Die Salomonen sind ein Ziel für sehr wenige Menschen: Entwicklungshelfer, Taucher, Projektmitarbeiter, gelegentlich Segler mit Langzeitplan. Wer hier leben will, muss verstehen, dass die eigentliche Herausforderung nicht Kriminalität heißt, sondern fehlende Staatlichkeit im Ernstfall. Das Auswärtige Amt formuliert das in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für die Salomonen ungewöhnlich klar.
Eine Reisewarnung besteht nicht. Trotzdem ist der Inselstaat kein Ziel für einen sorglosen Ruhestand, sondern ein Ort, an dem du deine eigene Notfallkette organisieren musst.
Politische Lage: instabil, aber nicht gewalttätig
Die Salomonen haben 2026 eine Regierungskrise durchlaufen. Im März 2026 wechselten 19 Abgeordnete von der Regierungskoalition zur Opposition, nach Wochen juristischer und politischer Auseinandersetzungen wurde Premierminister Jeremiah Manele per Misstrauensvotum abgelöst. Seit dem 15. Mai 2026 führt Matthew Wale die Regierung.
Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass es in Honiara während Parlamentssitzungen, Wahlen und Phasen politischer Unsicherheit zu Demonstrationen kommen kann, bei denen gewalttätige Auseinandersetzungen nicht auszuschließen sind. Ausgangssperren können kurzfristig verhängt werden. Wer die Unruhen von 2021 kennt, bei denen Teile Honiaras brannten, weiß, wie schnell so etwas eskalieren kann.
Die staatlichen Verwaltungsstrukturen sind schwach ausgeprägt, das gilt ausdrücklich auch für die Organisation der Sicherheits- und Polizeikräfte. In einer Notlage kann daher nur mit eingeschränkter Hilfe gerechnet werden. Politische Unstimmigkeiten und regionale Differenzen zwischen den Inselgruppen verstärken die Protestbereitschaft.
Kriminalität und Alltagsverhalten
Kriminalität tritt als Raubüberfall, Handtaschenraub, Taschen- und Trickdiebstahl auf, vor allem in der Nähe von Märkten und Stränden. Auf Guadalcanal einschließlich Honiara sowie auf Malaita besteht die Gefahr krimineller Übergriffe und Diebstähle, besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Einbruchdiebstahl kommt vor.
Die Polizeikräfte haben limitierte Kapazitäten, entsprechend lang sind die Reaktionszeiten. Praktisch bedeutet das:
- Keine Spaziergänge und Radtouren in Honiara nach Einbruch der Dunkelheit
- Nur Tagesbedarf an Bargeld mitführen, keinen auffälligen Schmuck
- Auf Märkten, an Stränden, im Bus und am Flughafen besonders auf Wertsachen achten
- Wohnung mit solider Sicherung wählen, idealerweise mit Wachdienst
Die Notrufnummer der Royal Solomon Islands Police Force ist 999. Informationen zu Dienststellen und Zuständigkeiten findest du unter rsipf.gov.sb. Verlasse dich nicht darauf, dass ein Anruf schnelle Hilfe bringt; plane immer eine Selbsthilfeoption ein.
Naturgefahren: Beben, Tsunami, Zyklone
Das gesamte Inselgebiet liegt in einer seismisch aktiven Zone. Erd- und Seebeben sowie Tsunamis sind möglich, wie zuletzt ein Beben der Stärke 5 nahe Lata im September 2025 gezeigt hat. Für Küstenwohnorte bedeutet das: Fluchtweg ins höhere Gelände kennen, ohne auf eine offizielle Warnung zu warten.
Von Anfang November bis Ende April, mit Hochphase von Dezember bis März oder April, treffen Starkregen und Winde in Zyklonstärke die Inseln. Überschwemmungen und Erdrutsche folgen. Mit Einschränkungen bei Lebensmittelversorgung, Trink- und Abwasser sowie medizinischer Versorgung ist zu rechnen.
Das National Disaster Management Office informiert über die landesweit gebührenfreie Notfallnummer 955. Ergänzend liefert das Joint Typhoon Warning Center Sturmwarnungen für die Region.
Medizinische Versorgung ist die härteste Grenze
Die medizinische Versorgung auf den Salomonen ist rudimentär, in ländlichen Gebieten in der Regel nicht vorhanden. Ärzte und Krankenhäuser verlangen häufig sofortige Barzahlung. Die nächstgelegene moderne Versorgung befindet sich in Australien und Neuseeland.
Für Taucher ist ein Punkt existenziell: Auf den Salomonen gibt es keine Dekompressionskammer. Die nächsten Druckkammern stehen in Australien und Neuseeland. Wer hier taucht, muss konservativ tauchen und eine Versicherung haben, die einen medizinischen Evakuierungsflug tatsächlich bezahlt und organisiert.
Eine Auslandskranken- und Rückholversicherung ist damit keine Option, sondern Voraussetzung. Nimm eine großzügige eigene Reiseapotheke mit, hitzegeschützt gelagert, und lass dich vorab reisemedizinisch beraten. Malaria ist im Land verbreitet, die Prophylaxe gehört in die Planung.
Infrastruktur, Geld und Verbindungen
Stromversorgung, Internet und Flugverbindungen zwischen den Inseln sind unzuverlässig. Inlandsflüge fallen aus, Schiffe fahren mit Verspätung, Bargeld ist außerhalb Honiaras oft die einzige Zahlungsform. Wer beruflich auf stabile Konnektivität angewiesen ist, braucht Satelliteninternet und einen Plan B.
