Wenn du ein leerstehendes oder verfallenes Haus auf einer der rund 30 bewohnten Atlantikinseln von Irland kaufst und wieder bewohnbar machst, kann dir der Staat bis zu 84.000 Euro erstatten. Das Geld kommt aus dem Vacant Property Refurbishment Grant, dem landesweiten Sanierungszuschuss, den die Regierung für die Inseln um 20 Prozent aufgestockt hat. Eingebettet ist die Aufstockung in die Zehnjahresstrategie Our Living Islands, die seit Juni 2023 läuft und die Entvölkerung der vorgelagerten Inseln stoppen soll. Klingt nach einem Geschenk, ist aber ein Erstattungsprogramm mit strengen Auflagen. Wer die Regeln kennt, bevor er einen Kaufvertrag unterschreibt, spart sich teure Überraschungen.

Was der Inselzuschuss 2026 tatsächlich abdeckt

Der Zuschuss läuft über den Croí Cónaithe (Towns) Fund des irischen Wohnungsbauministeriums, beantragt wird er bei der zuständigen Kommunalverwaltung (local authority). Die Grundsätze und die vollständige Kostentabelle findest du beim staatlichen Informationsdienst Citizens Information.

  • 50.000 Euro für ein leerstehendes Wohnhaus auf dem Festland
  • 70.000 Euro, wenn das Objekt als verfallen (derelict) eingestuft ist
  • 60.000 Euro für ein leerstehendes Haus auf einer Offshore-Insel
  • 84.000 Euro für ein verfallenes Haus auf einer Offshore-Insel
  • zusätzlich bis zu 5.000 Euro Conservation Advice Grant, wenn es sich um ein traditionelles Gebäude handelt und du fachliche Denkmalberatung brauchst

Die Inselaufstockung von 20 Prozent gilt nicht nur für die Gesamtsumme, sondern auch für die einzelnen Kostenpositionen. Für Fenster und Außentüren sind auf dem Festland 21.000 Euro angesetzt, für Küchenmöbel 7.700 Euro, für Malerarbeiten 10.500 Euro, für Dachdeckung 14.000 Euro. Auf einer Insel liegen diese Grenzen jeweils 20 Prozent höher. Alle Beträge verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Was die Sanierung darüber hinaus kostet, zahlst du selbst.

Die Bedingungen, an denen die meisten Anträge scheitern

  • Das Haus muss mindestens zwei Jahre unmittelbar vor Antragstellung leer gestanden haben. Nachweis über Strom- und Wasserrechnungen oder eine eidesstattliche Erklärung.
  • Baujahr vor 2008. Bis Mai 2023 galt die Grenze 1993, sie wurde bewusst ausgeweitet.
  • Du musst Eigentümer sein oder dich nachweislich im Kaufprozess befinden.
  • Nach Abschluss der Arbeiten musst du das Haus als Hauptwohnsitz nutzen oder dauerhaft vermieten. Bei Vermietung ist die Registrierung beim Residential Tenancies Board Pflicht.
  • Ferienvermietung ist ausgeschlossen. Ein Zweithaus für sechs Wochen im Sommer fällt nicht unter das Programm.
  • Du brauchst eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung (tax clearance) von Revenue.
  • Firmen und gewerbliche Bauträger sind nicht antragsberechtigt.
  • Die Bewilligung muss vorliegen, bevor der erste Handwerker anrückt. Wer vorher loslegt, verliert den Anspruch.
  • Verkaufst du innerhalb von zehn Jahren, musst du den Zuschuss ganz oder anteilig zurückzahlen.

Wichtig für die Liquiditätsplanung: Das Geld fließt erst, wenn die Arbeiten abgenommen sind. Du finanzierst Kauf und Sanierung also zunächst vollständig vor. Auf einer Insel, auf der Material und Handwerker per Fähre anreisen, ist das kein Detail, sondern der teuerste Teil des Projekts.

