Ostasien ist für deutsche Auswanderer kein Nischenziel mehr. Südkorea und Taiwan haben ihre Einwanderungsregeln in den vergangenen zwei Jahren gezielt für internationale Fachkräfte geöffnet, aus demselben Grund: sinkende Geburtenraten und ein Mangel an qualifiziertem Personal. Für dich heißt das, die Türen stehen so weit offen wie nie, aber sie führen in zwei sehr verschiedene Gesellschaften.

Der Zugang: zwei Systeme, zwei Philosophien

Korea arbeitet mit einem eng gefassten Katalog von Visakategorien. Der Standardweg für Fachkräfte ist das E-7-Visum, das an eine konkrete Stelle und an einen Arbeitgeber gebunden ist. Für 2026 hat Korea sein Visasystem deutlich umgebaut: Neu sind unter anderem eine Kategorie für Absolventen technischer Fachhochschulen mit anschließender Beschäftigung in den Regionen, erweiterte Arbeitsmöglichkeiten für Studierende und ein beschleunigter Weg zum F-2-Aufenthalt für Fachkräfte außerhalb der Hauptstadtregion.

Für ortsunabhängig Arbeitende gibt es ein eigenes Nomadenvisum, das an ein hohes nachgewiesenes Auslandseinkommen und an eine Anstellung bei einem ausländischen Unternehmen geknüpft ist. Nach mehreren Jahren mit F-2-Status ist der dauerhafte Aufenthalt F-5 erreichbar. Die verbindlichen Kategorien und Anforderungen führt das Regierungsportal HiKorea.

Taiwan

Taiwan geht den umgekehrten Weg und bündelt alles in einem Dokument. Die Employment Gold Card ist Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsvisum, Ausländerausweis und Wiedereinreiseerlaubnis in einem und wird für ein bis drei Jahre erteilt. Entscheidend ist: Du brauchst keinen Arbeitgeber. Die Qualifikation weist du über Einkommen, fachliche Anerkennung oder Leistungen in einem der definierten Bereiche nach.

Zum 1. Januar 2026 ist eine Novelle des Gesetzes zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte in Kraft getreten, die mehrere praktische Hürden beseitigt hat: Die starre Berechnung der 183 Tage wurde gelockert, Arbeitserlaubnisse für Ehepartner wurden erweitert, und die frühere Sechsmonatsgrenze für ortsunabhängig Arbeitende ist entfallen. Daneben existiert seit Anfang 2025 ein eigenes Nomadenvisum. Details stehen auf dem offiziellen Gold-Card-Portal.

Steuern: beide Länder locken gezielt

Beide Staaten haben Sonderregeln für Zugezogene, und beide sind bemerkenswert attraktiv.

In Korea können qualifizierte ausländische Beschäftigte statt des progressiven Tarifs einen festen Satz von 19 Prozent auf Erwerbseinkommen wählen, zu dem die lokale Zusatzsteuer hinzukommt. Für Spitzenverdiener liegt dieser Weg deutlich unter der regulären Belastung, die in der Spitze über 45 Prozent erreicht. Der Vorteil greift für Beschäftigungsverhältnisse, die innerhalb der geltenden Frist begonnen werden, und ist an Voraussetzungen geknüpft.

In Taiwan bekommen Inhaberinnen und Inhaber der Gold Card einen anderen Vorteil: Die Hälfte des Gehaltsanteils oberhalb von 3 Millionen NTD bleibt fünf Jahre lang steuerfrei, sofern du dich mehr als 183 Tage im Jahr im Land aufhältst. Zusätzlich sind Auslandseinkünfte in dieser Zeit begünstigt. Die jeweils aktuellen Sätze und Voraussetzungen stehen im Steueratlas zu Taiwan und im Steueratlas zu Südkorea.

Auf deutscher Seite gilt für beide Ziele: Drittstaat, keine zinslose Stundung der Wegzugsbesteuerung, und der deutsche Wohnsitz muss tatsächlich aufgegeben werden. Für beide Länder nutzt du das allgemeine Beratungsgespräch.

Anerkennung von Abschlüssen

Deutsche Hochschulabschlüsse werden in beiden Ländern für Visazwecke anerkannt, für reglementierte Berufe reicht das nicht. Medizin, Pflege, Recht und Lehre verlangen jeweils eine nationale Zulassung, die in Korea und in Taiwan an eigene Prüfungen und in der Regel an Sprachnachweise gebunden ist. Für die meisten Zugezogenen sind diese Berufe damit praktisch verschlossen, es sei denn, sie arbeiten an internationalen Einrichtungen.

Offen sind dagegen Technik, Ingenieurwesen, Forschung, Software, Design, Finanzen und der gesamte Bereich internationaler Geschäftsentwicklung. Genau dorthin zielen beide Programme, und genau dort werden deutsche Qualifikationen hoch bewertet. Prüfe vor dem Umzug, ob dein Beruf eine Zulassung braucht, weil sich daran der gesamte Zeitplan entscheidet.

Kosten, Wohnen und Gehälter

Seoul ist teurer als Taipeh, bei Mieten deutlicher als bei Lebensmitteln. Koreas Wohnungsmarkt hat zudem eine Besonderheit, die Zugezogene regelmäßig überrascht: das Jeonse-System, bei dem statt monatlicher Miete eine sehr hohe Kaution hinterlegt wird, die am Ende zurückfließt. Für Neuankömmlinge ist dieser Weg praktisch nicht zugänglich, sie zahlen den teureren Monatsmietvertrag mit ebenfalls erheblicher Kaution.

