Auswandern auf die Kanaren heißt: EU-Recht, spanische Verwaltung, afrikanisches Klima und ein Wohnungsmarkt, der 2026 unter erheblichem Druck steht. Die acht bewohnten Inseln gehören zu Spanien und beherbergen zusammen rund 2,2 Millionen Menschen. Der Umzug ist bürokratisch einfach, das Wohnen ist der schwierige Teil.

Dieser Leitfaden ordnet ein, was der Archipel 2026 bietet, welche Insel zu welchem Lebensmodell passt und in welcher Reihenfolge du die Formalitäten erledigst. Grundsätzliches zur Wohnsitzwahl in Spanien als Lebensstandort haben wir separat aufbereitet.

Acht Inseln, acht Lebensmodelle

Teneriffa und Gran Canaria sind die urbanen Inseln mit Universitäten, großen Krankenhäusern, internationalen Flughäfen und dem breitesten Arbeitsmarkt. Lanzarote und Fuerteventura leben stark vom Tourismus, sind flacher, trockener und windiger. La Palma, La Gomera und El Hierro gelten als grüne Inseln mit wenig Tourismus, kleinen Gemeinden und begrenzter Versorgung. La Graciosa ist seit 2018 offiziell die achte bewohnte Insel und mit wenigen hundert Einwohnern ein Sonderfall.

Das Klima ist der eigentliche Verkaufsgrund: ganzjährig zwischen etwa 18 und 28 Grad an den Küsten, wenig Jahreszeitenwechsel, dafür starke Unterschiede zwischen Nord- und Südseite jeder Insel. Der Norden ist grüner und feuchter, der Süden trockener und sonniger, und dieser Unterschied entscheidet über Heizkosten, Schimmelrisiko und Lebensgefühl mehr als die Wahl der Insel.

Wohnen: der Engpass 2026

Die Wohnungspreise auf dem freien Markt sind binnen eines Jahres um rund 13,6 Prozent gestiegen. Je nach Datenquelle liegen die Werte für 2026 zwischen etwa 2.200 Euro pro Quadratmeter bei den beurkundeten Kaufpreisen und über 3.400 Euro bei den Angebotspreisen auf Immobilienportalen. Diese Lücke ist real: In Las Palmas de Gran Canaria lagen inserierte Preise im Schnitt bis zu 42 Prozent über den notariell beurkundeten Verkaufspreisen. Wer Portalpreise als Marktwert nimmt, zahlt zu viel.

Bei den Mieten lag der Schnitt Ende 2025 bei rund 15,23 Euro pro Quadratmeter und Monat, im Sommer 2026 mehr als zehn Prozent über dem Vorjahr. Am teuersten wohnt man in Mogán auf Gran Canaria mit etwa 21,55 Euro pro Quadratmeter. Zur Einordnung: Kanarische Haushalte geben im Schnitt rund 56 Prozent ihres Gehalts für Miete aus.

Warum der Markt so eng ist

Zwei Ursachen greifen ineinander. Erstens wird zu wenig gebaut: Im Februar 2026 genehmigten die Behörden nur 287 Wohnungen, ein Rückgang von 42,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zweitens bindet die Ferienvermietung Wohnraum, allein auf Teneriffa rund 30.700 Ferienunterkünfte mit etwa 128.800 Betten.

Die Politik hat reagiert. Seit Dezember 2025 gilt das kanarische Gesetz 6/2025 zur nachhaltigen Ordnung der touristischen Wohnungsnutzung: In jeder Gemeinde bleiben grundsätzlich 90 Prozent des Wohnraums dem Wohnen vorbehalten, höchstens 10 Prozent dürfen Ferienwohnungen sein, auf den grünen Inseln El Hierro, La Gomera und La Palma bis zu 20 Prozent. Neubauten dürfen zehn Jahre lang nicht touristisch vermietet werden, und die Gemeinden bestimmen die zulässigen Zonen. Die amtlichen Informationen stehen bei der kanarischen Regierung unter Viviendas Vacacionales.

Anmeldung Schritt für Schritt

Die Reihenfolge ist überall gleich und lässt sich nicht abkürzen.

  1. Die spanische NIE beantragen, mit Formular EX-15 bei der Policía Nacional oder vorab im Konsulat.
  2. Empadronamiento im Rathaus deiner Gemeinde, mit Mietvertrag oder Kaufurkunde und Ausweis.
  3. Eintragung im Registro Central de Extranjeros mit Formular EX-18, Tasa Modelo 790-012, Krankenversicherungsnachweis und Nachweis über Arbeit oder ausreichende Mittel.

Für Schritt drei hast du drei Monate ab Einreise Zeit. Termine vergibt das Behördenportal sede.administracionespublicas.gob.es, auf den großen Inseln sind sie schnell vergriffen. Ein wichtiger Nebeneffekt der Anmeldung: Als registrierter Resident bekommst du 75 Prozent Rabatt auf Flüge und Fähren zwischen den Inseln und zum spanischen Festland.

Arbeiten, gründen, Steuern

Der Arbeitsmarkt hängt am Tourismus und ist entsprechend saisonal. Deutschsprachiges Personal ist in Hotellerie, Gastronomie, Immobilien, Bau und Gesundheitsdienstleistungen gefragt, die Löhne liegen aber deutlich unter deutschem Niveau. Teneriffa und Gran Canaria bieten daneben Callcenter, IT-Dienstleister und ein wachsendes Fernarbeitermilieu mit Coworking-Standorten in Santa Cruz, Las Palmas und im Süden.

