Die Kapverden gehören zu den wenigen afrikanischen Zielen, die bei der Einfuhr von Hunden und Katzen einen Antikörpernachweis gegen Tollwut verlangen. Das Land orientiert sich eng an internationalen Standards, und das hat einen praktischen Effekt: Der Zeitplan ist länger als anderswo, dafür ist die Rückkehr nach Europa später deutlich einfacher.
Wer mit Tier nach Sal, São Vicente oder Santiago zieht, sollte deshalb nicht mit dem Flug anfangen, sondern mit dem Impftermin. Alles andere hängt daran.
Die Einfuhrbedingungen der Kapverden
Zuständig für Tiergesundheit und Einfuhrkontrolle ist die staatliche Generaldirektion für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Viehzucht, im Land unter dem Kürzel DGASP bekannt. Die Behörde legt die Anforderungen fest, die im amtlichen Zeugnismuster für Hunde und Katzen abgebildet sind.
Die Kennzeichnung erfolgt zwingend über einen Mikrochip, und die Kennzeichnung muss mit der Impfung verknüpft sein. Praktisch heißt das: erst chippen, dann impfen. Eine vor dem Chip verabreichte Tollwutimpfung ist für die Einfuhr nicht verwertbar.
Die Tollwutimpfung muss gültig sein und mindestens 30 Tage vor der Einreise erfolgt sein. Verabreicht werden darf sie frühestens im Alter von drei Monaten. Tiere unter drei Monaten dürfen nur einreisen, wenn sie von einer gegen Tollwut geimpften Mutter stammen. Beim klinischen Untersuchungstermin darf das Tier keine Anzeichen ansteckender Erkrankungen zeigen.
Verlangt wird ein Dokument über eine Blutprobe, die frühestens 30 Tage nach der Tollwutimpfung entnommen wurde und einen Titer neutralisierender Antikörper von mindestens 0,5 IU/ml ausweist. Das ist derselbe Grenzwert, den die EU für die Wiedereinreise aus nicht gelisteten Drittländern ansetzt.
Diese Anforderung bestimmt deinen gesamten Kalender: Impfung, dann 30 Tage warten, dann Blutentnahme, dann die Laufzeit des Labors. Realistisch liegen zwischen dem Impftermin und einem verwertbaren Befund sechs bis acht Wochen. Lass die Auswertung gleich in einem von der EU-Kommission zugelassenen Labor machen und den Befund im Heimtierausweis eintragen, dann erfüllst du damit auch die Anforderungen für den Rückweg.
Gesundheitszeugnis mit zehn Tagen Gültigkeit
Das amtliche Gesundheitszeugnis für die Kapverden ist zehn Tage gültig. Das ist komfortabler als die 24- oder 72-Stunden-Fenster anderer Zielländer, aber es setzt trotzdem einen festen Termin beim Veterinäramt voraus. Weil Amtssprache Portugiesisch ist, gehört das Zeugnis in portugiesischer Fassung oder mit beglaubigter Übersetzung in die Mappe.
Für die Ausstellung solcher Zeugnisse im lusophonen Raum existieren feste Muster. Wer den Ablauf und die Formularlage nachvollziehen will, findet die entsprechenden Hinweise bei der portugiesischen Veterinärbehörde DGAV zum Reisen mit Heimtieren. Verbindlich bleibt die Auskunft der kapverdischen Behörde beziehungsweise der Botschaft.
Flug auf die Inseln
Kleine Hunde und Katzen dürfen bei mehreren europäischen Airlines in die Kabine, wenn Tier und Tasche zusammen acht Kilogramm nicht überschreiten und die Tasche unter den Vordersitz passt, meist bei einem Maß um 55 x 40 x 23 Zentimeter. Größere Tiere reisen als Übergepäck im klimatisierten Frachtraum oder als eigenständige Luftfracht.
Für Frachtraum und Luftfracht brauchst du eine Box nach den IATA-Vorgaben für lebende Tiere: stabile Bauweise, verschraubte Tür mit Metallgitter, Belüftung an mindestens drei Seiten, außen befüllbare Näpfe, saugfähige Einlage. Kurznasige Rassen lehnen viele Airlines für den Frachtraum ab, und Temperaturgrenzen können eine Buchung kurzfristig kippen.
Die Kapverden sind aus Europa vergleichsweise gut erreichbar, oft mit Direktflug oder einem einzigen Umstieg in Lissabon. Das ist ein echter Vorteil für dein Tier: Kurze Flugzeit und wenig Umsteigestress sind der wichtigste Faktor für einen entspannten Transport. Zwischen den Inseln fliegen kleinere Maschinen, bei denen die Regeln für Tiertransporte abweichen können. Kläre das vor der Buchung der Anschlussverbindung.
Was am Flughafen kontrolliert wird
Geprüft wird der Papiersatz, nicht der Eindruck. Achte darauf, dass die Chipnummer auf jedem Dokument gleich geschrieben ist: im Heimtierausweis, auf der Impfbescheinigung, im Laborbefund und im Gesundheitszeugnis. Der Laborbefund ist dabei das Dokument, das am häufigsten fehlt, weil er separat per Post kommt und gern in der Umzugskiste landet.
