Zwei Nachbarn an der Donau, beide in der EU, beide seit Anfang 2025 vollwertig im Schengen-Raum, beide mit den niedrigsten Preisen der Union: Bulgarien und Rumänien landen bei Auswanderern regelmäßig auf derselben Liste. 2026 hat sich der Abstand zwischen beiden allerdings verschoben, und zwar in beide Richtungen: Bulgarien hat den Euro eingeführt, Rumänien hat seine Steuern deutlich angehoben. Dieser Vergleich zeigt dir, was das für deine Planung bedeutet.
Bulgarien ist seit Januar 2026 Euroland
Die größte Veränderung betrifft das Geld. Seit dem 1. Januar 2026 ist der Euro in Bulgarien gesetzliches Zahlungsmittel, der Lew wurde zum fest fixierten Kurs von 1,95583 umgestellt. Weil diese Bindung seit Jahrzehnten bestand, war der Umstellungseffekt auf die Preise gering. Seit dem 1. Februar 2026 ist der Lew kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr, die doppelte Preisauszeichnung läuft noch bis August 2026. Die Details zur Umstellung erklärt die Deutsche Bundesbank.
Für dich als Zuzügler heißt das: kein Wechselkursrisiko mehr zwischen deinem Einkommen in Euro und deinen Ausgaben vor Ort, keine Umrechnung bei Mietverträgen, keine Gebühren bei Überweisungen aus dem Euroraum. Rumänien bleibt beim Leu und hat keinen verbindlichen Beitrittstermin. Wer in Bukarest Miete zahlt und in Euro verdient, trägt das Wechselkursrisiko selbst.
Steuern: Bulgariens 10 Prozent gegen Rumäniens Konsolidierung
Bulgarien hält an seinem Modell fest: 10 Prozent Einkommensteuer und 10 Prozent Körperschaftsteuer, dazu ein niedriger Satz auf Dividenden. Das ist der niedrigste Flat-Tax-Satz der EU und der Hauptgrund, warum Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem deutschsprachigen Raum überhaupt hinschauen. Die vollständige Übersicht führt der Steueratlas zu Bulgarien.
Rumänien hat dagegen mehrfach nachgeschärft. Zum 1. August 2025 stieg die Umsatzsteuer vom Regelsatz 19 auf 21 Prozent, die früheren ermäßigten Sätze von 5 und 9 Prozent wurden zu einem einheitlichen Satz von 11 Prozent zusammengelegt. Die Dividendensteuer wurde erst von 8 auf 10 Prozent angehoben und steigt für Ausschüttungen ab dem 1. Januar 2026 weiter auf 16 Prozent. Das Mikrounternehmensregime, lange das Zugpferd des Standorts, wurde ebenfalls beschnitten: Die Umsatzschwelle sinkt 2026 auf 100.000 Euro. Die Einordnung liefert der Steueratlas zu Rumänien, den Hintergrund zur Reformkette findest du in unserer Analyse zu den Steuererhöhungen in Rumänien.
Unterm Strich: Der rumänische Vorsprung bei der Unternehmensbesteuerung ist weitgehend abgeschmolzen. Bulgarien ist 2026 das steuerlich berechenbarere Land. Wer Kryptowerte hält, findet die bulgarische Einordnung in unserem Beitrag zu den Krypto-Steuern in Bulgarien.
Anmeldung und Aufenthalt
Als EU-Bürgerin oder EU-Bürger brauchst du in beiden Ländern kein Visum. Bei einem Aufenthalt über drei Monate meldest du dein Aufenthaltsrecht an und erhältst eine Bescheinigung, in Rumänien über die Generalinspektion für Einwanderung, die ihre Verfahren beim Inspectoratul General pentru Imigrări beschreibt. In Bulgarien ist die Migrationsdirektion des Innenministeriums zuständig. Nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthalts entsteht in beiden Ländern das Daueraufenthaltsrecht.
Beide Staaten sind seit Anfang 2025 vollständig im Schengen-Raum, Kontrollen an den Landgrenzen sind entfallen. Das erleichtert Umzüge, Pendeln und Familienbesuche erheblich.
Für die Krankenversicherung gilt in beiden Ländern dieselbe Logik: Wer erwerbstätig ist, zahlt Beiträge in das lokale System. Wer als Frührentner ohne Erwerbstätigkeit zuzieht, fällt nicht automatisch hinein und braucht entweder eine freiwillige Versicherung oder eine private Police. Ruheständler mit gesetzlicher Rente aus Deutschland klären die Zuständigkeit über das Formular S1, das den Versicherungsschutz ins Wohnsitzland überträgt. Kläre diesen Punkt vor dem Umzug, denn eine rückwirkende Aufnahme ist in beiden Systemen mühsam.
Lebenshaltungskosten: die günstigsten Länder der EU
Nach den Preisniveaudaten von Eurostat für 2025 belegen die beiden Länder die letzten Plätze in der EU: Der private Konsum liegt in Bulgarien bei 63 Prozent und in Rumänien bei 65 Prozent des EU-Durchschnitts. Deutschland liegt bei 108 Prozent.
