Die Sicherheitslage in Kuba hat sich in den letzten beiden Jahren grundlegend verändert, und zwar nicht wegen der Kriminalität allein. Das Auswärtige Amt formuliert in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Kuba unmissverständlich: Von Reisen nach Kuba wird derzeit dringend abgeraten. Wer über einen dauerhaften Aufenthalt nachdenkt, muss von dieser Einschätzung aus rechnen, nicht von der Karibikromantik alter Reiseführer.
Ältere Darstellungen, nach denen Kuba zu den sichersten Ländern der Region gehört, sind überholt. Nicht weil das Land plötzlich gewalttätig geworden wäre, sondern weil die Infrastruktur, von der persönliche Sicherheit abhängt, weitgehend zusammengebrochen ist.
Die Energiekrise ist das Kernrisiko
Kubas Stromnetz ist marode und störanfällig, gleichzeitig bleiben Öl- und Treibstofflieferungen aus. Geplante Abschaltungen von bis zu 20 Stunden täglich sind die Regel, auch in Havanna. Zwischen dem 6. und 14. Juli 2026 kam es zu drei ungeplanten, inselweiten Blackouts; die Wiederanbindung aller Provinzen dauerte jeweils rund anderthalb Tage.
Was daran hängt, betrifft dich jeden Tag: Leitungswasser wird nur eingeschränkt gefördert, Ampeln und Straßenbeleuchtung fallen aus, Geldautomaten und Kommunikationssysteme sind gestört, Nahverkehr steht still. Die Lebensmittelversorgung ist auch in Devisenläden begrenzt. Vereinzelte Protestaktionen der Bevölkerung sind die Folge.
Zwei Punkte sind für Langzeitaufenthalte besonders unangenehm. Erstens sind Zahlungen mit Visa oder Mastercard seit dem 6. Juni 2026 in Kuba nicht mehr möglich. Du brauchst ausreichend Bargeld in konvertierbarer Währung. Zweitens können Flugzeuge aus dem Ausland seit Anfang Februar 2026 in Kuba nicht mehr betankt werden. Viele Airlines haben den Betrieb reduziert oder ausgesetzt, direkte Ausreisemöglichkeiten nach Europa mit Tankstopp bieten nur noch wenige Anbieter.
Wer plant, jederzeit kurzfristig ausreisen zu können, sollte diese Annahme streichen, denn sie trägt derzeit nicht.
Kriminalität: steigend, mit neuem Muster
Das Auswärtige Amt stellt fest, dass die Kriminalitätsrate in Kuba steigt. Reisende und Residenten werden Opfer von Eigentumsdelikten und Körperverletzungen, in seltenen Fällen von Gewaltverbrechen. Alleinreisende Frauen berichten von Sexualdelikten bis hin zu Vergewaltigungsversuchen.
Auffällig ist die Verbindung zur Energiekrise: In der Altstadt von Havanna häufen sich Diebstähle und Raubüberfälle in unbeleuchteten Straßen während der Stromausfälle, teils unter Waffeneinsatz. Die Beschaffungskriminalität steigt, oft begangen durch Minderjährige. An den Playas del Este sowie an Stränden bei Trinidad und Cienfuegos verschwinden Taschen. Wegen der Treibstoffknappheit werden Fahrzeugtanks angebohrt.
Wenn du Opfer wirst
Die Anzeige bei der kubanischen Polizei kann lange dauern, gelegentlich weigern sich Behörden, die Anzeige eines Ausländers überhaupt aufzunehmen. Außerhalb der Touristenzentren ist das Personal meist nur spanischsprachig. Besonders heikel: Wer ohne Ausweis oder Geldmittel angetroffen wird, kann von der Einreisebehörde für mehrere Tage in einer kostenpflichtigen Unterkunft festgesetzt werden, bis Status und Finanzierung geklärt sind. Das gilt selbst dann, wenn du gerade ausgeraubt wurdest. Führe deshalb immer eine Passkopie mit.
