Mit Kindern nach Großbritannien auswandern ist seit dem Brexit ein Projekt mit klaren Spielregeln: Ohne Visum geht für Neuankömmlinge aus der EU nichts mehr, dafür warten ein starkes Schulsystem, das steuerfinanzierte NHS und ein Arbeitsmarkt, der qualifizierte Fachkräfte weiterhin sucht. Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Visa-Wege für Familien 2026 offen sind, was Schulen und Kinderbetreuung kosten, wie Child Benefit funktioniert und welche Fallstricke du kennen solltest, bevor du den Umzug buchst.

Visa für Familien nach dem Brexit

Als EU-Bürger konntest du bis Ende 2020 einfach umziehen; wer damals schon im Land lebte, ist über das EU Settlement Scheme geschützt. Für alle anderen gilt das punktebasierte Einwanderungssystem. Die Details für EU-Bürger erklärt der Beitrag Visa und britisches Einwanderungsrecht nach dem Brexit.

Das Skilled-Worker-Visum setzt ein Jobangebot eines lizenzierten Sponsors voraus. Seit dem 22. Juli 2025 liegt die allgemeine Gehaltsschwelle bei 41.700 Pfund pro Jahr, zusätzlich muss der branchenübliche Satz für den konkreten Beruf erreicht werden. Ehepartner und Kinder unter 18 können als Dependants mitkommen, jede Person zahlt eigene Visagebühren plus Immigration Health Surcharge: 1.035 Pfund pro Erwachsenem und 776 Pfund pro Kind, jeweils pro Jahr und für die gesamte Visalaufzeit im Voraus. Eine vierköpfige Familie sollte für Visagebühren und Surcharge je nach Laufzeit 10.000 bis 20.000 Pfund einplanen. Für Gründer gibt es eigene Wege, die der Überblick UK-Visa für Unternehmer und Geschäftsleute sortiert.

Familienvisum und Kurzbesuche

Lebt dein Partner bereits als britischer Staatsbürger oder mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht im Land, führt der Weg über das Familienvisum. Hier gilt für die meisten Neuanträge ein Mindesteinkommen des Sponsors von 29.000 Pfund pro Jahr. Für Besuche vor dem Umzug, etwa zur Schulbesichtigung, brauchen Deutsche seit April 2025 eine Electronic Travel Authorisation (ETA), die aktuell 16 Pfund kostet und zwei Jahre gilt.

Das britische Schulsystem: staatlich, privat, deutsch

Die Schulpflicht beginnt in England mit 5 Jahren, faktisch starten die meisten Kinder mit vier in der Reception-Klasse. Staatliche Schulen sind kostenlos, die Platzvergabe läuft über die Gemeinde und richtet sich stark nach dem Wohnort: Die sogenannte Catchment Area macht die Adresswahl zur wichtigsten Schulentscheidung. Nach der Primary School (bis 11) folgt die Secondary School mit den GCSE-Prüfungen mit 16 und anschließend A-Levels oder berufliche Qualifikationen wie BTEC. Die Qualität prüft die Schulaufsicht Ofsted, deren Berichte öffentlich einsehbar sind und dir die Schulwahl deutlich erleichtern.

Privatschulen kosten seit Januar 2025 spürbar mehr, denn auf Schulgebühren fallen nun 20 Prozent VAT an; üblich sind 15.000 bis 30.000 Pfund pro Jahr, in London auch mehr. Eine Besonderheit für deutschsprachige Familien: Die Deutsche Schule London in Richmond ist die einzige anerkannte deutsche Auslandsschule im Vereinigten Königreich und führt vom Kinderhaus bis zum Deutschen Internationalen Abitur. Das Schulgeld liegt im Schuljahr 2025/26 bei rund 12.552 Pfund pro Jahr inklusive VAT und damit deutlich unter vergleichbaren Londoner Privatschulen. Wer die Rückkehr ins deutsche System offenhalten will, findet hier den nahtlosesten Anschluss.

Homeschooling: legal, aber mit neuem Register

Hausunterricht ist in England traditionell liberal geregelt: keine Lehrplanpflicht, keine Prüfungen, die Eltern schulden dem Kind lediglich eine geeignete Bildung. Genau hier ändert sich gerade Grundlegendes: Der Children's Wellbeing and Schools Act erhielt am 29. April 2026 die königliche Zustimmung und verpflichtet die Gemeinden, künftig ein Register aller nicht beschulten Kinder zu führen ("Children Not in School Register"). Eltern müssen ihre Kinder dann aktiv melden; die Umsetzung startet nach Konsultationen frühestens Ende 2026. Wer mit Homeschooling plant, sollte die neuen Meldepflichten fest einkalkulieren. Einen Überblick über freies Lernen weltweit gibt der Leitfaden Schulpflicht umgehen: freies Lernen und Homeschooling.

