Homeschooling auf den Kapverden scheitert an einer Annahme, die auf den ersten Blick plausibel wirkt. Weil Kap Verde portugiesischsprachig ist und sein Bildungsrecht am portugiesischen Modell orientiert, gehen viele Familien davon aus, dass hier wie in Portugal ein anerkannter Hausunterricht existiert. Das ist nicht der Fall. Das kapverdische Grundlagengesetz kennt den ensino doméstico nicht.
Das Grundlagengesetz und seine Neufassung
Rechtsgrundlage ist die Lei de Bases do Sistema Educativo in der Fassung des Decreto-legislativo n.º 13/2018 vom 7. Dezember 2018, veröffentlicht im Boletim Oficial. Das Bildungsministerium stellt den Volltext des Gesetzes bereit. Die Reform von 2018 hat das System spürbar umgebaut.
Zentrale Punkte für Familien:
- Der ensino básico ist universal, verpflichtend und kostenlos und dauert acht Jahre, gegliedert in zwei Zyklen von je vier Jahren.
- Artikel 20 regelt den Eintritt: Aufgenommen werden Kinder, die bis zum 31. Dezember das sechste Lebensjahr vollenden. Das Ende der Besuchspflicht wird durch eine eigene Regierungsverordnung festgelegt.
- Die Vorschulbildung richtet sich nach Artikel 16 an alle Kinder ab dem Jahr, in dem sie vier Jahre alt werden. Der Staat ist verpflichtet, den Zugang zu ermöglichen.
- Der ensino secundário dauert vier Jahre und umfasst die 9. bis 12. Klasse, in allgemeinbildender oder technischer Ausrichtung.
- Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, die Schulpflicht schrittweise bis zur 12. Klasse auszuweiten, sobald die finanziellen Voraussetzungen geschaffen sind. Das UNESCO-Länderprofil zu Kap Verde führt den Archipel inzwischen mit einer Pflichtschulzeit ab sechs Jahren bis zur 10. Klasse.
Eine Regelung über Unterricht in der Familie sucht man vergeblich. Der Begriff ensino doméstico, der im portugiesischen Recht eine anerkannte Unterrichtsform bezeichnet, taucht in der kapverdischen Lei de Bases nicht auf. Es gibt weder ein Anmeldeverfahren noch eine Aufsichtsregel noch eine Prüfungsschiene für zu Hause unterrichtete Kinder. Der Vergleich mit Portugal trägt an genau diesem Punkt nicht.
Privatunterricht ist genehmigungspflichtig
Kapitel X der Lei de Bases regelt das private und kooperative Bildungswesen. Artikel 85 hält fest, dass privater Unterricht alternativ oder ergänzend zum öffentlichen Angebot bestehen kann, dass er einem eigenen Statut unterliegt und dass der Staat Qualität und Betriebsbedingungen überwacht. Entscheidend ist Absatz 6: Die Ausübung privaten Unterrichts bedarf einer staatlichen Genehmigung, nach Bedingungen und Kriterien, die im Statut des Privatschulwesens festgelegt werden.
Diese Norm ist weiter gefasst als eine reine Schulzulassung. Wenn du mit anderen Familien eine feste Lerngruppe mit Lehrkraft und Gebühren organisierst, bewegst du dich in ihrem Anwendungsbereich. Ein Elternteil, der die eigenen Kinder unterrichtet, ist damit nicht gemeint, wohl aber ein organisiertes Angebot.
Gilt die Schulpflicht auch für ausländische Kinder?
Die Lei de Bases spricht von Kindern und Jugendlichen, nicht von kapverdischen Staatsangehörigen. Sie knüpft an den Aufenthalt an. In der Praxis werden ausländische Familien über die Schule erfasst, an der ihr Kind angemeldet ist. Wer sein Kind an keiner Schule anmeldet, fällt zunächst nicht auf, kann aber bei Behördenkontakten keinen Nachweis vorlegen. Auf einem Archipel mit knapp einer halben Million Einwohnern und überschaubaren Gemeinden ist das relevanter als in einem Flächenstaat.
Hinzu kommt ein sozialer Aspekt, den Familien regelmäßig unterschätzen. Auf einer kleinen Insel fällt es auf, wenn Kinder werktags nicht in der Schule sind. Das führt selten zu Verfahren, aber häufig zu Nachfragen von Nachbarn, Vermietern oder Gemeindevertretern. Eine gute Antwort auf diese Frage ist der Name der Schule, an der dein Kind eingeschrieben ist, auch wenn diese Schule online arbeitet.
Die Schullandschaft auf dem Archipel
Das Angebot konzentriert sich auf Santiago mit Praia, auf São Vicente mit Mindelo und in geringerem Umfang auf Sal und Boa Vista. Neben den öffentlichen Schulen gibt es private Einrichtungen, teils mit portugiesischer Anbindung, teils mit englischsprachigem Programm. Auf den kleineren Inseln wird die Auswahl schnell sehr dünn, was für Familien mit Kindern in der Sekundarstufe der eigentliche Engpass ist.