Politisches Umfeld
Kuba ist ein sozialistischer Einparteienstaat, Meinungs- und Pressefreiheit sind nicht gewährleistet. Die Terrorgefahr stuft das Auswärtige Amt als sehr niedrig ein, das politische Risiko liegt woanders: bei dir und deinem Verhalten. Vermeide politische Diskussionen, besonders zur jüngeren kubanischen Vergangenheit und zum Verhältnis zu den USA. Fotografiere keine Menschenansammlungen, keine militärischen Anlagen, keine Polizisten oder sonstigen Uniformierten. Demonstrationen meidest du.
Medizinische Versorgung: der harte Bruch mit dem alten Kuba-Bild
Kuba galt jahrzehntelang für seine Medizin. Diese Zeit ist vorbei. Wegen großer Engpässe bei Medikamenten und medizinischem Material sowie wegen der Energiekrise kann laut Auswärtigem Amt nicht davon ausgegangen werden, im Notfall überhaupt eine Versorgung zu erhalten. Ein verlässliches Rettungssystem existiert nicht: Weder sind Alarmierungszeiten wie in Europa zu erwarten, noch ist qualifiziertes Personal an Bord der Rettungsfahrzeuge garantiert.
Rücktransporte nach Deutschland sind derzeit nicht sichergestellt. Kubanische Stellen akzeptieren nicht alle Anbieter von Krankenrücktransporten; ohne gültige Vereinbarung erteilt die zuständige Stelle Rettungs- und Transportflügen in der Regel keine Landegenehmigung. Kläre das vor der Ausreise schriftlich mit deiner Versicherung, nicht danach.
Praktisch heißt das: großzügige eigene Reiseapotheke, hitzegeschützt gelagert, inklusive Verbandsmaterial. Wer chronisch krank ist oder auf regelmäßige Medikation angewiesen ist, sollte einen Langzeitaufenthalt in Kuba sehr kritisch prüfen.
Notrufnummern
- Polizei: 106
- Rettungsdienst: 104
- Feuerwehr: 105
- Deutsche Botschaft Havanna mit Notfallkontakt: havanna.diplo.de
Trage dich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts ein und halte die Daten aktuell. Bei einem inselweiten Blackout ist das oft der einzige Weg, auf dem dich die Botschaft erreicht.
Aufenthalt, Eigentum und Rechtslage
Die Einreise zu touristischen Zwecken für bis zu 90 Tage ist nur mit Visum möglich, das ausschließlich online über das Portal eVisaCuba beantragt wird. Eine Verlängerung um weitere 90 Tage ist grundsätzlich möglich, liegt aber im Ermessen der Behörden. Für längere oder nicht touristische Aufenthalte brauchst du zwingend ein Visum der kubanischen Auslandsvertretung im Wohnsitzland, teils mit Einladungsschreiben und mehrwöchiger Bearbeitungszeit.
Beim Thema Immobilien wird es gefährlich. Der Erwerb von Eigentum ist für Ausländer mit Touristenstatus nicht möglich, und das gilt ausdrücklich auch für den Kauf über kubanische Mittler oder Familienangehörige. Verstöße werden von den Behörden teils mit langen Haftstrafen geahndet. Wer über eine Strohmannkonstruktion nachdenkt, riskiert weit mehr als sein Geld.
Auch das Drogenrecht ist drastisch: Bereits der Besitz geringer Mengen wird bei Ausländern als Schmuggel gewertet, das Strafmaß reicht von vier bis 30 Jahren Haft, in besonders schweren Fällen bis zur Todesstrafe. Politische Betätigung ist Ausländern nicht gestattet. Wirtschaftliche Aktivitäten unterliegen einer Vielzahl von Regulierungen.
Krankenversicherung ist Einreisevoraussetzung
Bei der Einreise musst du einen für Kuba gültigen Krankenversicherungsschutz für die gesamte Aufenthaltsdauer nachweisen. Ohne gültige Auslandskrankenversicherung oder Vorauszahlung per Kreditkarte wird in Ausländerkliniken keine Behandlung vorgenommen. Die Kosten können die in Deutschland üblichen übersteigen. In normalen Krankenhäusern ist eine adäquate Behandlung schwerer Fälle meist nicht gewährleistet.