Taipeh ist beim Wohnen günstiger, dafür sind Wohnungen im Schnitt kleiner und älter. Lebensmittel, Gastronomie und öffentliche Verkehrsmittel sind in Taiwan bemerkenswert preiswert, ein Essen an einem Nachtmarktstand kostet einen Bruchteil dessen, was du in Deutschland zahlst. Die Gehälter liegen in Korea in Technologie, Industrie und Finanzwesen über dem taiwanischen Niveau, in Taiwan konzentriert sich die Spitzenvergütung stark auf den Halbleitersektor.

In beiden Ländern ist die gesetzliche Krankenversicherung nach einer Wartezeit von etwa sechs Monaten Pflicht und im internationalen Vergleich günstig. Taiwans System gilt als eines der effizientesten weltweit, mit kurzen Wartezeiten und niedrigen Eigenanteilen. Korea ist ebenfalls stark, arbeitet aber mit höheren Zuzahlungen.

Ankommen im Alltag

Beide Länder sind digital weit vorn, was Behörden, Bezahlen und Verkehr angeht, setzen dabei aber auf lokale Systeme. In Korea hängt fast alles an der Registrierungsnummer für Ausländer und an einer lokalen Verifizierungs-App, ohne die viele Onlinedienste nicht nutzbar sind. In Taiwan übernimmt der Ausländerausweis diese Rolle. Rechne in beiden Fällen mit den ersten Wochen für Registrierung, Bankkonto und Mobilfunkvertrag, in dieser Reihenfolge.

Beim Bankkonto sind ausländische Antragstellende in Korea auf einige wenige Institute mit englischsprachigem Service angewiesen, Überweisungen ins Ausland sind zudem betragsmäßig dokumentationspflichtig. Taiwan ist beim Kontozugang unkomplizierter, kennt aber ebenfalls Nachweispflichten bei größeren Transfers.

Für Familien gilt: Internationale Schulen gibt es in Seoul und Taipeh in guter Auswahl, sie sind aber teuer und häufig ausgelastet. Öffentliche Schulen unterrichten in der Landessprache, was für Kinder im Grundschulalter machbar, für Jugendliche kurz vor dem Abschluss kaum realistisch ist. Kläre den Schulplatz vor dem Umzugstermin, nicht danach. Öffentlicher Nahverkehr ist in beiden Hauptstädten hervorragend und günstig, ein eigenes Auto brauchst du in Seoul oder Taipeh nicht.

Arbeitskultur und Alltag

Hier liegt der größte Unterschied. Koreas Arbeitskultur ist hierarchisch, formell und von langen Präsenzzeiten geprägt, auch wenn sich das in jüngeren Unternehmen wandelt. Gemeinsames Essen und Trinken nach Feierabend ist Teil der beruflichen Beziehungspflege, und Alter und Position bestimmen den Umgangston bis in die Sprache hinein. Wer aus einer flachen deutschen Struktur kommt, braucht Zeit für diese Umstellung.

Taiwan gilt als deutlich entspannter: freundlicher Umgangston, weniger Statusdruck, mehr Toleranz gegenüber Ausländern, die die Sprache nicht perfekt sprechen. Die Gesellschaft ist offen, die Sicherheitslage ausgezeichnet, und Taipeh ist eine der unkompliziertesten Großstädte Asiens für Zugezogene. Landesinformationen bieten das Auswärtige Amt zu Südkorea und zu Taiwan.

Sprachlich ist beides anspruchsvoll. Koreanisch hat mit Hangul eine schnell erlernbare Schrift, aber eine komplexe Höflichkeitsgrammatik. Mandarin in Taiwan verwendet traditionelle Schriftzeichen, was das Lesen zusätzlich erschwert. Englisch trägt in beiden Ländern im internationalen Umfeld, im Behördenkontakt und im Alltag nur eingeschränkt.

Die ehrlichen Nachteile

  • Südkorea: hoher Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten, ein Wohnungsmarkt mit ungewohnten Mechanismen und ein Aufenthalt, der in den meisten Kategorien am Arbeitgeber hängt.
  • Taiwan: kleinerer Arbeitsmarkt außerhalb des Technologiesektors, niedrigere Gehälter als in Korea und eine geopolitische Lage, die du bei einer langfristigen Planung nicht ausblenden solltest.
  • In beiden Ländern ist der Weg zur Staatsbürgerschaft für Zugezogene schwierig, in Korea zusätzlich durch Einschränkungen bei Mehrstaatigkeit. Für Ruhestandspläne in Korea gibt es das Profil Ruhestand in Südkorea.

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Ostasien als Lebensmodell prüfen

Südkorea passt, wenn du in einem gefragten Fachgebiet arbeitest, ein hohes Gehalt anstrebst und bereit bist, dich auf eine anspruchsvolle Arbeitskultur einzulassen. Der feste Steuersatz für ausländische Beschäftigte macht das Land für Spitzenverdiener rechnerisch attraktiv.

Taiwan passt, wenn du Unabhängigkeit willst. Die Gold Card ist der einzige Aufenthaltstitel in dieser Region, den du ohne Arbeitgeber bekommst, und die Steuerbegünstigung über fünf Jahre ist für gut verdienende Selbstständige und Remote-Beschäftigte schwer zu schlagen. Dafür ist der lokale Arbeitsmarkt schmaler.

Der pragmatische Weg: Prüfe zuerst, ob du die Gold-Card-Kriterien erfüllst, weil dieser Antrag ohne Jobzusage funktioniert. Fällt die Antwort negativ aus, brauchst du in beiden Ländern einen Arbeitgeber. Und kläre den deutschen Wegzug vor dem Umzug, nicht danach.