Steuerlich sind die Kanaren ein Sonderfall innerhalb Spaniens: Statt der spanischen Mehrwertsteuer gilt der deutlich niedrigere IGIC, und über die Sonderzone ZEC gibt es für qualifizierte Unternehmen mit Substanz vor Ort ein reduziertes Körperschaftsteuerregime. Beides ist an Bedingungen geknüpft und kein Selbstläufer. Die belastbare Übersicht über Steuerpflicht, Sätze und Regime liefert die Länderseite von steueratlas.info zu Spanien. Wenn du daneben Vermögen strukturierst, hilft unser Beitrag dazu, wie Auswanderer ihr Vermögen sichern. Ein spanisches Konto brauchst du in jedem Fall; weitere Kontowege zeigt FreedomBanking.

Gesundheit, Familie, Alltag

Der kanarische Gesundheitsdienst SCS betreibt große Häuser in Santa Cruz de Tenerife, La Laguna und Las Palmas sowie Krankenhäuser auf allen bewohnten Inseln. Die Grundversorgung ist überall gesichert, spezialisierte Eingriffe konzentrieren sich auf die Hauptinseln. Die Notrufnummer ist 112. Arbeitnehmer sind über die Seguridad Social versichert, Rentner über das Formular S1, alle anderen über eine private Police oder den Convenio Especial. Für den Ruhestand auf den Inseln lohnt der Blick auf Ruhestand im Ausland.

Für Familien gibt es deutsche Schulen in Las Palmas und auf Teneriffa sowie mehrere internationale Schulen, auf den kleinen Inseln dagegen nur spanischsprachige Angebote. Der Alltag ist günstiger als in Deutschland bei Obst, Gemüse, Fisch und Gastronomie, teurer bei Elektronik, Möbeln und allem, was per Schiff kommt. Ohne Miete kommt ein Paar mit etwa 1.100 bis 1.500 Euro im Monat aus. Rechne die Miete separat und großzügig, sie ist der Posten, an dem Pläne scheitern. Bevölkerungs- und Preisstatistiken veröffentlicht das Instituto Nacional de Estadística.

Sprache, Kultur und Ankommen

Amtssprache ist Spanisch, gesprochen in einer eigenen Variante mit weichem s und vielen Wörtern aus dem lateinamerikanischen Sprachraum. In den Touristenzentren kommst du mit Deutsch und Englisch durch den Tag, bei Behörden, Ärzten, Vermietern und Handwerkern nicht. Spanisch auf B1-Niveau ist die realistische Untergrenze für ein selbstständiges Leben. Sprachschulen gibt es auf allen großen Inseln, dazu die staatlichen Escuelas Oficiales de Idiomas mit günstigen Kursen.

Kulturell sind die Kanaren offener als das Festland, gleichzeitig aber lokal verwurzelt. Die Romerías, Karneval in Santa Cruz und Las Palmas und die Dorffeste im Sommer sind die naheliegendsten Wege in die Nachbarschaft. Zugezogenengruppen im Internet helfen beim Start, ersetzen aber keinen echten Kontakt vor Ort.

Umzug und die ersten Wochen

Ein Punkt wird oft übersehen: Die Kanaren liegen zollrechtlich außerhalb des Mehrwertsteuergebiets der EU. Umzugsgut ist bei echter Wohnsitzverlegung zwar abgabefrei, muss aber mit Inventarliste angemeldet werden, und Warensendungen aus Deutschland durchlaufen später eine Zollabfertigung mit IGIC. Das betrifft auch Onlinebestellungen, die dadurch teurer und langsamer werden als auf dem Festland.

Der Umzug selbst läuft per Seefracht ab Cádiz, Barcelona oder Rotterdam mit Laufzeiten von mehreren Wochen. Ein deutsches Fahrzeug darfst du als Resident nicht dauerhaft mit deutschem Kennzeichen fahren; die Ummeldung samt technischer Prüfung ITV kostet je nach Fahrzeug mehrere hundert Euro. Plane für den gesamten Prozess vom Entschluss bis zum vollständig angemeldeten Leben vier bis sechs Monate ein.

Welche Insel zu dir passt

Teneriffa und Gran Canaria eignen sich, wenn du Arbeitsmarkt, Fachärzte, internationale Schulen und Direktflüge brauchst. Lanzarote und Fuerteventura passen zu Menschen, die Wind und Weite mögen und mit einer touristisch geprägten Wirtschaft leben können. La Palma, La Gomera und El Hierro sind etwas für Zugezogene mit eigenem Einkommen, die Ruhe und Natur über Auswahl und Tempo stellen.

In jedem Fall gilt: erst mieten, mehrere Monate außerhalb der Hochsaison bleiben, die Behördenkette parallel abarbeiten und einen Kauf frühestens nach einem Jahr erwägen. Wenn du deinen Wegzug steuerlich und rechtlich sauber aufsetzen willst, buche ein Beratungsgespräch zu Spanien. Die Grundlagen zur Wohnsitzverlagerung findest du auf Perspektive Ausland.