Wer an die Salomonen denkt, denkt an Lagunen, Taucherparadiese und ein Leben weit weg vom europäischen Alltag. Die digitale Infrastruktur der Salomonen ist allerdings die Achillesferse dieses Traums: Der Inselstaat gehört zu den am dünnsten vernetzten Ländern der Welt, und wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt, muss seine Erwartungen an Internet, Mobilfunk und Strom deutlich anpassen. Die gute Nachricht: Seit 2024 hat sich mehr bewegt als in den zwanzig Jahren davor. Dieser Guide zeigt dir, was heute funktioniert, was nicht und wie du deinen Standort klug wählst.

Wo die Salomonen digital stehen

Das Fundament der Vernetzung ist das Coral Sea Cable System, ein rund 4.700 Kilometer langes Unterseekabel, das seit Ende 2019 Honiara mit Australien und Papua-Neuguinea verbindet. Erst dieses Kabel hat DSL-ähnliche Geschwindigkeiten überhaupt möglich gemacht; vorher lief fast alles über teure Satellitenverbindungen. Die Anbindung endet allerdings in Honiara und wenigen Provinzhauptstädten. Der Rest des Archipels hängt an Richtfunk und Satellit.

Entsprechend ernüchternd sind die Zahlen: Nur etwa ein Viertel der Bevölkerung nutzt das Internet regelmäßig, rund drei Viertel der Einwohner leben in Regionen mit eingeschränkter oder gar keiner Konnektivität. Die Telekommunikationsaufsicht Telecommunications Commission of Solomon Islands (TCSI) reguliert einen kleinen Markt mit zwei Netzbetreibern: der teilstaatlichen Our Telekom (Solomon Telekom Company) und bmobile.

Der eigentliche Gamechanger heißt Starlink: Seit September 2024 ist der Satellitendienst landesweit lizenziert und liefert 50 bis 150 Mbit/s, und zwar auch auf Inseln, die nie ein Kabel sehen werden. Das Empfangsset kostet rund 3.000 Salomonen-Dollar (etwa 375 US-Dollar), der Monatstarif liegt bei ungefähr 424 Salomonen-Dollar, also gut 50 US-Dollar. Für Auswanderer, die remote arbeiten wollen, ist das aktuell die einzige Lösung mit europäischem Nutzungsgefühl.

Parallel läuft das chinesisch finanzierte Programm SINBIP mit 161 neuen Mobilfunktürmen, das über 80 Prozent der Bevölkerung mit Mobilfunk versorgen soll. Dutzende abgelegene Dörfer wurden 2024 und 2025 bereits per Satelliten-Backhaul angeschlossen.

Internetanschlüsse und Geschwindigkeiten im Alltag

In Honiara bekommst du über 4G und punktuell Glasfaser brauchbare Verbindungen mit 10 bis 50 Mbit/s. In kleineren Städten wie Gizo oder Auki sind 5 bis 20 Mbit/s realistisch, auf dem Land oft nur 1 bis 5 Mbit/s oder gar nichts. Die Latenz über Satellit liegt klassisch bei 200 bis 400 Millisekunden; Starlink drückt sie auf videokonferenztaugliche Werte.

Bei den Kosten musst du umdenken: Während du in Deutschland für 100 Mbit/s etwa 30 bis 50 Euro zahlst, kosten auf den Salomonen schon wenige Mbit/s schnell 80 bis 150 Euro im Monat. Datenpakete der Mobilfunker sind gestaffelt: Ein Basispaket mit 2 GB kostet 30 bis 50 SBD, größere Pakete mit 50 GB liegen bei 200 bis 300 SBD. Prepaid ist Standard und für den Einstieg die richtige Wahl.

SIM-Karte und Mobilfunk für Neuankömmlinge

Eine lokale SIM-Karte bekommst du in Honiara unkompliziert in den Shops von Our Telekom und bmobile. Mitbringen musst du deinen Reisepass, teils auch einen Adressnachweis; die Aktivierung erfolgt meist sofort. eSIM-Profile für die Salomonen bieten vor allem internationale Reise-Anbieter an, praktisch für die ersten Tage, auf Dauer aber teurer als lokale Tarife. Das Netz selbst ist ein Mix: 2G fast flächendeckend in besiedelten Gebieten, 3G in den Städten, 4G auf Guadalcanal, Malaita, Western Province und Choiseul im Ausbau. 5G existiert nicht. Internationale Anrufe sind mit 5 bis 8 SBD pro Minute teuer; nutze stattdessen WhatsApp oder Signal, sobald du Datenempfang hast.

Strom: das eigentliche Nadelöhr

Die staatliche Solomon Power (frühere SIEA) erzeugt rund 85 Prozent des Stroms mit Dieselgeneratoren, entsprechend teuer und störanfällig ist die Versorgung. Mit umgerechnet 0,50 bis 0,75 Euro pro Kilowattstunde zahlst du einige der höchsten Strompreise des Pazifiks. Ausfälle von mehreren Stunden sind normal, in der Regenzeit auch häufiger. Das Netz läuft mit 240 Volt und australischen Steckdosen vom Typ I, du brauchst also Adapter für deine Geräte.

