Die Kontoeröffnung in Peru war jahrelang eine simple Angelegenheit mit einer harten Voraussetzung: ohne Carné de Extranjería kein Konto. Seit Juni 2025 gilt das so nicht mehr. Die Finanzaufsicht hat die Ausweisregeln für Basiskonten geöffnet, und damit ist die wichtigste Hürde für Neuankömmlinge gefallen. Was geblieben ist, sind Adressnachweis, Herkunftsnachweis und die Frage, wie du dein Geld später wieder aus dem Land bekommst.

Wohnsitzkonto und Auslandskonto trennen

Ein Konto in einem Land, in dem du nicht wohnst, ist ein Strukturinstrument: aus der Ferne eröffnet, auf Nichtansässigkeit ausgelegt, mit den Fragen im Hintergrund, ob dein Guthaben im europäischen Bankenregister und damit in Reichweite der Abwicklungsmechanik liegt und wie viele Meldewege deine Konten erzeugen. Diese Perspektive bedient unsere Netzwerkseite FreedomBanking Plus über rund 31 Jurisdiktionen.

Hier geht es um das Konto in deinem neuen Wohnsitzland. Du wohnst in Lima, Arequipa oder Cusco, und du brauchst ein Konto für Miete, Strom, Handyvertrag und Kartenzahlung. In Peru kommt eine Besonderheit hinzu: Das Land ist stark dollarisiert. Ein Konto in US-Dollar neben dem Solkonto ist hier kein Sonderwunsch, sondern der Normalfall, weil Mieten im gehobenen Segment, Immobilienkäufe und größere Anschaffungen häufig in Dollar kalkuliert werden. Beantrage beides gleich beim ersten Termin.

Carné de Extranjería und was sich 2025 geändert hat

Der klassische Weg beginnt bei der Superintendencia Nacional de Migraciones. Ist deine Aufenthaltskategorie bewilligt, bekommst du den Carné de Extranjería mit einer eigenen Nummer. Dieser Ausweis war lange der Schlüssel zu allem: Konto, Mobilfunkvertrag, Krankenversicherung, formelle Anstellung. Genau daraus entstand das Henne-Ei-Problem, denn das Aufenthaltsverfahren dauert und verlangt seinerseits Nachweise über Mittel und Wohnsitz.

Diese Klemme hat die Aufsicht entschärft. Mit der Resolution 00908-2025 hat die Superintendencia de Banca, Seguros y AFP die Vorschriften über Basiskonten und E-Geld-Konten in Sachen Identifizierung geändert. Ausländer können seither auch mit Reisepass oder einem anderen von den zuständigen Stellen anerkannten Ausweisdokument identifiziert werden und nicht mehr nur mit dem Carné. Die Institute gleichen die Angaben mit RENIEC, Migraciones und dem Außenministerium ab. Die Regelung ist am 16. Juni 2025 in Kraft getreten, wie das Amtsblatt El Peruano berichtet. Für dich heißt das: Ein Basiskonto ist früher erreichbar als früher, ein vollwertiges Konto mit Kreditlinie und Kreditkarte weiterhin erst mit Carné und Einkommenshistorie.

  • Reisepass, dazu Carné de Extranjería, sobald vorhanden

  • Adressnachweis in Peru: Mietvertrag oder eine Versorgerrechnung, in Peru Recibo de servicios genannt

  • Einkommensnachweis: Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen, Rentenbescheid oder Nachweise über Auslandseinkünfte

  • RUC-Nummer der Steuerverwaltung SUNAT, wenn du selbstständig tätig bist

  • Herkunftsnachweis der Mittel bei größeren Ersteinzahlungen

  • peruanische Mobilnummer, zwingend als Mobilnummer und nicht als Festnetz

  • Selbstauskunft zur steuerlichen Ansässigkeit

Der Punkt mit der Mobilnummer wird gern unterschätzt. Eine Person schreibt im Thread Can I open a Peruvian bank account? vom Juni 2024, sinngemäß übersetzt: „Es muss eine Mobilnummer sein, weil sie für die Zwei-Faktor-Bestätigung genutzt wird. Sonst kommst du online nicht an dein Konto. Ich weiß das aus eigener Erfahrung." Besorg die SIM-Karte also vor dem Banktermin.

