Wer auswandern will, stößt schnell auf ein Angebot, das von kostenloser Sozialberatung bis zum vierstelligen Relocation-Paket reicht. Die Auswanderungsberatung in Deutschland ist ein erlaubnispflichtiges Geschäft, und genau daran lässt sich Spreu vom Weizen trennen. Wer geschäftsmäßig Auskunft über die Aussichten einer Auswanderung und die Lebensverhältnisse im Zielland gibt, braucht nach dem Auswandererschutzgesetz eine behördliche Erlaubnis. Seit der Novelle von 2013 erteilt sie der Bund über das Bundesverwaltungsamt.
Diese Zulassung sagt nichts über Steuerberatung oder Rechtsberatung aus, die eigenen Berufsgesetzen unterliegen. Sehr wohl sagt die Erlaubnis aber etwas darüber, ob jemand überhaupt legal Länderauskünfte verkaufen darf. Wer die Chancen und Herausforderungen einer Auswanderung realistisch einschätzen will, sollte deshalb zuerst auf die Zulassung schauen. Der folgende Überblick zeigt, welche Beratungsstellen zur Auswanderung es gibt, was sie abdecken und wo ihre Grenzen liegen.
Der rechtliche Rahmen: Auswandererschutzgesetz
Das Auswandererschutzgesetz stammt aus einer Zeit, in der Auswanderer regelmäßig von Agenten übervorteilt wurden. Der Kern ist bis heute derselbe: Ohne Erlaubnis darf niemand gewerbsmäßig über Auswanderungschancen beraten. Das Bundesverwaltungsamt führt die Liste der zugelassenen Stellen und weist selbst darauf hin, dass das Angebot nicht flächendeckend ist. In der aktuellen Übersicht der Auskunfts- und Beratungsstellen stehen bundesweit nur gut anderthalb Dutzend Einträge, verteilt auf wenige Bundesländer.
Wer nicht auf der Liste steht, darf trotzdem Umzugslogistik, Sprachkurse oder Immobilienvermittlung anbieten. Sobald aber jemand ohne Zulassung verspricht, dir die Aussichten in einem Zielland zu bewerten, arbeitet er außerhalb des gesetzlichen Rahmens. Das ist der erste Filter, den du anlegen solltest.
Was du unabhängig davon selbst erledigen musst
Keine Beratungsstelle nimmt dir die Formalitäten ab. Du musst dich in Deutschland abmelden, Kranken- und Rentenversicherung klären und im Zielland fristgerecht anmelden. Innerhalb der EU greift die Freizügigkeit, außerhalb gelten oft strenge Einwanderungsregeln mit Qualifikationsnachweis, Sprachtest und Arbeitsplatzangebot. Eine sorgfältige Planung beginnt deshalb mit der Frage, welche Aufenthaltstitel überhaupt für dich in Betracht kommen.
Die gemeinnützigen Anlaufstellen
Raphaelswerk und die kirchlichen Träger
Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände unterhalten die einzigen bundesweit koordinierten Auswandererberatungsstellen. Das Raphaelswerk mit Sitz in Hamburg übernimmt die bundeszentrale Koordinierung, gefördert vom Bundesfamilienministerium. Beraten wird zu Auswanderung, Rückkehr und Weiterwanderung, dazu kommt die Resettlement-Beratung. Weitere Beratungsstellen des Trägers finden sich laut BVA-Liste unter anderem in Hannover, Essen und Trier, ergänzt um Caritas-Stellen und die Evangelische Auslandsberatung in Hamburg. Die Beraterinnen und Berater sind vom Bundesverwaltungsamt zertifiziert.
Der Vorteil dieser Stellen liegt in ihrer Unabhängigkeit von Verkaufsinteressen: kein Visumverkauf, keine Immobilienvermittlung, keine Provision. Der Nachteil liegt im Zuschnitt, denn die Beratung zielt auf soziale, familiäre und aufenthaltsrechtliche Fragen, nicht auf Steuergestaltung oder Unternehmensstrukturen. Für eine strukturierte Vorbereitung sind sie ein guter erster Schritt, selten der letzte.
