Ans Mittelmeer auswandern klingt nach einer Lebensstilfrage, ist 2026 aber vor allem eine Rechenaufgabe. Italien und Griechenland werben beide offensiv um Zuzügler, und beide haben ihre Regeln in den vergangenen Monaten spürbar verändert. Wer heute plant, darf nicht mit den Zahlen von 2023 rechnen. Dieser Vergleich zeigt, was sich geändert hat, was das Leben kostet und wo die Reibungspunkte liegen.

Aufenthalt: für dich einfach, für Nicht-EU-Angehörige nicht

Beide Länder sind EU-Mitglieder. Als deutsche Staatsangehörige ziehst du ohne Visum um und meldest dich vor Ort an. In Italien heißt das Anmeldung bei der Anagrafe der Wohnsitzgemeinde plus Codice Fiscale, in Griechenland Steuernummer AFM, Sozialversicherungsnummer AMKA und die Registrierungsbescheinigung für EU-Bürger. Ohne Steuernummer bekommst du in beiden Ländern weder Mietvertrag noch Bankkonto noch Mobilfunkvertrag.

Wichtig für 2026: Griechenland hat sein Einwanderungsrecht grundlegend neu gefasst. Seit dem 6. Februar 2026 gilt ein neuer Migrationskodex, der große Teile des alten Gesetzes 4251/2014 ersetzt. Für EU-Bürger ändert das wenig, für nachziehende Angehörige aus Drittstaaten und für Investoren aber sehr viel. Die zuständige Stelle ist das griechische Migrationsministerium.

Auch die Investorenroute wurde umgebaut. Die griechische Aufenthaltserlaubnis ĂĽber Immobilienerwerb liegt heute in gestaffelten Zonen: 800.000 Euro in Attika, in der Stadt Thessaloniki, auf Mykonos, Santorin und Inseln ĂĽber 3.100 Einwohner, 400.000 Euro im ĂĽbrigen Land, jeweils bei mindestens 120 Quadratmetern in einer einzigen Immobilie. Eine niedrigere Schwelle von 250.000 Euro gilt nur noch fĂĽr Sanierungs- und Umwandlungsobjekte. Italien kennt fĂĽr Drittstaater ein eigenes Investorenvisum, jedoch keinen Immobilienweg.

Steuern: das eigentliche Entscheidungsfeld

Beide Länder haben Sonderregime für Zuzügler, sie zielen aber auf unterschiedliche Gruppen.

Die bekannte Pauschalsteuer für vermögende Neuansässige ist teurer geworden. Mit dem Haushaltsgesetz für 2026 stieg der Pauschbetrag auf 300.000 Euro pro Jahr, nachdem er zuvor bei 200.000 und ursprünglich bei 100.000 Euro lag. Für mitziehende Familienangehörige verdoppelte sich der Betrag auf 50.000 Euro. Wer seinen Wohnsitz vor Inkrafttreten verlegt hat, behält den damaligen Satz. Die Laufzeit von bis zu 15 Jahren bleibt.

Für Angestellte und Selbständige greift stattdessen das Impatriati-Regime: 50 Prozent der italienischen Erwerbseinkünfte bleiben steuerfrei, 60 Prozent mit minderjährigem Kind, gedeckelt auf 600.000 Euro Bemessungsgrundlage und begrenzt auf fünf Jahre, verbunden mit einer mehrjährigen Bleibeverpflichtung. Für ausländische Rentner gibt es zusätzlich das Sieben-Prozent-Modell in kleinen Gemeinden Süditaliens.

Griechenland

Griechenland setzt auf drei klar getrennte Angebote: eine Pauschale von 100.000 Euro im Jahr für Auslandseinkünfte vermögender Zuzügler, 7 Prozent Pauschalsteuer auf sämtliche ausländischen Einkünfte für zuziehende Rentner über 15 Jahre und einen 50-Prozent-Abschlag auf Erwerbseinkünfte für Fachkräfte, die ihren Arbeitsplatz nach Griechenland verlegen.

