Gesundheitszeugnis muss von einem amtlichen Tierarzt ausgestellt werden und bei Ankunft weniger als 72 Stunden alt sein. Es bestätigt, dass das Tier untersucht wurde und keine Anzeichen von Krankheit oder Parasitenbefall zeigt. Amtssprache in Guinea ist Französisch, das Dokument gehört also in französischer Fassung oder mit beglaubigter Übersetzung in die Mappe.
Dieses Zeitfenster ist der Engpass der gesamten Planung. Veterinärämter arbeiten zu Bürozeiten, und die Beglaubigung muss am selben Tag erfolgen. Vereinbare den Termin mehrere Wochen im Voraus, lege ihn auf den letzten Werktag vor dem Abflug und lass dir schriftlich bestätigen, dass die Beglaubigung sofort erledigt wird.
Wer die Papiere prüft und worauf
Am Flughafen wird verglichen, nicht diskutiert. Die Chipnummer muss auf jedem Dokument identisch stehen, im Heimtierausweis ebenso wie auf der Impfbescheinigung und im Gesundheitszeugnis. Ein einzelner Zahlendreher genügt, um den Vorgang aufzuhalten. Lies die Nummer deshalb vor der Abreise selbst gegen, statt dich auf die Praxis zu verlassen.
Nimm einen kompletten Kopiensatz in einer wasserfesten Hülle außen an der Transportbox mit und einen zweiten im Handgepäck. Zieladresse und eine Telefonnummer vor Ort gehören gut lesbar auf die Box, damit dein Tier auch dann zugeordnet werden kann, wenn ihr getrennt ankommt.
Rassen, Alter und Quarantäne
Eine veröffentlichte Rasseliste mit Einfuhrverboten führt Guinea nicht. Bei vollständigen Papieren ist auch keine Quarantäne vorgesehen. Unvollständige Unterlagen können dagegen dazu führen, dass der Veterinärdienst am Flughafen Conakry das Tier zurückhält, bis nachgereicht wird, und diese Zeit bezahlst du.
Junge Tiere sind wegen der Impffristen erst ab etwa vier Monaten reisefähig: Die Tollwutimpfung zählt frühestens ab der zwölften Lebenswoche, danach muss noch der Monat Wartezeit vergehen.
Der Flug nach Conakry
Kleine Hunde und Katzen dürfen bei mehreren europäischen Airlines in die Kabine, wenn Tier und Tasche zusammen acht Kilogramm nicht überschreiten und die Tasche unter den Vordersitz passt, üblicherweise bei einem Maß um 55 x 40 x 23 Zentimeter. Alles darüber reist als Übergepäck im klimatisierten Frachtraum oder als eigenständige Luftfracht.
Die Box muss den IATA-Vorgaben für lebende Tiere entsprechen: fester Kunststoff oder Holz, verschraubte Tür mit Metallgitter, Belüftung an mindestens drei Seiten, außen befüllbare Näpfe, saugfähige Einlage. Das Tier muss aufrecht stehen, sich drehen und ausgestreckt liegen können. Kurznasige Rassen werden von vielen Airlines für den Frachtraum abgelehnt, und bei zu hohen Temperaturen am Start- oder Zielflughafen kann eine Sendung kurzfristig storniert werden.
Buche den Tierplatz zeitgleich mit deinem Ticket und lass ihn schriftlich bestätigen. Die Kontingente pro Flug sind klein. Wenn dein Umzug mit dem Erwerb einer Immobilie zusammenfällt, findest du die rechtlichen Rahmenbedingungen in unserem Leitfaden zum Immobilienkauf in Guinea.
Ankunft und erste Tage
Lege die Ankunft möglichst auf einen Vormittag unter der Woche. Frachtsendungen mit lebenden Tieren werden über einen eigenen Schalter abgefertigt, der nur zu festen Zeiten besetzt ist. Landet die Sendung abends oder am Wochenende, wartet dein Tier bis zum nächsten Arbeitstag in der Halle.
Halte Wasser, Napf, Leine und ein Handtuch bereit. Nach einem langen Flug braucht das Tier zuerst Ruhe, Schatten und Flüssigkeit, erst später Futter. Plane die ersten Tage bewusst ruhig: kurze Wege, kein Mittagsspaziergang, keine langen Autofahrten. Die Umstellung auf Klima, Gerüche und Geräusche kostet auch ein gesundes Tier spürbar Kraft.
