Die Einreise nach Portugal ist für dich als EU-Bürger denkbar einfach: Personalausweis einpacken, hinfliegen, fertig. Spannend wird es, wenn du länger als 90 Tage bleiben oder ganz auswandern willst. Dann entscheidet sich an Details wie der CRUE-Registrierung, dem richtigen D-Visum oder dem AIMA-Termin, ob dein Umzug reibungslos läuft oder in der Warteschleife hängt. Dieser Leitfaden zeigt dir alle Wege, mit den Zahlen und Fristen, die aktuell gelten.
Portugal gehört zum Schengen-Raum, deshalb entfallen an der Grenze reguläre Kontrollen bei Flügen aus anderen Schengen-Staaten. Für Drittstaatsangehörige hat sich dagegen viel geändert: Die Ausländerbehörde SEF wurde im Oktober 2023 aufgelöst und durch die Agentur AIMA ersetzt, seit April 2026 läuft das biometrische EU-Grenzsystem EES im Vollbetrieb, und die Einbürgerung wurde spürbar verschärft.
Einreise für Deutsche, Österreicher und Schweizer
Für touristische Aufenthalte bis 90 Tage innerhalb von 180 Tagen brauchst du kein Visum. Es genügt ein gültiger Personalausweis oder Reisepass; auch vorläufige Dokumente und der Kinderreisepass werden akzeptiert. Eine Besonderheit Portugals: Die Reisedokumente dürfen, mit Ausnahme des vorläufigen Personalausweises, seit maximal einem Jahr abgelaufen sein. Verlasse dich darauf trotzdem nicht, denn Fluggesellschaften verlangen beim Check-in regelmäßig gültige Dokumente. Der Führerschein ist kein Reisedokument.
Für die Einfuhr von Genussmitteln gelten die EU-Richtmengen für den Eigenbedarf, etwa 800 Zigaretten, 10 Liter Spirituosen, 90 Liter Wein und 110 Liter Bier. In den Sommermonaten kommt es vor allem im Zentrum und Norden des Landes immer wieder zu Waldbränden; beachte die Hinweise der lokalen Behörden und des Zivilschutzes.
Länger als 90 Tage als EU-Bürger: die CRUE-Registrierung
Als EU-Bürger brauchst du auch für den dauerhaften Aufenthalt kein Visum. Du musst dich aber registrieren: Innerhalb von 30 Tagen nach Ablauf der ersten 90 Tage beantragst du bei der Stadtverwaltung (Câmara Municipal) deines Wohnorts die Registrierungsbescheinigung CRUE (Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia). Die Bescheinigung kostet rund 15 Euro und ist fünf Jahre gültig. Mitbringen solltest du Pass oder Personalausweis, eine Erklärung zu deinen finanziellen Mitteln und deinen Krankenversicherungsschutz. Nach fünf Jahren ununterbrochenem Aufenthalt kannst du den Daueraufenthalt beantragen.
Drittstaatsangehörige: Schengen-Visum oder D-Visum
Wenn du keine EU-Staatsangehörigkeit hast oder deinen Partner aus einem Drittstaat mitbringst, gilt: Kurzaufenthalte bis 90 Tage laufen über die Schengen-Regeln, je nach Herkunftsland visumfrei oder mit Schengen-Visum. Für alles darüber hinaus brauchst du ein nationales Visum der Kategorie D, das du vor der Einreise bei der portugiesischen Auslandsvertretung beantragst. Das offizielle Visa-Portal des portugiesischen Außenministeriums findest du unter vistos.mne.gov.pt.
Die wichtigsten D-Visa im Überblick:
D7 (passives Einkommen): für Rentner und Privatiers. Gefordert ist 2026 ein passives Einkommen von mindestens 920 Euro pro Monat (dem portugiesischen Mindestlohn), plus 50 Prozent für den Ehepartner und 30 Prozent je Kind. Konsulate erwarten zusätzlich Ersparnisse in Höhe eines Jahreseinkommens auf einem portugiesischen Konto.
D8 (Digital Nomad Visa): für Remote-Worker mit Einkommen von mindestens dem Vierfachen des Mindestlohns, 2026 also 3.680 Euro pro Monat.
D2 (Unternehmer und Selbstständige): für Gründer mit tragfähigem Businessplan.
Daneben gibt es Visa für Studium, Arbeitnehmer und Familiennachzug.
Die Visumgebühr liegt bei rund 110 Euro. Mit dem D-Visum reist du ein und hast in der Regel vier Monate Zeit, bei der AIMA deinen Aufenthaltstitel zu beantragen.
Für den Antrag beim Konsulat brauchst du je nach Kategorie typischerweise:
Reisepass, der mindestens drei Monate über das geplante Aufenthaltsende hinaus gültig ist
Nachweis der Einkünfte oder Ersparnisse, meist über ein bereits eröffnetes portugiesisches Bankkonto
Portugiesische Steuernummer NIF
Unterkunftsnachweis, etwa Mietvertrag oder Kaufvertrag
Reisekrankenversicherung und polizeiliches Führungszeugnis
Plane für die Bearbeitung beim Konsulat mehrere Wochen bis Monate ein und reiche vollständige Unterlagen ein, denn Nachforderungen verlängern das Verfahren erheblich.