Die Banken und ihre Besitzverhältnisse

  • Banco de Crédito del Perú: das größte Institut des Landes, Teil der Credicorp-Gruppe, mit dem dichtesten Filial- und Automatennetz. Die Bezahl-App Yape gehört ebenfalls dazu und ist im Alltag praktisch überall akzeptiert.

  • Interbank: die zweite große Adresse für Privatkunden, in Foren wegen der Onlineeröffnung beliebt. Die Website blockt Zugriffe aus Europa, das Zertifikat ist aber sauber auf Banco Internacional del Perú ausgestellt. Zur Bank gehört ein Ereignis, das du kennen solltest, dazu gleich mehr.

  • BBVA Perú: spanische Mutter, für Zugezogene mit europäischem BBVA-Bezug bequem. Auch hier blockt die Website Zugriffe aus Europa, das Zertifikat weist die Domain der BBVA-Gruppe zu.

  • Scotiabank Perú: kanadische Mutter, im Großraum Lima stark vertreten.

  • BanBif: die fünftgrößte Bank des Landes. Hier lohnt Genauigkeit, weil im Netz falsche Eigentumsangaben kursieren. Nach dem Ratingbericht vom 27. März 2026 gehört BanBif weiterhin zur spanischen Fierro-Gruppe über die Aktionäre Landy S.A. und Britton S.A.; am 20. März 2026 teilte die Bank mit, dass die Mehrheitsaktionäre den Anteil der International Finance Corporation von 12,67 Prozent übernehmen. Wer irgendwo liest, die Bank sei Ende 2024 von einem peruanischen Wettbewerber gekauft worden, liest etwas, das der aktuelle Bericht nicht hergibt.

  • Mibanco: auf Kleinstunternehmen und Selbstständige spezialisiert, ebenfalls Credicorp.

  • Banco de la Nación: die Staatsbank, in kleinen Orten oft die einzige Filiale, für Privatkunden aber eingeschränkt.

Sol, Dollar und der Weg des Geldes

Der Sol ist frei konvertierbar, es gibt keine Devisenkontrolle, und Überweisungen aus Europa laufen ohne Genehmigungsverfahren ein. Wechselstuben, in Peru Casas de cambio, sind legal und im Alltag Standard. Auf Gutschriften und Belastungen von Konten fällt eine kleine Finanztransaktionssteuer an, die bei häufigen Bewegungen spürbar wird, im Einzelfall aber gering ist.

Der Rückweg größerer Beträge ist weniger dramatisch als in vielen Nachbarländern, verlangt aber Vorbereitung. Im Thread How to repatriate relatively large amount of soles to France in Euros auf Expat.com schildert jemand den Verkauf eines Grundstücks in Cajamarca und fragt, wie sich rund 250.000 Sol nach Frankreich bringen lassen. Die Antwort einer anderen Person lautet sinngemäß übersetzt: „Warum überweist du nicht einfach? Das sind rund 85.000, das dürfte in Peru keine Probleme auslösen." Das ist eine Einzelmeinung, und sie unterschlägt die Nachweisseite. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern die Dokumentation: notarieller Kaufvertrag, Steuerzahlung an SUNAT, Kontoauszug über den Zufluss. Wer das komplett hat, überweist. Wer es nicht hat, wartet.

Aufsicht, Geldwäscheprüfung und Perus Standing

Zulassung und Aufsicht liegen bei der Superintendencia de Banca, Seguros y AFP, in der auch die Finanzermittlungseinheit UIF-Perú angesiedelt ist. Die Geldpolitik verantwortet die Banco Central de Reserva del Perú, die Steuerseite die SUNAT. Peru steht weder auf der grauen noch auf der schwarzen Liste der FATF, auch nicht nach dem Plenum vom Juni 2026. Eine Überweisung nach Peru löst bei deutschen Banken also keine Länderprüfung aus.

Was du dagegen einplanen solltest, ist die verstärkte Sorgfaltsprüfung bei Neukunden ohne peruanische Historie und ein Thema, das in Peru schwerer wiegt als anderswo: Datensicherheit. Interbank bestätigte am 30. Oktober 2024 einen Datenabfluss, nachdem ein Angreifer nach gescheiterter Erpressung Kundendaten veröffentlicht hatte. Die Reaktion in den Foren war entsprechend. Eine Person empfiehlt im Thread La brecha de información de Interbank es real vom selben Tag, sinngemäß übersetzt: „Ändere die Passwörter aller Bankkonten und Dienste, die dieselben Zugangsdaten nutzen, und aktiviere überall die Zwei-Faktor-Bestätigung." Das ist keine Warnung vor der Bank an sich, sondern ein Argument dafür, in Peru von Anfang an mit getrennten Passwörtern, Kartenlimits und aktivierten Benachrichtigungen zu arbeiten.

