Mit Hund oder Katze nach Armenien zu ziehen ist unkomplizierter, als viele erwarten. Die Einreise selbst verlangt keine Quarantäne und für ein oder zwei Tiere auch keine Importlizenz. Der Haken liegt woanders: Armenien steht nicht auf der EU-Liste der Länder, aus denen Heimtiere ohne Tollwut-Titertest zurückreisen dürfen. Wer das erst am Ende merkt, verliert drei Monate.
Was Armenien bei der Einreise verlangt
Zuständig ist die staatliche Lebensmittelsicherheitsbehörde, der State Food Safety Service der Republik Armenien. Sie kontrolliert Heimtiere bei der Ankunft, in der Regel am Flughafen Swartnoz in Jerewan.
Verlangt werden drei Nachweise. Erstens ein Mikrochip nach ISO 11784 oder ISO 11785, dessen Nummer auf allen Papieren steht. Zweitens eine gültige Tollwutimpfung: Sie muss mindestens 21 Tage vor der Einreise verabreicht worden und darf nicht älter als etwa elf Monate sein. Drittens eine tierärztliche Bescheinigung über den Gesundheitszustand, die in Armenien üblicherweise innerhalb von fünf Tagen vor der Reise ausgestellt sein muss und vom Amtstierarzt beglaubigt wird.
Auch hier gilt die Grundregel jeder Heimtierreise: erst der Chip, dann die Impfung. Eine Tollwutimpfung, die vor dem Setzen des Transponders erfolgt ist, lässt sich dem Tier nicht zweifelsfrei zuordnen und muss wiederholt werden, samt neuer Wartezeit von 21 Tagen. Eine Einfuhrgenehmigung des Landwirtschaftsressorts brauchst du erst, wenn du mehr als zwei Tiere mitbringst oder die Einfuhr kommerziellen Charakter hat.
Ein Detail, das viele stolpern lässt: Die armenische Bescheinigung hat ein kürzeres Zeitfenster als in vielen anderen Ländern. Fünf Tage sind knapp, wenn die amtliche Beglaubigung noch dazwischenliegt. Frage beim zuständigen Veterinäramt deshalb früh nach dem Termin und nach den Öffnungszeiten, und lege den Abflug nicht auf einen Montag nach einem langen Wochenende.
Eine Quarantäne sieht Armenien nicht vor, solange die Unterlagen vollständig sind. Fehlt ein Dokument, entscheidet die Grenzkontrolle im Einzelfall, und das kann bis zur Rückführung des Tieres auf deine Kosten gehen. Weitere Länderleitfäden zu diesem Thema findest du in unserer Übersicht Haustiere ins Ausland mitnehmen.
Der Rückweg in die EU braucht drei Monate Vorlauf
Armenien ist in Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2026/636 nicht gelistet. Für Hunde, Katzen und Frettchen aus Armenien gilt deshalb das Verfahren für nicht gelistete Drittländer, das seit dem 22. April 2026 in der Delegierten Verordnung (EU) 2026/131 geregelt ist.
Der Ablauf: Nach der gültigen Tollwutimpfung wird frühestens nach 30 Tagen Blut entnommen. Ein von der EU zugelassenes Labor bestimmt den Antikörpertiter, der bei mindestens 0,5 IE pro Milliliter liegen muss. Ab dem Tag der Blutentnahme läuft eine Wartezeit von drei Monaten, bevor das Tier in die EU einreisen darf. Dazu kommen eine Tiergesundheitsbescheinigung im EU-Format und eine schriftliche Erklärung, dass die Reise nicht kommerziell ist. Pro Person sind höchstens fünf Tiere zulässig.
Die gute Nachricht: Die Dreimonatsfrist entfällt vollständig, wenn der Titertest schon vor der Ausreise aus der EU gemacht, im EU-Heimtierausweis eingetragen und die Tollwutimpfung seither ohne Lücke aufgefrischt wurde. Genau deshalb gehört der Test an den Anfang deiner Planung und nicht ans Ende. Die aktuellen Anforderungen fasst das Auswärtige Amt in seinem Merkblatt zur Einreise mit Hunden, Katzen und Frettchen in die EU zusammen.
Armenien führt keine Liste verbotener Hunderassen für die Einfuhr. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Ländern wie Bahrain oder der Türkei, und es ist auch der Grund, warum du keine Rasselisten aus Großbritannien oder aus deutschen Bundesländern auf Armenien übertragen solltest. Maßgeblich ist allein, dass das Tier gesund, gechipt und geimpft ist.
Katzen laufen im identischen Verfahren wie Hunde. Frettchen gelten veterinärrechtlich ebenfalls als Heimtiere und brauchen dieselben Nachweise, sind in Armenien aber selten, weshalb du die Mitnahme vorab ankündigen solltest. Vögel, Reptilien und Kleinsäuger fallen aus dem Heimtierschema heraus und folgen eigenen Einfuhrregeln, bei geschützten Arten zusätzlich mit Nachweisen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
Anreise: Flug oder Landweg
Aus dem deutschsprachigen Raum erreichst du Jerewan meist mit einem Umstieg. Kleine Hunde und Katzen bis rund acht Kilogramm inklusive Box reisen bei vielen Airlines in der Kabine, ab etwa 60 bis 100 Euro pro Strecke. Größere Hunde gehen in den temperierten Frachtraum, für die Strecke sind 300 bis 900 Euro üblich. Kurznasige Rassen wie Mops oder Perserkatze nehmen die meisten Fluggesellschaften im Frachtraum gar nicht mit.
