Vietnam ist für viele deutschsprachige Auswanderer attraktiv: niedrige Kosten, wachsende Wirtschaft, gute Anbindung, freundlicher Alltag. Die Kriminalitätsrate ist niedrig, Gewaltkriminalität gegen Ausländer selten. Genau deshalb wird das eigentliche Risiko regelmäßig unterschätzt, denn es liegt nicht bei Kriminellen, sondern im Straßenverkehr und in der Rechtsordnung.

Das Auswärtige Amt spricht in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Vietnam keine Reisewarnung aus, listet aber eine bemerkenswerte Zahl konkreter Warnungen auf, und diese betreffen fast alle Situationen, in die du im Alltag geraten kannst.

Der Straßenverkehr ist die größte Gefahr

Von Vietnams Straßen geht laut Auswärtigem Amt eine starke Gefährdung aus. Die Zahl der Verkehrstoten gehört zu den höchsten im internationalen Vergleich, das Unfallrisiko liegt um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Die meisten Unfälle passieren nach Einbruch der Dunkelheit. Die Helmpflicht für Mopedfahrer hat daran nichts geändert.

Besonders betroffen sind ausländische Motorradfahrer auf Landstraßen, vor allem in der bei Reisenden beliebten Provinz Ha Giang, wo es mehrfach zu schweren und tödlichen Unfällen kam. Entscheidend ist der zweite Teil des Befunds: Die ärztliche Versorgung außerhalb der Ballungsgebiete ist unzureichend, und notärztliche Versorgung sowie Rettungsflüge innerhalb des Landes gibt es nicht.

Wer in Vietnam lebt und Motorrad fährt, sollte diese Kombination ernst nehmen: kein Nachtfahren über Land, ordentlicher Helm, defensive Fahrweise, und eine Versicherung, die den Transport nach Bangkok oder Singapur zahlt.

In der Ha-Long-Bucht kam es in den letzten Jahren wiederholt zu Schiffsunfällen mit Todesopfern. Schiffe sind häufig nicht seetüchtig und verfügen nicht immer über ausreichend Rettungswesten. Buche nur bei renommierten Anbietern und überzeuge dich selbst von Rettungsmitteln und Fluchtwegen.

Rechtliche Risiken, die Ausländer regelmäßig treffen

Vietnam ist ein Einparteienstaat, und das schlägt auf sehr praktische Weise durch.

  • E-Zigaretten sind vollständig verboten. Einfuhr, Besitz und Nutzung sämtlicher elektronischer Zigaretten, Verdampfer und Tabakerhitzer samt Zubehör sind untersagt. Es drohen Geldstrafen bis zu drei Milliarden Dong oder bis zu 15 Jahren Haft.
  • Polizeirazzien mit Zwangsdrogentests häufen sich derzeit in Bars und Nachtclubs, vor allem in Ho-Chi-Minh-Stadt. Anwesende Gäste müssen einen Test absolvieren. Bei positivem Nachweis droht mehrtägige Ingewahrsamnahme ohne Kontakt zu Angehörigen oder Anwälten. Entscheidend: Nach vietnamesischem Recht ist unerheblich, wann und in welchem Land konsumiert wurde. Auch ein Wochen zurückliegender Konsum kann einen positiven Test auslösen.
  • Regierungskritische Posts in sozialen Medien werden häufig strafrechtlich verfolgt, auch wenn sie aus Deutschland heraus abgesetzt wurden. Deutsche mit vietnamesischen Wurzeln wurden vereinzelt an der Ausreise gehindert und polizeilich vernommen.
  • Demonstrationen in der Öffentlichkeit sind verboten. Die Teilnahme kann zu langer Untersuchungshaft und Freiheitsstrafen unter harten Bedingungen führen.

Hinzu kommen militärische Sperrgebiete, die nicht immer gekennzeichnet sind und kurzfristig deklariert werden können. Für Aufenthalte in Grenznähe brauchst du eine gesondert zu beantragende Genehmigung des Ministeriums für öffentliche Sicherheit. Verstöße können zu Verhaftung und Spionagevorwürfen führen.

Alltagskriminalität und typische Maschen

Ein Anstieg von Kleinkriminalität ist zu beobachten, besonders in Touristengebieten. Konkret nennt das Auswärtige Amt:

  • Diebstähle am Bahnhof von Hanoi, vor allem bei Ankunft mit dem Nachtzug aus Hue oder Sapa
  • Bargelddiebstahl aus Hotelzimmern, auch in Häusern der gehobenen Kategorie
  • Handtaschen- und Gepäckdiebstahl in Ho-Chi-Minh-Stadt, Nha Trang und Hanoi, von vorbeifahrenden Mopeds aus oder nach Ablenkungsmanövern
  • Betrugsversuche in Hanoi am Hoan-Kiem-See, etwa erfundene Fotogebühren oder beschmutzte Schuhe mit anschließender Rückgabegebühr
  • Kreditkartenbetrug durch kopierte Karten

Ernster ist ein anderer Punkt: In Bars und Clubs größerer Städte sowie auf der Insel Cat Ba kommt es vereinzelt zum Einsatz von K.-o.-Tropfen und in der Folge zu sexuellen Übergriffen. Auch in Überlandbussen bei Nacht wurde von Übergriffen berichtet, besonders auf alleinreisende Frauen. Bestehe in solchen Fällen immer auf einer Anzeige bei der Polizeibehörde am Zielbusbahnhof.

Gesundheit, Notrufnummern und Botschaft

Die medizinische Versorgung in großen Städten ist akzeptabel, in ländlichen Gebieten jedoch oft mangelhaft. Internationale Kliniken in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt bieten gute Versorgung zu höheren Preisen. Für schwere Fälle ist die Verlegung nach Bangkok oder Singapur der Standardweg, weshalb eine Police mit Evakuierungsdeckung Pflicht ist.

