Auswandern nach Bulgarien oder Griechenland ist seit 2026 ein Vergleich zwischen zwei Euro-Ländern geworden. Bulgarien hat den Euro zum 1. Januar 2026 eingeführt und ist damit das 21. Mitglied der Währungsunion, Griechenland zahlt seit 2001 damit. Beide gehören zur EU, beide liegen im Schengen-Raum, und in beiden brauchst du als Deutscher weder Visum noch Aufenthaltstitel. Trotzdem sind es zwei sehr unterschiedliche Angebote: Bulgarien punktet mit dem niedrigsten Preisniveau der EU und einem einfachen Steuersystem, Griechenland mit Klima, Kultur und maßgeschneiderten Sonderregimen für Zuzügler.
Was sich 2026 in Bulgarien geändert hat
Seit dem 1. Januar 2026 ist der Euro offizielles Zahlungsmittel in Bulgarien, umgerechnet zum festen Kurs von 1,95583 Lew je Euro. Der Lew war seit 1997 über ein Currency Board fest gekoppelt, insofern ändert sich am realen Wechselkursrisiko nichts, wohl aber an Umrechnungskosten, Kontoführung und Vertragsgestaltung. Bis Ende Januar 2026 galt Parallelumlauf, seit dem 1. Februar 2026 ist der Lew kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Wer noch Bargeld liegen hat, konnte es bei der Deutschen Bundesbank bis zum 2. März 2026 umtauschen. Die Details dokumentiert die Bundesbank, den offiziellen Umstellungsfahrplan die Europäische Zentralbank.
Praktisch heißt das: Preisvergleiche aus den Jahren davor musst du umrechnen, und Mietverträge, Kaufverträge und Kreditverträge in Lew gelten in Euro fort.
Anmeldung und Aufenthalt
Als Unionsbürger gilt für dich in beiden Ländern Freizügigkeit. Du darfst einreisen, wohnen und arbeiten, musst dich aber nach einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten registrieren.
- Bulgarien: Anmeldung bei der Migrationsdirektion, Nachweis von Erwerbstätigkeit, ausreichenden Mitteln oder Studium sowie Krankenversicherung. Danach erhältst du eine Bescheinigung über das Daueraufenthaltsrecht und eine persönliche Identifikationsnummer, die du für Bank, Steuer und Versorger brauchst.
- Griechenland: Registrierung bei der zuständigen Ausländerbehörde oder Polizei, dazu Steuernummer (AFM) und Sozialversicherungsnummer (AMKA). Ohne AFM und AMKA läuft in Griechenland praktisch nichts, weder Mietvertrag noch Stromanschluss noch Arztbesuch.
Für Nicht-EU-Angehörige in der Familie gelten die üblichen Nachzugsregeln. Griechenland bietet zusätzlich das Investorenvisum, das für dich als Deutscher aber irrelevant ist, weil du ohnehin Freizügigkeit hast. Relevant sind die Schwellen nur, falls Angehörige aus Drittstaaten einbezogen werden sollen: 800.000 Euro für Immobilien in Athen, Thessaloniki und auf Inseln mit mehr als 3.100 Einwohnern, darunter 400.000 Euro in der übrigen Fläche und 250.000 Euro bei Umnutzung denkmalgeschützter oder gewerblicher Objekte.
Steuern: einfach gegen maßgeschneidert
Bulgarien setzt auf Einfachheit. Ein einheitlicher Satz auf Einkommen, ein gleich hoher Körperschaftsteuersatz, überschaubare Verwaltung. Griechenland setzt auf Sonderregime: eine Pauschalbesteuerung ausländischer Renten, ein Pauschalregime für vermögende Zuzügler und eine befristete Entlastung für neu Zugezogene mit Erwerbseinkommen. Die griechischen Regime greifen nur, wenn du tatsächlich dort ansässig wirst und die Anwesenheitsvoraussetzungen erfüllst.
Die belastbaren Zahlen und Voraussetzungen stehen in unserer Leitquelle: Steuern in Bulgarien und Steuern in Griechenland. Für Ruheständler lohnt zusätzlich der Blick auf Griechenland im Ruhestand und Ruhestand in Bulgarien, weil die Besteuerung deutscher Renten und Pensionen sich nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen richtet und nicht nach dem Wunschprogramm. Wer Kryptowerte hält, findet die Behandlung in Bulgarien bei KryptoSteuern.
Die wichtigste Warnung gilt für beide Ziele: Ohne sauberen Wegzug aus Deutschland bringt das beste Zielregime nichts. Wohnsitzaufgabe, Wegzugsbesteuerung bei Gesellschaftsanteilen und die 183-Tage-Frage gehören vor den Umzug geklärt, nicht danach. Ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Griechenland ist dafür der direkte Weg.
Lebenshaltungskosten im Vergleich
Hier liegt der klarste Unterschied. Nach der Eurostat-Auswertung zum Jahr 2025 hatte Bulgarien mit 63 Prozent des EU-Durchschnitts das niedrigste Preisniveau der gesamten Union, beim Wohnen sogar nur 41 Prozent. Griechenland lag weniger als 20 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Die Datenbasis findest du im Beitrag zu den Preisniveaus des Haushaltskonsums in der EU.
