Auswandern nach Thailand oder Vietnam ist die Standardfrage in jeder Südostasien-Diskussion, und die Antwort hat sich in den letzten zwei Jahren verschoben. Thailand hat mit dem Destination Thailand Visa erstmals einen langfristigen Titel für Ortsunabhängige geschaffen, die Regeln dafür aber mehrfach nachgezogen. Vietnam hat sein E-Visum massiv ausgeweitet, lässt den viel diskutierten Zehn-Jahres-Titel aber weiter im Entwurf liegen. Dieser Vergleich zeigt dir, was 2026 wirklich beantragbar ist, was es kostet und wo die Fallstricke liegen.

Der schnelle Überblick

  • Langfristiger Aufenthalt: Thailand bietet mehrere echte Mehrjahresvisa, Vietnam bislang keinen vergleichbaren Titel für Selbstfinanzierte.
  • Einstieg: Vietnams E-Visum mit 90 Tagen und Mehrfacheinreise ist der unkomplizierteste Start in der Region.
  • Kosten: Vietnam ist im Alltag günstiger, Thailand bietet mehr Infrastruktur für den gleichen Aufpreis.
  • Steuern: Thailand hat seine Regeln zu übertragenem Auslandseinkommen 2024 verschärft, die angekündigte Entlastung ist bis heute nicht in Kraft.

Thailand: viele Wege, aber jeder mit Bedingungen

Das DTV gibt es seit dem 15. Juli 2024. Es ist ein Fünf-Jahres-Visum mit Mehrfacheinreise und einem Aufenthalt von bis zu 180 Tagen je Einreise, der sich einmal vor Ort um weitere 180 Tage verlängern lässt. Der Preis liegt bei 10.000 Baht. Nachzuweisen sind 500.000 Baht an liquiden Mitteln, wobei die Währung frei wählbar ist, solange der Gegenwert stimmt.

Wichtig ist, wie sich die Praxis entwickelt hat: Die Botschaften verlangen den Nachweis inzwischen als Kontoverlauf über drei, teilweise sechs Monate mit durchgehend gehaltenem Guthaben, nicht als Momentaufnahme nach einer frischen Überweisung. Sprachschulen zählen nicht mehr zur Kategorie der kulturellen Aktivitäten, und fast alle Vertretungen nehmen Anträge nur noch elektronisch entgegen. Der offizielle Antragsweg läuft über das thailändische E-Visa-Portal. Die Alternativen bleiben das Zehn-Jahres-Visum LTR für definierte Zielgruppen sowie die klassischen Ruhestandsvisa, die entweder 800.000 Baht auf einem thailändischen Konto oder ein monatliches Einkommen von 65.000 Baht verlangen.

Die Steuerfrage, die viele falsch verstehen

Seit dem 1. Januar 2024 gilt: Ausländisches Einkommen, das du als Steueransässiger nach Thailand überweist, ist grundsätzlich steuerpflichtig, unabhängig vom Jahr, in dem du es verdient hast. Einkünfte aus der Zeit vor 2024 bleiben bei späterer Überweisung außen vor. Die vielfach angekündigte Entlastung, nach der Überweisungen im Verdienstjahr oder im Folgejahr freigestellt werden sollen, ist bis in das Jahr 2026 hinein Entwurf geblieben und nicht im Gesetzblatt veröffentlicht. Plane deshalb nach geltendem Recht, nicht nach Ankündigung. Die belastbaren Details stehen im Länderprofil Steuern in Thailand, für Kryptobestände ergänzend unter Krypto-Steuern in Thailand.

Vietnam: einfacher Einstieg, dünne Langfristoptionen

Vietnam hat sein elektronisches Visum auf 90 Tage mit Mehrfacheinreise für alle Staatsangehörigkeiten ausgeweitet, beantragbar über das staatliche E-Visa-Portal. Für kurze und mittlere Aufenthalte ist das die unkomplizierteste Lösung in der Region. Der viel besprochene Zehn-Jahres-Titel für Investoren und Langzeitgäste ist dagegen weiterhin ein Vorschlag ohne Dekretnummer und ohne Umsetzungsplan; wer damit rechnet, plant auf Sand.

Konkret geworden ist etwas anderes: Zum 1. Juli 2026 sind zwei neue Talentvisa in Kraft getreten, ein Titel für hochqualifizierte Fachkräfte der Digitalwirtschaft und besondere Talente mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren sowie ein abgeleiteter Titel für Ehepartner und minderjährige Kinder. Für alle anderen bleibt der reguläre Weg: Arbeitserlaubnis über einen vietnamesischen Arbeitgeber, danach eine befristete Aufenthaltskarte. Ein Ruhestandsvisum existiert nicht, deshalb leben viele ältere Zugezogene in einem Kreislauf aus Visa und Ausreisen, der weder bequem noch dauerhaft sicher ist. Die Rentenfragen dazu ordnet unser Profil Ruhestand in Vietnam ein, für Thailand entsprechend Ruhestand in Thailand.

Was das Leben kostet

Vietnam ist im direkten Vergleich günstiger. In Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang kommst du mit 600 bis 1.000 Euro im Monat auf einen soliden Standard, moderne Studios liegen häufig bei 200 bis 400 Euro. In Bangkok zahlst du für eine Einzimmerwohnung im Stadtzentrum meist 15.000 bis 30.000 Baht, also grob 400 bis 800 Euro, außerhalb der Innenstadt und in Chiang Mai deutlich weniger.

