Die Kapverden gehören zu den wenigen afrikanischen Auswanderungszielen, für die das Auswärtige Amt weder eine Reisewarnung noch eine Teilreisewarnung führt. Wenn du dich mit der Sicherheit auf den Kapverden beschäftigst, ist das der wichtigste Ausgangspunkt: Es gibt hier keinen bewaffneten Konflikt, keine konkrete terroristische Bedrohungslage und keine Region, die du grundsätzlich meiden musst. Risikofrei ist der Inselstaat deshalb nicht. Die realen Gefahren liegen woanders, nämlich bei Straßenkriminalität in den beiden größten Städten, bei einer medizinischen Versorgung weit unterhalb des europäischen Niveaus und bei Naturgefahren, die auf einem Vulkanarchipel im Atlantik unvermeidbar sind.
Dieser Leitfaden zeigt dir, was die Behörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Stand August 2026 tatsächlich schreiben, wo sich Delikte konzentrieren und welche Vorbereitung sich vor dem Umzug wirklich auszahlt.
Wie die Behörden die Lage 2026 einschätzen
Das Auswärtige Amt stuft Reisen nach Cabo Verde grundsätzlich als sicher ein. Die Gefahr, Opfer eines Anschlags zu werden, gilt im Vergleich zu anderen Risiken als gering. Die letzte inhaltliche Aktualisierung der Hinweise datiert vom 1. April 2026, abgerufen am 1. August 2026. Für keinen Teil des Archipels besteht eine Reisewarnung.
Das österreichische Außenministerium und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten kommen zur gleichen Bewertung. Auch die Schweizer Reisehinweise nennen keine gesperrten Regionen, sondern konzentrieren sich auf Alltagskriminalität und Naturgefahren. Politisch sind die Kapverden seit der Demokratisierung 1991 ein stabiles Mehrparteiensystem mit friedlichen Machtwechseln. Streiks im öffentlichen Verkehr und im Fährbetrieb kommen vor und bringen deine Planung zwischen den Inseln durcheinander, sie sind aber ein Logistikproblem und kein Sicherheitsproblem.
Kriminalität: wo sie wirklich stattfindet
Taschendiebstahl und Handtaschenraub konzentrieren sich laut Auswärtigem Amt auf vier Orte: Praia, Mindelo, Sal und Boa Vista. Das folgt der Bevölkerungsdichte und dem Touristenaufkommen. In Praia sind vor allem das Zentrum und die Hafengegend betroffen, in Mindelo die belebten Ausgehviertel. Auf Sal und Boa Vista trifft es die Strände und die Wege zwischen Hotelanlagen und Ortszentren.
Raubüberfälle kommen ebenfalls vor, teils unter Androhung oder Anwendung von Gewalt. Die Empfehlung der Behörden ist eindeutig: keine Uhren oder Schmuckstücke sichtbar tragen, wenig Bargeld mitführen und nach Einbruch der Dunkelheit abgelegene Straßen und Strände meiden. Gewaltdelikte richten sich überwiegend gegen Einheimische, doch wer sichtbar wohlhabender auftritt, verschiebt sein Risikoprofil selbst.
Was Einbruchschutz auf den Inseln bedeutet
Die größte Abweichung zum mitteleuropäischen Standard betrifft nicht die Kriminalitätsrate, sondern die Bausubstanz. Einfache Schließzylinder, ungesicherte Fenster und unbeleuchtete Grundstücke sind verbreitet. Wenn du langfristig bleibst, ist die Wohnungswahl deine wirksamste Sicherheitsmaßnahme: eine Anlage mit Zugangskontrolle, abschließbare Fensterläden und ein Umfeld, in dem Leerstand die Ausnahme ist. Wer über einen Kauf nachdenkt, findet Konditionen und Inselvergleich im Leitfaden zum Immobilienkauf auf den Kapverden.
Auf kleineren Inseln wie Maio, Brava oder Santo Antão sinkt die Deliktzahl deutlich. Dafür steigt die Entfernung zur nächsten funktionierenden Klinik, und genau dieser Tausch ist die eigentliche Entscheidung, die du treffen musst.
Einreise und Aufenthalt: die EASE-Registrierung ist Pflicht
Für touristische Aufenthalte bis 30 Tage brauchst du als deutscher, österreichischer oder schweizerischer Staatsangehöriger kein Visum. Verpflichtend ist die Online-Vorabregistrierung über das Portal EASE der Polícia Nacional, in der Regel bis fünf Tage vor Anreise und inklusive Flughafensicherheitsgebühr per Kreditkarte. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Wer länger bleiben oder arbeiten will, beantragt die Verlängerung oder die Aufenthaltsgenehmigung bei der Einwanderungsbehörde vor Ort und braucht dafür Finanzierungsnachweise, ein Gesundheitszeugnis und bei Erwerbstätigkeit einen Arbeitsvertrag.
Ein praktischer Stolperstein, den das Auswärtige Amt 2026 ausdrücklich nennt: Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen kam es zu Festnahmen, weil Reisende Taschenmesser oder Pfefferspray im Handgepäck hatten. Was in Europa mit einer Beschlagnahme endet, kann auf den Kapverden ein Strafverfahren auslösen.
