Die Costa Brava ist der nordöstliche Küstenabschnitt Spaniens, rund 200 Kilometer zwischen Blanes und der französischen Grenze bei Portbou. Wer 2026 an die Costa Brava auswandern will, landet damit in Katalonien: zerklüftete Felsküste, Pinienwälder, kurze Wege nach Barcelona und Frankreich, und ein Immobilienmarkt, der sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert hat. Diese Küste ist nicht der billige Süden Spaniens, sondern eine Region mit eigener Sprache, eigener Verwaltung und eigenem Preisniveau.
Wo an der Costa Brava du landen kannst
Blanes, Lloret de Mar und Tossa de Mar sind der am besten erschlossene Teil. Hier gibt es ganzjährige Infrastruktur, Bahnanschluss ab Blanes, Krankenhäuser und die kürzesten Wege nach Barcelona. Der Tourismus ist massiv, dafür sind die Preise moderater als weiter nördlich. Wie sich der Alltag dort anfühlt, beschreibt unser Beitrag zum Leben als Auswanderer in Lloret de Mar.
Die Mitte um Palamós, Begur und Palafrugell
Das Baix Empordà gilt als das schönste Stück Küste: Calella de Palafrugell, Llafranc, Tamariu und Begur mit seinen Buchten. Genau deshalb ist es auch das teuerste. Wer hier kauft, konkurriert mit Zweitwohnsitzkäufern aus Barcelona und Frankreich. Im Winter sind viele Orte fast leer.
Der Norden um Roses, Cadaqués und das Empordà
Roses und Empuriabrava im Golf von Roses bieten Kanalgrundstücke und günstigere Einstiegspreise, Cadaqués dagegen ist Kulturdenkmal und entsprechend teuer. Landeinwärts liegen Figueres mit dem Dalí-Museum und die Weinregion DO Empordà, dazu ein bezahlbarer Immobilienmarkt für alle, die nicht direkt am Wasser wohnen müssen.
Girona als Zentrum
Girona ist mit rund 105.000 Einwohnern die eigentliche Hauptstadt der Region: Universität, Universitätsklinik, Hochgeschwindigkeitszug nach Barcelona in 38 Minuten und nach Frankreich, dazu ein internationaler Flughafen. Wer ganzjährige Infrastruktur braucht, wohnt besser in Girona als an der Küste.
Immobilien und Mieten 2026
Der Markt zieht weiter an. Für die Costa Brava insgesamt werden 2026 Häuser mit rund 2.612 Euro pro Quadratmeter und Wohnungen mit etwa 2.973 Euro pro Quadratmeter gehandelt, jeweils mit leichten Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr. In Lloret de Mar lag der Angebotspreis im Juni 2026 bei rund 2.597 Euro pro Quadratmeter, in den Toplagen des Baix Empordà liegt er ein Vielfaches darüber.
Beim Mieten ist die Provinz Girona inzwischen der teuerste Küstenraum des spanischen Festlands, weil ein großer Teil des Bestands in der Ferienvermietung steckt. Ganzjahresmieten sind knapp und liegen für eine solide Wohnung meist zwischen 900 und 1.500 Euro. Ein gangbarer Einstieg sind Wintermietverträge von Oktober bis Mai, die deutlich günstiger sind. Rechne beim Kauf mit zehn bis dreizehn Prozent Nebenkosten aus Grunderwerbsteuer, Notar, Register und Anwalt. Dass ausländische Käufer auch andere Märkte treiben, zeigt der Vergleich mit dem Beitrag zu Immobilienkäufen durch Ausländer in Italien, während der Blick auf den Immobilienmarkt in Dubai zeigt, wie unterschiedlich Renditemodelle ausfallen können.
Ein Punkt, der Käufer regelmäßig überrascht: Für die touristische Vermietung brauchst du in Katalonien eine Lizenz, und in vielen Gemeinden werden keine neuen mehr erteilt. Lass eine bestehende Lizenz vor Vertragsunterschrift prüfen, sonst kaufst du ein Geschäftsmodell, das du nicht betreiben darfst. Die Zuständigkeit liegt bei der Generalitat de Catalunya.
Anmeldung, Sprache und Gesundheitsversorgung
Als EU-Bürger reist du frei ein, ab 90 Tagen musst du dich ins zentrale Ausländerregister eintragen lassen: erst NIE, dann Empadronamiento im Rathaus, dann das Certificado de Registro mit Nachweis über Krankenversicherung und ausreichende Mittel. Termine laufen über die Cita-previa-Plattform der spanischen Verwaltung und sind in Girona knapp. Urkunden und konsularische Fragen klärt das Auswärtige Amt zu Spanien.
Amtssprache ist neben Spanisch das Katalanische, und in der Provinz Girona ist es im Alltag dominanter als in Barcelona. Schulunterricht und Behördenschreiben laufen überwiegend auf Katalanisch. Wer mit Kindern kommt, sollte das nicht unterschätzen. Der Zugang zum Gesundheitssystem CatSalut setzt Anmeldung und Sozialversicherungsstatus voraus, sonst brauchst du eine private Police, die je nach Alter zwischen 60 und 200 Euro im Monat kostet.
