Wer als Auswanderer nach Vietnam geht, stößt zuerst auf die Visumsfrage. Die Antwort ist einfacher geworden, als viele ältere Ratgeber vermuten lassen: Deutsche Staatsangehörige reisen für Aufenthalte bis 45 Tage visumfrei nach Vietnam ein, benötigen dafür aber einen ausreichend gültigen Reisepass und ein Rück- oder Weiterflugticket. Für alles darüber hinaus brauchst du ein Visum, das zum Aufenthaltszweck passt.

Dieser Leitfaden ordnet die Visumsarten, die aktuellen Fristen und die Schritte vom E-Visum bis zur Arbeitserlaubnis. Er richtet sich an alle, die aus dem Kurzaufenthalt einen dauerhaften Wohnsitz machen wollen und dabei nicht in die typischen Verlängerungsfallen laufen.

Visumfreiheit und E-Visum

Die Visumfreiheit gilt für maximal 45 Tage, wobei An- und Abreisetag jeweils als voller Tag zählen. Der Reisepass muss ab dem Einreisetag noch sechs Monate über die Gültigkeit des Aufenthalts hinaus gelten, und bei der Einreise ist ein Ausdruck des Rück- oder Weiterflugtickets vorzulegen (Einzelheiten in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes).

Eine wichtige Neuerung: Der früher geforderte Mindestabstand von 30 Tagen zwischen zwei visumfreien Einreisen ist entfallen. Du kannst seither beliebig oft einreisen, auch wenn zwischen zwei Aufenthalten nur wenige Tage liegen. Als Dauerlösung taugt das trotzdem nicht, weil häufige Kurzaufenthalte bei der Einreisekontrolle auffallen und kein Aufenthaltsrecht begründen.

E-Visum für bis zu 90 Tage

Für längere Aufenthalte ist das elektronische Visum der Standardweg. Es wird über das offizielle Portal der vietnamesischen Einwanderungsbehörde unter evisa.gov.vn beantragt, gilt für bis zu 90 Tage und ist wahlweise für eine oder mehrere Einreisen erhältlich. Die Gebühr beträgt 25 US-Dollar für die einfache und 50 US-Dollar für die mehrfache Einreise, die Bearbeitung dauert in der Regel drei bis fünf Werktage.

Der Antrag verlangt ein biometrisches Passfoto, den Scan der Passdatenseite, die geplante Einreisestelle und das Reisedatum. Beantrage das E-Visum ausschließlich über das offizielle Regierungsportal, weil zahlreiche Agenturseiten die Gebühr um ein Vielfaches aufschlagen.

Pre-Arrival-System

Vietnam hat an den meisten internationalen Flughäfen ein Pre-Arrival-System eingeführt, mit dem Einreisedaten vorab online übermittelt werden. Das beschleunigt die Grenzkontrolle. Prüfe vor jedem Flug, ob dein Ankunftsflughafen die Vorabmeldung verlangt, weil die Regelung nach und nach ausgeweitet wurde.

Visa für Arbeit, Geschäft und Investition

Wer in Vietnam arbeiten will, braucht eine Arbeitserlaubnis und ein darauf abgestimmtes Visum. Den Antrag stellt der Arbeitgeber bei der zuständigen Behörde und muss dabei begründen, warum die Stelle nicht mit einer einheimischen Arbeitskraft besetzt werden kann. Erforderlich sind ein Arbeitsvertrag, Qualifikationsnachweise, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis; die relevanten Qualifikationen müssen belegt und in der Regel legalisiert werden.

Geschäftsvisa setzen ein Einladungsschreiben eines vietnamesischen Unternehmens voraus und werden für ein bis zwölf Monate ausgestellt, häufig mit Mehrfacheinreise. Investoren erhalten je nach Investitionsvolumen längere Laufzeiten. Welche Branchen für Zuzügler interessant sind, zeigt der Beitrag zum vietnamesischen Arbeitsmarkt für Hightech und Software; der Arbeitsmarkt bietet Chancen vor allem in IT, Ingenieurwesen, Finanzen und Bildung.

Für Ruheständler gibt es weiterhin kein eigenes Rentnervisum. Der übliche Weg ist ein Touristen- oder Besuchsvisum mit anschließender Verlängerung oder ein Aufenthalt über Familienangehörige. Plane deshalb keinen dauerhaften Ruhestand in Vietnam ohne rechtlich tragfähige Grundlage.

Aufenthalt verlängern und Daueraufenthalt

Verlängerungen und Statuswechsel liegen im Ermessen der vietnamesischen Behörden und müssen vor Ablauf des bestehenden Titels beantragt werden. Erforderlich sind Reisepass, aktuelles Visum, Antragsformular und eine Begründung. Rechne mit mehreren Wochen Bearbeitungszeit und starte die Verlängerung spätestens vier Wochen vor Ablauf. Ein Überziehen wird mit Bußgeldern und im Wiederholungsfall mit Einreisesperren geahndet.

Eine Temporary Residence Card knüpft in der Regel an Arbeitserlaubnis oder Investition an und läuft parallel zu deren Laufzeit. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung setzt mehrere Jahre ununterbrochenen Aufenthalt, ein stabiles Einkommen und Straffreiheit voraus. Das Verfahren ist langwierig und dokumentenintensiv.