Beim Wohnen ist der Abstand noch größer. Bulgarien erreicht dort einen Index von 41, Rumänien von 54. Bulgarien ist damit im EU-Vergleich das günstigste Land beim Wohnen überhaupt. Praktisch heißt das: Für dieselbe Wohnung zahlst du in Plovdiv oder Varna einen Bruchteil dessen, was in Bukarest oder Cluj fällig wird, und einen noch kleineren Anteil dessen, was du aus Deutschland oder Österreich kennst. Sofia ist teurer als der Landesdurchschnitt, bleibt aber deutlich unter westeuropäischen Hauptstädten.
Immobilien: kaufen ist einfach, verkaufen nicht immer
EU-Bürger dürfen in beiden Ländern Wohnimmobilien ohne Sondergenehmigung erwerben, bei landwirtschaftlichen Flächen gelten eigene Regeln. Der Kauf läuft über Notar und Grundbuch, die Nebenkosten sind mit wenigen Prozent niedrig. Der bulgarische Küstenmarkt rund um Varna, Burgas und Sonnenstrand ist stark von ausländischen Käufern geprägt, was Preise und Wiederverkäuflichkeit gleichermaßen beeinflusst.
Prüfe vor jedem Kauf die Eigentumshistorie und die Bausubstanz. In beiden Ländern gibt es Bestände aus den Neunzigerjahren mit ungeklärten Restitutionsfragen und Neubauten mit fragwürdiger Ausführung. In schrumpfenden Regionen ist der Zweitmarkt zudem dünn: Was in Sofia oder Bukarest binnen Wochen verkauft ist, kann in der Provinz jahrelang stehen. Wer flexibel bleiben will, mietet die ersten zwölf Monate.
Bank, Konto und Meldepflichten
Mit der Euro-Einführung ist der Zahlungsverkehr zwischen Bulgarien und dem Rest der Eurozone unmittelbar geworden. Ein lokales Konto brauchst du dennoch, spätestens für Miete, Nebenkosten und Steuernummer. In Rumänien kommt die Umrechnung zwischen Leu und Euro hinzu, was bei Daueraufträgen und Mietverträgen Aufmerksamkeit verlangt. Deine Meldepflichten im Herkunftsland enden nicht mit dem Umzug, sondern erst mit einer sauberen Abmeldung und der letzten Steuererklärung. Wer parallel Konten außerhalb der Region halten will, findet die Grundlagen bei FreedomBanking.
Alltag, Sprache und Infrastruktur
Rumänisch ist eine romanische Sprache und für Menschen mit Französisch-, Italienisch- oder Spanischkenntnissen erstaunlich schnell zugänglich. Bulgarisch ist slawisch und verwendet das kyrillische Alphabet, was die Einstiegshürde erhöht. In Sofia, Bukarest und Cluj kommst du im Berufsalltag mit Englisch weit, auf dem Land nicht.
Rumänien hat den größeren Binnenmarkt, mehr internationale Unternehmen und einen tieferen Arbeitsmarkt für Technologieberufe, besonders in Cluj-Napoca, Timișoara und Iași. Bulgarien punktet mit der Schwarzmeerküste, dem Wintersport im Rila- und Pirin-Gebirge und niedrigeren Fixkosten. Beide Länder haben eine ausbaufähige Straßeninfrastruktur und ein zweigeteiltes Gesundheitssystem, in dem Privatkliniken in den Großstädten gut, öffentliche Häuser auf dem Land dagegen schwach ausgestattet sind. Für Ruheständler lohnen die Profile Ruhestand in Bulgarien und Ruhestand in Rumänien.
Die ehrlichen Nachteile
- Bulgariens niedrige Steuer ersetzt keine Substanz. Wer eine Gesellschaft gründet, aber weiter von Deutschland aus arbeitet, riskiert dort eine Betriebsstätte und die volle Steuerpflicht.
- Rumäniens Reformkette ist nicht abgeschlossen. Wer 2026 eine Struktur aufbaut, sollte mit weiteren Anpassungen rechnen.
- Die Bevölkerung schrumpft in beiden Ländern, besonders in ländlichen Regionen. Das trifft Immobilienwerte, ärztliche Versorgung und Schulen unmittelbar.
- Verwaltung und Justiz arbeiten langsam. Für Grundbuchsachen, Genehmigungen und Rechtsstreit brauchst du Geduld und lokale Begleitung.
- Die Sprachbarriere ist real. Ohne Landessprache bist du bei Handwerkern, Ärzten und Behörden auf Dritte angewiesen.
Für wen passt welches Land
Bulgarien ist 2026 die naheliegende Wahl für Selbstständige und Gesellschafter, die eine niedrige, stabile Besteuerung suchen, sowie für Ruheständler, die beim Wohnen maximal sparen wollen und den Euro schätzen. Rumänien passt besser zu Angestellten in der Technologiebranche, zu Menschen mit Bezug zur romanischen Sprachfamilie und zu allen, die einen größeren Arbeitsmarkt brauchen. Weitere Perspektiven bieten unsere Vergleiche Rumänien oder Moldawien und Bulgarien oder Griechenland.
Dein Weg nach Südosteuropa
Kläre zuerst, ob dein Einkommen aus einer Gesellschaft oder aus persönlicher Arbeit kommt, denn daran hängt, ob Bulgariens Flat Tax überhaupt greift. Prüfe danach, ob du das Wechselkursrisiko des Leu tragen willst. Und rechne die Miete am konkreten Ort, nicht am Landesdurchschnitt. Für Bulgarien besprichst du die Struktur im Beratungsgespräch zu Bulgarien, für Rumänien im Beratungsgespräch zu Rumänien.