Zur steuerlichen Einordnung des Inselstaats findest du die Eckdaten im Steueratlas-Länderprofil zu den Salomonen. Für die meisten Zuzügler ist die Steuerfrage hier allerdings zweitrangig gegenüber der Frage, ob Versorgung und Evakuierung gesichert sind.
Einreise und längerer Aufenthalt
Für Aufenthalte von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen brauchst du als deutscher Staatsangehöriger kein Visum. Die Behörden achten allerdings auf die genaue Einhaltung, Verstöße werden geahndet. Für längerfristige Aufenthalte musst du dich vorab an die zuständige salomonische Auslandsvertretung wenden; ein Aufenthaltstitel wird nicht nebenbei im Land verlängert.
Die Ein- und Ausreise ist nur über den internationalen Flughafen Honiara und einige offizielle Seehäfen möglich. Wer über einen nicht offiziellen Hafen einreist, riskiert hohe Geldstrafen, Inhaftierung und Abschiebung auf eigene Kosten. Für Segler ist das der wichtigste Punkt der gesamten Planung.
Infrastruktur: worauf du dich nicht verlassen kannst
Eine touristische Infrastruktur existiert nur in Ansätzen. Alle Inseln sind über Inlandsflüge und Bootsverbindungen erreichbar, diese Verkehrsmittel sind jedoch unzuverlässig und entsprechen nicht europäischen Sicherheitsstandards. Honiara hat den einzigen Flughafen mit beleuchteter Start- und Landebahn, was Nachtevakuierungen von anderen Inseln praktisch ausschließt.
Es herrscht Linksverkehr. Straßen und Fahrzeuge sind generell in schlechtem Zustand, asphaltierte Strecken gibt es fast nur auf Guadalcanal und Malaita, in einigen Gegenden sind Brücken eingebrochen. Tiere und Fußgänger auf der Fahrbahn, tiefe Schlaglöcher und fehlende Straßenbeleuchtung machen Nachtfahrten besonders gefährlich.
In Teilen Honiaras musste die Wasserversorgung wiederholt unterbrochen werden, weil Schlamm im Einzugsgebiet Kongalai das Trinkwasser verunreinigt hatte. Eine eigene Wasserreserve und ein Filter gehören deshalb in jeden Haushalt. Kreditkarten werden nur in Honiara und Ghizo akzeptiert, überall sonst zählt Bargeld in salomonischen Dollar.
Malaria ist landesweit ein hohes Risiko
Auf den Salomonen besteht im gesamten Land, einschließlich der Hauptstadt und auf allen Inseln, ein hohes Malariarisiko. Etwa 57 Prozent der Fälle entfallen auf Malaria tertiana, 43 Prozent auf die gefährlichere Malaria tropica und Mischinfektionen. Konsequenter Mückenschutz in Dämmerung und Nacht, Bettnetze und lange helle Kleidung sind Pflicht, dazu eine ärztlich abgestimmte Chemoprophylaxe.
Bei Aufenthalten mehr als 48 Stunden von der nächsten Diagnostikmöglichkeit entfernt empfiehlt sich zusätzlich eine notfallmäßige Selbstbehandlung im Gepäck. Dengue-Fieber und Zika kommen ebenfalls vor, letzteres mit Risiko für Fehlbildungen in der Schwangerschaft. Empfohlen werden Impfungen gegen Hepatitis A sowie bei Langzeitaufenthalt gegen Hepatitis B und Typhus.
Kultur, Landrechte und soziale Spannungen
Ein Thema, das Zugezogene regelmäßig unterschätzt, ist das Landrecht. Der weitaus größte Teil des Bodens ist Gewohnheitsland im Besitz von Clans, nicht individuell registriertes Eigentum. Streitigkeiten über Nutzungsrechte sind häufig und werden nicht immer vor Gericht ausgetragen. Wer ein Projekt aufbaut oder ein Grundstück nutzt, muss die lokale Gemeinschaft einbeziehen, sonst entsteht ein Konflikt, den keine Behörde für ihn löst.
Auch die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen von Guadalcanal und Malaita wirken bis heute nach und waren Hintergrund früherer Unruhen. Als Ausländer stehst du außerhalb dieser Konflikte, kannst aber in ihre Folgen geraten, etwa bei Ausgangssperren oder Straßenblockaden. Halte dich aus lokaler Politik heraus und pflege gute Beziehungen zu deiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Für wen die Salomonen taugen
Die Salomonen sind ein Ziel für Menschen mit klarem Auftrag, robuster Gesundheit, hoher Selbstständigkeit und einer Organisation im Rücken, die im Notfall einen Flug nach Brisbane bezahlt. Kein Ziel sind sie für Familien mit medizinischem Betreuungsbedarf, für ältere Menschen oder für alle, die auf funktionierende Behörden angewiesen sind.
Wenn du dennoch gehst, baue deine Sicherheit von unten auf: Evakuierungsversicherung prüfen, Zyklonsaison einplanen, Fluchtweg vor der Haustür kennen, Bargeldreserve halten. Für die steuerliche Seite deines Wegzugs aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nutzt du am besten ein Beratungsgespräch zum Wegzug ins Ausland.