Kostenrahmen für den Transport
- Mikrochip: 30 bis 60 Euro
- Tollwutimpfung: 30 bis 50 Euro
- Grundschutz auffrischen: 50 bis 120 Euro
- Tollwut-Antikörperbestimmung inklusive Blutentnahme: 80 bis 150 Euro
- Amtliches Gesundheitszeugnis mit Beglaubigung: 30 bis 100 Euro
- Beglaubigte Übersetzung ins Französische: 50 bis 150 Euro
- IATA-Box: 80 bis 300 Euro
- Kabinenplatz: ab rund 60 Euro pro Strecke
- Frachtraum oder Luftfracht nach Conakry: meist 700 bis 2.200 Euro
Bei Luftfracht zählt das Volumengewicht der Box. Wer die Boxgröße sauber am Tier ausmisst statt großzügig aufzurunden, spart häufig einen dreistelligen Betrag.
Der Rückweg nach Europa entscheidet sich vor dem Abflug
Guinea zählt zu den Drittländern mit hohem Tollwutrisiko und steht nicht auf der EU-Liste. Für die Rückkehr deines Tieres gilt deshalb: Mikrochip, gültige Tollwutimpfung, eine Blutprobe frühestens 30 Tage nach der Impfung mit einem Titer von mindestens 0,5 IU/ml in einem von der EU-Kommission zugelassenen Labor und anschließend drei Monate Wartezeit vor der Einreise, dazu eine amtliche Tiergesundheitsbescheinigung und ein zugelassener Reisendeneingang.
Der Ausweg ist einfach und billig: Lass die Blutprobe schon vor der Ausreise in Europa nehmen und das Ergebnis im Heimtierausweis eintragen. Dann entfällt die Dreimonatsfrist bei der Rückkehr vollständig. Die Anforderungen an Nachweise und Einreisewege beschreibt das EU-Portal Your Europe zu Reisen mit Haustieren.
Für Hunde kommt das deutsche Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz dazu: Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier und deren Kreuzungen dürfen nicht nach Deutschland gebracht werden. Wer in Guinea einen Hund aufnimmt, sollte die Abstammung vorher klären.
Leben mit Tier in Guinea
In Conakry gibt es Tierarztpraxen mit Grundausstattung, im Landesinneren ist die Versorgung sehr dünn. Kläre gleich nach der Ankunft, welche Praxis erreichbar ist und ob sie Notdienst anbietet. Nimm einen Vorrat an Dauermedikation, Entwurmungsmitteln und Zeckenschutz mit, ebenso ein Erste-Hilfe-Set für Tiere.
Das tropische Klima bedeutet ganzjährigen Parasitendruck. Zecken, Flöhe, Sandflöhe und Herzwurm sind ein Dauerthema, und die Regenzeit bringt zusätzlich Haut- und Pilzprobleme. Prophylaxe ist kein Extra, sondern Grundversorgung. Bei Hitze gehören Spaziergänge in die frühen Morgen- und späten Abendstunden.
Hunde werden vielerorts als Wachtiere gehalten und leben draußen. Freilaufende Tiere sind normal, Leinenführung in der Stadt ist trotzdem ratsam. Halte alle medizinischen Unterlagen auf Französisch bereit, das erleichtert jeden Praxisbesuch. Eine kurze Übersicht über Vorerkrankungen, Allergien und Dauermedikation in französischer Sprache spart im Notfall wertvolle Minuten.
So bereitest du die Ausreise nach Conakry vor
Beginne drei Monate vorher mit Chipkontrolle und Tollwutimpfung, lass sofort danach den Titertest in Europa machen und trage das Ergebnis in den Heimtierausweis ein. Sechs Wochen vorher buchst du Flug und Box, wenige Tage vorher holst du das Gesundheitszeugnis samt Übersetzung. Halte das enge 72-Stunden-Fenster im Blick, es bestimmt den ganzen Kalender.
Wenn parallel Wohnsitz, Abmeldung und Steuerfragen zu klären sind, setz das früh an. Ein Beratungsgespräch vor dem Abflugtermin verhindert, dass sich Behördenfristen und Tiertransport gegenseitig im Weg stehen.





