St. Martin oder St. Barts: Beide liegen in den nördlichen Kleinen Antillen, beide gehören zu Frankreich, beide sind nur wenige Flugminuten voneinander entfernt. Trotzdem sind sie rechtlich, steuerlich und wirtschaftlich zwei verschiedene Welten. Wer 2026 hierher auswandern will, muss zuerst verstehen, dass die Insel St. Martin geteilt ist und dass St. Barts steuerlich einer eigenen Logik folgt, die erst nach fünf Jahren greift.
Drei Rechtsräume auf zwei kleinen Inseln
Die Insel St. Martin teilen sich zwei Verwaltungen. Der französische Norden, Saint-Martin, ist eine französische Gebietskörperschaft und weiterhin Gebiet in äußerster Randlage der EU. Der niederländische Süden, Sint Maarten, ist ein autonomes Land im Königreich der Niederlande und gehört zu den überseeischen Ländern und Gebieten, also nicht zum EU-Zollgebiet.
Saint-Barthélemy, umgangssprachlich St. Barts, hat seit 2007 den Status einer französischen Gebietskörperschaft mit eigener Steuerhoheit und ist seit dem 1. Januar 2012 überseeisches Land und Gebiet außerhalb des EU-Zollgebiets. Was das für Warenverkehr und Einfuhren bedeutet, erklärt die französische Zollverwaltung in ihrer Übersicht zu den Sonderfällen Saint-Martin und Saint-Barthélemy.
Für dich als EU-Bürgerin heißt das praktisch: Auf der französischen Seite von St. Martin ziehst du ohne Visum und ohne Aufenthaltsgenehmigung zu. Auf St. Barts ebenfalls, allerdings ist Wohnraum der eigentliche Engpass. Auf der niederländischen Seite von Sint Maarten gelten eigene Zulassungsregeln mit Aufenthaltsgenehmigung.
Steuern: die Fünfjahresregel entscheidet alles
Der Ruf von St. Barts als Steuerparadies stimmt, aber nur mit einer entscheidenden Einschränkung. Als steuerlich auf St. Barts ansässig giltst du erst, wenn du dort mindestens fünf Jahre gelebt hast. Bis dahin behandelt dich das französische Steuerrecht wie eine Person mit Wohnsitz im Mutterland, mit vollem Zugriff auf dein Einkommen.
Nach Ablauf dieser Frist ändert sich das Bild grundlegend: Wer die Voraussetzung erfüllt, ist von der französischen Einkommensteuer und von der Immobilienvermögensteuer auf lokal belegene Werte befreit, es gibt keine Mehrwertsteuer, und auf der Insel belegene Nachlassgegenstände unterliegen keiner Erbschaftsteuer. Statt Mehrwertsteuer erhebt die Insel die Abgabe TGCA mit einem sehr niedrigen Satz. Die geltenden Regeln im Detail stehen im Steueratlas zu Steuern auf Saint-Barthélemy, für die Nachbarinsel im Eintrag zu Steuern auf Saint-Martin.
Saint-Martin hat ebenfalls Steuerhoheit und eine vergleichbare Wartezeit, das Niveau ist allerdings näher am französischen System als an St. Barts. Wer in fünf Jahren nicht durchhält, hat die gesamte Rechnung umsonst gemacht. Und auf der deutschen Seite bleibt die Pflicht bestehen: Ohne Aufgabe von Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt bleibt dein Welteinkommen in Deutschland steuerpflichtig, die Kriterien erklärt der Beitrag zu Wohnsitz, gewöhnlichem Aufenthalt und der 183-Tage-Regel. Anteilseigner rechnen vorher die Wegzugsbesteuerung durch.
Lebenshaltungskosten: der Abstand ist gewaltig
Beide Inseln importieren praktisch alles, aber St. Barts hat sich zusätzlich als Ziel für sehr vermögende Gäste positioniert, was auf jeden Preis durchschlägt.
- Miete auf St. Martin: eine Einzimmerwohnung kostet grob 600 bis 850 Euro, eine Zweizimmerwohnung in Marigot oder Grand Case 800 bis 1.300 Euro monatlich.
- Miete auf St. Barts: eine kleine Wohnung startet realistisch bei 2.000 Euro und erreicht schnell 3.000 Euro, das Angebot ist extrem knapp.
- Wocheneinkauf für eine Person: auf St. Martin etwa 70 bis 90 Euro, auf St. Barts 150 bis 200 Euro.
- Restaurant: auf St. Barts beginnen Hauptgerichte bei rund 30 Euro, auf St. Martin gibt es die gesamte Bandbreite von einfachen Lokalen bis gehoben.
Diese Größenordnungen sind kein Zufall. Die französische Statistikbehörde hat für Saint-Martin ermittelt, dass Nahrungsmittel dort 47 Prozent teurer sind als in Frankreich. Auf St. Barts liegt der Abstand nochmals darüber. Wie du solche Zahlen vor dem Umzug prüfst statt sie zu glauben, zeigt die Anleitung zum ehrlichen Vergleich von Lebenshaltungskosten im Ausland.
Wohnen, Arbeiten und Alltag
Die Insel hat rund 75.000 Einwohner auf beiden Seiten zusammen, einen internationalen Flughafen auf niederländischer Seite mit direkten Verbindungen nach Europa und Nordamerika sowie eine gemischte Wirtschaft aus Tourismus, Handel und Dienstleistungen. Das Preisniveau ist hoch, aber machbar, und der Wohnungsmarkt ist real vorhanden.
