Auswandern nach Vietnam oder auf die Philippinen ist die klassische Südostasien-Entscheidung für deutschsprachige Auswanderer, und sie fällt in der Praxis meist über zwei Punkte: Sprache und Aufenthaltssicherheit. Auf den Philippinen ist Englisch Amts- und Alltagssprache, und mit dem Rentnervisum gibt es einen dauerhaften Aufenthaltstitel, den du selbst in der Hand hast. In Vietnam hängt fast jeder längere Aufenthalt an einem Sponsor, dafür sind Infrastruktur und Tempo der Wirtschaft in vielen Städten spürbar weiter.

Die Ausgangslage 2026

Vietnam hat rund 100 Millionen Einwohner und wächst wirtschaftlich seit Jahren schnell. Für Auswanderer relevant sind vor allem Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Da Nang, wobei Da Nang mit Strand, überschaubarer Größe und moderatem Preisniveau die stärkste Anziehungskraft auf Ortsunabhängige hat.

Die Philippinen zählen über 110 Millionen Einwohner auf mehr als 7.000 Inseln. Metro Manila ist Wirtschaftszentrum, Cebu die zweite Metropole, Davao auf Mindanao gilt als besonders geordnet und günstig. Der größte praktische Vorteil ist die Sprache, Behördengänge, Arztbesuche und Mietverträge laufen auf Englisch.

Visum und Aufenthalt im Vergleich

Deutsche profitieren von der einseitigen Visumbefreiung für Kurzaufenthalte und können daneben ein elektronisches Visum mit bis zu 90 Tagen Gültigkeit und mehrfacher Einreise über das offizielle Vietnam National Electronic Visa System beantragen. Für längere Aufenthalte brauchst du eine Temporary Residence Card, und die setzt einen Sponsor voraus: Arbeitgeber, eigene Gesellschaft oder ein Familienangehöriger.

Ein Golden Visa gibt es in Vietnam bis heute nicht. Entsprechende Vorschläge für Investoren, Fachkräfte, Ortsunabhängige und Ruheständler werden seit 2025 diskutiert, sind aber nicht in Kraft. Der einzige investitionsbezogene Langzeitweg bleibt die Investorenvisum-Reihe DT1 bis DT4, gestaffelt nach Kapitaleinsatz: Die oberste Stufe mit einer Einlage ab 100 Milliarden Dong führt zu einer Gültigkeit von bis zu fünf Jahren und über die Aufenthaltskarte zu bis zu zehn Jahren, die unterste Stufe unter drei Milliarden Dong nur zu zwölf Monaten. Für hochqualifizierte Technologieberufe startet zum 1. Juli 2026 eine neue Visumkategorie. Ein eigenes Rentnervisum kennt Vietnam nicht.

Philippinen

Als Tourist reist du visumfrei ein und kannst vor Ort mehrfach verlängern, in der Summe über eine erhebliche Zeitspanne. Der dauerhafte Weg für Ruheständler ist das SRRV der Philippine Retirement Authority, und hier hat sich einiges geändert.

Seit dem 1. September 2025 gilt ein Mindestalter von 40 Jahren, und die Varianten SRRV Smile und SRRV Human Touch nehmen keine Neuanträge mehr an. Übrig bleiben im Wesentlichen SRRV Classic und SRRV Courtesy. Beim Classic hängt die Einlage an Alter und Rentennachweis: mit qualifizierter Rente 25.000 US-Dollar für 40- bis 49-Jährige und 15.000 US-Dollar ab 50, ohne Rentennachweis 50.000 beziehungsweise 30.000 US-Dollar. Die Einlage liegt als Festgeld auf deinen Namen bei einer akkreditierten Bank und wird bei Aufgabe des Visums zurückgezahlt. Die Zuständigkeit und die aktuellen Formulare liegen bei der Philippine Retirement Authority. Daneben gibt es das Investorenvisum SIRV und für Ehepartner philippinischer Staatsangehöriger den 13(a)-Titel.

Wie sich der Alltag mit einem echten Wohnsitz statt einer Briefkastenadresse organisieren lässt, zeigt MyDavaoBase aus der Praxis. Für die Rentenseite lohnt zusätzlich Philippinen im Ruhestand und für den Vergleich Ruhestand in Vietnam.

Steuern und Wegzug

Beide Länder besteuern nach eigener Systematik, und in beiden Fällen ist der entscheidende Schritt der saubere Wegzug aus Deutschland. Solange dort ein Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt besteht, bleibt die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen, unabhängig davon, wie günstig das Zielland ist. Wie Vietnam und die Philippinen tatsächlich besteuern, wo territoriale Elemente greifen und welche Fristen für die Ansässigkeit gelten, findest du in unserer Leitquelle: Steuern in Vietnam und Steuern auf den Philippinen.

Wenn du Anteile an einer Kapitalgesellschaft hältst, prüf die Wegzugsbesteuerung, bevor du kündigst. Ein Beratungsgespräch zum Umzug auf die Philippinen deckt genau diese Reihenfolge ab.

Lebenshaltungskosten

Beide Ziele sind deutlich günstiger als Deutschland, das Niveau ist ähnlich, die Struktur unterscheidet sich.

  • Vietnam: In Da Nang kommen Alleinstehende laut Erhebungen von Portalen wie Expatistan und Nomads mit etwa 900 bis 1.500 US-Dollar im Monat komfortabel aus, die durchschnittliche Miete liegt bei gut 400 US-Dollar. In Ho-Chi-Minh-Stadt liegt das Niveau höher.
  • Philippinen: In Cebu oder Davao bewegen sich moderne Condos und Häuser meist zwischen 20.000 und 45.000 Peso im Monat, ein angenehmer Lebensstandard kostet etwa 60.000 bis 90.000 Peso, also grob 1.000 bis 1.600 US-Dollar.

