Kamerun gehört nicht zu den sicheren Auswanderungszielen, und diese Einordnung ist keine Vorsichtsformel, sondern das Ergebnis der geltenden Reisehinweise. Das Auswärtige Amt spricht mit Stand 1. August 2026 Reisewarnungen für gleich mehrere Landesteile aus: für die Region Extrême-Nord, für die Grenzgebiete zu Nigeria, zum Tschad und zur Zentralafrikanischen Republik, für die anglophonen Regionen North-West und South-West sowie für die Halbinsel Bakassi und ihre Umgebung. Von Reisen in die Regionen Adamaoua und Nord wird abgeraten.
Damit ist ein erheblicher Teil des Staatsgebiets für dich faktisch gesperrt. Wer die Sicherheit in Kamerun beurteilen will, muss zwischen dem vergleichsweise funktionierenden Süden mit Jaunde und Duala und den Konfliktzonen im Nordwesten, Westen und Norden unterscheiden. Dieser Text tut das ohne Beschönigung.
Der Konflikt in den anglophonen Regionen
Seit Ende 2016 herrscht in den englischsprachigen Regionen North-West und South-West ein bewaffneter Konflikt zwischen separatistischen Gruppen und Regierungstruppen, der eine schwere humanitäre Krise ausgelöst hat. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Separatisten dauern an und fordern Tote und Verletzte.
Das Auswärtige Amt formuliert die konkrete Gefahr sehr deutlich: Auf allen Straßen innerhalb dieser Regionen besteht erhöhte Gefahr durch Sprengsätze, Überfälle an Straßensperren und Entführungen. Separatisten verhängen regelmäßig sogenannte Ghost Towns, an denen jeder Verkehr und jede wirtschaftliche Tätigkeit erzwungenermaßen ruht. Wer sich nicht daran hält, riskiert Angriffe. Für Auswanderer sind diese beiden Regionen keine Option, unabhängig davon, welche beruflichen oder familiären Gründe dafür sprechen mögen.
Der Norden: Islamistischer Terror und Entführungen
In der Region Extrême-Nord verüben islamistische Terrorgruppen Anschläge und Selbstmordattentate. Das Entführungsrisiko ist dort sehr hoch, ausdrücklich auch in der Regionalhauptstadt Maroua und in den Grenzgebieten zu Nigeria und zum Tschad. Entführungen richten sich gezielt gegen Ausländer, weil Lösegeldzahlungen die Finanzierungsbasis der Gruppen bilden.
Auch in den nördlich gelegenen Regionen Adamaoua und Nord bestehen Entführungsrisiken, insbesondere in abgelegenen Gebieten. Die Nähe zur Zentralafrikanischen Republik wirkt sich auf die angrenzenden Landesteile aus, bewaffnete Gruppen operieren grenzüberschreitend. Wer beruflich in diese Regionen muss, arbeitet mit professionellem Sicherheitsmanagement, Konvoifahrten und Kommunikationsprotokollen, nicht mit gesundem Menschenverstand allein.
Politische Lage nach der Wahl 2025
Präsident Paul Biya regiert Kamerun seit 1982 und damit länger als fast jeder andere Staatschef weltweit. Nach der Präsidentschaftswahl am 12. Oktober 2025 kam es in mehreren Städten zu Protestaktionen mit Todesfällen, Verletzten und Massenverhaftungen. Diese Proteste endeten im November 2025.
Die Lage ist damit vorübergehend ruhiger, aber nicht gelöst. Die Nachfolgefrage bleibt offen, und jede Zuspitzung kann kurzfristig zu Straßensperren, Ausgangssperren, Internetabschaltungen und Militäraufmärschen führen. Rechne bei politischen Anlässen mit unvermittelten Einschränkungen und halte Vorräte für mehrere Tage bereit. Die Entwicklung ordnet der Beitrag zur politischen Lage in Kamerun genauer ein.
Einreise, Aufenthalt und Meldepflichten
Für die Einreise brauchst du ein Visum, das vor Reiseantritt bei der Botschaft oder über das elektronische Verfahren beantragt wird, dazu den Nachweis der Gelbfieberimpfung und ein Rückflugticket. Der Reisepass muss ausreichend lange gültig sein. Wer länger bleiben will, beantragt eine Aufenthaltskarte bei der Einwanderungsbehörde, für Erwerbstätigkeit zusätzlich eine Arbeitserlaubnis, die an einen konkreten Arbeitgeber gebunden ist. Ohne gültige Papiere bist du bei den häufigen Polizei- und Militärkontrollen sofort angreifbar, und genau diese Kontrollen sind in Kamerun allgegenwärtig.
Rechne mit langen Bearbeitungszeiten, mehreren persönlichen Vorsprachen und wechselnden Anforderungen. Lege Kopien aller Dokumente digital und in Papierform ab und hinterlege eine Vollmacht bei einer Vertrauensperson in Europa. Trag dich vor der Ausreise in die Krisenvorsorgeliste deines Außenministeriums ein, denn in einem Land mit mehreren Reisewarnungsregionen ist das der einzige Weg, über den dich deine Vertretung in einer Evakuierungslage gezielt erreichen kann.
Kriminalität in Jaunde, Duala und den Großstädten
Die Kriminalitätsrate in den großen Städten ist hoch. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts nennen Jaunde, Duala, Ngaoundéré und Bafoussam mit bewaffneten Überfällen und Diebstählen. In abgelegenen Gebieten kommen Entführungsrisiken hinzu.
