Wer nach Bermuda oder auf die Bahamas auswandern will, sucht meistens dasselbe: kein Steuerabzug auf Einkommen, englische Sprache, politische Stabilität und Meer vor der Tür. Beide Ziele liefern das, aber zu sehr unterschiedlichen Bedingungen. Bermuda liegt im Nordatlantik auf der Höhe von North Carolina, ist britisches Überseegebiet und einer der teuersten Wohnorte der Welt. Die Bahamas sind ein unabhängiger Inselstaat mit über 700 Inseln vor Florida, deutlich größer, deutlich vielfältiger und in vielen Regionen erschwinglicher.

Die Ausgangslage der beiden Ziele

Bermuda hat rund 64.000 Einwohner auf etwa 54 Quadratkilometern, also eine Bevölkerungsdichte wie in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Die Wirtschaft läuft über Rückversicherung, Fonds und internationale Unternehmensdienstleistungen. Der Bermuda-Dollar steht fest im Verhältnis eins zu eins zum US-Dollar. Der Flughafen bedient Direktverbindungen an die US-Ostküste und nach London.

Die Bahamas zählen rund 400.000 Einwohner, konzentriert auf New Providence mit Nassau und auf Grand Bahama. Der Bahama-Dollar steht ebenfalls eins zu eins zum US-Dollar. Die Wirtschaft ruht auf Tourismus und Finanzdienstleistungen. Zwischen Nassau und einer Familieninsel liegen in puncto Infrastruktur und Preisen Welten, dieser Unterschied wird bei der Planung regelmäßig unterschätzt.

Aufenthalt 2026: die realen Wege

Das digitale Nomadenprogramm ist Geschichte. Das One Year Residential Certificate, bekannt als Work From Bermuda, endete am 28. Februar 2025 und nimmt keine Anträge mehr entgegen. Die Regierung begründete das mit dem angespannten Wohnungsmarkt.

Übrig bleiben im Wesentlichen zwei Wege. Erstens der Arbeitsweg: Eine Arbeitserlaubnis ist arbeitgebergebunden, wird für konkrete Stellen erteilt und setzt voraus, dass die Position lokal ausgeschrieben war. Der Versicherungs- und Fondssektor rekrutiert regelmäßig international. Zweitens der Investorenweg über das Economic Investment Residential Certificate, das seit 2021 läuft. Voraussetzung ist eine Investition von mindestens 2,5 Millionen Bermuda-Dollar in Immobilien, bermudische Unternehmen, Finanzinstrumente oder gemeinnützige Organisationen. Die Investition muss mindestens fünf Jahre gehalten werden, und du musst in diesen Jahren jeweils mindestens 90 Tage auf der Insel verbringen. Am Ende des fünften Jahres wird geprüft. Die Details und die Fortschreibung der Policy dokumentiert die Regierung im Artikel zur Economic Investment and Residential Certificate Policy.

Bahamas

Die Bahamas kennen mehrere Stufen. Die jährlich verlängerbare Aufenthaltsgenehmigung für Personen ohne Erwerbstätigkeit ist der Einstieg. Wer ortsunabhängig arbeitet oder studiert, kann über das Programm BEATS bis zu zwölf Monate im Land leben und remote arbeiten. Für dauerhafte Planung ist die wirtschaftliche Daueraufenthaltsberechtigung der relevante Weg.

Zum 1. Januar 2025 wurde die Mindestinvestition dafür von 750.000 auf 1.000.000 Bahama-Dollar angehoben. Das Geld muss in bahamaische Wohnimmobilien fließen, und die Investition ist mindestens zehn Jahre zu halten. Höhere Investitionssummen führen in der Praxis zu einer beschleunigten Bearbeitung. Formulare und Zuständigkeiten findest du beim Department of Immigration. Beachte: Eine Daueraufenthaltsberechtigung ist nicht automatisch mit einer Arbeitserlaubnis verbunden, die ist gesondert zu beantragen.

Steuern: null Einkommensteuer, aber nicht null Abgaben

Beide Ziele erheben keine Einkommen-, Kapitalertrag-, Erbschaft- oder Vermögensteuer. Der Staat holt sich das Geld anders. Bermuda finanziert sich stark über eine Lohnabgabe, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt wird, über sehr hohe Einfuhrzölle und über Grundsteuern nach Mietwert. Die Bahamas setzen auf Mehrwertsteuer, Grundsteuer, Stempelabgaben und Zölle. Wer nur auf den Einkommensteuersatz von null schaut, unterschätzt die tatsächliche Abgabenlast erheblich.

Die Systematik im Detail steht in unserer Leitquelle: Steuern auf Bermuda und Steuern in den Bahamas. Für Ruheständler, die ihre deutsche Rente mitnehmen wollen, lohnt zusätzlich der Blick auf Ruhestand auf den Bahamas, weil die Besteuerung der Rente sich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen und nicht nach dem Zielland richtet. Wie du den Wegzug aus Deutschland sauber vollziehst und ob dich die Wegzugsbesteuerung trifft, klärst du am besten vorab in einem Beratungsgespräch zum Umzug auf die Bahamas.

Lebenshaltungskosten: der harte Realitätscheck

Bermuda gehört regelmäßig zu den teuersten Orten der Welt. Praktisch jedes Lebensmittel wird importiert und mit Zoll belegt. Mieten für eine Zweizimmerwohnung in Hamilton oder Umgebung bewegen sich häufig zwischen 2.500 und 4.000 US-Dollar im Monat, ein Einpersonenhaushalt landet ohne Extravaganzen schnell bei 4.000 bis 5.000 US-Dollar. Autos sind streng reguliert, ein Haushalt darf grundsätzlich nur ein Fahrzeug besitzen.