Gesundheit: Dengue, Malaria-Rückkehr und dünne Versorgung
Die Malaria-Frage
Hier hat sich die Faktenlage binnen weniger Jahre zweimal gedreht. Die Weltgesundheitsorganisation zertifizierte Cabo Verde am 12. Januar 2024 als malariafrei, als viertes Land Afrikas nach Mauritius, Marokko und Algerien. Seit 2025 gibt es jedoch wieder Fälle in der Hauptstadt Praia, darunter bestätigte lokale Übertragungen. Der Malariastatus der Kapverden ist damit nicht mehr eindeutig, pauschale Entwarnungen aus älteren Reiseführern sind überholt. Konsequenter Mückenschutz in der Regenzeit ist die richtige Antwort, die Frage nach einer Prophylaxe gehört in eine reisemedizinische Beratung.
Denguefieber ist ebenfalls präsent und wird von tagaktiven Mücken übertragen. Dazu kommt ein Shigellose-Ausbruch, bei dem seit 2022 mehr als 1.000 Fälle bei Rückkehrern dokumentiert wurden. Empfohlen werden Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, Tetanus, Polio und je nach Aufenthaltsprofil Tollwut.
Was medizinisch möglich ist
Die Versorgung ist laut Auswärtigem Amt nicht mit der in Deutschland vergleichbar. Größere Krankenhäuser gibt es in Praia und Mindelo, außerhalb dieser beiden Zentren stößt du schnell an Grenzen. Komplexe Eingriffe, Intensivmedizin und verlässliche Diagnostik bedeuten in der Praxis eine Ausreise nach Portugal oder Deutschland. Eine Auslandskrankenversicherung mit garantiertem Rücktransport ist auf den Kapverden keine Option, sondern Grundausstattung. Bring außerdem einen Vorrat deiner Dauermedikamente mit, denn die Verfügbarkeit in den Apotheken schwankt.
Naturgefahren: Vulkan, Hurrikansaison, Wasserknappheit
Der Archipel liegt in einer seismisch aktiven Zone. Der Pico do Fogo auf der Insel Fogo ist ein aktiver Vulkan, dessen Ausbruch 2014 und 2015 zwei Ortschaften zerstörte. Von August bis Oktober läuft die atlantische Hurrikansaison, tropische Stürme können die Inseln streifen. Dazu kommt eine chronische Dürre, die immer wieder zu Einschränkungen der Wasserversorgung führt. Wie sich diese Risiken auf die einzelnen Inseln verteilen, ist im Beitrag zu Naturgefahren und Wetterextremen auf den Kapverden aufgeschlüsselt.
Alltag, Behörden und Straßenverkehr
Das größte praktische Risiko für Auswanderer ist nicht der Überfall, sondern der Verkehr. Die Straßen auf Santiago und Santo Antão sind streckenweise eng, kurvenreich und schlecht ausgeleuchtet, Leitplanken fehlen häufig. Nachtfahrten über Land solltest du grundsätzlich vermeiden, weil Tiere, Fußgänger und Fahrzeuge ohne funktionierende Beleuchtung auf der Fahrbahn die Regel und nicht die Ausnahme sind. Sammeltaxis, die sogenannten Hiaces, fahren oft überbesetzt und mit hohem Tempo. Wer regelmäßig zwischen Orten pendelt, ist mit einem eigenen Fahrzeug und einer soliden Haftpflichtversicherung besser bedient.
Im Behördenkontakt gilt Geduld als Grundvoraussetzung. Bearbeitungszeiten für Aufenthaltstitel, Kfz-Zulassungen und Registereinträge dauern länger als gewohnt, und Verfahren werden häufiger persönlich als digital abgewickelt. Rechne bei jedem Amtsgang mit mehreren Anläufen und lege Kopien aller Dokumente an. Wer schon in den ersten Monaten Grundkenntnisse in Portugiesisch aufbaut, kürzt die meisten dieser Wege spürbar ab, denn Englisch trägt nur in den touristisch geprägten Zonen von Sal und Boa Vista.
Notrufnummern und Krisenvorsorge
Die zentralen Nummern lauten 132 für die Polizei, 130 für den Rettungsdienst und 131 für die Feuerwehr. Die Erreichbarkeit ist in Praia und Mindelo gut, auf den kleineren Inseln und im Landesinneren schwanken die Reaktionszeiten erheblich. Speichere zusätzlich die Nummer der nächstgelegenen Privatklinik und, falls du Portugiesisch noch nicht sicher sprichst, den Kontakt einer Person, die im Notfall übersetzen kann. Amtssprache ist Portugiesisch, im Alltag dominiert das kapverdische Kreol, Deutsch spielt praktisch keine Rolle.
Trag dich vor der Ausreise in die Krisenvorsorgeliste deines Außenministeriums ein. Das kostet zehn Minuten und ist der einzige Weg, über den dich deine Botschaft im Ernstfall gezielt erreichen kann. Für die Kapverden ist die deutsche Botschaft in Praia zuständig.
Was das für deinen Umzug auf die Kapverden bedeutet
Die Kapverden sind sicherheitspolitisch eines der unauffälligsten Ziele des Kontinents, und diese Einschätzung trägt auch 2026. Deine Risikoliste ist kurz und konkret: Straßenkriminalität in Praia und Mindelo, schwache Notfallmedizin, Mücken und Naturgefahren. Alle vier lassen sich durch Wohnungswahl, Versicherung, Impfschutz und Zurückhaltung bei sichtbarem Wertbesitz deutlich verkleinern.
Wer die Schattenseiten des Inselalltags vorab kennen will, findet sie gebündelt unter Nachteile beim Auswandern nach Kap Verde. Und wenn du den Schritt steuerlich und rechtlich sauber aufsetzen willst, klärst du Wohnsitzfragen, Wegzugsbesteuerung und Meldepflichten vorab in einem Beratungsgespräch, bevor du den Mietvertrag in Praia unterschreibst.







