Mit Kindern nach Malta auswandern heißt: 300 Sonnentage, englischsprachiger Alltag und ein EU-Mitgliedstaat, in dem du als Deutscher ohne Visum leben und arbeiten darfst. Die kleinste Volkswirtschaft der Eurozone ist längst nicht mehr nur ein Ziel für Unternehmer und iGaming-Profis, sondern zieht immer mehr Familien an, die ihren Kindern eine zweisprachige Kindheit am Mittelmeer ermöglichen wollen. Damit der Umzug gelingt, solltest du Schulplätze, Wohnkosten und Behördengänge in der richtigen Reihenfolge angehen.
Als EU-Bürger genießt du volle Freizügigkeit: Du reist mit dem Personalausweis ein und kannst dich unbegrenzt auf Malta aufhalten, solange du arbeitest, selbstständig bist oder ausreichende Mittel plus Krankenversicherung nachweist. Hältst du dich länger als drei Monate auf der Insel auf, beantragst du für jedes Familienmitglied die e-Residence-Karte bei der Behörde Identità. Die Karte brauchst du später für fast alles: Schulanmeldung, Bankkonto, Arztbesuche. Aktuelle Hinweise zu Einreise und Dokumenten liefert das Auswärtige Amt.
Schulen auf Malta: Drei Systeme zur Auswahl
Die staatlichen Schulen sind kostenlos und unterrichten auf Englisch und Maltesisch. Deine Kinder wachsen dort automatisch zweisprachig auf, allerdings ist Maltesisch für Neuankömmlinge eine echte Hürde. Für jüngere Kinder, die Sprachen noch spielerisch lernen, kann die Staatsschule gut funktionieren; ältere Kinder kämpfen oft mit dem maltesischsprachigen Teil des Unterrichts.
Kirchliche und private Schulen
Kirchliche Schulen sind formal kostenlos, verlangen aber Spenden und vergeben Plätze teils per Losverfahren. Unabhängige Privatschulen unterrichten überwiegend auf Englisch und sind bei internationalen Familien beliebt.
Internationale Schulen
Die bekanntesten internationalen Schulen sind QSI Malta (amerikanischer Lehrplan), Verdala International School (IB) und St. Edward's College (britischer Lehrplan). Rechne mit etwa 500 bis 800 Euro Schulgeld pro Monat und Kind. Die Abschlüsse (IB, GCSE, A-Level) werden an deutschen Universitäten anerkannt. Wichtig: Bewirb dich mindestens sechs Monate vor dem Umzug, denn gerade QSI und Verdala führen Wartelisten. Eine deutsche Auslandsschule gibt es auf Malta nicht; wer Wert auf deutschen Schulstoff legt, ergänzt mit Online-Angeboten oder Privatlehrern.
Familienleistungen: Kindergeld und Children's Allowance
Sobald deine Familie den Lebensmittelpunkt nach Malta verlegt, greift die EU-Koordinierung der Familienleistungen. Grundregel: Zuständig ist vorrangig der Staat, in dem gearbeitet wird. Arbeitest du auf Malta, bekommst du die maltesische Children's Allowance; besteht daneben ein deutscher Anspruch, etwa weil ein Elternteil weiter in Deutschland beschäftigt ist, zahlt Deutschland gegebenenfalls einen Unterschiedsbetrag zum Kindergeld von 259 Euro pro Monat (Stand 2026). Die Einzelheiten erklärt die Familienkasse.
Malta hat seine Familienförderung zuletzt spürbar ausgebaut: Mit dem Budget 2026 steigt die Children's Allowance für Haushalte mit einem Einkommen bis 30.000 Euro um 250 Euro pro Kind und Jahr, Familien unter 23.000 Euro erhalten weitere 167 Euro. Auch die Geburtsprämie wurde angehoben: 1.000 Euro für das erste Kind, 1.500 Euro für das zweite und 2.000 Euro für das dritte. Das gleicht die im Vergleich zu Deutschland niedrigeren laufenden Zulagen zumindest teilweise aus.
Wohnen und Lebenshaltungskosten mit Kindern
Wohnen ist der größte Kostenblock. Die Mieten in den Expat-Hochburgen Sliema, St. Julian's und Gzira sind in den letzten Jahren stark gestiegen; eine familientaugliche Dreizimmerwohnung kostet dort schnell 1.500 Euro und mehr. Familien weichen deshalb auf ruhigere Orte wie Naxxar, Attard oder den Süden der Insel aus, wo du für dasselbe Geld deutlich mehr Platz bekommst. Praktische Tipps zur Wohnungssuche findest du im Beitrag Leben auf Malta mit Kindern unserer Malta-Spezialisten sowie im Leitfaden Wohnung auf Malta mieten als Ausländer.
Lebensmittel und Strom sind wegen der Insellage teils teurer als in Deutschland, dafür entfallen Heizkosten fast komplett, der Bus ist für Residenten kostenlos und Freizeit findet ohnehin draußen statt: Strände, Boote, Wassersport. Kinderbetreuung für die Kleinsten ist über das staatliche Free Childcare Scheme für berufstätige Eltern kostenlos, ein echter Standortvorteil gegenüber vielen anderen Mittelmeerzielen.