Private Beratungsunternehmen
Die zugelassenen privaten Anbieter arbeiten meist länderspezialisiert. Der Bundesverband Auswandererberater und Außenwirtschaftsförderung vertritt einen Teil dieser Berufsgruppe und arbeitet an einheitlichen Qualitätsstandards. Preise, Leistungsumfang und Erfolgsversprechen unterscheiden sich stark. Seriöse Anbieter nennen Honorare vorab, garantieren nie ein Visum und legen offen, wofür sie Provisionen erhalten. Wer mit Pauschalversprechen wie einer sicheren Aufenthaltserlaubnis wirbt, ist ein Warnsignal, kein Partner.
Länderspezifische Beratung: worauf es ankommt
Nordamerika
Die USA und Kanada gehören zu den gefragtesten Auswanderungszielen. Für die USA dreht sich die Beratung um Visakategorien, die Green-Card-Lotterie und arbeitgebergebundene Titel, für Kanada um das punktebasierte Express-Entry-System und die Provinzprogramme. Wichtig sind außerdem Sozialversicherungsabkommen und die Frage, wie sich Altersvorsorge grenzüberschreitend verhält. Wer größere Werte mitnimmt, sollte früh klären, wie sich Vermögen im Ausland sichern lässt, und ob eine Struktur zum Vermögensschutz außerhalb der EU sinnvoll ist.
Ozeanien
Australien und Neuseeland arbeiten beide mit Punktesystemen, die Alter, Abschluss, Sprachniveau und Berufserfahrung gewichten. Beide Länder führen Berufslisten, die sich jährlich ändern. Eine Beratung ist hier vor allem dann wertvoll, wenn sie den aktuellen Stand dieser Listen kennt und einschätzen kann, ob dein Abschluss im lokalen Rahmen als gleichwertig gilt.
Europa
Spanien bleibt das beliebteste außerdeutschsprachige Ziel in Europa. Für EU-Bürger entfällt die Visapflicht, nicht aber die Bürokratie: NIE-Nummer, Empadronamiento und Steueranmeldung wollen in der richtigen Reihenfolge erledigt sein. Wer Arbeitsmöglichkeiten in einer bestimmten Region sucht, braucht regionale statt nationaler Information. Ein Neustart in Dänemark folgt wieder anderen Regeln, und für Norwegen gelten als EWR-Staat eigene Verfahren.
Asien und Naher Osten
Katar, Malaysia und Thailand stehen für drei völlig verschiedene Modelle. In Katar hängt der Aufenthalt am Arbeitsvertrag, in den Vereinigten Arabischen Emiraten ebenfalls, in Malaysia führt der Weg über Programme wie Malaysia My Second Home, in Thailand über Rentner- oder Investorenvisa. Beratung lohnt sich hier besonders, weil die Programme regelmäßig überarbeitet werden und veraltete Informationen im Netz die Regel sind.
Südafrika
Südafrika verlangt eine klare Zuordnung: Arbeitsvisum, Critical-Skills-Visum, Rentnervisum oder Geschäftsvisum. Dazu kommen Sicherheitsfragen, die regional stark schwanken, und ein zweigeteiltes Gesundheitssystem, in dem private Versicherung faktisch Pflicht ist. Eine gute Beratung spricht diese Punkte an, statt nur Landschaftsbilder zu liefern.
Praktische Vorbereitung mit und ohne Berater
Zeitplan und Checkliste
Plane sechs bis zwölf Monate ein. Lege eine Checkliste zur Vorbereitung an und teile sie in Behörden, Finanzen und Persönliches. Eine strukturierte Herangehensweise verhindert, dass Fristen kollidieren, etwa wenn ein Visum ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt, das nur begrenzt gültig ist. Wie eine erfolgreiche Auswanderung abläuft, hängt weniger an der Zahl der Ratgeber als an der Reihenfolge der Schritte.
Dokumente
Sammle und beglaubige die erforderlichen Unterlagen früh:
- Reisepass mit ausreichender Restgültigkeit, oft mindestens sechs Monate
- Geburtsurkunde und gegebenenfalls Heiratsurkunde, meist mit Apostille
- Zeugnisse, Diplome und Nachweise über Berufserfahrung
- Führerschein sowie internationaler Führerschein
- Arbeitsvertrag oder Jobangebot, falls das Visum daran hängt
Vergiss die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes nicht. Die Eintragung in ELEFAND ist kostenlos und sorgt dafür, dass dich die deutsche Vertretung im Krisenfall erreicht.