Dafür bekommst du in Thailand mehr Gegenwert: dichtere Krankenhauslandschaft mit international zertifizierten Privatkliniken, besseres Nahverkehrsnetz in Bangkok, größere internationale Community und eine ausgereifte Infrastruktur für Zugezogene. Vietnam holt schnell auf, ist bei medizinischer Spitzenversorgung aber noch nicht auf thailändischem Niveau; komplexe Behandlungen führen häufig nach Bangkok oder Singapur. Die Alltagsprofile beider Länder findest du unter Thailand für digitale Nomaden und Vietnam für digitale Nomaden.

Arbeiten und Gründen vor Ort

Beide Länder trennen streng zwischen Aufenthalt und Arbeitserlaubnis. In Thailand darfst du mit dem DTV für Auftraggeber im Ausland arbeiten, aber keine Tätigkeit für thailändische Kunden ausüben; dafür brauchst du ein Work Permit, das an eine thailändische Gesellschaft gebunden ist. Klassische Firmengründungen verlangen dort mehrheitlich thailändische Gesellschafter, ausgenommen sind geförderte Strukturen über das Investitionsboard oder Konstellationen unter dem Freundschaftsvertrag mit den USA. In Vietnam ist die hundertprozentige Auslandsbeteiligung in vielen Branchen möglich, dafür sind Genehmigungsverfahren, Kapitalnachweise und laufende Berichtspflichten aufwendiger, als es Gründungsangebote im Netz darstellen.

Für Angestellte gilt: Vietnam verlangt für die Arbeitserlaubnis in der Regel einen Hochschulabschluss plus mehrjährige einschlägige Berufserfahrung, Thailand knüpft die Genehmigung an das Verhältnis von thailändischen zu ausländischen Beschäftigten im Unternehmen. Beides lässt sich lösen, aber nicht kurzfristig und nicht ohne Arbeitgeber, der den Aufwand trägt.

Immobilien, Konto und Bürokratie

In beiden Ländern kannst du als Ausländer kein Land besitzen. Thailand erlaubt den Kauf von Eigentumswohnungen, solange die Ausländerquote im Gebäude 49 Prozent der Wohnfläche nicht überschreitet, und verlangt den Nachweis, dass der Kaufpreis aus dem Ausland überwiesen wurde. Vietnam arbeitet mit einem Modell aus befristeten Nutzungsrechten, üblicherweise 50 Jahre, ebenfalls mit Quoten je Projekt. Kaufe in beiden Ländern erst, wenn dein Aufenthalt langfristig gesichert ist, nicht umgekehrt.

Beim Konto ist Thailand mit gültigem Langzeitvisum machbar, aber banken- und filialabhängig, Vietnam mit Aufenthaltskarte ebenfalls. Wer beides parallel aufsetzen will, findet die Grundlagen bei FreedomBanking. Hinzu kommen laufende Pflichten: Thailand verlangt die Meldung des Aufenthaltsorts durch den Vermieter sowie die 90-Tage-Meldung durch dich selbst, Vietnam die Registrierung bei der lokalen Polizei. Beides klingt banal und ist der häufigste Grund für Bußgelder.

Familie, Schule und Sprache

Für Familien ist Thailand die einfachere Wahl. Internationale Schulen gibt es in Bangkok, Chiang Mai, Phuket und Pattaya in großer Auswahl, mit Gebühren von grob 6.000 bis 25.000 Euro pro Kind und Jahr je nach Programm und Standort. Vietnam holt in Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Da Nang auf, hat aber weniger Alternativen und schnellere Preissprünge bei den etablierten Häusern. Sprachlich sind beide Länder anspruchsvoll: Thai und Vietnamesisch sind Tonsprachen, und im Alltag außerhalb der touristischen Zonen kommst du mit Englisch nur begrenzt weit.

Sicherheit und die ehrlichen Nachteile

Thailand ist politisch wechselhaft, aber für Zugezogene im Alltag berechenbar. Die Hauptrisiken sind Verkehr, Luftqualität in der Trockenzeit im Norden und die Abhängigkeit vom jeweils geltenden Visumsregime, das sich schneller ändert als jede Planung. Vietnam ist innenpolitisch stabiler, verwaltet aber restriktiver, insbesondere bei Meinungsäußerung, Journalismus und Vereinsleben. Die amtlichen Bewertungen findest du in den Informationen des Auswärtigen Amts zu Thailand und zu Vietnam. Unsere eigenen Leitfäden vertiefen das unter Thailand Visum und Einreise und Gesundheitssystem Thailand.

Dein nächster Schritt in Südostasien

Nimm Thailand, wenn du langfristig planst, ein echtes Mehrjahresvisum brauchst, medizinische Versorgung auf hohem Niveau willst und bereit bist, dich mit der Besteuerung übertragener Auslandseinkünfte ernsthaft auseinanderzusetzen. Nimm Vietnam, wenn du günstiger leben willst, flexibel bleibst, keine Aufenthaltsgarantie über Jahre brauchst und die Dynamik eines schnell wachsenden Marktes schätzt.

Für viele ist die ehrlichste Antwort ein Test: sechs Monate in einem Land, danach eine Entscheidung mit realen Zahlen statt mit Reiseeindrücken. Wenn du die Philippinen ebenfalls in Betracht ziehst, hilft unsere Gegenüberstellung der beiden Ziele. Und kläre die deutsche Steuerseite vorher: Das Beratungsgespräch zum Umzug nach Thailand ist der richtige Einstieg, wenn Thailand dein Ziel ist, sonst die allgemeine Wegzugsberatung.