Für den Alltag heißt das: Wohnen in bewachten Anlagen mit Mauer, Tor und Nachtwache, keine sichtbaren Wertgegenstände, keine Fußwege nach Einbruch der Dunkelheit und keine Straßentaxis, sondern vorbestellte Fahrer. Fahrzeugtüren immer verriegeln, an Ampeln und im Stau besonders aufmerksam sein. Bargeld nur in kleinen Mengen mitführen und Kartenlimits niedrig halten.
Kamerun ist ein bekanntes Ausgangsland für Vorschussbetrug, Romance Scams und gefälschte Handelsgeschäfte, häufig mit Bezug auf Rohstoffe, Erbschaften oder Immobilien. Zahle niemals Vorschüsse an Personen oder Firmen, die du nicht persönlich und vor Ort verifiziert hast. Verlange Handelsregisterauszüge, prüfe Adressen unabhängig und lass Verträge von einem Anwalt vor Ort prüfen. Auch beim Immobilienkauf ist die Registerlage lückenhaft, Doppelverkäufe kommen vor, und Vorauszahlungen ohne gesicherte Eintragung sind der schnellste Weg, viel Geld zu verlieren.
Notrufe, Botschaften und medizinische Versorgung
Wichtige Telefonnummern gehören griffbereit ins Handy und auf einen Zettel im Portemonnaie. Der Polizeinotruf lautet 117, die Feuerwehr erreichst du unter 118 und den Rettungsdienst unter 112. Die Deutsche Botschaft in Jaunde ist unter +237 222 21 00 00 erreichbar, die Schweizerische Botschaft unter +237 222 20 01 33. Österreich unterhält keine eigene Botschaft in Kamerun und betreut über andere Vertretungen in der Region.
Die medizinische Versorgung entspricht nicht europäischen Standards. Private Kliniken in Jaunde und Duala decken die Grundversorgung ab, für ernste Fälle ist eine Evakuierung nach Europa oder Südafrika notwendig. Eine Auslandskrankenversicherung mit Ambulanzflug und garantiertem Rücktransport ist zwingend. Malaria ist ganzjährig im ganzen Land verbreitet, dazu kommen Cholera in Ausbruchsphasen, Typhus, Hepatitis und Tollwut. Der Nachweis einer Gelbfieberimpfung ist Einreisevoraussetzung.
Verkehr, Infrastruktur und Naturgefahren
Der Straßenverkehr fordert in Kamerun mehr Opfer als jede Konfliktlage. Fernstraßen sind streckenweise in schlechtem Zustand, Fahrzeuge sind überladen und mangelhaft gewartet, und die Beleuchtung fehlt fast überall. Nachtfahrten über Land solltest du vollständig streichen, denn dort treffen Unfallgefahr, illegale Straßensperren und Überfallrisiko zusammen. Regenzeiten machen Pisten unpassierbar, im Norden von Juni bis September, im Süden mit zwei Regenzeiten über weite Teile des Jahres.
Die Stromversorgung ist unzuverlässig, Ausfälle gehören zum Alltag, und die Wasserqualität erfordert Aufbereitung oder Flaschenwasser. Wer beruflich auf Erreichbarkeit angewiesen ist, braucht Notstrom und einen zweiten Mobilfunkanbieter. Am Fuß des Kamerunbergs kommt vulkanische Aktivität hinzu, der Berg ist aktiv und ist zuletzt Anfang der 2000er Jahre ausgebrochen. In den Kraterseen des Nordwestens hat es außerdem Gasausbrüche mit vielen Todesopfern gegeben, das Ereignis am Nyos-See 1986 ist der bekannteste Fall.
Behörden, Korruption und rechtliche Fallstricke
Korruption ist im Behördenalltag weit verbreitet, besonders bei Verkehrskontrollen, im Zoll und bei Genehmigungen. Zahlungen an Amtsträger können nach deutschem, österreichischem und schweizerischem Recht auch dann strafbar sein, wenn sie im Ausland geleistet werden. Führe immer eine beglaubigte Passkopie und die Aufenthaltsdokumente mit, verlange offizielle Quittungen und bleib in Kontrollsituationen ruhig und förmlich. Welche Anlaufstellen es gibt, beschreibt der Beitrag zu Korruption in Kamerun.
Das Fotografieren von Militäranlagen, Regierungsgebäuden, Flughäfen und Uniformierten ist verboten und führt regelmäßig zu Festnahmen. Homosexuelle Handlungen sind in Kamerun strafbar und werden auch verfolgt. Amtssprachen sind Französisch und Englisch, im Süden dominiert Französisch, und ohne Französischkenntnisse wird jeder Behördengang schwierig.
Wann Kamerun für dich infrage kommt
Kamerun ist ein Land für Menschen, die aus beruflichen Gründen dort sein müssen, mit institutioneller Unterstützung im Rücken, nicht für einen freien Neuanfang auf eigene Faust. Wenn du dennoch hingehst, beschränke deinen Lebensmittelpunkt auf den Süden, akzeptiere die Reisewarnungen als harte Grenze und baue dein Sicherheitskonzept auf drei Säulen: geschütztes Wohnen, kontrollierte Mobilität und eine Versicherung, die Evakuierung wirklich abdeckt.
Prüfe vor der Entscheidung auch die Einschätzungen der anderen deutschsprachigen Außenministerien, Österreich veröffentlicht sie in den Reiseinformationen für Kamerun, die Schweiz in den EDA-Reisehinweisen. Und kläre Wohnsitz, Steuerpflicht und Absicherung vorab in einem Beratungsgespräch, bevor du einen Vertrag unterschreibst.