Our Living Islands: das Programm hinter dem Zuschuss

Our Living Islands ist die erste umfassende Inselpolitik Irlands seit Jahrzehnten. Adressiert werden die bewohnten Inseln ohne Brücken- oder Dammverbindung zum Festland, darunter Arranmore und Tory Island vor Donegal, Inishbofin vor Galway sowie die Aran-Inseln. Neben dem Sanierungszuschuss umfasst die Strategie Breitbandausbau, Remote-Work-Hubs, Fährverbindungen, Schulen und Gesundheitsversorgung. Die Interessenvertretung Comhdháil Oileáin na hÉireann bündelt die Anliegen der Inselgemeinden gegenüber Dublin.

Der Hintergrund ist demografisch. Irlands Bevölkerung wächst kräftig und lag laut dem Central Statistics Office im April 2025 bei rund 5,46 Millionen Menschen, dem höchsten Stand seit dem 19. Jahrhundert. Die Details dazu findest du in den Population and Migration Estimates des CSO. Dieses Wachstum verteilt sich jedoch extrem ungleich: Es konzentriert sich auf Dublin, Cork und den Pendlergürtel, während die Inseln weiter Einwohner verlieren. Wie stark der Zuwachs insgesamt ausfällt, zeigt auch unsere Analyse dazu, dass Irlands Bevölkerung die Fünf-Millionen-Marke überschritten hat.

Die Realität: viel Aufmerksamkeit, wenige Anträge

Die Schlagzeile von den 84.000 Euro ging um die Welt, die Nachfrage blieb überschaubar. Bis zum Frühjahr 2025 waren beim zuständigen Ministerium lediglich 29 Anträge für Inselobjekte eingegangen, von denen 20 bewilligt wurden. Die Gründe sind praktisch, nicht bürokratisch: Auf vielen Inseln stehen kaum Häuser zum Verkauf, weil Erbengemeinschaften sie halten. Baufirmen mit freien Kapazitäten sind rar. Und Baumaterial, das per Fähre kommt, verteuert jedes Gewerk spürbar.

Rechne deshalb mit einem Gesamtbudget, das deutlich über Kaufpreis plus Zuschuss liegt. Ein realistischer Ansatz sind Kaufpreis, kalkulierte Sanierungskosten, ein Aufschlag von 20 bis 30 Prozent für Insellogistik und eine Rücklage für Verzögerungen durch Wetter. Wer diese Reserve nicht hat, sollte das Projekt nicht beginnen.

Wohnen und Arbeiten auf einer Atlantikinsel

Das Inselleben verkauft sich über Landschaft, funktioniert aber über Infrastruktur. Größere Inseln haben Grundschule, Laden, Gesundheitsstation und regelmäßige Fähren. Auf kleineren Inseln ist die Versorgung dünn, Ärzte kommen im Turnus vom Festland, und bei Sturm fällt die Verbindung tagelang aus. Ein Auto brauchst du auf dem Festland, auf der Insel selbst oft nicht.

Wirtschaftlich tragen Fischerei, Landwirtschaft und Tourismus die Inseln, ergänzt um eine wachsende Zahl ortsunabhängiger Berufe. Der staatlich geförderte Breitbandausbau und die Remote-Work-Hubs zielen genau darauf. Wenn du deinen Lebensunterhalt am Rechner verdienst, ist die Insel arbeitsfähig. Wenn du vor Ort ein Einkommen suchst, ist der Markt sehr klein und saisonal. Was ein Umzug in die Region historisch und kulturell bedeutet, ordnet unsere Kanzlei St Matthew in ihrer kurzen Geschichte der britischen Inseln ein.