Verkehr und Mobilität sind faktisch eingeschränkt
Der Regionalverkehr mit Überlandbussen ist auf ein Minimum reduziert und wird absehbar eingestellt. Tankstellen sind im Notbetrieb, öffnen vielfach gar nicht mehr und werden teilweise durch die Militärpolizei gesichert. Die Abgabe wurde auf 20 Liter pro Tankvorgang beschränkt, teils nur gegen US-Dollar. Überlandfahrten im eigenen Fahrzeug oder im Mietwagen sind wegen der Treibstoffknappheit derzeit nicht durchführbar.
Im Straßenverkehr besteht ohnehin eine erhöhte Unfallgefahr durch schlechten Straßenzustand, fehlende Beleuchtung, Tiere auf der Fahrbahn und technisch mangelhafte Fahrzeuge. In Kombination mit fehlender Notfallmedizin ergibt das ein Risiko, das du nicht durch Vorsicht allein auffangen kannst.
Was du praktisch vorbereiten musst
- Bargeldreserve in Euro oder US-Dollar, verteilt aufbewahrt, weil Karten nicht mehr funktionieren
- Notreserve Treibstoff, Wasser und haltbare Lebensmittel für mehrtägige Ausfälle
- Taschenlampe und Powerbank griffbereit, weil sich die Lage bei Stromausfall schlagartig ändert
- Fahrzeug nur auf bewachten Flächen abstellen, wegen Treibstoffdiebstahl durch Anbohren
- Passkopie am Körper, Originaldokumente sicher verwahrt
Wohnen und Alltag unter Dauerstrom-Mangel
Wer dauerhaft auf Kuba lebt, organisiert seinen Tag um die Abschaltpläne herum. Kochen, Wäsche, Arbeit am Rechner und Kühlung von Lebensmitteln müssen in die Fenster passen, in denen Strom fließt. Ein Generator, ein Solarpanel mit Batteriespeicher oder zumindest eine große Powerbank sind für viele Zugezogene inzwischen Standardausstattung, ebenso ein Wassertank auf dem Dach mit manueller Befüllung.
Die Wohnortwahl folgt anderen Kriterien als in Europa. Entscheidend sind Nähe zu einer Ausländerklinik, eine Straße mit Restbeleuchtung, ein Haus im Erdgeschoss oder mit funktionierendem Treppenhaus und ein Nachbarschaftsumfeld, das im Blackout zusammenhält. Havannas Altstadt ist touristisch reizvoll, aber laut Auswärtigem Amt genau dort ein Schwerpunkt für Diebstähle und Raubüberfälle in unbeleuchteten Straßen.
Rechne außerdem damit, dass Kommunikation ausfällt. Mobilfunkmasten laufen bei längeren Abschaltungen nur begrenzt, Internet ist ohnehin teuer und gedrosselt. Wer beruflich auf Erreichbarkeit angewiesen ist, braucht ein Ausweichkonzept und sollte Angehörigen in Europa vorab erklären, dass tagelanges Schweigen kein Alarmsignal sein muss.
Dein realistischer Blick auf Kuba
Kuba ist derzeit kein Land für einen entspannten Ruhestandswohnsitz und kein Ort, an dem du dich auf Infrastruktur verlassen kannst. Die Gewaltkriminalität liegt weiterhin unter dem karibischen Durchschnitt, aber Versorgungssicherheit, medizinische Notfallhilfe und Ausreisefähigkeit sind die eigentlichen Risiken. Solange das Auswärtige Amt dringend abrät, ist eine dauerhafte Verlagerung deines Lebensmittelpunkts schwer zu begründen.
Wenn du dennoch gebunden bist, etwa durch Familie oder Immobilienbesitz, plane in Szenarien: Wie kommst du bei einem mehrtägigen Blackout an Wasser, wie bei einem medizinischen Notfall aus dem Land, wie ohne funktionierende Kartenzahlung an Bargeld. Für die steuerliche Seite deines Wegzugs, etwa Wohnsitzaufgabe und Doppelbesteuerung, kannst du ein Beratungsgespräch zum Wegzug nutzen und die Struktur sauber aufsetzen.