Plane deine Stromversorgung wie ein kleines Projekt: eine USV für Router und Rechner, eine Powerbank mit mindestens 20.000 mAh, idealerweise eine Solaranlage mit Batteriespeicher. Ein Anschluss bei Solomon Power kostet inklusive Installation schnell 1.000 bis 3.000 SBD plus Kaution und dauert zwei bis vier Wochen. Viele Auswanderer starten deshalb in Unterkünften, in denen der Vermieter Strom und Backup bereits organisiert hat.

Banking und Bezahlen ohne europäische Infrastruktur

Kartenzahlung ist außerhalb von Hotels und Supermärkten in Honiara die Ausnahme, Bargeld bleibt König. Vor Ort sind unter anderem die pazifische BSP und ANZ mit Filialen vertreten; ein lokales Konto ist mit Aufenthaltsstatus machbar, aber bürokratisch. Deine europäischen Banking-Apps und Fintechs solltest du unbedingt vor der Abreise testen und Zwei-Faktor-Verfahren auf eine Authenticator-App statt SMS umstellen, denn Kurznachrichten kommen nicht immer zuverlässig an. Wie du deine Konten- und Kartenstruktur für ein Leben in einem Land mit schwacher Bankeninfrastruktur aufstellst, zeigt dir unser Schwesterportal FreedomBanking.

VPN, Datensicherheit und Behördengänge

Erfreulich unkompliziert ist die Rechtslage: VPN-Dienste sind auf den Salomonen legal, eine systematische Internetzensur gibt es nicht. Ein VPN lohnt sich trotzdem, schon um deutsche Online-Dienste und Streaming zu erreichen und offene WLANs abzusichern. Richte Passwort-Manager, Offline-Karten und Cloud-Backups vor der Abreise ein; bei den örtlichen Bandbreiten willst du keine 50 GB mehr hochladen müssen.

E-Government steckt in den Kinderschuhen: Die meisten Behördengänge, von der Verlängerung deines Visums bis zur Arbeitserlaubnis, erledigst du persönlich und in Papierform in Honiara. Aktuelle Einreise- und Sicherheitshinweise findest du beim Auswärtigen Amt, das für die Salomonen die Botschaft in Canberra als zuständige Vertretung führt.

Ausblick: mehr Bandbreite bis 2027

Die Richtung stimmt: Das nationale Glasfaserprogramm soll bis 2027 alle größeren Inseln anbinden, die Asian Development Bank kofinanziert den Ausbau, und mit dem Türme-Programm wächst die 4G-Abdeckung Jahr für Jahr. Realistisch bleibt trotzdem: Außerhalb Honiaras wirst du auf Jahre hinaus mit Starlink am besten fahren.

Zeitzone und Arbeitsalltag mit Europa

Ein Punkt, den viele erst nach der Ankunft begreifen: Die Salomonen liegen in der Zeitzone UTC+11 und damit je nach Sommerzeit neun bis zehn Stunden vor Mitteleuropa. Dein Vormittag ist Europas tiefe Nacht; wenn deine Kunden in Frankfurt um 9 Uhr den Rechner starten, ist es in Honiara bereits 18 oder 19 Uhr. Für Angestellte im europäischen Team bedeutet das dauerhafte Abendarbeit, für Selbstständige mit asynchronen Workflows ist es dagegen ein Geschenk: Du arbeitest ungestört den ganzen Tag und übergibst abends, wenn Europa aufwacht. Plane wiederkehrende Meetings in dein Zeitfenster zwischen 17 und 21 Uhr Ortszeit und blocke den Rest konsequent.

Praktisch relevant ist auch die Wetterabhängigkeit der Technik: In der Zyklonsaison von November bis April können Starkregen den Satellitenempfang minutenweise dämpfen und Stromleitungen beschädigen; kritische Uploads erledigst du besser vormittags, wenn die Gewitterneigung geringer ist. Halte außerdem deine Arbeitsdateien lokal synchronisiert, damit ein Ausfall dich nicht mitten im Projekt trifft. Coworking-Spaces europäischen Zuschnitts gibt es nicht; dein Büro ist deine Unterkunft, ergänzt um Hotel-Lobbys in Honiara mit Generator und WLAN als Ausweichplatz. Ein Detail mit großer Wirkung: Buche Unterkünfte nie unbesehen, sondern lass dir vom Vermieter einen aktuellen Speedtest und ein Foto des Stromzählers samt Backup-Lösung schicken. Wer diese Prüfung vor Vertragsabschluss macht, erspart sich die häufigste Enttäuschung deutscher Neuankömmlinge: die Traumlage ohne Empfang.

Lohnt sich der Schritt in den Pazifik?

Wenn dein Einkommen an stabile Videocalls gebunden ist, funktioniert das Leben auf den Salomonen nur mit Starlink plus eigener Stromreserve, dann aber erstaunlich gut. Wer vor allem Ruhe sucht und wenige Stunden Online-Zeit pro Tag braucht, kommt auch mit dem Mobilfunknetz in Honiara zurecht. Kalkuliere für Technik und Energie ein eigenes Budget und wähle deine Insel nach Netzabdeckung, nicht nur nach Strand. Wenn du den Umzug in den Pazifik steuerlich und praktisch sauber aufsetzen willst, buche ein Beratungsgespräch zur Wohnsitzverlagerung, bevor du Fakten schaffst.