Die geopolitische Sicherheit im Oman galt lange als der ruhigste Punkt der Arabischen Halbinsel. Im Alltag ist sie das weiterhin: sehr niedrige Kriminalität, ein funktionierender Staat, ein Sicherheitsapparat ohne Willkür. Was sich 2026 verändert hat, betrifft nicht die Straße, sondern die Landkarte. Dazu kommt eine Naturgefahrenlage, die viele Zuzügler unterschätzen, weil sie Wüste mit Trockenheit gleichsetzen.
Regionallage 2026: Musandam ist keine Randnotiz
Das Auswärtige Amt rät in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zum Oman von Reisen in die Exklave Musandam an der Straße von Hormus und in die unmittelbare Grenzregion zum Jemen ab. Grund ist die Regionallage: Trotz der im Juni 2026 zwischen den USA und Iran unterzeichneten Absichtserklärung zur Beendigung der militärischen Auseinandersetzung kommt es wieder vermehrt zu militärischen Schlägen gegen Ziele in der Region. Zuletzt kam es im Juli 2026 zu Luftschlägen gegen Ziele im Oman, unter anderem in Musandam. Das Risiko einer Ausweitung der Kampfhandlungen sowie von Sperrungen des Flugverkehrs bleibt bestehen, dazu eine erhöhte abstrakte Gefährdung durch terroristische Anschläge.
Das ist kein Detail für Reiseblogs. Musandam liegt an der Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft. Wer dort Immobilien, Boote oder Geschäftsinteressen hält, ist unmittelbar betroffen. Die Alltagsfolgen für Expats ordnet der Leitfaden Sicherheit im Oman ein. Für den Rest des Landes gilt weiterhin: Gewaltkriminalität gegen Ausländer ist sehr selten, die Belastung liegt im internationalen Vergleich am unteren Ende.
Naturgefahren: Wasser in einem Wüstenland
Die tödlichste Gefahr im Oman ist nicht Hitze, sondern Wasser. Wadis, also Trockenflussbetten, verwandeln sich innerhalb von Minuten in reißende Ströme.
Am 14. April 2024 traf ein schweres Unwetter mehrere Gouvernements gleichzeitig, darunter Maskat, Nord- und Süd-Batinah, Nord- und Süd-Sharqiyah, Dhahirah und Dakhiliyah. Zwischen dem 14. und 16. April fielen gebietsweise rund 180 Millimeter Regen. Das National Committee for Emergency Management meldete mindestens 17 Tote, die Gesamtbilanz des Ereignisses lag bei etwa 20 Toten im Oman, darunter Schulkinder, deren Fahrzeug von einer Flut erfasst wurde. Regionsweit starben rund 46 Menschen.
Vom 20. bis 30. März 2026 folgte die nächste Serie: Über die Ufer tretende Wadis lösten heftige Sturzfluten aus, rissen Fahrzeuge mit und setzten Tieflagen unter Wasser. Sieben Menschen starben, eine Person galt als vermisst. Das Muster wiederholt sich jedes Jahr, und es tötet überwiegend Menschen im Auto, nicht im Haus.
Tropische Zyklone aus dem Indischen Ozean treffen immer wieder auf die omanischen Küsten und lösen mit Sturm und Starkregen Überschwemmungen und Erdrutsche aus. Die Zyklonsaison konzentriert sich auf Mai bis Juni und Oktober bis November. Fernstraßen verlaufen wegen der Überschwemmungsgefahr vielerorts auf erhöhten Dämmen, Nebenstraßen werden dagegen schnell unpassierbar.
Hitze und Küstengefahren
Im Sommer liegen die Temperaturen im Landesinneren regelmäßig über 45 Grad, an der Küste kommt hohe Luftfeuchtigkeit dazu. Gefährliche Meeresströmungen führen an den Stränden immer wieder zu tödlichen Badeunfällen. Wanderwege in Gebirge und Wadis sind weitgehend ungesichert; das Auswärtige Amt weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst kleine Unachtsamkeiten an populären Zielen wie Wadi Shab tödlich enden können. Eine Übersicht über den Jahresverlauf bietet der Leitfaden Naturkatastrophen im Oman.
Innenpolitik und Rechtsrahmen
Der Oman ist eine absolute Monarchie mit einem Sultan an der Spitze und einem beratenden Zweikammersystem. Die politische Stabilität ist hoch, öffentliche Kritik am Herrscherhaus dagegen tabu und strafbar. Für Auswanderer heißt das: Der Staat greift selten in dein Leben ein, solange du bestimmte Linien nicht überschreitest.
Die Linien sind klar benannt. Homosexuelle Handlungen werden mit bis zu drei Jahren Haft bestraft, außereheliche Beziehungen sind strafbar, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist verboten und Alkohol am Steuer wird hart geahndet. Drogenhandel kann die Todesstrafe nach sich ziehen. Das Fotografieren militärischer Einrichtungen ist untersagt, und im Dreiländereck von Jemen, Saudi-Arabien und Oman ist mit verstärkten Kontrollen durch Polizei und Militär zu rechnen. Im Geschäftsverkehr sind Zahlungsverzug und Streit um Bürgschaften das häufigere Problem, und ein Rechtsstreit im Oman ist langwierig.