Der Landweg ist theoretisch über Georgien möglich, praktisch aber aufwendig, weil an jeder Grenze eigene Veterinärkontrollen greifen. Die Grenzen zu der Türkei und zu Aserbaidschan sind geschlossen, du solltest also nicht mit einer Durchreise planen. Für die meisten Umzüge ist der Flug die einzige realistische Option.
Die Transportbox muss dem IATA-Standard entsprechen und groß genug sein, damit das Tier aufrecht stehen, sich drehen und ausgestreckt liegen kann. Stelle sie mehrere Wochen vorher offen in die Wohnung und füttere darin, damit der Flugtag nicht der erste Boxentag wird.
Klima, Tierarzt und Alltag in Jerewan
Armenien hat ein ausgeprägtes Kontinentalklima. Im Sommer werden in Jerewan regelmäßig über 35 Grad erreicht, im Winter liegt die Stadt bei Frost und Schnee. Für nordeuropäische Hunde ist der Winter meist unproblematisch, der Sommer dagegen fordernd: heiße Gehwege, wenig Schatten und sehr trockene Luft. Verlege Spaziergänge in die frühen Morgen- und späten Abendstunden.
Die tierärztliche Versorgung konzentriert sich auf Jerewan, wo es mehrere gut ausgestattete Kleintierpraxen gibt. Außerhalb der Hauptstadt wird es schnell dünn, spezialisierte Diagnostik ist kaum verfügbar. Wenn dein Tier eine Dauermedikation braucht, kläre die Verfügbarkeit des Wirkstoffs vor dem Umzug und nimm einen Vorrat mit Rezept mit.
Im Alltag begegnest du in Armenien vielen Streunerhunden. Halte den Impfschutz aktuell, nutze ganzjährig Zecken- und Flohschutz und lass dich zur Leishmaniose- und Herzwurmprophylaxe beraten. In Wohnungen ist Hundehaltung verbreitet, aber nicht überall gern gesehen: Kläre sie schriftlich im Mietvertrag, bevor du unterschreibst.
Kosten und Zeitplan
- Mikrochip und Tollwutimpfung: rund 60 bis 120 Euro
- Tollwut-Titertest im zugelassenen Labor inklusive Blutentnahme: rund 65 bis 120 Euro
- Amtstierärztliche Bescheinigung mit Beglaubigung: rund 50 bis 150 Euro
- IATA-Transportbox: rund 60 bis 350 Euro
- Flug in Kabine oder Frachtraum: rund 60 bis 900 Euro je nach Größe
Vier bis fünf Monate Vorlauf sind ideal, wenn du den Titertest gleich mitmachst. Ohne Titertest kommst du zwar in zwei bis drei Wochen nach Jerewan, hängst aber bei einer kurzfristigen Rückkehr drei Monate fest.
Rechne zusätzlich mit laufenden Kosten vor Ort. Eine Routineuntersuchung mit Impfung kostet in Jerewan meist deutlich weniger als in Deutschland, spezialisierte Diagnostik dagegen ist entweder teuer oder nur im Ausland verfügbar. Eine Auslandstierkrankenversicherung, die auch außerhalb der EU zahlt, ist deshalb keine schlechte Idee, wenn dein Tier älter ist oder eine chronische Erkrankung hat.
Ein zweiter Kostenfaktor wird gern übersehen: die Auffrischung der Tollwutimpfung im Ausland. Sie muss von einem in Armenien zugelassenen Tierarzt dokumentiert werden und darf nie einen einzigen Tag zu spät erfolgen, sonst verliert dein früher gemachter Titertest seine Anschlusswirkung und die Dreimonatsfrist lebt wieder auf. Trage den Termin sofort nach der Ankunft in den Kalender ein.
Der realistische Zeitplan für Jerewan
Setze zuerst den Chip und impfe gegen Tollwut. Warte 30 Tage, lass Blut abnehmen und den Titer bestimmen, und trage das Ergebnis in den EU-Heimtierausweis ein. Ab diesem Moment ist der Rückweg dauerhaft offen, solange du die Impfung nie ablaufen lässt. Erst danach buchst du den Flug, und in den letzten fünf Tagen vor Abreise holst du die tierärztliche Bescheinigung samt amtlicher Beglaubigung.
Wenn du längerfristig nach Armenien gehst, sind Wohnsitzabmeldung, Steuerstatus und Krankenversicherung genauso planungsbedürftig wie die Tierpapiere. Ein Beratungsgespräch im Vorfeld verhindert, dass am Ende alles gleichzeitig drängt.