  • Polizei: 113
  • Feuerwehr: 114
  • Rettungsdienst: 115
  • Deutsche Vertretungen in Vietnam: vietnam.diplo.de

Kultur, Alltag und Aufenthalt

Vietnam verfügt über eine reiche Geschichte und kulturelle Traditionen, die Auswanderer aus deutschsprachigen Ländern verstehen sollten. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam haben dabei eine besondere Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht und durch die vietnamesische Gemeinschaft in Deutschland bis heute lebendig ist.

Im Alltag zahlt sich Zurückhaltung aus. Gesicht wahren, Konflikte nicht öffentlich austragen, Behörden gegenüber höflich und geduldig bleiben. Wer Vietnamesisch lernt, auch nur in Grundzügen, kommt in Verwaltung und Nachbarschaft deutlich weiter.

Für den Aufenthalt brauchst du einen passenden Visumstyp und in der Regel einen lokalen Sponsor. Immobilieneigentum ist für Ausländer nur eingeschränkt möglich, üblich sind langfristige Nutzungsrechte an Wohnungen. Die steuerlichen Eckdaten findest du im Steueratlas-Länderprofil zu Vietnam.

Einreise und Visum

Für Aufenthalte bis maximal 45 Tage brauchen deutsche Staatsangehörige kein Visum, wobei Ein- und Ausreisetag jeweils als voller Tag zählen. Bei der Einreise musst du einen Ausdruck des Rück- oder Weiterflugtickets vorlegen, aus dem die fristgerechte Ausreise hervorgeht. Der Reisepass muss ab dem Einreisetag noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Wer länger bleibt, braucht ein Visum. Für Arbeit und Daueraufenthalt kommt in der Regel eine Temporary Residence Card in Betracht, die an einen Arbeitgeber, eine Investition oder eine Familienangehörigkeit gebunden ist. Wichtig: Die visafreie Einreise gilt nicht für Journalisten und Filmemacher, die in Vietnam beruflich tätig werden wollen. Wer Dokumentationen oder Reportagen produziert, braucht ein eigenes Visum und eine Drehgenehmigung.

Klima und Naturgefahren

In Mittelvietnam, im Mekong-Delta und in Teilen des Südens treten besonders zwischen Juni und November Taifune auf, die großflächige Überschwemmungen, Erdrutsche und Infrastrukturschäden verursachen. Starke Regenfälle in der Monsunzeit führen von Juni bis September im Norden und Süden sowie von Oktober bis Dezember in Mittelvietnam zu Überschwemmungen. Hanoi entlang des Roten Flusses und die Mekong-Delta-Regionen sind regelmäßig betroffen.

Die Erdbebengefahr ist gering, Tsunamis aus dem südostasiatischen Raum können Vietnam aber erreichen. Wenn du an der Küste oder in Flussnähe wohnst, gehören Wetterwarnungen und die Warnstufen der vietnamesischen Behörden in deine tägliche Routine, ebenso eine Notfallausrüstung mit Wasser, Powerbank und Dokumentenkopien.

Was medizinische Versorgung hier bedeutet

Das Auswärtige Amt bezeichnet die Versorgung als mit Europa nicht vergleichbar und vielfach technisch, apparativ oder hygienisch problematisch. In Provinzkrankenhäusern sprechen Personal und Ärzte in der Regel nur Vietnamesisch. Bessere Standards gibt es nur in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, wo internationale Kliniken wie Family Medical Practice oder SOS International die erste Anlaufstelle sind und eine Verständigung auf Englisch möglich ist. Eine notfallärztliche Versorgung im europäischen Sinn existiert im Land nicht.

Wohnen und Arbeiten vor Ort

Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Da Nang sind die drei Standorte, an denen sich internationale Zuzügler konzentrieren. Da Nang und Hoi An gelten als ruhiger und deutlich günstiger, haben dafür weniger medizinische Tiefe. In allen drei Städten sind bewachte Apartmentanlagen mit Wachpersonal und Zugangskontrolle der Normalfall und ein wirksamer Schutz gegen die häufigen Wohnungsdiebstähle.

Beim Arbeiten gilt: Wer für einen vietnamesischen Arbeitgeber tätig wird, braucht eine Arbeitserlaubnis, und die Prüfung ist formal streng. Remote-Arbeit für ausländische Auftraggeber wird in der Praxis geduldet, ist aufenthaltsrechtlich aber nicht klar abgesichert. Wer dauerhaft bleiben will, sollte den Status sauber klären, statt sich auf wiederholte Visa-Runs zu verlassen, weil die Behörden diese Praxis zunehmend beanstanden.

Dein Umgang mit dem Risiko in Vietnam

Vietnam ist ein Land, in dem du sehr sicher lebst, solange du zwei Dinge respektierst: die Straße und die Gesetze. Die Kriminalität ist beherrschbar, die Menschen sind zugewandt, die Lebensqualität in Da Nang, Hoi An oder Ho-Chi-Minh-Stadt ist für viele Zugezogene hoch. Wer aber Motorrad fährt wie ein Tourist oder politisch postet wie in Europa, produziert Risiken, die schnell existenziell werden.

Konkret heißt das: keine E-Zigaretten, keine Drogen in irgendeinem Land vor der Reise, keine politischen Kommentare, kein Nachtfahren über Land, eine Versicherung mit Evakuierungsdeckung. Für die steuerliche Struktur deines Wegzugs aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nutzt du am besten ein Beratungsgespräch zum Wegzug ins Ausland.