Auswandern mit Kindern nach Rumänien: Kaum ein EU-Land wird von deutschen Familien so unterschätzt. Dabei bietet Rumänien etwas, das sonst kein Auswanderungsland hat: staatliche Schulen mit Deutsch als Unterrichtssprache, kostenlos und mit langer Tradition. Dazu kommen niedrige Lebenshaltungskosten, eine Flat Tax auf Einkommen, schnelles Internet und Landschaften von den Karpaten bis zum Schwarzen Meer. Wer die Klischees beiseitelegt, findet ein Land im Aufbruch, das Familien mit kleinem und mittlerem Budget enorme Freiheiten eröffnet.

Anmeldung: EU-Freizügigkeit macht es einfach

Als EU-Bürger reist du ohne Visum ein und beantragst bei einem Aufenthalt über drei Monaten die Registrierungsbescheinigung (certificat de înregistrare) bei der Einwanderungsbehörde deines Kreises. Du brauchst dafür einen Nachweis über Einkommen oder Beschäftigung, eine Krankenversicherung und einen Mietvertrag oder Eigentumsnachweis. Kinder werden mit registriert. Seit dem Schengen-Vollbeitritt Rumäniens entfallen auch die Grenzkontrollen auf dem Landweg, die Anreise mit dem vollgepackten Familienauto ist also so unkompliziert wie nach Österreich.

Deutschsprachige Schulen: Rumäniens Trumpf für deutsche Familien

Dank der siebenbürgisch-sächsischen und Banater Tradition unterhält Rumänien ein Netz staatlicher Schulen und Schulzweige, in denen komplett auf Deutsch unterrichtet wird, vom Kindergarten bis zum Abitur. Die bekanntesten Adressen: das Goethe-Kolleg in Bukarest, die Brukenthalschule in Hermannstadt (Sibiu) und das Lenau-Lyzeum in Temeswar (Timișoara). Diese Schulen sind kostenlos, genießen einen exzellenten Ruf und sind entsprechend nachgefragt, kümmere dich also früh um die Einschreibung. Daneben gibt es in Bukarest die private Internationale Deutsche Schule Bukarest (iDSBU), die nach deutschem Lehrplan von der Krippe bis zur Oberstufe arbeitet, sowie englischsprachige internationale Schulen in allen Großstädten.

Die Schulpflicht umfasst inzwischen auch das Vorschuljahr, danach folgen Grundschule, Gymnasialstufe und Lyzeum. Rumänische Staatsschulen unterrichten auf Rumänisch und sind fachlich solide, gerade in Mathematik und Informatik. Für Familien in Städten ohne deutsche Abteilung ist das die günstigste Option, funktioniert aber vor allem für jüngere Kinder, die die Sprache schnell aufnehmen.

Kindergeld: Was der Staat zahlt und was aus dem deutschen Anspruch wird

Rumänien zahlt die alocația de stat für jedes Kind mit Wohnsitz im Land: 719 Lei monatlich für Kinder bis zwei Jahre (rund 145 Euro) und 292 Lei für Kinder von zwei bis 18 (rund 59 Euro). Beachte: Die Regierung hat die Inflationsanpassung per Gesetz 141/2025 ausgesetzt, die Beträge bleiben 2026 also das zweite Jahr in Folge eingefroren. Das ist deutlich weniger als das deutsche Kindergeld von 259 Euro, dafür sind die Lebenshaltungskosten entsprechend niedriger.

Für die Übergangszeit gilt die EU-Koordinierung: Arbeitet ein Elternteil weiter in Deutschland, zahlt vorrangig der Beschäftigungsstaat, gegebenenfalls mit Differenzkindergeld. Die Regeln erklärt die EU auf ihrer Seite zu Familienleistungen in der EU. Melde den Umzug der Familienkasse, bevor sie es aus dem Melderegister erfährt.

Lebenshaltungskosten: Viel Familie für wenig Geld

Rumänien gehört zu den günstigsten EU-Ländern. In Städten wie Hermannstadt, Temeswar oder Cluj lebt eine vierköpfige Familie komfortabel mit 1.800 bis 2.500 Euro im Monat, inklusive Miete. Bukarest ist teurer, bleibt aber weit unter westeuropäischen Hauptstädten. Details zu den Mietmärkten findest du in unserem Guide zum Wohnungsmieten in Rumänien, zum Vergleich lohnt der Blick auf die deutlich teureren Märkte in der Schweiz, in Italien oder auf Malta.

Immobilien kaufen statt mieten

Kaufpreise sind für deutsche Verhältnisse niedrig: Häuser mit Grundstück auf dem Land gibt es teils für Beträge, die in Deutschland als Eigenkapitalanforderung gelten. Wer den Traum vom Bauernhof in den Westkarpaten prüft, findet spezialisierte Unterstützung bei rumaenien.immo. Zum Vergleich internationaler Kaufmärkte lohnen unsere Guides zum Immobilienkauf in Australien, Kanada und Neuseeland, die zeigen, wie günstig Rumänien wirklich ist.

Gesundheit: Zweigleisig fahren

Die staatliche Krankenversicherung deckt die Grundversorgung, die Qualität schwankt aber stark zwischen Stadt und Land. Auswandererfamilien setzen fast immer auf private Kliniken wie die großen Netzwerke in Bukarest und Cluj, deren Preise aus deutscher Sicht moderat sind, plus eine private Versicherung. Kinderärzte findest du in den Städten problemlos, in deutschsprachig geprägten Regionen wie Hermannstadt teilweise sogar mit Deutschkenntnissen.