Die Insel wurde 2017 von Hurrikan Irma verwüstet, der Wiederaufbau ist weit fortgeschritten, aber Bausubstanz und Versicherbarkeit bleiben ein Prüfpunkt bei jedem Kauf. Sprachlich hilft Französisch im Norden, im Süden reicht Englisch.
St. Barts
St. Barts hat rund 10.000 Einwohner auf 21 Quadratkilometern. Es gibt keinen internationalen Direktflug, die Anreise läuft über Sint Maarten mit Kleinflugzeug oder Fähre. Der Landeanflug auf den Flughafen Gustaf III gilt als einer der anspruchsvollsten der Welt.
Die Wirtschaft besteht praktisch vollständig aus Luxustourismus, Yachtwesen, Immobilien und den zugehörigen Dienstleistungen. Wohnraum für Zugezogene ist der Flaschenhals, Mietwohnungen sind rar und werden häufig saisonal an Feriengäste vergeben, was ganzjährige Verträge verdrängt. Wer keine Immobilie besitzt oder keinen Arbeitgeber mit Werkswohnung hat, scheitert oft an diesem Punkt und nicht am Geld.
Arbeiten und Einkommen auf zwei Mikroinseln
Beide Inseln haben winzige Arbeitsmärkte, die praktisch vollständig am Tourismus hängen. Auf St. Martin kommen Handel, Verwaltung, Gastronomie und der Yachtsektor dazu, saisonale Schwankungen sind ausgeprägt: Die Hochsaison von Dezember bis April trägt den Rest des Jahres. Auf St. Barts entstehen Stellen fast ausschließlich in Hotellerie, Villenverwaltung, Bootswesen und persönlichen Dienstleistungen für Eigentümer, und viele davon werden über Kontakte und nicht über Ausschreibungen vergeben.
Realistisch finanzierst du dich hier aus Fernarbeit, Kapital oder Rente. Wer als Angestellte vor Ort das Auskommen sucht, sollte den Vertrag vor dem Umzug in der Hand haben, nicht danach suchen. Selbstständigkeit ist auf der französischen Seite über die üblichen französischen Rechtsformen möglich, mit dem Vorbehalt, dass die Kundschaft auf beiden Inseln überschaubar bleibt und die Konkurrenz um dieselben Gäste hoch ist.
Schule und Familie
Auf der französischen Seite von St. Martin folgen die Schulen dem französischen Lehrplan, was den späteren Wechsel nach Europa erleichtert, aber solides Französisch der Kinder voraussetzt. Auf der niederländischen Seite wird überwiegend auf Englisch unterrichtet. St. Barts hat eine kleine Zahl an Schulen bis zum Lycée, danach gehen Jugendliche in der Regel nach Guadeloupe oder Frankreich. Wer mit Kindern plant, klärt die Schulfrage vor der Wohnungsfrage, weil sie den Wohnort mitbestimmt.
Gesundheit, Sicherheit und Naturrisiken
Auf St. Martin deckt das Krankenhaus in Marigot zusammen mit der Einrichtung auf niederländischer Seite die Grundversorgung, für Spezialbehandlungen geht es nach Guadeloupe oder Frankreich. St. Barts verfügt über ein kleines Krankenhaus und Praxen, alles Weitere erfordert einen Flug. Eine internationale Absicherung mit Rücktransport ist auf beiden Inseln Pflichtausstattung.
Die Sicherheitslage ist auf St. Barts sehr ruhig, auf St. Martin uneinheitlich mit Schwerpunkten in einzelnen Vierteln. Die aktuelle Einschätzung steht in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts zu Frankreich. Die Hurrikansaison läuft von Juni bis Ende November, und beide Inseln liegen exponiert, wie Irma eindrücklich gezeigt hat. Prüfe bei jeder Immobilie Bauweise, Dachbefestigung, Versicherbarkeit und Selbstbehalt.
Ein Bankkonto außerhalb des Wohnsitzlandes ist bei so kleinen Gebietskörperschaften sinnvoll, dafür gibt es FreedomBanking Plus. Wer Vermögen unabhängig von einer einzelnen Jurisdiktion strukturieren will, findet den Rahmen bei Asset Protection Plus.
Für wen sich welche Insel rechnet
St. Martin ist die realistische Wahl für die meisten. Der Zuzug ist als EU-Bürgerin unkompliziert, es gibt Wohnraum, Flugverbindungen, Handel und eine Insel, die groß genug für einen normalen Alltag ist. Steuerlich ist es kein Sprungbrett, aber ein funktionierendes Leben in der Karibik mit europäischem Rahmen.
St. Barts ist die Wahl für sehr wenige. Die Steuervorteile sind real, greifen aber erst nach fünf Jahren durchgehender Ansässigkeit, und bis dahin zahlst du französische Sätze bei den höchsten Lebenshaltungskosten der Karibik. Rechne den Fünfjahreszeitraum vollständig durch, bevor du dich darauf einlässt, inklusive Wohnkosten, Reisekosten und dem Risiko, dass sich deine Lebensplanung ändert.
Für beide gilt: Kläre zuerst die deutsche Seite und die Wohnraumfrage, danach alles andere. Wenn du das strukturiert durchgehen willst, buche ein Beratungsgespräch bei Wohnsitz Ausland.