Welches Regime für dich rechnet, hängt weniger vom Land als von deiner Einkunftsstruktur ab. Die aktuellen Details stehen in den Länderprofilen zu Steuern in Italien und Steuern in Griechenland. Unsere Kanzlei St Matthew hat beide Systeme praxisnah beschrieben, einmal zu Italien als Steuerparadies in der EU und einmal dazu, wie du in Griechenland lebst und Steuern sparst. Wer Kryptovermögen mitbringt, findet die Behandlung in der Übersicht zu Krypto-Steuern in Italien.

Was das Leben kostet

Hier hat Griechenland einen klaren Vorsprung. Nach den Eurostat-Preisniveauindizes 2025 liegt Griechenland bei 87,4 und Italien bei 97,1, bei einem EU-Durchschnitt von 100 und einem deutschen Wert von 108,3. Nachlesen kannst du das in der Eurostat-Ăśbersicht zu den Comparative price levels of consumer goods and services.

Der Abstand von rund zehn Punkten klingt klein, wirkt im Alltag aber deutlich, weil er sich bei Miete, Gastronomie und Dienstleistungen bĂĽndelt. Wichtiger als der Landesdurchschnitt ist allerdings die Region:

  • Norditalien mit Mailand, Bologna oder SĂĽdtirol liegt preislich auf oder ĂĽber deutschem Niveau.
  • SĂĽditalien und Sizilien sind teils gĂĽnstiger als griechische Ballungsräume.
  • Athen und Thessaloniki haben bei Mieten seit 2021 kräftig zugelegt, getrieben von Kurzzeitvermietung.
  • Griechische Inseln sind im Sommer teuer und im Winter schlecht versorgt, das ist der klassische Planungsfehler.

Auf der anderen Seite stehen die Einkommen. Beide Länder zahlen deutlich weniger als Deutschland, Griechenland noch einmal spürbar weniger als Italien. Wer vom lokalen Arbeitsmarkt leben muss, verliert den Kostenvorteil sofort wieder. Das Modell funktioniert vor allem mit ausländischem Einkommen, Rente oder eigenem Unternehmen.

Arbeit, Gesundheit und Schule

Italien hat die größere und diversifiziertere Wirtschaft: Industrie, Maschinenbau, Mode, Tourismus, Pharma. Griechenlands Arbeitsmarkt hängt stärker an Tourismus, Schifffahrt, Logistik und Landwirtschaft, wächst aber seit einigen Jahren wieder und zieht Technologiestandorte an. Die Arbeitslosigkeit ist in Griechenland weiterhin höher als in Italien, in beiden Ländern besonders unter Jüngeren.

Die staatliche Gesundheitsversorgung ist in beiden Ländern grundsätzlich zugänglich, in der Qualität aber stark regional. Norditalienische Regionen gelten als sehr gut, süditalienische und griechische Provinzkrankenhäuser als unterfinanziert. Private Zusatzversicherungen sind in beiden Ländern in der Praxis fast Pflicht, wenn du planbare Eingriffe nicht monatelang aufschieben willst. Halte deine europäische Krankenversicherungskarte für die Übergangszeit bereit und kläre die Ummeldung früh.

Für Familien: Deutsche und internationale Schulen gibt es in Rom, Mailand und Athen, in der Fläche jedoch kaum. Der Einstieg ins staatliche System funktioniert bei jüngeren Kindern gut, bei Jugendlichen wird es sprachlich anspruchsvoll.

Standortwahl: wo du tatsächlich landest

Der häufigste Planungsfehler bei beiden Ländern ist die Verwechslung von Urlaubsort und Wohnort. Ein Ort, der im August großartig funktioniert, kann im Januar praktisch geschlossen sein. Das betrifft griechische Inseln besonders stark: Auf kleineren Inseln reduziert sich im Winter der Fährverkehr, Ärzte pendeln nur tageweise, und Supermärkte fahren das Sortiment zurück. Wer ganzjährig dort leben will, sollte mindestens einen Februar vor Ort verbracht haben.