Die Bahamas sind billiger, aber nicht billig. In Nassau zahlst du für eine gute Zweizimmerwohnung häufig 1.500 bis 2.500 US-Dollar, auf den Familieninseln teils deutlich weniger, dafür mit dünnerer Versorgung. Strom ist auf beiden Zielen teuer, weil er weitgehend aus importiertem Diesel stammt. Kalkuliere Nebenkosten und Krankenversicherung immer separat, sie sind hier größere Posten als in Deutschland.

Immobilien, Gesundheit und Naturrisiko

Beim Immobilienkauf ist Bermuda das restriktivste Ziel der Region: Ausländer dürfen nur Objekte oberhalb bestimmter Mietwertgrenzen erwerben, brauchen eine Lizenz und zahlen darauf eine erhebliche prozentuale Gebühr. Auf den Bahamas ist der Kauf für Ausländer dagegen unkompliziert und wird über die Investorenroute sogar aktiv gefördert.

Bermuda hat mit dem King Edward VII Memorial Hospital eine solide Grundversorgung, komplexe Eingriffe laufen über die USA. Auf den Bahamas ist Nassau der medizinische Schwerpunkt, für Spezialfälle wird nach Florida geflogen. In beiden Fällen brauchst du eine internationale Krankenversicherung mit Auslandsbehandlung, die lokalen Kosten sind an das US-Niveau gekoppelt.

Beide Ziele liegen in der Hurrikanzone. Die Bahamas wurden 2019 von Dorian schwer getroffen, vor allem Abaco und Grand Bahama. Bermuda liegt regelmäßig in der Zugbahn atlantischer Systeme, baut aber traditionell sehr sturmfest. Aktuelle Sicherheits- und Einreisehinweise findest du beim Auswärtigen Amt zu den Bahamas.

Arbeitsmarkt, Gründung und Schulen

Auf Bermuda ist der Arbeitsmarkt klein, aber hochwertig. Rückversicherer, Captive-Verwalter, Fondsadministratoren, Kanzleien und Wirtschaftsprüfer suchen laufend Fachkräfte, und die Gehälter liegen entsprechend hoch. Der Haken: Jede Stelle muss vorher lokal ausgeschrieben werden, und die Arbeitserlaubnis ist an den Arbeitgeber gebunden. Ein Jobwechsel bedeutet einen neuen Antrag. Selbständigkeit ohne bermudische Beteiligung ist stark reguliert.

Auf den Bahamas dominieren Tourismus, Bau, Handel und Finanzdienstleistungen. Auch hier ist die Arbeitserlaubnis stellengebunden, und die Behörden achten darauf, dass Positionen zuerst Einheimischen angeboten werden. Für Unternehmer ist der Weg über eine lokal registrierte Gesellschaft und das Investorenverfahren realistischer als über eine Anstellung.

Bei Schulen ist Bermuda für eine so kleine Insel gut aufgestellt, mit staatlichen und mehreren privaten Einrichtungen nach britischem Muster. Auf den Bahamas konzentriert sich das Angebot an internationalen Schulen auf Nassau, auf den Familieninseln wird es dünn. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern entscheidet die Schulwahl oft über die Inselwahl, nicht umgekehrt.

Die ehrlichen Nachteile

  • Bermuda ist ein Hochpreisziel ohne echte günstige Alternative auf der Insel. Wer knapp kalkuliert, scheitert am Wohnungsmarkt.
  • Das Nomadenprogramm auf Bermuda existiert nicht mehr, der Investoreneinstieg liegt bei 2,5 Millionen.
  • Auf den Bahamas ist die Kriminalitätsbelastung in Teilen von Nassau und Freeport spürbar höher als in Europa.
  • Arbeitserlaubnisse sind in beiden Fällen an konkrete Stellen gebunden, Selbständigkeit vor Ort ist reguliert.
  • Hurrikansaison von Juni bis November, mit realen Auswirkungen auf Versicherungsprämien und Bauvorschriften.
  • Beide Ziele sind stark auf die USA ausgerichtet, Rückflüge nach Europa sind teuer und selten direkt.

Was der Vergleich für deine Planung heißt

Bermuda ist die Wahl für dich, wenn du entweder eine hochbezahlte Position im Versicherungs- und Fondssektor bekommst oder das Kapital für den Investorenweg mitbringst und die 90 Tage Anwesenheit im Jahr ohnehin einplanst. Für alle anderen ist die Insel schlicht zu teuer, um dauerhaft zu funktionieren.

Die Bahamas sind flexibler: BEATS erlaubt einen realistischen Testlauf über zwölf Monate, die jährliche Aufenthaltsgenehmigung trägt ruhige Lebensmodelle, und der Weg über eine Million in Wohnimmobilien führt zu einer belastbaren Daueraufenthaltsberechtigung. Wenn du dabei größere Vermögenswerte strukturieren willst, ist Asset Protection Plus der passende Einstieg, und für ein international nutzbares Konto lohnt der Blick auf FreedomBanking Plus.

In beiden Fällen entscheidet sich das Ergebnis nicht auf der Insel, sondern beim Wegzug aus Deutschland. Kläre zuerst Wohnsitzaufgabe, Wegzugsbesteuerung und Rentenbesteuerung, bevor du eine Immobilie reservierst. Ein Beratungsgespräch bringt dir diese Punkte in einer Stunde auf den Tisch.