Auswandern nach Tahiti oder Bora Bora klingt nach derselben Entscheidung und ist in Wahrheit keine. Tahiti ist die Hauptinsel von Französisch-Polynesien mit rund 190.000 Einwohnern, der Hauptstadt Papeete, dem einzigen internationalen Flughafen und der gesamten Verwaltung des Gebiets. Bora Bora ist eine Insel von etwa 30 Quadratkilometern mit rund 10.000 Einwohnern und einer Wirtschaft, die fast ausschließlich aus Luxushotellerie besteht. Dieser Vergleich zeigt dir 2026, was daraus für einen echten Lebensmittelpunkt folgt.

Rechtlicher Status: kein EU-Gebiet

Der erste Irrtum betrifft die Einordnung. Französisch-Polynesien gehört zu Frankreich, ist aber eine Überseegemeinschaft mit weitgehender Eigenverwaltung und weder Teil der Europäischen Union noch des Schengen-Raums. Die Freizügigkeit, die du innerhalb der EU gewohnt bist, gilt hier nicht automatisch in derselben Form.

Für Staatsangehörige eines EU-Landes gilt nach den Angaben der französischen Staatsdienste in Polynesien: Die Einreise ist mit gültigem Reisepass ohne Visum möglich. Ein Aufenthalt über drei Monate ist zulässig, sofern du ausreichende Mittel sowie eine Kranken- und Mutterschaftsversicherung nachweist. Innerhalb von drei Monaten nach Ankunft musst du dich bei der Mairie deiner Wohngemeinde registrieren. Ein Aufenthaltstitel ist nicht zwingend, kann aber beim Haut-Commissariat de la République beantragt werden. Wer eine abhängige Beschäftigung aufnehmen will, braucht eine Arbeitserlaubnis der Regierung von Französisch-Polynesien. Die Details stehen bei den Services de l'État en Polynésie française.

Tahiti oder Bora Bora: zwei völlig verschiedene Inseln

Tahiti hat alles, was ein Alltag braucht: Supermärkte, Universität, Verwaltung, Baumärkte, Werkstätten, das Zentralkrankenhaus in Pirae und den Flughafen Faa'a mit den Langstreckenverbindungen. Papeete ist laut, im Berufsverkehr verstopft und deutlich weniger idyllisch als das Bild in der Reisebroschüre, aber es funktioniert.

Bora Bora funktioniert als Urlaubsziel und nur eingeschränkt als Wohnort. Die Insel hat einen kleinen Regionalflughafen, eine medizinische Grundversorgung und eine sehr begrenzte Zahl an Wohnungen, weil Flächen und Kapital in Hotels gebunden sind. Wer dort dauerhaft leben will, arbeitet in aller Regel in einem Resort oder bringt sein Einkommen mit. Jeder ernstere medizinische Fall bedeutet einen Flug nach Papeete.

Was das Leben wirklich kostet

Französisch-Polynesien liegt im Preisniveau deutlich über Westeuropa, in vielen Kategorien um 30 bis 50 Prozent. Der Grund ist einfach: Fast alles wird per Schiff aus Frankreich, den USA oder Neuseeland eingeführt und mit Einfuhrabgaben belegt. Richtwerte für Papeete und Umgebung:

  • Einzimmerwohnung im Zentrum: rund 1.000 Euro, außerhalb etwa 780 Euro
  • Dreizimmerwohnung: rund 2.500 Euro zentral, etwa 2.100 Euro außerhalb
  • Nebenkosten für eine Wohnung von 85 Quadratmetern: rund 180 Euro im Monat
  • Bora Bora: nochmals deutlich darüber, weil Angebot und Konkurrenz zur Hotellerie fehlen

Für ein Paar sind 3.000 bis 4.500 Euro monatlich ein realistischer Ansatz, sobald Miete, Auto, Versicherung und gelegentliche Flüge nach Europa eingerechnet sind. Statistische Reihen zu Preisen, Bevölkerung und Wirtschaft veröffentlicht das Institut de la statistique de la Polynésie française.

Ein Wort zum Klima: Französisch-Polynesien liegt in den Tropen mit einer feuchtwarmen Phase von November bis April und einer trockeneren, angenehmeren Phase von Mai bis Oktober. Zyklone sind selten, aber nicht ausgeschlossen, und die Feuchtigkeit setzt Elektronik, Metall und Holz stärker zu, als Mitteleuropäer erwarten. Wer ein Haus plant, denkt Belüftung, Materialwahl und Feuchtigkeitsschutz von Anfang an mit.

Steuern: der oft missverstandene Vorteil

Französisch-Polynesien erhebt keine klassische Einkommensteuer nach französischem Muster, sondern finanziert sich über eigene Abgaben, darunter eine Solidaritätsabgabe auf Erwerbs- und Ruhestandsbezüge sowie eine Mehrwertsteuer und hohe Einfuhrabgaben. Genau deshalb ist der Vorteil kleiner, als er auf den ersten Blick wirkt: Was du bei der direkten Steuer sparst, zahlst du zu einem erheblichen Teil im Supermarkt und beim Autokauf wieder. Die vollständige Struktur findest du bei Steueratlas zu Französisch-Polynesien und in der Übersicht zu Tahiti auf wohnsitzausland.com.

Für den Wegzug aus dem deutschsprachigen Raum kommt eine Besonderheit hinzu: Das Gebiet ist abkommensrechtlich nicht wie das französische Mutterland zu behandeln. Wer hier plant, klärt die Anknüpfungspunkte vorher, nicht im Nachhinein. Ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Tahiti ist dafür der sinnvolle erste Schritt.