Integration im Zielland
Sprachkurse vor der Abreise bringen mehr als jede App danach. Historisch lief die Auswanderung von Europa nach Amerika genau daran vorbei, und die Integrationsprobleme von damals wiederholen sich bis heute. Recherchiere lokale Gepflogenheiten, kläre das Gesundheitssystem und plane die erste Woche nach Ankunft konkret durch, inklusive Umzug ins Ausland, Wohnungssuche und Behördengang. Wohlfahrtsverbände vermitteln dabei häufig Kontakte vor Ort, und ihre langjährige Erfahrung mit deutschsprachigen Zielländern spart Umwege. Der gesamte Auswanderungsprozess lässt sich so in überschaubare Etappen zerlegen.
Angebote für besondere Lebenslagen
Familien und binationale Paare
Für Familien geht es um Schulwechsel, Anerkennung von Bildungsabschlüssen, das anwendbare Familienrecht und den Aufenthaltsstatus des ausländischen Partners. Caritas und diakonische Träger bieten hier eine spezialisierte Beratung an, die auch finanzielle Fragen einbezieht. Wer zusätzliche Hilfe beim Neuanfang sucht, findet dort meist den unkompliziertesten Zugang.
Unternehmer, Fachkräfte und Ruheständler
Selbstständige und Fachkräfte brauchen Antworten zu Arbeitsmarktbedingungen, Geschäftsvisa, Firmengründung und der Anerkennung von Qualifikationen. Wer im Ruhestand geht, hat andere Prioritäten: Rentenzahlung ins Ausland, Krankenversicherung und Erbrecht. Für Jobs im Ausland zählt die lokale Arbeitsmarktlage, für Rentner die Steuerfrage im Zielland. Ein Auslandskonto gehört in beiden Fällen früh auf die Liste, weil viele Behörden erst nach Kontonachweis weiterarbeiten.
Rückkehr nach Deutschland
Rückkehrberatung ist der am meisten unterschätzte Teil. Es geht um Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, Krankenversicherungsschutz ab dem ersten Tag, schulische Reintegration der Kinder und die Frage, ab wann die unbeschränkte Steuerpflicht wieder greift. Genau dieselben Träger, die zur Auswanderung beraten, decken die Rückkehr mit ab.
Wo die Beratung endet und Fachberufe anfangen
Eine zugelassene Auswandererberatung darf dir Länderinformationen geben. Rechtsberatung im Einzelfall und steuerliche Gestaltung darf sie nicht leisten. Sobald es um Wegzugsbesteuerung, Doppelbesteuerungsabkommen, Betriebsstätten oder die Frage geht, wann die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland tatsächlich endet, brauchst du steuerlichen Rat. Die steuerlichen Konsequenzen eines Umzugs ins Ausland entscheiden oft über deutlich größere Beträge als die gesamte Umzugslogistik. Unsere Kanzlei St Matthew arbeitet genau an dieser Schnittstelle und bietet dafür eine steuerliche Beratung an. Einen Überblick über deine Möglichkeiten gibt dir das Handbuch für Auswanderer, das die Themen in der Reihenfolge sortiert, in der sie anfallen.
So findest du die richtige Anlaufstelle
Prüfe drei Dinge, bevor du zahlst. Erstens: Steht der Anbieter auf der Liste des Bundesverwaltungsamts oder gehört er zu einem kirchlichen Träger? Zweitens: Wird ein Honorar genannt, bevor Leistungen beschrieben werden, oder erst danach? Drittens: Trennt der Anbieter sauber zwischen Länderinformation, Rechtsberatung und Steuerberatung, oder wirft er alles in einen Topf? Wer alle drei Fragen sauber beantwortet, ist selten der billigste und fast immer der günstigere Weg. Für die steuerliche Seite deines Wegzugs kannst du direkt ein Beratungsgespräch buchen und die Reihenfolge deiner Schritte klären, bevor Fristen laufen.