Rechne in beiden Ländern mit einem Ausländeraufschlag, vor allem bei Mieten, die über englischsprachige Portale angeboten werden. Wer vor Ort und über lokale Kontakte sucht, zahlt regelmäßig deutlich weniger. Strom ist auf den Philippinen teuer, Klimaanlagen treiben die Rechnung schnell dreistellig.

Gesundheit, Sicherheit und Alltag

Beide Länder haben in den großen Städten private Krankenhäuser auf ordentlichem Niveau und sehr günstige ambulante Behandlungen. Für komplexe Eingriffe fliegen viele Ausländer nach Bangkok oder Singapur. Eine internationale Krankenversicherung ohne Altersausschluss ist der wichtigste Vertrag, den du vor dem Umzug abschließt, weil lokale Policen ab einem gewissen Alter kaum noch erhältlich sind.

Beim Immobilienkauf gilt in beiden Ländern: Land dürfen Ausländer nicht erwerben. Eigentumswohnungen sind möglich, auf den Philippinen mit einer Quote je Projekt, in Vietnam mit einer Quote je Gebäude und einer zeitlich befristeten Eigentumsform. Miete ist für die meisten Zuzügler deshalb die vernünftigere Lösung.

Sicherheitslage und Naturrisiken unterscheiden sich regional stark. Beide Länder liegen in der Taifunzone, die Philippinen sind zusätzlich vulkanisch und seismisch aktiv, und für Teile von Mindanao gelten besondere Hinweise. Prüf vor jeder Entscheidung die aktuellen Angaben des Auswärtigen Amtes zu Vietnam und zu den Philippinen. Wie sich der Alltag als Ortsunabhängiger konkret anfühlt, beschreiben die Länderprofile Vietnam und Philippinen bei BeyondBorders.

Arbeiten, GrĂĽnden und Banking

Wer in Vietnam angestellt arbeiten will, braucht eine Arbeitserlaubnis, und die verlangt in der Regel einen Hochschulabschluss oder eine nachgewiesene Qualifikation plus Berufserfahrung im gleichen Feld. Gefragt sind Ingenieurwesen, IT, Produktion, Logistik, Sprachunterricht und internationale Bildungseinrichtungen. Eine eigene Gesellschaft lässt sich gründen, benötigt aber Kapitalnachweis, Geschäftsadresse und Geduld bei der Registrierung.

Auf den Philippinen ist eine Anstellung für Ausländer schwieriger, weil viele Berufe gesetzlich Einheimischen vorbehalten sind. Dafür ist Selbständigkeit mit ausländischen Kunden unkompliziert, und für Unternehmen mit Auslandskunden gibt es etablierte Strukturen. Beachte die Eigentumsgrenzen bei Gesellschaften, viele Branchen erlauben Ausländern nur eine Minderheitsbeteiligung.

Beim Banking sind die Philippinen der einfachere Standort: Mit einem SRRV oder einem anderen Aufenthaltstitel bekommst du in der Regel ein lokales Konto. In Vietnam hängt die Kontoeröffnung an der Aufenthaltskarte. In beiden Fällen lohnt es sich, vor dem Umzug eine internationale Kontostruktur aufzubauen, statt sich auf lokale Banken zu verlassen. Einen Überblick dazu findest du bei FreedomBanking Plus.

Die ehrlichen Nachteile

  • Vietnam bindet fast jeden Langzeitaufenthalt an einen Sponsor. Ohne Job, eigene Firma oder Familie ist die Planung wackelig.
  • Vietnamesisch ist fĂĽr Erwachsene schwer, auĂźerhalb der Zentren wird wenig Englisch gesprochen.
  • Auf den Philippinen sind Verwaltung, Verkehr und Stromversorgung oft langsam und unzuverlässig.
  • Das SRRV ist seit September 2025 spĂĽrbar teurer und enger geworden, die gĂĽnstigen Einstiegsvarianten fehlen.
  • Beide Länder liegen in der Taifunzone, die Philippinen zusätzlich in einer erdbeben- und vulkanaktiven Region.
  • Kein Landeigentum fĂĽr Ausländer, Eigentumswohnungen nur mit Quoten und Einschränkungen.

Wohin dein Weg in SĂĽdostasien fĂĽhrt

Die Philippinen sind die bessere Wahl, wenn du Aufenthaltssicherheit selbst steuern willst, Englisch als Alltagssprache brauchst und mindestens 40 Jahre alt bist. Das SRRV bleibt trotz der Verschärfung der planbarste Weg in einen dauerhaften Aufenthalt in Südostasien, und in Städten wie Davao oder Cebu bekommst du für ein mittleres Budget viel Lebensqualität.

Vietnam passt, wenn du entweder eine Anstellung, ein eigenes Unternehmen oder einen familiären Anker im Land hast, jünger bist und Dynamik, Küche und Tempo schätzt. Da Nang ist derzeit der beste Kompromiss aus Preis, Infrastruktur und Lebensgefühl.

Was du in beiden Fällen zuerst klärst: den Wegzug aus Deutschland, die Rentenbesteuerung und die Krankenversicherung. Danach entscheidest du über Stadt und Wohnung, nicht vorher. Ein Beratungsgespräch bringt dir diese Reihenfolge in einer Stunde auf Papier.