Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien, liegen aber rund 1.000 Kilometer südlich davon vor der Küste Afrikas. Das erklärt das Klima mit Tagestemperaturen meist zwischen 20 und 25 Grad über das ganze Jahr und den steuerlichen Sonderstatus. Wer 2026 auf die Kanarischen Inseln auswandern will, bekommt europäisches Recht, spanische Verwaltung und ein eigenes Steuerregime. Der Haken ist der Wohnungsmarkt, der sich in den vergangenen Jahren dramatisch verteuert hat.

Welche Insel passt zu dir?

  • Teneriffa: die größte Insel mit der besten Infrastruktur, zwei Flughäfen, Universität und einem scharfen Klimagegensatz zwischen dem trockenen Süden und dem grünen, feuchteren Norden. Details im Ratgeber zu Teneriffa.
  • Gran Canaria: Las Palmas als echte Großstadt mit Hafen, Klinik und lebendiger Nomadenszene, dazu der touristische Süden. Für den Ruhestand ordnet der Beitrag zu Gran Canaria die Bedingungen ein.
  • Lanzarote: klare Bauvorschriften, Vulkanlandschaft, überschaubare Größe, wenig Wald. Mehr dazu im Beitrag zu Lanzarote.
  • Fuerteventura: Wind, Strände und der günstigste Einstieg der großen Inseln, dafür dünne medizinische Versorgung. Siehe unseren Text zu Fuerteventura.
  • La Palma, La Gomera und El Hierro: grün, ruhig, günstig, aber mit langen Wegen und begrenztem Arbeitsmarkt. Dazu die Ratgeber zu La Palma, zum Alltag auf La Palma und zu La Gomera.

Die Faustregel: Je kleiner die Insel, desto günstiger das Wohnen und desto weiter der Weg zur Fachklinik, zur weiterführenden Schule und zum Flughafen. Wer auf einer kleinen Insel lebt, plant Arzttermine und Behördengänge mit Flug oder Fähre, und das kostet je nach Anlass einen ganzen Tag. Eine allgemeine Übersicht bietet unser Beitrag zum Auswandern auf die Kanaren.

Wohnen: der teuerste Posten

Der kanarische Immobilienmarkt hat 2025 und 2026 Rekordwerte erreicht. In der Provinz Las Palmas stiegen die Preise um rund neun Prozent auf etwa 2.888 Euro pro Quadratmeter, in Santa Cruz de Tenerife um knapp elf Prozent auf rund 3.327 Euro. Beim Mieten ist die Spanne enorm: In Mogán auf Gran Canaria werden rund 21,55 Euro pro Quadratmeter und Monat aufgerufen, in Icod de los Vinos im Norden Teneriffas dagegen etwa 10,34 Euro.

Praktisch heißt das für eine Zweizimmerwohnung je nach Insel und Lage rund 700 bis 1.100 Euro, in den touristischen Südlagen deutlich mehr. Ein Zimmer im Norden Teneriffas oder auf La Palma bleibt dagegen im niedrigen dreistelligen Bereich, dafür brauchst du dort ein Auto. Die Mieten lagen im Juni 2026 über zehn Prozent höher als ein Jahr zuvor. Ganzjahresverträge sind knapp, weil ein großer Teil des Bestands in der Ferienvermietung steckt. Viele Neuankömmlinge starten deshalb mit einer möblierten Wohnung auf Zeit und suchen parallel weiter, was in den ersten Monaten spürbar teurer ist. Beim Kauf kommen zehn bis dreizehn Prozent Nebenkosten aus Grunderwerbsteuer, Notar, Register und Anwalt obendrauf, und ein unabhängiger Anwalt, der nicht vom Makler vermittelt wird, gehört zur Grundausstattung. Wer sparsam starten will, findet Ansätze im Beitrag zum günstigen Auswandern.

Anmeldung und Papiere

Als EU-Bürger reist du frei ein, ab 90 Tagen Aufenthalt musst du dich ins zentrale Ausländerregister eintragen lassen. Die Reihenfolge ist auf allen Inseln gleich:

  1. NIE beantragen, ohne die weder Mietvertrag noch Bankkonto noch Stromanschluss funktionieren.
  2. Empadronamiento im Rathaus deiner Gemeinde. Das Padrón ist gleichzeitig die Grundlage für den Residentenrabatt auf Flügen und Fähren zwischen den Inseln und zum Festland.
  3. Certificado de Registro mit Nachweis über Krankenversicherung und ausreichende Mittel.

Termine laufen über die Cita-previa-Plattform der spanischen Verwaltung und sind auf Teneriffa und Gran Canaria oft wochenlang ausgebucht. Zuständigkeiten der Inselverwaltung und regionale Programme findest du beim Gobierno de Canarias, konsularische Fragen klärt das Auswärtige Amt zu Spanien. Die Vorbereitung insgesamt deckt unsere Checkliste zur Auswanderungsvorbereitung ab.