Konkret bedeutet das: In Sofia oder Plowdiw zahlst du für eine gute Zweizimmerwohnung häufig 400 bis 700 Euro, in Warna und Burgas je nach Saison ähnlich. In Athen sind die Mieten seit 2021 stark gestiegen, in gefragten Vierteln liegen Zweizimmerwohnungen oft bei 700 bis 1.100 Euro, auf beliebten Inseln in der Saison deutlich darüber. Lebensmittel sind in Bulgarien spürbar günstiger, Restaurants ebenfalls. Griechenland gleicht das teilweise durch günstigere Frischware und einen niedrigen Preis für lokale Produkte aus, bleibt aber insgesamt teurer.
Alltag, Gesundheit und Arbeit
Das bulgarische Gesundheitssystem ist grundversorgend, in Sofia gibt es leistungsfähige Privatkliniken zu moderaten Preisen. In der Fläche wird es dünn, viele Ärzte sind ins EU-Ausland abgewandert. Griechenland hat mit dem EOPYY ein staatliches System, das nach den Sparjahren angespannt ist, dafür ein dichtes Netz privater Praxen und Kliniken in Athen und Thessaloniki. Auf kleineren Inseln ist die Versorgung dünn und Verlegungen aufs Festland sind Alltag. Plane in beiden Ländern eine private Zusatzdeckung ein.
Beim Arbeiten unterscheiden sich die Strukturen. Bulgarien hat einen wachsenden IT- und Outsourcing-Sektor in Sofia, niedrige Lohnkosten und viele Selbständige, die für Kunden im westlichen Ausland arbeiten. Griechenland lebt stark von Tourismus, Schifffahrt, Logistik und Landwirtschaft, der lokale Arbeitsmarkt ist für Zuzügler ohne Griechischkenntnisse schwierig. Wer in beiden Ländern eigenes Einkommen mitbringt, hat die deutlich bessere Ausgangslage. Aktuelle Landeshinweise findest du beim Auswärtigen Amt zu Griechenland.
Immobilien und Gründung
Als Unionsbürger darfst du in beiden Ländern Immobilien erwerben, in Bulgarien inzwischen auch Land, was vor dem EU-Beitritt eingeschränkt war. Die Kaufnebenkosten sind in beiden Fällen niedriger als in Deutschland, dafür ist die Qualität der Bestandsimmobilien sehr unterschiedlich. In Bulgarien sind Ferienanlagen an der Schwarzmeerküste ein Sonderfall: Viele Objekte sind günstig zu haben, ziehen aber hohe laufende Anlagengebühren nach sich und lassen sich schwer wieder verkaufen. In Griechenland ist der Kauf gut geregelt, aber langsam, und in Grenz- und Inselregionen gelten für bestimmte Käufergruppen zusätzliche Genehmigungen.
Prüfe in beiden Ländern Grundbuchlage, Baugenehmigung und Altlasten vor der Anzahlung, nicht danach. Griechenland hat sein Kataster in den letzten Jahren stark ausgebaut, ältere Objekte sind trotzdem oft unvollständig erfasst.
Bei der Gründung ist Bulgarien der einfachere Standort: Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung lässt sich mit symbolischem Stammkapital gründen, die Verwaltung ist digitalisiert, und der einheitliche Körperschaftsteuersatz macht die Planung übersichtlich. In Griechenland ist die Gründung aufwendiger, dafür bekommst du Zugang zu einem größeren Binnenmarkt und zu Förderprogrammen im Tourismus und in der Logistik.
Die ehrlichen Nachteile
- Bulgarien: starke Abwanderung und Alterung, dadurch dünne Versorgung außerhalb der Städte, im Winter erhebliche Luftverschmutzung in Sofia, Behörden mit viel Papier und wenig Englisch.
- Griechenland: zähe Bürokratie, hohe Verbrauchsteuern, stark gestiegene Mieten in Athen, Waldbrandrisiko im Sommer und teure Insellogistik.
- In beiden Ländern liegen die lokalen Gehälter deutlich unter dem deutschen Niveau.
- Sprachbarriere: Kyrillisch in Bulgarien, griechisches Alphabet in Griechenland, beides bremst Behördengänge.
- Die Euro-Umstellung in Bulgarien hat bei einzelnen Warengruppen zu Preisaufschlägen geführt, die alte Vergleichswerte entwerten.
- Griechische Sonderregime sind an Fristen und Anwesenheit gebunden und laufen nach Ablauf ersatzlos aus.
- Beide Länder haben in Teilen der Fläche eine schwache Verkehrsanbindung und im Winter eingeschränkte Flugpläne.
Dein nächster Schritt Richtung Süden
Bulgarien ist die Wahl, wenn dein Ziel ein niedriges Kostenniveau und ein einfaches Steuersystem ist und du mit einem weniger komfortablen Alltag leben kannst. Für Selbständige mit Kunden im deutschsprachigen Raum und für Ruheständler mit mittlerer Rente geht die Rechnung häufig deutlich besser auf als in Westeuropa.
Griechenland ist die Wahl, wenn dir Klima, Kultur und Meer wichtig sind und wenn eines der Sonderregime tatsächlich auf deine Einkommenssituation passt. Für Rentner mit spürbarer Rente und für Zuzügler mit hohem Auslandseinkommen kann das den Kostennachteil mehr als ausgleichen.
Der Reihenfolge nach: erst prüfen, welches Regime greift, dann den Wegzug aus Deutschland sauber vollziehen, dann Wohnung und Anmeldung. Ein Beratungsgespräch bringt dir Punkt eins und zwei in einer Stunde auf den Tisch.