Steuern in Katalonien
Ab 183 Tagen Aufenthalt im Kalenderjahr bist du in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig. Die Einkommensteuer setzt sich aus einem staatlichen und einem regionalen Teil zusammen, und Katalonien liegt bei den regionalen Zuschlägen im oberen Bereich. Dazu kommen Vermögensteuer und eigene Erbschaftsteuerregeln. Die aktuellen Sätze und Freibeträge findest du im Länderprofil Spanien im Steueratlas. Eine Gesamteinschätzung des Standorts liefert der Beitrag Spanien als neuer Lebensstandort.
Kläre die Wegzugsfolgen, bevor du deinen bisherigen Wohnsitz aufgibst. Ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Spanien deckt Wegzugsteuer, Immobilienbesitz und Rentenbesteuerung in einem Termin ab.
Arbeiten an der Costa Brava
Der lokale Arbeitsmarkt ist saisonal: Tourismus, Gastronomie, Bau, Landwirtschaft und Immobiliendienstleistungen dominieren. Ganzjährige Stellen findest du am ehesten in Girona, wo Universität, Klinik, Verwaltung und ein wachsender Technologiesektor sitzen. Ohne Katalanisch und Spanisch bleibt der Zugang zu qualifizierten Positionen begrenzt.
Realistischer ist für die meisten Zugezogenen die Selbstständigkeit als autónomo oder ortsunabhängige Arbeit. Beachte dabei, dass die spanische Sozialversicherungspauschale einkommensabhängig ist und auch in umsatzschwachen Monaten anfällt. Wer den Winter über kein Einkommen hat, sollte mindestens sechs Monatsausgaben als Rücklage vorhalten.
Alltag, Verkehr und Freizeit
Die Costa Brava ist gut erschlossen. Die Autobahn AP-7 ist die Hauptverkehrsader und verbindet die Region mit Barcelona und Frankreich, parallel läuft die mautfreie N-II. Der Hochgeschwindigkeitszug hält in Girona und Figueres, die Flughäfen Girona und Barcelona-El Prat bieten ganzjährige Verbindungen in den deutschsprachigen Raum. Innerhalb der Region brauchst du außerhalb der Saison allerdings ein Auto, weil Buslinien ausgedünnt sind und viele Küstenorte nur über kurvige Landstraßen erreichbar bleiben.
Wer ohne Auto auskommen will, sollte Girona, Figueres oder Blanes wählen, weil nur dort Bahn und Bus ganzjährig verlässlich takten. Landschaftlich lebt die Region vom Küstenwanderweg GR 92, dem Camí de Ronda, der sich über 220 Kilometer entlang der Küste zieht und Buchten verbindet, die per Auto nicht erreichbar sind. Dazu kommen die Naturparks Cap de Creus, Aiguamolls de l'Empordà und die Medes-Inseln als Tauchrevier. Klimatisch liegen die Höchstwerte im Juli und August bei etwa 27 Grad, im Frühling im April und Mai bei angenehmen 20 Grad. Im Winter fällt die Tramuntana ein, ein kalter Nordwind, der tagelang wehen kann und für viele Zugezogene die größte Überraschung des ersten Jahres ist.
Für Familien ist die Schulfrage entscheidend. Öffentliche Schulen unterrichten überwiegend auf Katalanisch, internationale Schulen gibt es vor allem rund um Girona und im Baix Empordà, mit entsprechenden Gebühren. Kinder unter zehn wachsen meist problemlos zweisprachig hinein, ältere Jugendliche brauchen deutlich mehr Unterstützung. Kulinarisch ist die Region ein Schwergewicht: Mar i muntanya als Verbindung von Meer und Berg, Reis- und Fischgerichte, Weine aus dem Empordà und eine Spitzengastronomie, die von Roses aus Geschichte geschrieben hat. Der Alltag folgt spanischem Rhythmus mit spätem Abendessen, im Sommer verschiebt sich alles noch weiter nach hinten.
So entscheidest du dich für die Costa Brava
Die Costa Brava passt, wenn du ortsunabhängiges Einkommen hast, Natur und Nähe zu Barcelona schätzt und mit Katalanisch umgehen kannst. Sie passt weniger, wenn du günstig wohnen willst oder auf einen lokalen Angestelltenjob angewiesen bist. Nutze den Winter für die Standortsuche, denn nur dann siehst du, welche Orte tatsächlich bewohnt sind. Ein Ort, der im August pulsiert und im Februar aus zwei geöffneten Bars besteht, ist als Dauerwohnsitz etwas völlig anderes als im Urlaubsgedächtnis.
Konkret heißt das: erst zwei Wochen im Januar vor Ort, dann Mietvertrag, dann Anmeldung, und erst nach einem vollen Jahr die Kaufentscheidung. Die steuerliche Seite klärst du vorher in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Spanien. Weitere Ratgeber findest du bei Perspektive Ausland.
