Wer mit Hund oder Katze nach Vietnam zieht, findet vergleichsweise pragmatische Einreiseregeln vor. Das Auswärtige Amt fasst sie in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Vietnam knapp zusammen: Die Einfuhr von Haustieren ist mit tierärztlichem Impfzeugnis und gültiger Tollwutimpfung möglich. Der schwierige Teil kommt erst später, nämlich dann, wenn du irgendwann mit dem Tier zurück in die EU willst.

Was Vietnam bei der Einreise verlangt

Zuständig ist die vietnamesische Veterinärbehörde unter dem Landwirtschaftsministerium, im Alltag über die regionalen Tierquarantänestellen an den Flughäfen erreichbar. Dein Tier braucht einen Mikrochip nach ISO 11784/11785, und dieser Chip muss vor der Tollwutimpfung gesetzt sein. Die Chipnummer muss auf jedem Dokument stehen, vom Impfausweis bis zum Gesundheitszeugnis.

Die Tollwutimpfung muss mehr als 30 Tage und weniger als zwölf Monate vor der Reise erfolgt sein und darf zeitlich nicht vor der Chipimplantation liegen. Mehrjahresimpfstoffe werden in der Region nicht überall anerkannt, viele Quarantänestellen rechnen mit einem Jahr Gültigkeit. Wenn deine letzte Impfung länger als ein Jahr zurückliegt, lass rechtzeitig auffrischen und halte die 30-Tage-Wartezeit ein.

Dazu kommt ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis in englischer Sprache. Es sollte innerhalb der letzten sieben Tage vor Ankunft ausgestellt sein. Das ist ein enges Fenster, das mit dem Termin beim Amtstierarzt und dem Abflugtag abgestimmt werden muss.

Für die private Mitnahme von ein bis zwei Tieren im Reiseverkehr wird üblicherweise keine gesonderte Einfuhrgenehmigung verlangt. Wer mehr Tiere mitbringt, braucht eine Genehmigung der Veterinärbehörde. Unabhängig davon ist eine Quarantäneanmeldung bei der zuständigen regionalen Tierquarantänestelle vor der Ankunft üblich. Melde dein Tier deshalb vorab an, auch wenn du formal keine Importlizenz brauchst.

Quarantäne am Flughafen

Bei vollständigen Papieren, gültiger Impfung und gesundem Tier wird in der Praxis keine Quarantäne verhängt. Die Abfertigung erfolgt am Ankunftstag durch den Quarantänebeamten, der Dokumente prüft, den Chip ausliest und das Tier klinisch untersucht.

Fehlt etwas oder stimmen die Impfabstände nicht, kann eine Quarantäne angeordnet werden. Die Dauer wird im Einzelfall festgelegt und richtet sich nach dem, was fehlt. Rechne im Zweifel mit ein bis drei Wochen und mit Kosten, die du trägst. Dieser Fall ist vermeidbar, wenn Chip, Impfdatum und Zeugnisdatum sauber ineinandergreifen.

Heimtiere reisen über die internationalen Flughäfen ein, in der Regel Hanoi Noi Bai oder Ho-Chi-Minh-Stadt Tan Son Nhat. Prüfe vor der Buchung, welche regionale Quarantänestelle für deinen Ankunftsflughafen zuständig ist, denn die Anmeldung läuft nicht zentral.

Rassen: keine nationale Verbotsliste

Vietnam führt keine landesweite Liste verbotener Hunderassen für die Einfuhr. Wer in älteren Texten eine Aufzählung britischer Verbotsrassen für Vietnam liest, sieht eine falsch übernommene Liste. Regelungen zu Leinen- und Maulkorbpflicht gibt es dagegen auf kommunaler Ebene, und Hanoi wie Ho-Chi-Minh-Stadt gehen seit Jahren gegen frei laufende Hunde vor.

Praktisch relevanter als Rassefragen ist die Tollwutlage. Vietnam gilt als Tollwutrisikoland, Impfkampagnen laufen, aber Streunerkontakte sind ein echtes Thema. Halte den Impfschutz deines Tieres lückenlos aufrecht, schon aus Eigeninteresse.

Der Punkt, an dem es teuer wird: der Titertest

Seit dem 22. April 2026 regelt die Delegierte Verordnung (EU) 2026/131 private Heimtierreisen in die Union. Vietnam steht nicht auf der Anhang-II-Liste der Durchführungsverordnung (EU) 2026/636 und ist damit kein von der Titerpflicht befreites Gebiet. Für die Einreise in die EU braucht dein Tier einen Tollwutantikörpertest mit mindestens 0,5 IU/ml aus einem von der Kommission zugelassenen Labor.

Genau hier warnt das Auswärtige Amt ausdrücklich: Eine Tollwut-Titerbestimmung ist in Vietnam nicht möglich. Blutproben können nach Frankreich geschickt werden, das ist aber kostenintensiv und dauert. Dazu kommt die Frist: Die Probe darf frühestens 30 Tage nach der Impfung entnommen werden, und zwischen Probenahme und Ausstellung der Tiergesundheitsbescheinigung müssen mindestens 90 Tage liegen. Die Bedingungen stehen auf der Seite der Kommission zu Heimtieren aus Drittländern.

Erledige den Titertest deshalb vor der Ausreise in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Solange die Tollwutimpfung danach ohne Lücke aufgefrischt wird, bleibt das Ergebnis nutzbar. Wer das versäumt, hängt im Notfall mindestens drei Monate in Vietnam fest, plus Versandzeit der Probe nach Europa.

