Die Krankenversicherung in Litauen steht und fällt mit drei Buchstaben: PSD (privalomasis sveikatos draudimas), die obligatorische Gesundheitsversicherung. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Litauen auswandert, verliert mit der Abmeldung in der Regel den heimischen gesetzlichen Schutz und muss sich im litauischen System oder privat absichern. Dieser Leitfaden zeigt dir, wer PSD zahlen muss, was es 2026 kostet und welche Lösungen für Angestellte, Selbstständige und Rentner funktionieren.

PSD: Litauens Pflichtversicherung im Überblick

In Litauen besteht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht für alle Einwohner. Verwaltet wird das System vom Sozialversicherungsfonds Sodra und den staatlichen Patientenkassen (VLK, Valstybinė ligonių kasa, Informationen unter vlk.lt). Arbeitnehmer sind automatisch über den Arbeitgeber versichert, der PSD-Beitrag von 6,98 Prozent des Bruttogehalts wird direkt einbehalten. Selbstständige melden sich eigenständig bei Sodra an und zahlen selbst.

Wer nicht über ein Arbeitsverhältnis versichert ist, zahlt den Mindestbeitrag: 6,98 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns. Da der Mindestlohn zum 1. Januar 2026 von 1.038 auf 1.153 Euro gestiegen ist, beträgt der monatliche PSD-Mindestbeitrag jetzt 80,48 Euro (2025 waren es 72,45 Euro). Der Betrag steigt also automatisch mit jeder Mindestlohnerhöhung, das solltest du in deiner Budgetplanung berücksichtigen.

Anmeldung: Vom Einreisen zum Versichertenstatus

Als EU-Bürger reist du visumfrei ein und kannst dich 90 Tage frei aufhalten. Für längere Aufenthalte registrierst du dich beim litauischen Migrationsamt, alle Verfahren laufen über das Portal Migracija. Du brauchst:

  • gültigen Reisepass oder Personalausweis
  • Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel
  • einen Krankenversicherungsnachweis
  • Mietvertrag oder Eigentumsnachweis

Schweizer genießen dank der bilateralen Abkommen ähnliche Rechte wie EU-Bürger, sollten aber beachten, dass ihre obligatorische Krankenpflegeversicherung grundsätzlich mit der Ausreise aus der Schweiz endet und der Anschlussschutz vorher stehen muss. Nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt kannst du den Daueraufenthalt beantragen. Aktuelle konsularische Informationen bietet die Deutsche Botschaft Vilnius. Wer eine Immobilie kaufen will, findet die Grundlagen im Guide zum Immobilienkauf in Litauen.

Leistungen: Was das litauische System abdeckt

Die gesetzliche Versicherung deckt Hausarzt- und Facharztbesuche, Krankenhausaufenthalte und einen Teil der Medikamente ab. Der Leistungskatalog ist schmaler als in Deutschland oder der Schweiz, dafür sind die Beiträge niedrig und das System unbürokratisch, für die meisten Auswanderer ist es als Basis völlig tragfähig. Rechne aber mit Unterschieden zum gewohnten Standard: Wartezeiten bei bestimmten Fachrichtungen sind länger, bei Medikamenten fallen Zuzahlungen an, und nicht jedes in Deutschland übliche Präparat ist erhältlich. In Vilnius, Kaunas und Klaipėda gibt es moderne Privatkliniken mit englischsprachigem Personal, dort zahlst du privat oder über eine Zusatzpolice. Für chronisch Kranke gilt: Verfügbarkeit der eigenen Therapie vor dem Umzug prüfen.

Medizinischer Alltag: Hausarzt, Rezepte, Notfall

Nach der Aufnahme ins System registrierst du dich bei einer Poliklinik oder einem Hausarzt deiner Wahl, der als Lotse zu Fachärzten dient. Litauen ist bei der Digitalisierung weit vorn: Rezepte laufen elektronisch über das nationale Gesundheitsportal, Termine buchst du vielerorts online. In den Apotheken bekommst du gängige Wirkstoffe problemlos, bring für chronische Therapien trotzdem eine Wirkstoffliste mit internationalen Bezeichnungen mit. Im Notfall gilt der EU-Notruf 112, die Disponenten in den Städten sprechen meist Englisch. Für Behandlungen auf Privatniveau, kürzere Wartezeiten oder deutschsprachige Betreuung zahlst du entweder aus eigener Tasche, die Preise liegen deutlich unter deutschem Selbstzahlerniveau, oder du deckst es über eine private Zusatzpolice ab.

Private und internationale Optionen

Eine internationale Krankenversicherung ist für dich in zwei Situationen sinnvoll: als Überbrückung zwischen Abmeldung und PSD-Aufnahme und als dauerhafte Ergänzung für Privatbehandlungen und weltweiten Schutz. Spezielle Langzeit-Auslandskrankenversicherungen laufen bis zu fünf Jahre, viele Tarife sind nach dem ersten Jahr flexibel kündbar und auch ohne deutschen Wohnsitz abschließbar. Worauf es bei Tarifwahl und Wechsel ankommt, zeigt der Leitfaden zur Krankenversicherung beim Auswandern.

Anwartschaft und Rückkehroption

Bist du privat versichert, sichere dir vor dem Wegzug eine Anwartschaftsversicherung: Sie hält dir die Rückkehr in deinen PKV-Tarif ohne neue Gesundheitsprüfung offen. GKV-Versicherte sollten die Kündigung erst wirksam werden lassen, wenn der Anschlussschutz steht, damit keine Lücke entsteht.