Gesundheit, Sicherheit und Alltag
Das staatliche Gesundheitssystem rund um das Mater Dei Hospital hat einen guten Ruf, als Resident mit Sozialversicherungsbeiträgen bist du dort abgesichert. Viele Familien ergänzen eine private Police, um Wartezeiten zu umgehen. Malta gilt als eines der sichersten Länder der EU, Kinder bewegen sich hier deutlich freier als in deutschen Großstädten. Die Schattenseiten: dichter Verkehr, Baustellen und im Hochsommer Temperaturen, die Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden verschieben.
Zum Klima gehört auch die Jahresplanung: Von Juni bis September regiert die Hitze, Schulen machen lange Sommerferien, und viele Familien nutzen genau diese Monate für den Heimatbesuch, wenn Deutschland am angenehmsten ist. Die Wintermonate sind mild, aber windig und in den steinernen Altbauwohnungen empfindlich kühl, eine Wohnung mit guter Isolierung oder Klimaanlagen zum Heizen ist kein Luxus, sondern Standardkriterium bei der Suche. Wer diese Rhythmen einmal verinnerlicht hat, empfindet das Inseljahr schnell als Gewinn: kurze Wege, planbares Wetter und ein Alltag, der sich weit mehr draußen abspielt als zuhause.
Steuerlich ist Malta mit dem Non-Dom-System für zugezogene Familien interessant, etwa wenn Auslandseinkünfte nicht nach Malta überwiesen werden. Die Grundzüge des maltesischen Steuersystems findest du im Länderprofil auf Steueratlas. Ob sich die Struktur für deine Familie rechnet, klärst du am besten in einem Beratungsgespräch zu Malta, bevor du Verträge unterschreibst.
Sorgerecht und Papierkram vor dem Abflug
Malta ist als EU-Staat Vertragspartei des Haager Kindesentführungsübereinkommens. Ziehst du getrennt vom anderen Elternteil um, brauchst du dessen schriftliche Zustimmung oder eine gerichtliche Entscheidung, sonst riskierst du ein Rückführungsverfahren. Denk außerdem an internationale Geburtsurkunden, Schulzeugnisse in englischer Übersetzung und den Impfpass, das beschleunigt die Schulanmeldung erheblich.
So läuft der Umzug konkret ab
Die bewährte Reihenfolge für Familien sieht so aus: Zuerst reist du allein oder zu zweit für eine Erkundungswoche an, besichtigst Schulen und Wohnviertel und stellst die Bewerbungen für die Wunschschulen. Danach folgt die Wohnungssuche, idealerweise mit einer Zwischenlösung für die ersten Wochen, denn gute Familienwohnungen vergeben Vermieter oft erst nach persönlicher Besichtigung. Mit unterschriebenem Mietvertrag beantragst du die e-Residence-Karten, meldest dich bei der Sozialversicherung an und eröffnest ein Konto, wobei viele Familien wegen der trägen maltesischen Banken zunächst mit EU-Fintechs arbeiten. Erst dann folgt der eigentliche Umzug mit Kindern und Kisten.
An Dokumenten solltest du für jede Person mitbringen: internationale Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, Schulzeugnisse mit englischer Übersetzung, Impfnachweise und eine europäische Krankenversicherungskarte für die Übergangszeit. Die Schulen verlangen bei der Einschreibung außerdem Passfotos und die Residence-Dokumente der Eltern. Wer diese Mappe vorbereitet hat, erledigt die maltesische Bürokratie in Tagen statt Wochen.
Freizeit: Eine Insel als Spielplatz
Maltas Format ist für Familien ein unterschätzter Vorteil: Kein Weg dauert länger als 45 Minuten, und das Angebot ist dichter, als die Inselgröße vermuten lässt. Kinder trainieren in Segel-, Schwimm- und Fußballclubs, die Sommermonate spielen sich an den Stränden von Mellieha und Golden Bay ab, und die Nachbarinsel Gozo ist das perfekte Wochenendziel mit ruhigeren Buchten und Wanderwegen. Der kulturelle Unterbau kommt dazu: Valletta als Weltkulturerbe, die Mdina, prähistorische Tempel, all das wird für Schulkinder schnell zur begehbaren Geschichtsstunde. Englischkenntnisse entwickeln sich dabei nebenbei, denn anders als in vielen Auswanderungsländern ist Englisch hier Amtssprache und nicht nur Touristensprache. Viele Familien berichten, dass ihre Kinder nach einem Jahr fließend sprechen und die Insel als Heimat begreifen.
Lohnt sich Malta für Familien?
Malta bietet dir als Familie einen der einfachsten Auswanderungspfade in der EU: keine Visa, englischsprachiger Alltag, kostenlose Kinderbetreuung, anerkannte Schulabschlüsse und kurze Flüge nach Deutschland. Dem stehen hohe Mieten, Platzmangel und heiße Sommer gegenüber. Wer mit Kindern im Vorschul- oder Grundschulalter kommt, einen Schulplatz frühzeitig sichert und beim Wohnort flexibel ist, findet auf der Insel eine sichere, international geprägte Umgebung, in der Kinder nebenbei perfektes Englisch lernen. Für ältere Teenager mit wenig Englisch ist der Wechsel anspruchsvoller, aber mit internationalem Lehrplan gut machbar.