Nimm einen vollständigen Kopiensatz in einer wasserfesten Hülle außen an der Transportbox mit und einen zweiten Satz im Handgepäck. Zieladresse und eine Telefonnummer auf den Inseln gehören gut lesbar auf die Box, damit dein Tier auch dann zugeordnet werden kann, wenn ihr getrennt ankommt.
Kostenüberblick
- Mikrochip: 30 bis 60 Euro
- Tollwutimpfung: 30 bis 50 Euro
- Grundschutz auffrischen: 50 bis 120 Euro
- Titerbestimmung inklusive Blutentnahme und Versand: 80 bis 150 Euro
- Amtliches Gesundheitszeugnis mit Beglaubigung: 30 bis 100 Euro
- Beglaubigte Übersetzung ins Portugiesische: 50 bis 150 Euro
- IATA-Box: 80 bis 300 Euro
- Kabinenplatz: ab rund 60 Euro pro Strecke
- Frachtraum oder Luftfracht: meist 400 bis 1.200 Euro, deutlich günstiger als bei Fernzielen
Die kurze Strecke macht sich im Preis bemerkbar. Der teuerste Posten ist hier nicht der Flug, sondern die Vorbereitungszeit mit Impfung, Wartefrist und Labor.
Zurück in die EU: fast schon vorbereitet
Die Kapverden stehen nicht auf der EU-Liste anerkannter Drittländer. Für die Rückkehr gelten also Mikrochip, gültige Tollwutimpfung, Titer von mindestens 0,5 IU/ml aus einem EU-zugelassenen Labor, drei Monate Wartezeit sowie eine amtliche Tiergesundheitsbescheinigung und die Einreise über einen zugelassenen Reisendeneingang.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Weil du den Titertest ohnehin brauchst, musst du ihn nur an der richtigen Stelle machen lassen. Erfolgt die Blutentnahme vor der Ausreise in der EU und wird das Ergebnis im Heimtierausweis dokumentiert, entfällt die Dreimonatsfrist für die Rückkehr vollständig. Welche Nachweise die EU im Einzelnen verlangt, erklärt das Portal Your Europe zu Reisen mit Haustieren.
Für Hunde gilt zusätzlich das deutsche Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz mit dem Verbringungsverbot für Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier und deren Kreuzungen.
Tieralltag auf den Kapverden
Der Umzug auf eine Insel bedeutet, dass du Ersatzwege einplanen musst. Was auf dem Festland eine Autofahrt ist, ist hier ein Flug oder eine Fähre. Kläre deshalb vor dem Umzug, welche Praxis auf deiner Insel arbeitet und wohin ein komplizierter Fall verlegt würde.
Auf Santiago, São Vicente und Sal gibt es Kleintierpraxen, auf den kleineren Inseln ist die Versorgung eingeschränkt. Wer auf einer Nebeninsel lebt, sollte vorab klären, wie ein Notfall abläuft und ob eine Verlegung per Inlandsflug möglich ist. Ein Vorrat an Dauermedikation und Parasitenschutz gehört ins Gepäck.
Das Klima ist trocken und windig, die Hitze im Sommer erheblich. Schattenplätze, ständiger Zugang zu Wasser und Bewegung außerhalb der Mittagszeit sind Pflicht. Salz, Sand und Wind setzen Pfoten und Augen zu, gerade bei Tieren mit heller Haut oder kurzem Fell.
Streunende Katzen und Hunde sind auf den Inseln verbreitet, Kastrationsprojekte gibt es punktuell. Halte deinen Impfschutz aktuell und meide Kontakt zu freilaufenden Tieren, deren Status du nicht kennst. In Wohnanlagen und touristischen Zonen gelten oft eigene Hausregeln zur Tierhaltung, die du vor dem Mietvertrag klären solltest.
Vermieter, Nachbarn und Hausordnung
Viele Wohnungen auf den Inseln werden möbliert und über Verwaltungen vermietet, die eigene Regeln zur Tierhaltung führen. Kläre schriftlich, ob Hund oder Katze erlaubt sind, ob eine Kaution fällig wird und ob Balkone und Innenhöfe genutzt werden dürfen. Eine mündliche Zusage hilft dir bei einem Verwalterwechsel wenig.
In Wohngegenden mit vielen Streunern reagieren Nachbarn empfindlich auf freilaufende Tiere. Leinenführung und ein sicher eingezäunter Außenbereich ersparen dir Diskussionen und schützen dein Tier vor Kontakt mit ungeimpften Artgenossen.
Deine Reihenfolge in Kurzform
Chip prüfen, Tollwut impfen, 30 Tage warten, Blut abnehmen lassen, Befund im Heimtierausweis eintragen, Flug und Box buchen, innerhalb der letzten zehn Tage das amtliche Gesundheitszeugnis holen. Wer diese sieben Schritte in dieser Reihenfolge abarbeitet, hat weder bei der Einreise noch bei einer späteren Rückkehr ein Problem.
Für die steuerliche und aufenthaltsrechtliche Seite deines Wegzugs gilt eine eigene Fristenlogik. Ein Beratungsgespräch im Vorfeld sorgt dafür, dass Abmeldung, Anmeldung vor Ort und Tiertransport nicht gleichzeitig kippen.







