Indonesien steht bei Auswanderern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz weit oben, und die meisten meinen damit Bali. Die Sicherheitslage des Landes lässt sich aber nicht von einer Insel aus beurteilen: Indonesien umfasst über 17.000 Inseln, eine Teilreisewarnung für fünf Provinzen, mehr aktive Vulkane als jedes andere Land und seit Januar 2026 ein neues Strafgesetzbuch, das auch für Ausländer gilt. Wer hierher zieht, muss diese vier Ebenen getrennt bewerten.

Die offizielle Lagebewertung

Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts (Stand 1. August 2026) sprechen keine allgemeine Reisewarnung aus, raten aber von nicht erforderlichen Reisen in fünf der sechs Provinzen des indonesischen Teils Neuguineas ab: Papua, Papua Barat, Papua Pegunungan, Papua Tengah und Papua Selatan. Grund sind separatistische Gewalt und Entführungsrisiko. Entführungsgefahr besteht darüber hinaus auf abgelegenen Inseln in den Grenzgebieten von Ost-Kalimantan zu Malaysia und den Philippinen sowie in Nord-Sulawesi. In der Sulusee und in der Straße von Malakka kommt es zu Piraterie.

Für Terrorismus gilt landesweit ein erhöhtes Risiko. Als besonders gefährdet nennt das Auswärtige Amt internationale Hotels, Einkaufszentren, Nachtclubs, Flughäfen, christliche Kirchen sowie westliche und nichtmuslimische Einrichtungen in Jakarta, Bandung, Medan, Makassar, Surabaya und auf Bali. Das Schweizer EDA und das österreichische Außenministerium teilen diese Einschätzung.

Was Zuzügler tatsächlich trifft, ist weniger spektakulär: Straßendiebstahl, Handtaschenraub vom Motorroller aus und erzwungene Abhebungen am Geldautomaten. Für allein reisende Frauen nennt das Auswärtige Amt Jakarta als besonders raubgefährdet. Auf Bali dominiert Betrug: manipulierte Geldautomaten, überhöhte Reparaturforderungen nach Rollerverleih und gefälschte Immobilienangebote. Nutze Geldautomaten nur innerhalb von Bankfilialen und Einkaufszentren, und prüfe jeden Roller vor der Anmietung fotografisch auf Vorschäden.

Das neue Strafgesetzbuch seit 2026

Zum Jahresbeginn 2026 ist das neue indonesische Strafgesetzbuch nach einer mehrjährigen Übergangsphase in Kraft getreten. Es gilt für Staatsangehörige und für Besucher gleichermaßen. Relevant für Auswanderer sind zwei Punkte: Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe kann mit bis zu einem Jahr Haft geahndet werden, und die Bestimmungen zur Beleidigung des Präsidenten und staatlicher Institutionen wurden wieder eingeführt. Auch die Blasphemie-Vorschriften wurden verschärft.

In der praktischen Anwendung gibt es eine wichtige Einschränkung: Ein Verfahren wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs kann nur eingeleitet werden, wenn ein direktes Familienmitglied Anzeige erstattet. Die Polizei darf nicht von sich aus Hotelzimmer kontrollieren oder Trauscheine verlangen. Für gemeinsam reisende Ausländer ist das Risiko damit gering. Für unverheiratete Paare mit indonesischem Partner sieht es anders aus, weil dort die Anzeigeberechtigten existieren. Nimm die Vorschrift ernst, ohne sie zu dramatisieren.

Drogen: kein Ermessensspielraum

Indonesien hat einige der härtesten Drogengesetze der Welt. Verstöße werden auch bei minimalen Mengen scharf bestraft, und für Handel ist die Todesstrafe vorgesehen. Diese Regeln gelten uneingeschränkt für Ausländer, und Bali ist dabei kein Sonderraum. Es gibt keine Bagatellgrenze, auf die du dich verlassen könntest.

Naturgefahren auf dem Feuerring

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring. Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche gehören zur Normallage, nicht zur Ausnahme. Die Monsunzeit von November bis März bringt Überschwemmungen, in Jakarta regelmäßig großflächig. Wer hier lebt, sollte die offiziellen Warnkanäle kennen: Erdbeben- und Tsunamiwarnungen kommen von der Behörde BMKG, Vulkanwarnstufen und Sperrzonen veröffentlicht MAGMA Indonesia.

Praktisch heißt das: Wenn du an der Küste wohnst, kenne den Weg zu einem Punkt mindestens 20 Meter über dem Meeresspiegel und übe ihn einmal. Bei einem starken Beben an der Küste ist das Beben selbst die Warnung, nicht die Sirene. Flugausfälle wegen Vulkanasche sind auf Bali und Java ein wiederkehrendes Ereignis; plane Anschlussflüge nach Europa deshalb nie auf Kante.

Gesundheit und medizinische Versorgung

Dengue und Malaria sind je nach Region relevante Risiken, Tollwut ist durch streunende Tiere weit verbreitet, und Bali gehört zu den Gebieten mit dokumentierten Fällen. Nach jedem Biss oder Kratzer durch ein Säugetier brauchst du sofort eine ärztliche Abklärung, weil die postexpositionelle Impfung zeitkritisch ist. Ein zweites, oft unterschätztes Risiko sind Methanolvergiftungen durch gepanschten Alkohol, die in der Region wiederholt zu Todesfällen geführt haben; meide selbst abgefüllte Spirituosen und billige Cocktails aus unklarer Quelle.