Steuern: der kanarische Sonderstatus

Die Inseln sind Teil der EU, aber nicht des Mehrwertsteuergebiets. Statt der spanischen IVA gilt die IGIC mit einem Regelsatz von sieben Prozent, deutlich niedriger als in vielen europäischen Ländern. Die Einkommensteuer folgt dem spanischen System mit Sätzen zwischen 19 und 47 Prozent, abhängig von Einkommen und regionalem Anteil. Unternehmer können unter Bedingungen die Zona Especial Canaria nutzen, ein Sonderregime mit einem reduzierten Körperschaftsteuersatz von vier Prozent, das an Investitions- und Beschäftigungsauflagen geknüpft ist.

Die aktuellen Sätze, Freibeträge und Bedingungen findest du im Länderprofil Spanien im Steueratlas. Wie sich das mit Sonderregimen für Zuzügler verbinden lässt, ordnet der Beitrag Beckham Law Spanien ein. Der wichtigste Punkt bleibt die 183-Tage-Regel: Sobald du überwiegend hier lebst, bist du in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig, und zwar mit dem Welteinkommen. Kläre das vor dem Wegzug in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Spanien.

Sprache, Schule und Ankommen

Auf den Kanaren wird Spanisch gesprochen, kein Katalanisch und kein Valencianisch, was die Sprachfrage einfacher macht als auf dem Festland. Der kanarische Akzent ist weicher und näher am lateinamerikanischen Spanisch, für Lernende eher eine Erleichterung. Trotzdem gilt: Ohne Spanisch bleibst du bei Behörden, Ärzten und Handwerkern abhängig von Dritten.

Für Familien gibt es öffentliche Schulen in jeder Gemeinde sowie internationale Schulen auf Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote, deren Gebühren je nach Stufe im vierstelligen Jahresbereich liegen. Der Wechsel ins spanische System gelingt kleinen Kindern in der Regel schnell, Jugendliche in den Abschlussjahrgängen brauchen deutlich mehr Begleitung.

Alltag, Arbeit und Gesundheit

Der Arbeitsmarkt lebt von Tourismus, Handel, Bau, öffentlicher Verwaltung und zunehmend von Remote-Arbeit. Die Arbeitslosigkeit liegt weiter über dem spanischen Durchschnitt, lokale Gehälter sind niedrig. Ohne Spanisch findest du kaum etwas außerhalb touristischer Betriebe. Für Gründer lohnt der Blick auf die Förderprogramme der Inselregierung, die Ansiedlungen außerhalb des Tourismus gezielt unterstützt. Für Selbstständige und ortsunabhängig Arbeitende funktioniert der Standort dagegen sehr gut, weil Glasfaser flächendeckend verfügbar ist und die Zeitzone zu Mitteleuropa nur eine Stunde abweicht.

Kosten des Alltags liegen unter deutschem Niveau: Lebensmittel rund 10 bis 15 Prozent günstiger, ein Mittagsmenü oft zwischen 10 und 14 Euro, eine Busfahrt zwischen 1,50 und 3 Euro. Teurer sind dagegen Importwaren, Strom und alles, was per Schiff kommt, Möbel und Elektronik zum Beispiel. Rechne für ein Paar mit rund 1.800 bis 2.400 Euro im Monat inklusive Miete.

Das öffentliche Gesundheitssystem ist gut ausgebaut, mit Universitätskliniken in Las Palmas und Santa Cruz. Zugang bekommst du über Anmeldung und Sozialversicherungsstatus, sonst brauchst du eine private Police. Was das kostet, rechnet der Beitrag zu den Kosten der Krankenversicherung beim Auswandern durch. Aktuelle Bevölkerungs- und Preisdaten liefert das spanische Statistikamt INE.

Für Ruheständler sind die Inseln aus gutem Grund beliebt: mildes Klima, kurze Flugzeiten, gute Versorgung. Wie sich der Ruhestand unter Palmen konkret rechnet, beschreibt der Beitrag zum Ruhestand im Ausland, die Auswahlkriterien systematisiert der Text dazu, das richtige Land für den Ruhestand zu finden.

Was die Kanaren dir abverlangen

Die Kanaren geben dir ganzjährig mildes Wetter, europäische Rechtssicherheit und ein günstiges Verbrauchsteuerniveau. Sie verlangen dafür Spanisch, Geduld mit Behördenterminen und ein Budget, das die aktuellen Mieten abbildet statt der Preise von 2019. Die Inselwahl entscheidet dabei mehr über deinen Alltag als die Entscheidung für die Kanaren an sich. Wer die Insel nach dem Urlaubsgefühl wählt statt nach Arbeitsweg, Schule und Klinik, korrigiert diese Entscheidung meist schon im zweiten Jahr, und ein Umzug zwischen den Inseln ist aufwendiger als eine Fahrt über Land.

Geh so vor: erst mehrere Wochen auf zwei bis drei Inseln zur Probe, dann Mietvertrag, dann Anmeldung, und erst nach einem vollen Jahr die Frage nach einer eigenen Immobilie. Die steuerliche Seite klärst du vorab in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Spanien. Weiterführende Ratgeber findest du bei Perspektive Ausland.