In Italien ist die Achse anders gelagert. Die Entscheidung fällt zwischen dem industriell starken Norden mit hohem Kostenniveau, der gut angebundenen Mitte um Rom, Umbrien und die Toskana und dem günstigen, aber wirtschaftlich schwachen Süden. Die Hochgeschwindigkeitsbahn verbindet Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel zuverlässig, südlich davon wird das Netz dünn. In Griechenland konzentriert sich alles auf Athen und Thessaloniki, dazwischen ist der Bahnverkehr schwach und du bist auf Auto oder Inlandsflug angewiesen.

Für die Anbindung nach Deutschland gilt: Beide Länder sind ganzjährig gut per Direktflug erreichbar, italienische Ziele zusätzlich per Bahn und Auto. Wer Angehörige regelmäßig besuchen will oder muss, spart mit Italien Zeit und Geld.

Die ehrlichen Nachteile

Bürokratie ist in beiden Ländern kein Klischee, sondern Alltag. Rechne mit mehreren Behördengängen für Vorgänge, die in Deutschland ein Formular wären, und mit der Notwendigkeit, einen lokalen Steuerberater fest einzuplanen. In Italien kommt eine kleinteilige kommunale Abgabenlandschaft hinzu, in Griechenland die immer noch träge Grundbuchführung.

Zweiter Punkt: Der Immobilienkauf ist in beiden Ländern deutlich riskanter als in Deutschland. Ungeklärte Erbengemeinschaften, Schwarzbauten ohne Baugenehmigung und fehlende Katasterangaben sind häufig. Ohne unabhängige Prüfung durch einen eigenen Anwalt solltest du keinen Kaufvertrag unterschreiben.

Dritter Punkt: Das Klima kippt. Hitzewellen über 40 Grad, Waldbrände und Wasserknappheit betreffen Süditalien und weite Teile Griechenlands inzwischen jeden Sommer. Aktuelle Hinweise dazu findest du beim Auswärtigen Amt zu Italien. Wer eine Alternative auf der iberischen Halbinsel sucht, sollte Spanien im direkten Südeuropa-Vergleich danebenlegen.

Ruhestand am Mittelmeer

Für Ruheständler ist das Mittelmeer steuerlich attraktiv wie sonst kaum eine Region Europas, allerdings mit Bedingungen. Italiens Sieben-Prozent-Modell verlangt den Wohnsitz in einer kleinen Gemeinde des Südens, Griechenlands Sieben-Prozent-Regime verlangt, dass du vorher nicht in Griechenland ansässig warst und aus einem Land mit Abkommen kommst. Beides ist machbar, beides will vorher gerechnet werden. Aufbereitet ist das für Italien im Ruhestand und Griechenland im Ruhestand. Ein Konto in der Eurozone brauchst du in jedem Fall, Grundlagen dazu bei FreedomBanking.

Mittelmeer mit klarem Kopf wählen

Italien passt zu dir, wenn du Infrastruktur, medizinische Qualität und wirtschaftliche Tiefe brauchst, wenn du unternehmerisch tätig bist oder wenn dich das Impatriati-Regime als Fachkraft trifft. Der Preis ist ein höheres Kostenniveau und eine sehr komplexe Steuerverwaltung.

Griechenland passt zu dir, wenn du von ausländischem Einkommen oder einer Rente lebst, wenn dir niedrigere Lebenshaltungskosten wichtiger sind als Behördenkomfort und wenn du bereit bist, Standort und Saison sorgfältig zu wählen.

Beide Wege erfordern, dass die deutsche Seite sauber beendet wird. Wenn du das für Italien durchsprechen willst, buch ein Beratungsgespräch zu Italien; für den griechischen Weg gibt es das Beratungsgespräch zu Griechenland.