Was Peru nach Deutschland meldet

Peru steht in der finalen Staatenaustauschliste des Bundesfinanzministeriums vom 8. Juni 2026 unter Nummer 85. Zum 30. September 2026 werden also Finanzkontendaten für den Meldezeitraum 2025 zwischen Peru und Deutschland ausgetauscht. Ein peruanisches Konto ist gegenüber dem deutschen Fiskus vollständig sichtbar, und solange du in Deutschland steuerpflichtig bist, gehören Konto und Erträge in die Erklärung. Die steuerlichen Eckdaten stehen im Steueratlas zu Peru, Kryptowerte behandelt Krypto-Steuern in Peru.

Deine ersten Wochen in Peru

  • Vor der Abreise: Geburtsurkunde und Führungszeugnis mit Apostille besorgen, Einkommensnachweise und Kontoauszüge über sechs Monate bereitlegen, beglaubigt übersetzen lassen.

  • Woche 1: Unterkunft sichern, Mietvertrag auf deinen Namen ausstellen lassen, peruanische SIM-Karte holen.

  • Woche 1 bis 2: Basiskonto eröffnen, seit Juni 2025 auch ohne Carné möglich, und die Bezahl-App einrichten.

  • Parallel: Aufenthaltsverfahren bei Migraciones betreiben und den Carné de Extranjería beantragen.

  • Nach Erhalt des Carné: zurück in die Filiale, Kontoart hochstufen, Sol- und Dollarkonto zusammenführen, Karte und Onlinebanking freischalten.

  • Wenn du selbstständig arbeitest: RUC bei SUNAT beantragen und die Rechnungsstellung sauber aufsetzen.

Realistisch bist du zwei bis acht Wochen nach Ankunft handlungsfähig, wobei das Basiskonto schnell geht und der Rest am Aufenthaltsverfahren hängt. Spanisch ist im Bankgespräch faktisch Pflicht. Wer noch zwischen Zielen schwankt, findet die Unterschiede im Vergleich Chile oder Peru, die Schattenseiten in Nachteile beim Auswandern nach Peru.

Ablehnungen, ruhende Konten und Alltagsrisiken

Abgelehnt wird in Peru vor allem, wer keinen belastbaren Adressnachweis hat. Der Recibo de servicios lautet in Mietwohnungen fast immer auf den Vermieter, und manche Filialen akzeptieren das nicht ohne Zusatzerklärung. Lass dir deshalb vom Vermieter eine schriftliche Wohnbestätigung geben und bring den Mietvertrag im Original mit.

Nach der Eröffnung gilt: Konten ohne Bewegung werden nach längerer Zeit als ruhend geführt und nur persönlich reaktiviert. Kartenlimits für Zahlungen im Ausland sind standardmäßig niedrig und müssen aktiv angehoben werden. Und plane den Rückweg deines Geldes, bevor du ihn brauchst: Heb jeden Beleg über eingehende Auslandsüberweisungen auf, denn beim Rücktransfer fragt die Bank nach der Herkunft. Wer größere Beträge hält, prüft zusätzlich, welcher Anteil überhaupt in Peru liegen sollte; die Systematik dazu beschreibt Asset Protection Plus.

Was du aus Peru mitnehmen solltest

Peru ist 2026 zugänglicher als noch vor zwei Jahren, weil die Aufsicht die Ausweisregeln für Basiskonten geöffnet hat. Nutze das: Eröffne früh ein Basiskonto, richte die Bezahl-App ein, betreib das Aufenthaltsverfahren parallel und stufe das Konto hoch, sobald der Carné da ist. Beantrage Sol- und Dollarkonto gemeinsam, sichere dir vorher eine peruanische Mobilnummer und dokumentiere jeden Zufluss aus Europa. Und prüf Angaben zu Eigentümern und Konditionen immer am aktuellen Stand: Bei BanBif kursieren im Netz Eigentumsangaben, die der Ratingbericht vom März 2026 nicht bestätigt. Wie Wegzugsbesteuerung, Ansässigkeit und der richtige Zeitpunkt der Abmeldung zusammenspielen, klärst du im Beratungsgespräch zum Wegzug.