Die medizinische Versorgung außerhalb Jakartas ist begrenzt. Auf Bali gibt es internationale Kliniken mit brauchbarem Standard, für komplexe Fälle ist die Verlegung nach Singapur der Regelweg. Eine Auslandskrankenversicherung mit Evakuierungsdeckung ist damit Grundvoraussetzung. Wichtig für Taucher und Rollerfahrer: Prüfe, ob dein Vertrag Tauchunfälle und Motorradunfälle einschließt, weil beide häufig ausgeschlossen sind und beide auf Bali die häufigsten schweren Schadensfälle darstellen.

Aufenthalt, Steuern und Immobilien

Indonesien hat die Aufenthaltsmöglichkeiten für Ausländer in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, von befristeten Arbeitsvisa über Investorenvisa bis zu längerfristigen Titeln. Zuständig ist die Einwanderungsbehörde Direktorat Jenderal Imigrasi. Steuerlich gibt es für qualifizierte Zuzügler eine zeitlich befristete Begünstigung ausländischer Einkünfte; die Details und die Voraussetzungen sind im Beitrag Auswandern nach Indonesien aufgeschlüsselt.

Beim Immobilienerwerb ist Vorsicht der wichtigste Sicherheitsfaktor überhaupt. Ausländer können kein Volleigentum an Grund und Boden erwerben; verbreitete Umgehungskonstruktionen über einen indonesischen Namensinhaber sind rechtlich angreifbar und enden regelmäßig im Totalverlust. Welche Wege tragen und welche nicht, haben wir im Leitfaden zum Immobilienkauf in Indonesien zusammengestellt. Für die unternehmerische Seite eines Umzugs liefert der Beitrag Beratung zum Thema International Tax den Einstieg.

Notrufe und Krisenvorsorge

Die einheitliche Notrufnummer ist 112; daneben gelten 110 für die Polizei und 118 für den Rettungsdienst. Die Reaktionszeiten sind außerhalb der Ballungsräume lang. Trag dich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND ein, damit dich die Botschaft in Jakarta oder das Konsulat auf Bali bei einer Naturkatastrophe erreichen kann.

Roller, Verkehr und die häufigste Verletzung

Die mit Abstand häufigste schwere Verletzung bei Auswanderern in Indonesien entsteht nicht durch Kriminalität, sondern durch Rollerunfälle. Auf Bali sind Stürze mit Schürfwunden, Frakturen und Kopfverletzungen Alltag in den internationalen Kliniken. Ursachen sind fehlende Fahrpraxis, Regen auf glattem Asphalt, unbeleuchtete Fahrzeuge und die Gewohnheit, ohne Helm zu fahren. Fahre nur mit gültiger Fahrerlaubnis für die jeweilige Fahrzeugklasse, weil deine Versicherung sonst leistungsfrei ist und du bei einem Unfall zusätzlich in ein Bußgeldverfahren gerätst.

Ein internationaler Führerschein wird anerkannt, muss aber die Klasse für Krafträder enthalten. Wer ohne diese Berechtigung fährt, ist im Schadensfall doppelt betroffen: keine Deckung für eigene Verletzungen und persönliche Haftung für Schäden Dritter. Die Kombination aus fehlender Deckung und einem Krankenhaus, das Vorkasse verlangt, ist der klassische Weg in einen fünfstelligen Schaden.

Wohnen und Nachbarschaft

Auf Bali organisiert sich das Dorfleben über die traditionelle Gemeinschaftsstruktur, und diese entscheidet über vieles, was in Europa Behörden regeln würden: Zufahrten, Bauhöhen, Lärm, Zeremonien. Wer als Zuzügler ein gutes Verhältnis zur lokalen Gemeinschaft aufbaut, löst Konflikte informell und schnell. Wer sich abschottet, steht bei Streitigkeiten allein. Die Nachbarschaft ist in Indonesien der wirksamste Sicherheitsfaktor, wirksamer als Mauern und Kameras.

Bei Mietverträgen ist die Vorauszahlungspraxis zu beachten: Üblich sind Zahlungen für ein oder mehrere Jahre im Voraus. Prüfe deshalb die Eigentümerstellung des Vermieters, bevor Geld fließt, und lass dir Grundbuchauszug und Ausweis zeigen. Untervermietungsketten sind verbreitet und führen regelmäßig dazu, dass ein Mieter zweimal für dieselbe Zeit zahlt.

Was du in Indonesien einplanen musst

Indonesien ist für Auswanderer aus dem DACH-Raum kein gefährliches Land, aber ein anspruchsvolles. Die Alltagskriminalität ist beherrschbar, das Terrorrisiko real, aber statistisch klein, und die Papua-Provinzen betreffen dich schlicht nicht, wenn du nicht dorthin ziehst. Was wirklich zählt, sind drei Dinge: eine Versicherung, die Roller- und Tauchunfälle sowie Evakuierung abdeckt, eine Wohnortwahl mit Blick auf Tsunami- und Vulkanexposition und ein Immobilienengagement, das rechtlich hält. Diese drei Punkte entscheiden über deinen Erfolg, nicht die Frage, ob Bali sicher ist.

Die steuerliche Struktur gehört vor den Umzug, nicht danach. Kläre sie in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Indonesien, solange du deinen Wohnsitz noch selbst steuern kannst.