Rentner und Pflege: Besondere Regeln

Bei Bezug einer deutschen oder österreichischen gesetzlichen Rente bleibt meist die heimische Kasse zuständig; mit dem S1-Formular meldest du dich im litauischen System an, die Kosten trägt das Heimatland. Die deutsche Pflegeversicherung zahlt im EU-Ausland nur eingeschränkt, in der Regel Pflegegeld, keine Sachleistungen. Litauische Pflegeleistungen unterscheiden sich erheblich vom DACH-Standard, eine private Pflegevorsorge ist deshalb Pflichtprogramm für Ältere. Wie Ruhestand, Rente und Steuern in Litauen insgesamt zusammenpassen, liest du im Report Ruhestand in Litauen.

Familienangehörige und Kinder

Kinder und Jugendliche sind in Litauen bis zur Volljährigkeit staatlich versichert, ebenso Schüler und Studierende an litauischen Einrichtungen. Eine beitragsfreie Ehegatten-Mitversicherung nach deutschem Muster gibt es dagegen nicht: Ein nicht erwerbstätiger Partner zahlt den PSD-Mindestbeitrag von 80,48 Euro selbst oder braucht eine private Police. Plane das ins Familienbudget ein, gerade wenn nur ein Partner in Litauen angestellt ist. Schwangere und Empfänger litauischer Sozialleistungen sind ebenfalls über den Staat abgesichert.

Arbeitslosengeld und Jobwechsel

Verlierst du in Litauen den Job, meldest du dich bei der Arbeitsagentur (Užimtumo tarnyba); deine litauischen Beitragszeiten zählen dank EU-Koordinierung auch später in Deutschland oder Österreich. Umgekehrt kannst du heimisches Arbeitslosengeld mit dem Formular U2 für drei Monate zur Jobsuche nach Litauen mitnehmen, in dieser Zeit bleibt die Krankenversicherung im Heimatland bestehen. Achtung: Zwischen Jobende und neuer Beschäftigung läuft die PSD-Pflicht weiter, den Mindestbeitrag zahlst du auch in Übergangsmonaten.

Sozialversicherung und Steuern koordiniert denken

Die EU-Verordnungen zur Koordinierung der Sozialsysteme sichern dir die Zusammenrechnung von Versicherungszeiten und die Exportierbarkeit von Renten; du bist immer nur in einem Land versicherungspflichtig. Entsandte bleiben mit A1-Bescheinigung bis zu 24 Monate im Heimatsystem. Steuerlich ansässig wirst du nach 183 Tagen im Kalenderjahr; die aktuellen Steuersätze und Regeln findest du im Litauen-Profil auf Steueratlas, dem Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland sei Dank droht keine doppelte Belastung.

Weitere Versicherungen für den Start

  • Kfz-Haftpflicht: Bei Ummeldung deines Fahrzeugs brauchst du eine litauische Police.
  • Haftpflicht und Hausrat: Deutsche Verträge enden bei dauerhaftem Auslandswohnsitz häufig, prüfe die Bedingungen und schließe bei Bedarf lokal neu ab.
  • Reisekrankenversicherung: Der litauische Schutz gilt außerhalb der EU nur eingeschränkt, für Reisen brauchst du eine Ergänzung.

Steuern: Die Eckdaten für deine Planung

Steuern und Versicherung solltest du als Paket planen, denn Ansässigkeit, Beitragspflichten und Meldefristen greifen ineinander. Als litauischer Steuerresident versteuerst du dein Welteinkommen. Der reguläre Einkommensteuersatz liegt bei 20 Prozent, für sehr hohe Einkommen mehr; Kapitaleinkünfte wie Dividenden und Veräußerungsgewinne werden mit 15 Prozent besteuert, für bestimmte selbstständige Tätigkeiten gelten reduzierte Sätze. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Litauen, angewendet seit 1999, verteilt die Besteuerungsrechte: Arbeitseinkommen grundsätzlich im Tätigkeitsstaat, Renten meist im Wohnsitzstaat, Immobilieneinkünfte im Belegenheitsstaat. Österreich und die Schweiz haben vergleichbare Abkommen mit Litauen. Kläre vor dem Wegzug auch die deutsche Seite, insbesondere ob erweiterte beschränkte Steuerpflicht oder Wegzugsbesteuerung für dich relevant werden.

Häufige Fehler beim Litauen-Umzug

  • Die heimische Kasse kündigen, bevor der litauische Schutz oder die Übergangspolice aktiv ist, jede Lücke zahlst du selbst.
  • Vergessen, dass die PSD-Pflicht auch ohne Einkommen weiterläuft, Rückstände werden nachgefordert.
  • Die EHIC als Dauerlösung missverstehen, sie deckt nur vorübergehende Aufenthalte.
  • Den nicht erwerbstätigen Partner nicht einplanen, er braucht eine eigene Beitragszahlung oder Police.
  • Die PKV-Anwartschaft auslassen und bei der Rückkehr die neue Gesundheitsprüfung riskieren.

So gehst du das Thema an

Litauen macht es Auswanderern vergleichsweise leicht: klare Pflichtversicherung, moderater Mindestbeitrag von 80,48 Euro, digitale Verwaltung und ein Gesundheitswesen, das mit jedem EU-Jahr weiter zum westeuropäischen Standard aufschließt. Dein Fahrplan: Anschlussschutz organisieren, abmelden, bei Migracija registrieren, PSD-Status klären und erst dann die alte Police beenden. Wenn du Wegzug, Steuern und Sozialversicherung als Gesamtpaket planen willst, buche ein Beratungsgespräch zur Wohnsitzverlagerung.