Bedenke auch die Verkehrsanbindung zwischen den Inseln. Ein Schulplatz auf São Vicente hilft dir wenig, wenn ihr auf Santo Antão wohnt und die Fährverbindung wetterabhängig ist. Familien, die längerfristig planen, wählen ihren Wohnort deshalb häufig nach dem Schulangebot und nicht umgekehrt.
Deshalb kombinieren viele Auswandererfamilien Präsenzschule und Fernunterricht: Grundschuljahre vor Ort, Sekundarstufe über eine akkreditierte Fernschule mit Prüfungen in Praia oder auf dem europäischen Festland. Diese Kombination ist zulässig, solange dein Kind formal eingeschrieben ist, denn dann erfüllt es die Schulpflicht über eine Institution.
Sprache als Faktor
Unterrichtssprache ist Portugiesisch, Alltagssprache das kapverdische Kreol. Kinder, die mehrere Jahre bleiben, nehmen beide Sprachen mit. Wer ausschließlich englisch- oder deutschsprachig zu Hause unterrichtet, verliert diesen Vorteil und macht seinen Kindern zugleich den Anschluss vor Ort schwer. Plane Sprachkontakt fest ein, am besten über Vereine, Musikschulen oder einen Nachmittag pro Woche in einer lokalen Einrichtung.
Portugiesisch ist zudem ein Türöffner über die Kapverden hinaus. Wer die Sprache hier erwirbt, hat später Zugang zu Bildungswegen in Portugal und Brasilien, was für die Studienplanung der Kinder ein handfester Vorteil sein kann.
Rückkehr und Anerkennung
Kapverdische Abschlüsse folgen dem portugiesischen Modell und enden mit dem Abschluss der 12. Klasse. Für eine Rückkehr in den deutschsprachigen Raum werden sie einzelfallbezogen bewertet, ebenso wie portugiesische Zeugnisse. Wer den Weg über eine internationale Fernschule wählt, landet dagegen bei IGCSE und A-Levels oder bei einem deutschen Fernschulabschluss, die von den Zeugnisanerkennungsstellen nach festen Kriterien bewertet werden. Entscheidend ist in beiden Fällen die lückenlose Zeugniskette, denn ein fehlendes Schuljahr lässt sich später nicht rekonstruieren.
Beachte auch den Kalender: Das kapverdische Schuljahr beginnt im Oktober, europäische Fernschulen arbeiten meist mit dem September-Rhythmus oder mit rollierendem Einstieg. Wer mitten im Jahr wechselt, verliert leicht ein halbes Jahr, wenn er die Übergänge nicht vorher plant.
Häufige Irrtümer
- Irrtum eins: Was in Portugal gilt, gilt auch auf den Kapverden. Der ensino doméstico ist gerade nicht übernommen worden.
- Irrtum zwei: Die Schulpflicht endet nach sechs Jahren. Der ensino básico dauert acht Jahre, mit gesetzlich angelegter Ausweitung.
- Irrtum drei: Privatunterricht ist eine reine Privatsache. Artikel 85 stellt seine Ausübung unter staatlichen Genehmigungsvorbehalt.
Kosten und Aufwand
Private Schulen auf den Kapverden sind im internationalen Vergleich günstig, das Angebot ist dafür begrenzt. Fernschulen kosten je nach Anbieter zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro pro Jahr, hinzu kommen Prüfungsgebühren und gegebenenfalls Reisen zu Prüfungszentren. Der größte Posten ist auch hier die Zeit eines Elternteils.
Lernmaterial muss in der Regel importiert werden. Bücher, Experimentiersets und Sprachlehrwerke sind auf den Inseln kaum erhältlich, Sendungen aus Europa brauchen Zeit und verursachen Einfuhrkosten. Bestelle den Bedarf für ein komplettes Schuljahr im Voraus und nimm ihn möglichst als Reisegepäck mit. Digitale Materialien lösen einen Teil des Problems, ersetzen aber weder Laborausstattung noch Kunst- und Musikbedarf.
Aufenthalt, Wohnsitz und Steuern
Kap Verde ist für Familien aus Europa gut erreichbar und hat ein vergleichsweise unkompliziertes Aufenthaltsrecht mit Optionen für Selbstständige, Investoren und Ruheständler. Wie das Land Einkommen, Renten und Unternehmensgewinne besteuert und ab wann steuerliche Ansässigkeit entsteht, findest du im Länderprofil auf steueratlas.info. Wer den Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz plant, sollte Wohnsitz, Wegzugsbesteuerung und Meldepflichten vorher klären, am besten in einem Beratungsgespräch.
Bildungsplanung für die Kapverden
Die Kapverden sind ein angenehmer Standort für Familien, aber kein Ort für rechtlich freies Homeschooling. Die Schulpflicht beginnt mit sechs, umfasst mindestens acht Jahre und wird schrittweise ausgeweitet, privater Unterricht ist genehmigungspflichtig, und der portugiesische ensino doméstico existiert hier nicht. Melde dein Kind an einer Schule oder einer akkreditierten Fernschule an, bevor ihr umzieht, und plane die Sekundarstufe frühzeitig, weil das Angebot auf den kleineren Inseln nicht ausreicht. Dann funktioniert der Archipel als Lebensmittelpunkt sehr gut.