Aufenthalt und Formalitäten für EU-Bürger

Als deutsche Staatsangehörige brauchst du weder Visum noch Aufenthaltstitel. Die Freizügigkeitsregeln der EU gelten in Irland uneingeschränkt, ein Personalausweis reicht für die Einreise. Die Irish Residence Permit betrifft ausschließlich Drittstaatsangehörige, für EU-Bürger ist sie nicht vorgesehen. Praktisch relevant sind stattdessen zwei Nummern: die PPS-Nummer beim Department of Social Protection, ohne die weder Gehaltsabrechnung noch Steuererklärung noch Arztbesuch sauber laufen, und die Registrierung bei Revenue für den Steuerabzug.

Denk daran, dass ein Umzug nach Irland auch deine deutsche Seite betrifft. Abmeldung, Immobilien in Deutschland und die Frage nach dem steuerlichen Lebensmittelpunkt gehören vor den Umzug auf den Tisch. Ob du deine deutsche Immobilie behalten oder verkaufen solltest, hängt an Nutzung, Finanzierung und Haltedauer. Für Käufe auf der anderen Seite der Irischen See lohnt sich der Blick in die Folge zu den steuerlichen und rechtlichen Aspekten beim Immobilienkauf in England.

Steuern, Rente und Firma beim Umzug nach Irland

Irland kennt einen Non-Dom-Status, bei dem ausländische Einkünfte nur bei Überweisung nach Irland besteuert werden. Die Einkommensteuer selbst ist mit einem Spitzensatz plus USC und PRSI nicht niedrig. Die belastbaren Sätze, Freibeträge und Regeln findest du gebündelt im Steueratlas-Länderprofil zu Irland. Was der Wechsel praktisch bedeutet, beschreibt unsere Kanzlei St Matthew im Einblick in Leben und Steuern in Irland.

Für Ruheständler ist Irland kein Billigland, aber ein planbares. Wie Rente, Krankenversorgung und Besteuerung zusammenspielen, liest du im Länderprofil Ruhestand in Irland.

Wenn du unternehmerisch nach Irland gehst, ändert sich die Perspektive komplett. Die Körperschaftsteuer und der EU-Marktzugang machen das Land für Gesellschaften attraktiv, unter anderem als Alternative für Firmen in UK. Den Ablauf einer Gründung beschreibt der Leitfaden zur Firmengründung in Irland, die Konditionen findest du auf der Seite zur irischen Limited Company. Entscheidend ist die Substanz: Welche substanziellen Anforderungen eine irische Ltd. erfüllen muss, entscheidet darüber, ob die Struktur einer Betriebsprüfung standhält. Hast du bereits eine Gesellschaft, ist die Übernahme einer bestehenden irischen Struktur ein Thema. Welche steuerlichen Vorteile ein Umzug nach Irland bietet und was Unternehmer in Irland erwartet, solltest du vor dem Hauskauf klären, nicht danach. Für die Firmenseite gibt es ein eigenes Beratungsgespräch zu Steuern und Gründung in Irland.

Lohnt sich der Sprung auf die Insel?

Der Zuschuss ist echt, das Verfahren ist ehrlich, und die Summe ist für ein Sanierungsprojekt relevant. Er ist aber kein Anreiz, der eine ansonsten unpassende Entscheidung trägt. Rechne mit einem Projekt über zwei bis drei Jahre, mit Vorfinanzierung, mit einer Zehnjahresbindung und mit einem Alltag, der von Wetter und Fährplan bestimmt wird. Wer ortsunabhängig arbeitet, Handwerk mitbringt oder Ruhe sucht, findet auf Arranmore oder Inishbofin ein Leben, das es so kaum noch gibt.

Der sinnvolle Ablauf: erst mehrere Wochen zur Nebensaison auf der Wunschinsel verbringen, dann mit der zuständigen Kommunalverwaltung und dem Vacant Homes Officer sprechen, dann ein Objekt prüfen lassen, dann die steuerliche Seite des Wegzugs klären und erst zum Schluss kaufen. Wenn du diese Reihenfolge einhältst, buche vor dem Kauf ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Irland und klär, was der Wegzug aus Deutschland steuerlich für dich auslöst.