Gesundheitsversorgung: das NHS für deine Kinder

Mit gültigem Visum und bezahlter Immigration Health Surcharge nutzt deine Familie den National Health Service wie Einheimische: Behandlungen, Kinderarzt und Krankenhaus sind kostenfrei, Rezepte für Kinder ebenfalls. Erster Schritt nach dem Einzug ist die Registrierung bei einer GP-Praxis im Wohnviertel, denn der General Practitioner ist die Eingangstür zu allen Fachärzten. Rechne bei nicht dringlichen Überweisungen mit Wartezeiten; viele Expat-Familien ergänzen deshalb eine private Zusatzversicherung ab etwa 50 bis 150 Pfund monatlich. Details zur medizinischen Versorgung findest du im Beitrag UK: Medizinische Versorgung für Auswanderer und Besucher.

Child Benefit, Kindergeld und Kinderbetreuung

Das britische Child Benefit beträgt seit April 2026 27,05 Pfund pro Woche für das erste Kind und 17,90 Pfund für jedes weitere; alle Regeln stehen auf der offiziellen Seite gov.uk/child-benefit. Verdient ein Elternteil mehr als 60.000 Pfund, wird die Leistung über den High Income Child Benefit Charge abgeschmolzen, ab 80.000 Pfund entfällt sie vollständig. Der größte Stolperstein für Zuwanderer steht allerdings im Visum: Trägt es den Vermerk "no recourse to public funds", und das gilt für die meisten Arbeits- und Familienvisa, darfst du Child Benefit und Universal Credit nicht beantragen. Die früheren Tax Credits wurden übrigens im April 2025 endgültig durch Universal Credit ersetzt.

Das deutsche Kindergeld endet mit dem Wegzug aus Deutschland: Großbritannien ist kein EU-Mitglied mehr, die frühere EU-Koordinierung gilt nur noch für Bestandsfälle unter dem Austrittsabkommen. Melde den Umzug der Familienkasse, sonst forderst du Rückzahlungen heraus. Positiv überraschen dürfte dich dafür die Betreuungsförderung: Seit September 2025 erhalten erwerbstätige Eltern in England 30 Stunden staatlich finanzierte Betreuung pro Woche ab dem 9. Lebensmonat (38 Wochen im Jahr), solange kein Elternteil über 100.000 Pfund verdient. Dazu kommt Tax-Free Childcare mit bis zu 2.000 Pfund Zuschuss pro Kind und Jahr. Ein Vollzeit-Kitaplatz in London kostet ohne Förderung schnell 1.500 bis 2.000 Pfund monatlich, die neuen Betreuungsstunden verändern die Familienrechnung also erheblich.

Arbeiten, Kosten und Alltag

London bietet die höchsten Gehälter, aber auch Mieten von 2.000 bis 3.000 Pfund für familientaugliche Wohnungen; in Manchester, Leeds oder Glasgow wohnst du für die Hälfte. Zur Miete kommen Council Tax, Energie und in der Regel ein Auto oder Travelcards. Als Faustregel gilt: Eine vierköpfige Familie außerhalb Londons lebt mit einem Bruttoeinkommen ab etwa 50.000 bis 60.000 Pfund solide, in London entsprechend mehr. Steuerlich ist der Umzug für Vermögende weiterhin interessant: Das neue FIG-Regime stellt Zuzügler in den ersten vier Jahren für Auslandseinkommen steuerfrei; die Grundlagen erklärt das UK-Länderprofil des Steueratlas, die Gestaltung im Detail die Übersicht Steuerlicher Wohnsitz in Großbritannien.

Sorgerecht und Haager Übereinkommen

Auch beim Umzug ins Vereinigte Königreich gilt: Bei gemeinsamem Sorgerecht müssen beide Elternteile dem Wegzug des Kindes zustimmen, sonst liegt eine Kindesentführung vor. Großbritannien ist seit dem 1. Dezember 1990 Vertragsstaat des Haager Kindesentführungsübereinkommens im Verhältnis zu Deutschland, seit November 2012 gilt zusätzlich das Haager Kinderschutzübereinkommen. Rückführungsverfahren funktionieren zwischen beiden Ländern eingespielt und vergleichsweise zügig. Getrennt lebende Eltern sollten Umgangsregelungen trotzdem vor dem Umzug schriftlich fixieren und gerichtlich absichern lassen.

Dein nächster Schritt Richtung Großbritannien

Großbritannien verlangt Familien seit dem Brexit mehr Vorlauf ab als früher: Visum und Sponsor sichern, Immigration Health Surcharge budgetieren, Wohnort nach Schul-Catchment wählen und die Kindergeld-Lücke einplanen. Wer das sauber vorbereitet, bekommt ein englischsprachiges Umfeld, starke Schulen und ab dem 9. Lebensmonat großzügig geförderte Betreuung. Die steuerliche Seite deines Wegzugs, von der Abmeldung bis zum FIG-Regime, klärst du am besten vorab im Beratungsgespräch zum Umzug nach Großbritannien.

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