Reisen zwischen den Inseln

Französisch-Polynesien besteht aus 118 Inseln, verteilt über eine Fläche so groß wie Westeuropa. Zwischen Tahiti und Bora Bora liegen rund 260 Kilometer, überbrückt durch Inlandsflüge, die mehrmals täglich verkehren und pro Strecke deutlich teurer sind als vergleichbare Kurzstrecken in Europa. Frachtschiffe versorgen die äußeren Archipele in festen Rhythmen, weshalb Lieferzeiten für Baumaterial, Möbel oder Ersatzteile in Wochen gerechnet werden, nicht in Tagen.

Für die Planung heißt das: Wer auf Bora Bora wohnt und regelmäßig Termine auf Tahiti hat, kalkuliert Flüge als festen Monatsposten. Wer auf Tahiti wohnt, erreicht Moorea per Fähre in gut 30 Minuten und hat damit die Kombination aus Infrastruktur und Ruhe, die viele eigentlich suchen, wenn sie Bora Bora sagen.

Immobilien und Landrecht

Der Immobilienerwerb ist für Ausländer möglich, aber juristisch anspruchsvoll. Ein erheblicher Teil des Grundbesitzes in Französisch-Polynesien befindet sich in ungeteilten Erbengemeinschaften, im französischen Recht als indivision bezeichnet. Solche Grundstücke haben oft dutzende Miteigentümer über mehrere Generationen, und ein Verkauf setzt deren Zustimmung voraus. Ohne saubere Titelprüfung durch einen ortskundigen Notar kaufst du ein Prozessrisiko, kein Grundstück.

Auf Bora Bora kommt eine faktische Verknappung hinzu: Die attraktiven Lagen sind weitgehend in Hotelhand, und die Gemeinde steuert die Bebauung eng. Wer dort wohnt, mietet meist. Auf Tahiti und den Nachbarinseln Moorea und Raiatea ist der Markt breiter, die Preise auf Moorea aber ebenfalls hoch.

Schule, Familie und Gemeinschaft

Das Schulsystem folgt dem französischen Lehrplan, unterrichtet wird auf Französisch, teils ergänzt um Tahitianisch. Auf Tahiti findest du Grundschulen, weiterführende Schulen und die Université de la Polynésie française in Punaauia, was für Familien mit älteren Kindern ein echtes Argument ist. Auf Bora Bora endet die schulische Laufbahn früher, weiterführende Abschlüsse bedeuten in der Regel einen Umzug oder ein Internat auf Tahiti.

Die deutschsprachige Gemeinschaft in Französisch-Polynesien ist sehr klein. Wer Anschluss sucht, findet ihn eher über französische Netzwerke, Vereine, Sport oder die Kirchengemeinden, die im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle spielen. Ohne Französisch bleibst du dauerhaft außen vor, das gilt auf beiden Inseln gleichermaßen.

Arbeit, Gesundheit und Alltag

Der Arbeitsmarkt ist klein und stark auf Tourismus, Verwaltung, Bau, Fischerei und Perlenzucht konzentriert. Französisch ist Arbeitssprache, Tahitianisch prägt den Alltag, und ohne solides Französisch bleibt vieles verschlossen. Für ortsunabhängiges Arbeiten ist die Zeitzone der kritische Punkt: Zwischen Papeete und Mitteleuropa liegen elf bis zwölf Stunden Zeitverschiebung, was Termine mit europäischen Kunden praktisch in die Nacht verlegt.

Medizinisch bündelt Tahiti die Versorgung im Zentralkrankenhaus bei Papeete, ergänzt um niedergelassene Ärzte und Fachpraxen. Auf den anderen Inseln gibt es Gesundheitszentren mit Grundversorgung; alles Komplexere wird nach Tahiti oder bei Bedarf nach Neuseeland oder Frankreich verlegt. Eine internationale Krankenversicherung mit Evakuierungsdeckung gehört deshalb zur Grundausstattung. Aktuelle Landesinformationen führt das Auswärtige Amt zu Frankreich.

Zum Alltag gehört auch die Entfernung. Papeete liegt rund 15.000 Kilometer von Mitteleuropa entfernt, die Reise dauert mit Umstieg in Los Angeles, San Francisco, Tokio oder Paris meist deutlich über 24 Stunden. Für Familien mit Bindungen nach Europa ist das der Faktor, der am häufigsten unterschätzt wird und am seltensten kleiner wird.

Südsee mit offenen Augen planen

Tahiti ist die einzige der beiden Inseln, die einen vollständigen Alltag trägt: Arbeit, Verwaltung, medizinische Versorgung, Schulen, Verbindungen. Bora Bora ist ein Ort für einen konkreten Job in der Hotellerie oder für Menschen mit gesichertem Einkommen, die bewusst auf Infrastruktur verzichten und die Nähe zur Versorgung auf Tahiti einplanen.

Wer die Südsee ernsthaft erwägt, sollte drei Dinge vor dem Umzug klären: den Aufenthaltsstatus samt Registrierung bei der Mairie, die steuerliche Anknüpfung im Herkunftsland und ein Budget, das die tatsächlichen Importpreise abbildet. Wenn du Inselleben grundsätzlich vergleichen willst, liefert der Vergleich Malediven oder Seychellen die Gegenprobe im Indischen Ozean.