Warnsysteme und Notrufnummern
- Einheitliche Notrufnummer: 9999 für Polizei, Rettungsdienst und Zivilschutz; aus dem Mobilnetz funktioniert zusätzlich 112.
- Wetterwarnungen, Zyklonmeldungen und Wadi-Warnungen veröffentlicht die Directorate General of Meteorology der Civil Aviation Authority.
- Das National Committee for Emergency Management koordiniert Evakuierungen und Schulschließungen; Ankündigungen laufen über lokale Medien und soziale Kanäle.
- Das Befahren gefluteter Wadis ist strafbar und kann Haftstrafen nach sich ziehen. Diese Regel existiert, weil sie regelmäßig gebrochen wird.
In abgelegenen Regionen kann es mehrere Stunden dauern, bis ein Rettungsdienst eintrifft. Wer außerhalb Maskats lebt, braucht Wasser, Treibstoffreserve und ein Satellitenkommunikationsmittel im Fahrzeug, nicht nur ein Mobiltelefon.
Versicherbarkeit im Oman
Der omanische Versicherungsmarkt ist entwickelt und reguliert, die Fallstricke liegen im Detail. Vollkaskoverträge für Fahrzeuge decken Flutschäden nicht automatisch; die Deckung für Naturereignisse ist häufig eine gesondert zu vereinbarende Erweiterung. Mietwagen sind gerade beim Insassenschutz nicht immer ausreichend versichert, und wer damit in die Vereinigten Arabischen Emirate fährt, braucht ausdrücklich grenzüberschreitende Gültigkeit.
Bei Gebäude- und Hausratdeckungen gilt: Prüfe, ob Sturzflut, Erdrutsch und Zyklon eingeschlossen sind und mit welcher Selbstbeteiligung. Für Eigentum in den Integrated Tourism Complexes, in denen Ausländer kaufen dürfen, sind Deckungssummen und tatsächliche Wiederaufbaukosten oft nicht deckungsgleich. Die rechtlichen Rahmenbedingungen erklärt der Leitfaden Immobilie im Oman kaufen, die Krankenversicherungspflicht als Visumsvoraussetzung der Leitfaden zu Versicherungen im Oman.
Neu hinzugekommen ist die Kriegs- und Terrorfrage. Nach den Luftschlägen im Juli 2026 sollten Policen daraufhin gelesen werden, ob Kriegsereignisse und politische Gewalt pauschal ausgeschlossen sind. In vielen Standardverträgen sind sie das.
Ruhestand, Steuern und Struktur
Der Oman erhebt keine Einkommensteuer auf Löhne und Gehälter, was ihn für Ruheständler und Unternehmer interessant macht; Details und angekündigte Änderungen sind bei Ruhestand im Ausland und im Steueratlas aufbereitet. Die Sicherheitslage ändert daran nichts, wohl aber die Frage, ob du deine Vermögenswerte in einem Land konzentrieren willst, das an der Straße von Hormus liegt. Streuung über Jurisdiktionen ist hier kein Steuerthema, sondern ein Risikothema, und Grundlagen dazu findest du bei Asset Protection Plus.
Wer den Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz sauber aufsetzen will, klärt Ansässigkeit, Wegzugsbesteuerung und Meldepflichten vorab in einem Beratungsgespräch.
Der Oman im Vergleich zu den Nachbarn
Wer den Oman prüft, vergleicht ihn meist mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar oder Bahrain. Die Unterschiede sind größer, als die gemeinsame Golf-Etikette vermuten lässt. Der Oman ist deutlich weniger auf Expat-Massen ausgelegt, die Gesellschaft ist konservativer, das Tempo langsamer und die Mieten in Maskat liegen unter dem Niveau von Dubai. Dafür ist die medizinische Spitzenversorgung dünner und die Auswahl an internationalen Schulen kleiner.
Sicherheitsseitig unterscheidet sich der Oman 2026 weniger von seinen Nachbarn als früher, weil die Regionallage alle Golfstaaten erfasst hat. Der historische Vorteil des Landes, seine neutrale Außenpolitik und die Vermittlerrolle zwischen Iran und dem Westen, wirkt weiterhin, hat aber Luftschläge auf omanischem Gebiet nicht verhindert. Neutralität ist ein politisches Merkmal, keine physische Schutzmaßnahme, und genau so sollte sie in deine Planung eingehen.
Lohnt sich der Oman trotz der neuen Lage?
Für die meisten Auswanderer lautet die Antwort weiterhin ja, aber mit einer Einschränkung, die es vor 2026 nicht gab. Der Alltag in Maskat, Nizwa oder Salalah ist ruhig, geordnet und angenehm. Die Grenzregion zum Jemen und die Exklave Musandam sind es nicht, und die Möglichkeit von Flugraumsperrungen ist real.
Praktisch heißt das: Wohnort abseits der abgeratenen Zonen, Registrierung in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND, ein Ausreiseplan mit zwei Routen, Versicherungen ohne pauschale Kriegsausschlüsse und eine ehrliche Einschätzung der Wadi-Gefahr am eigenen Grundstück. Wer diese fünf Punkte abhakt, hat im Oman eines der stabilsten Lebensumfelder der Region, ohne sich die Lage schönzureden.