Flug, Box und Kosten

Kleine Hunde und Katzen bis etwa acht Kilogramm inklusive Transportbox dürfen bei vielen europäischen Airlines in der Kabine mitfliegen, alles darüber reist als Übergepäck oder Fracht. Die Box muss IATA-konform sein und dem Tier erlauben, aufrecht zu stehen, sich zu drehen und ausgestreckt zu liegen.

Kurznasige Rassen sind das größte Buchungsrisiko: Mehrere Fluggesellschaften befördern Mops, Bulldogge oder Perserkatze nicht mehr im Frachtraum. Die Airline-Gebühr für den Frachtraum liegt auf Langstrecken je nach Fluglinie und Gewicht im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Mit Tierspedition, Box, Impfungen, Titertest und Abfertigung landest du für einen mittelgroßen Hund insgesamt im vierstelligen Bereich.

Bei den Kosten hilft eine Dreiteilung. Der erste Block ist die tierärztliche Vorbereitung mit Chip, Impfungen, Titertest und amtstierärztlicher Beglaubigung. Der zweite ist der Transport mit IATA-Box, Airline-Gebühr und gegebenenfalls Tierspedition. Der dritte sind Abfertigung und Quarantänegebühren in Vietnam. Der Transport dominiert die Rechnung, die Behördengebühren fallen dagegen kaum ins Gewicht.

Die häufigsten Fehler

  • Der Mikrochip wird nach der Tollwutimpfung gesetzt, damit zählt die Impfung nicht.
  • Die letzte Tollwutimpfung liegt länger als zwölf Monate zurück, weil auf einen Mehrjahresimpfstoff vertraut wurde.
  • Das Gesundheitszeugnis ist bei Ankunft älter als sieben Tage.
  • Die Quarantänestelle am Ankunftsflughafen wurde nicht vorab informiert.
  • Der Titertest für den Rückweg in die EU wurde nicht vor der Ausreise erledigt.

Vietnamesische Vermieter reagieren unterschiedlich auf Haustiere. In Serviced Apartments und moderneren Wohnanlagen in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi ist Tierhaltung häufig ausdrücklich geregelt, oft mit Größen- oder Stückzahlbeschränkung. Kläre das im Mietvertrag, bevor das Tier im Flugzeug sitzt. In älteren Wohnhäusern ohne Verwaltung entscheidet dagegen der Eigentümer allein, und mündliche Zusagen überstehen einen Eigentümerwechsel selten. Lass dir die Erlaubnis deshalb schriftlich geben, am besten zweisprachig.

Andere Tierarten und Stückzahlgrenzen

Frettchen gelten im EU-Recht als Heimtiere wie Hunde und Katzen und brauchen Chip und Tollwutimpfung. Für Vietnam ist der Fall selten, kläre ihn deshalb vorab mit der Quarantänestelle deines Ankunftsflughafens.

Bei Vögeln, Reptilien und Kleinsäugern greift zusätzlich das Artenschutzrecht. Vietnam ist Vertragsstaat des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, für geschützte Arten brauchst du Ausfuhr- und Einfuhrdokumente beider Länder. Bei geschützten Arten ohne CITES-Papiere droht die Beschlagnahme, nicht nur die Rückweisung. Viele Fluggesellschaften nehmen solche Sendungen ohnehin nicht an.

Für nichtkommerzielle Verbringungen erlaubt das EU-Recht höchstens fünf Heimtiere je Person. Darüber hinaus gilt die Bewegung als gewerblich, mit strengeren Anforderungen an Transport, Bescheinigungen und Grenzkontrollstellen.

Alltag, Klima und Tierarztlage

Der Norden um Hanoi hat vier Jahreszeiten mit schwüler Hitze im Sommer und kühlen, feuchten Wintern, der Süden ist ganzjährig tropisch. Für Hunde aus mitteleuropäischer Haltung bedeutet das eine echte Umstellung, mit Spaziergängen am frühen Morgen und späten Abend und mit dauerhaftem Parasitenschutz. Herzwurm, Zecken und Sandmücken sind ganzjährig ein Thema, nicht saisonal.

Tierärztlich sind Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi inzwischen gut aufgestellt, mit privaten Kleintierkliniken samt Labor, Bildgebung und teils englischsprachigem Personal. Außerhalb der großen Städte dünnt das Angebot schnell aus und ist stärker auf Nutztiere ausgerichtet. Kläre vor dem Umzug, wo die nächste Klinik mit Notdienst liegt.

Worauf es bei Vietnam wirklich ankommt

Die Einreise nach Vietnam ist der einfache Teil: Chip, Tollwutimpfung mit 30-Tage-Abstand, englisches Gesundheitszeugnis im Sieben-Tage-Fenster, Voranmeldung bei der Quarantänestelle. Der schwierige Teil ist der Rückweg, weil der Titertest im Land nicht durchgeführt werden kann.

Wer diesen einen Schritt vor der Ausreise erledigt, hat sich die größte spätere Blockade erspart. Alles Weitere, von der Aufenthaltsgenehmigung über die Wohnsitzfrage bis zur steuerlichen Abmeldung, gehört ohnehin in dieselbe Planung. Ein Beratungsgespräch lohnt sich hier vor der Ticketbuchung, nicht danach.