Steuern und Sozialversicherung

Steuerlich ansässig wirst du in Vietnam, wenn du dich mindestens 183 Tage innerhalb eines Kalenderjahres oder innerhalb von zwölf aufeinanderfolgenden Monaten im Land aufhältst oder dort einen registrierten Wohnsitz unterhältst. Ansässige versteuern ihr Welteinkommen, Nichtansässige nur vietnamesische Einkünfte. Der progressive Tarif für Arbeitseinkommen reicht von 5 bis 35 Prozent, die Körperschaftsteuer liegt bei 20 Prozent, die Umsatzsteuer regulär bei 10 Prozent und ist befristet auf 8 Prozent gesenkt. Alle Werte findest du im Vietnam-Profil des Steueratlas, weitere Einordnung der Steuersätze in Vietnam liefert die Kanzlei St Matthew.

Deutschland und Vietnam haben ein Doppelbesteuerungsabkommen, das die Besteuerungsrechte verteilt. Beiträge zur vietnamesischen Sozialversicherung sind für ausländische Arbeitnehmer in vielen Fällen verpflichtend, die Leistungen lassen sich jedoch nur eingeschränkt ins Ausland übertragen. Wer Kryptowerte hält, findet die Behandlung im Vietnam-Profil von KryptoSteuern.

Leben, Kosten und Gesundheit

Vietnam bietet Auswanderern ein faszinierendes Lebensumfeld mit tropischem Klima im Süden, vier Jahreszeiten im Norden und günstigen Lebenshaltungskosten. Eine Einzimmerwohnung liegt je nach Stadt und Ausstattung zwischen 200 und 500 Euro, Lebensmittel und Transport sind deutlich günstiger als in Europa. Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi sind am teuersten, Da Nang und Hoi An gelten als Alternative mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das Gesundheitssystem entwickelt sich schnell, die Qualität bleibt aber ungleich verteilt. In den großen Städten arbeiten internationale Kliniken auf westlichem Niveau, öffentliche Krankenhäuser sind günstig, aber oft überlaufen. Eine private Krankenversicherung ist daher praktisch Pflicht. Für komplexe Eingriffe reisen viele Expats in Nachbarländer wie Thailand oder nach Singapur; wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen ausfallen, zeigt auch der Beitrag zu Thailand als Auswandererland mit seiner visafreien Einreise. Ein direkter Vergleich beider Länder steht im Beitrag Thailand oder Vietnam.

Zur Sicherheitslage gibt der Leitfaden Sicherheit in Vietnam eine Einordnung, vor allem zu Straßenverkehr und Rechtslage. Der Verkehr ist der größte Alltagsrisikofaktor: Ausländische Führerscheine werden ohne Umschreibung meist nicht anerkannt, und ohne gültige Fahrerlaubnis greift keine Versicherung.

Wohin in Vietnam

Ho-Chi-Minh-Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum mit den meisten Stellen für Ausländer, dem größten internationalen Schulangebot und den höchsten Kosten. Hanoi bietet Verwaltung, Diplomatie und ein kühleres Klima mit vier Jahreszeiten, dazu einen deutlich traditionelleren Alltag.

Da Nang hat sich zur bevorzugten Adresse für Ortsunabhängige entwickelt: Strand, gute Luft, funktionierende Infrastruktur und moderate Preise. Hoi An liegt eine halbe Stunde südlich und punktet mit der historischen Altstadt, hat dafür aber weniger medizinische Infrastruktur. Wer regelmäßig Facharzttermine braucht, sollte in einer der beiden großen Metropolen bleiben.

Im Norden bietet Sapa Bergland und kühles Klima, im Süden locken Phu Quoc und das Mekong-Delta. Diese Regionen eignen sich für Reisen und Zweitwohnsitze, selten für den Lebensmittelpunkt, weil Verwaltung, Schulen und Kliniken fehlen.

Umzug und Eingewöhnung

Eine Checkliste hält die Vorbereitung zusammen: Wohnung suchen, aktuelle Wohnung kündigen, Spedition auswählen, Dokumente beschaffen, in Deutschland abmelden. Familien klären Schulplätze früh, weil internationale Schulen in Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang begrenzte Kapazitäten haben.

Sprachlich hilft schon ein Grundwortschatz enorm, weil Englisch außerhalb der Tourismus- und Geschäftszentren wenig verbreitet ist. Netzwerke aus Expats und Einheimischen erleichtern Behördengänge und Wohnungssuche. Wie sich das Land im Vergleich zu anderen Zielen schlägt, zeigen die Profile zu Malaysia und Italien, deren Steuerdaten in den Bestandsseiten zu Malaysia und Italien stehen.

Passt Vietnam zu deinem Lebensmodell?

Vietnam funktioniert gut für Angestellte internationaler Unternehmen, für Fachkräfte in IT und Industrie und für Unternehmer mit lokalem Geschäftsmodell. Es funktioniert schlecht für Ruheständler ohne Aufenthaltsgrundlage und für alle, die auf ein europäisches Gesundheitssystem angewiesen sind. Die Visumfrage entscheidet, ob Vietnam ein Zielland oder ein Langzeiturlaub ist.

Wenn dein Aufenthaltsweg steht, gehört die steuerliche Seite vor den Umzug: Ab welchem Tag bist du in Vietnam ansässig, was passiert mit deutschen Einkünften, und welche Fristen löst die Abmeldung aus? Ein Beratungsgespräch klärt diese Punkte, bevor sie sich nicht mehr gestalten lassen.