Steuern: Flat Tax und niedrige Nebenkosten

Rumänien besteuert Einkommen mit einer Flat Tax von 10 Prozent, dazu kommen Sozialabgaben, die je nach Konstruktion (Anstellung, Mikrounternehmen, PFA) sehr unterschiedlich ausfallen. Gerade für Selbstständige und Online-Unternehmer ist das Land damit hochinteressant. Alle Sätze, die Mikrounternehmen-Regeln und die Fallstricke beim Wegzug aus Deutschland findest du im Rumänien-Profil auf steueratlas.info.

Sorgerecht und Familienrecht: Sauber vorbereiten

Rumänien ist Vertragsstaat des Haager Kindesentführungsübereinkommens. Bei gemeinsamem Sorgerecht brauchst du für den dauerhaften Umzug die schriftliche Zustimmung des anderen Elternteils. Nimm außerdem internationale Urkunden, Impfpässe und übersetzte Zeugnisse mit, rumänische Schulen und Behörden fragen danach.

Wo deutsche Familien in Rumänien ankommen

Hermannstadt (Sibiu) ist der Klassiker: eine herausgeputzte Altstadt, deutschsprachige Schulen mit Tradition, ein deutschsprachiges Kulturleben und eine Stadtgröße, in der Kinder noch mit dem Rad zur Schule fahren. Temeswar (Timisoara) bietet als Kulturhauptstadt-Alumna Großstadtflair mit Banater deutscher Tradition, Kronstadt (Brasov) die Karpaten vor der Haustür. Bukarest ist die Jobmaschine mit iDSBU und internationalen Schulen, aber auch mit Verkehr und höheren Kosten, während Cluj als Tech-Hub junge Familien mit urbaner Energie anzieht. Wer ländlich träumt, findet in Siebenbürgen Dorfhäuser mit Obstgarten zu Preisen, die in Deutschland nicht einmal für den Carport reichen.

Alltag, Sprache, Integration

Rumänisch ist eine romanische Sprache, mit Schulfranzösisch oder Latein im Hinterkopf lernst du sie schneller als gedacht, und die junge Generation spricht flächendeckend Englisch. Die Gesellschaft ist ausgesprochen kinderfreundlich und familienzentriert, Großfamilien-Logik inklusive: Nachbarn helfen, Kinder gehören überallhin mit. Die Infrastruktur macht seit Jahren große Sprünge, vom Autobahnbau bis zum Glasfasernetz, das zu den schnellsten Europas gehört und Remote-Arbeit auch im Karpatendorf trägt.

Deine Umzugs-Checkliste für Rumänien

  1. Stadt nach Schulangebot wählen: deutsche Abteilung, iDSBU oder internationale Schule.
  2. Schulplatz vor dem Umzug fixieren, die deutschsprachigen Züge sind nachgefragt.
  3. Wohnung oder Haus anmieten, erst nach einem Jahr über Kauf entscheiden.
  4. Registrierungsbescheinigung beantragen und Krankenversicherung regeln.
  5. Kindergeld: alocatia beantragen, deutsches Kindergeld bei der Familienkasse abmelden.
  6. Steuerliche Struktur (Anstellung, PFA oder Mikrounternehmen) vor dem Wegzug festlegen.

Was du vor der Abfahrt aus Deutschland regelst

Der Umzug selbst ist dank Schengen und EU-Freizügigkeit unspektakulär, die Vorbereitung entscheidet: Melde die Familie in Deutschland ab und informiere die Familienkasse aktiv über den Wegzug, damit keine Rückforderungen auflaufen. Kläre die Krankenversicherung für die Übergangszeit, bis die rumänische Absicherung über Beschäftigung oder freiwillige Beiträge steht, und sichere dir bei privater Vorversicherung eine Anwartschaft für die mögliche Rückkehr. Lass Geburtsurkunden als internationale Urkunden ausstellen und Schulzeugnisse übersetzen, rumänische Schulen verlangen sie bei der Einschreibung. Wenn du selbstständig bist, stelle die Weichen für PFA oder Mikrounternehmen vor dem Wegzug, denn die Kombination aus deutscher Wegzugsbesteuerung und rumänischer Struktur gehört in fachkundige Hände. Mit dieser Vorarbeit ist der eigentliche Start erstaunlich reibungslos, die meisten Familien berichten, dass die Bürokratie in Rumänien schneller läuft als ihr Ruf.

Und plane einen Puffer für die ersten Wochen ein: Bis Registrierung, Konto und Schulstart stehen, hilft eine möblierte Übergangswohnung mehr als jeder perfekte Langfristplan.

Sprich außerdem früh mit anderen deutschen Familien vor Ort, die Communities in Hermannstadt und Bukarest teilen Erfahrungen zu Schulen, Ärzten und Handwerkern großzügig und ersparen dir Monate an Umwegen.

Dein Fahrplan für den Umzug

Rumänien ist die richtige Wahl, wenn du niedrige Kosten, EU-Sicherheit und deutschsprachige Bildung kombinieren willst, ohne Privatschulgebühren zu zahlen. Städte wie Hermannstadt bieten deutschen Familien einen Soft-Landing-Effekt, den es sonst nirgends gibt. Prüfe zuerst Schulplatz und Wohnung, dann Steuern und Anmeldung. Für die steuerliche Gestaltung deines Wegzugs und die Wahl der richtigen Struktur vor Ort vereinbarst du am besten ein Beratungsgespräch zu Rumänien: So wird aus dem Geheimtipp ein solider Plan.