AIMA: der Aufenthaltstitel nach der Einreise
Die AIMA (Agência para a Integração, Migrações e Asilo) ist seit Ende 2023 die zuständige Migrationsbehörde und hat die frühere SEF vollständig ersetzt. Beim AIMA-Termin gibst du Biometrie ab und erhältst den Aufenthaltstitel (Título de Residência), der beim D7 und D8 zunächst zwei Jahre gilt und danach verlängert wird. Die Kartengebühr liegt nach der Gebührenanpassung vom März 2026 bei etwa 170 Euro pro Person. Plane Geduld ein: In Lissabon und Porto liegt die Wartezeit auf Termine oft bei mehreren Monaten, im Landesinneren geht es meist schneller.
Wichtig für deine Langfristplanung: Mit der Lei Orgânica 1/2026 wurde die Einbürgerung deutlich verschärft. Statt bisher fünf Jahren brauchst du jetzt zehn Jahre legalen Aufenthalt bis zum Antrag auf die portugiesische Staatsbürgerschaft, Bürger portugiesischsprachiger Länder sieben Jahre. Anträge, die vor Januar 2026 gestellt wurden, laufen noch nach der alten Fünfjahresregel. Das Golden-Visa-Programm über Fondsinvestments besteht weiter, nur der Weg zum Pass dauert länger.
NIF, Konto, Wohnung: die richtige Reihenfolge
Unabhängig vom Visumweg gibt es beim Umzug nach Portugal eine bewährte Reihenfolge. Zuerst besorgst du dir die Steuernummer NIF (Número de Identificação Fiscal), die du für praktisch alles brauchst: Mietvertrag, Bankkonto, Stromanschluss, sogar für manche Handyverträge. Die NIF bekommst du beim Finanzamt (Finanças), aus dem Ausland über einen Fiskalvertreter oder spezialisierte Onlinedienste. Danach folgt das portugiesische Bankkonto, das Konsulate beim D7 und D8 faktisch voraussetzen, und erst dann die Wohnung. Bedenke bei der Standortwahl auch die Behördenlage: Außerhalb von Lissabon und Porto bekommst du AIMA-Termine oft deutlich schneller, und die Lebenshaltungskosten liegen spürbar niedriger. Nach dem Zuzug meldest du dich bei der Gemeinde, beim Gesundheitsdienst SNS und gegebenenfalls bei der Sozialversicherung an.
Overstay: Fristen im Blick behalten
Wer als Drittstaatsangehöriger die erlaubte Aufenthaltsdauer überzieht, riskiert Geldbußen, Ausweisung und Einreisesperren für den gesamten Schengen-Raum. Seit dem EES-Vollbetrieb wird jede Überschreitung automatisch registriert, das frühere Durchmogeln mit unleserlichen Stempeln funktioniert nicht mehr. Auch wer mit D-Visum einreist, sollte den AIMA-Antrag vor Ablauf der Visumgültigkeit stellen; die Antragstellung sichert deinen legalen Status während der Wartezeit.
EES und ETIAS: die neuen Grenzsysteme
Seit dem 12. Oktober 2025 wurde an den Schengen-Außengrenzen das biometrische Entry/Exit-System (EES) eingeführt, seit dem 10. April 2026 ist es überall im Vollbetrieb: Drittstaatsangehörige werden mit Foto und Fingerabdrücken registriert, der Passstempel entfällt, und jede Überschreitung der 90-Tage-Frist wird automatisch erkannt. Für Ende 2026 ist zusätzlich ETIAS geplant, eine elektronische Reisegenehmigung für visumfreie Drittstaatsangehörige nach dem Vorbild des amerikanischen ESTA. Dich als deutschen Staatsbürger betreffen beide Systeme nicht, wohl aber etwa britische oder amerikanische Familienangehörige. Ein Overstay wird damit deutlich schneller sichtbar als früher und kann Einreisesperren für den gesamten Schengen-Raum nach sich ziehen. Wie es andere Länder mit Einreisehürden halten, zeigt der Überblick zu weltweit verbliebenen Einreisebeschränkungen.
Gesundheit, Haustiere, Zoll
Pflichtimpfungen gibt es weder für das Festland noch für Madeira und die Azoren. Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) bist du bei vorübergehenden Aufenthalten grundversorgt; für den dauerhaften Umzug solltest du deinen Versicherungsschutz aktiv regeln, bevor du dich abmeldest. Haustiere brauchen EU-Heimtierausweis, Mikrochip und gültige Tollwutimpfung. Bargeld ab 10.000 Euro musst du bei der Einreise aus Nicht-EU-Staaten deklarieren.
Steuern: der eigentliche Grund für viele Auswanderer
Portugal bleibt auch nach dem Ende des alten NHR-Status steuerlich attraktiv: Der Nachfolger IFICI (NHR 2.0) bietet qualifizierten Zuzüglern eine Flat Tax von 20 Prozent auf portugiesische Erwerbseinkünfte und Befreiungen für viele Auslandseinkünfte. Alle Sätze, Bedingungen und Fallstricke findest du kompakt im Steuerprofil Portugal im Steueratlas, die Behandlung von Krypto-Gewinnen unter Krypto-Steuern in Portugal. Wenn du als Rentner nach Portugal ziehst, lies zusätzlich den Leitfaden Ruhestand in Portugal nach NHR mit allem zu Rente, Pflege und Besteuerung.
Dein Fahrplan für Portugal
Kurz zusammengefasst: Bis 90 Tage reicht der Ausweis, danach registrierst du dich als EU-Bürger für kleines Geld bei der Gemeinde. Drittstaatsangehörige wählen das passende D-Visum, rechnen mit rund 110 Euro Visumgebühr plus 170 Euro für den Aufenthaltstitel und planen die AIMA-Wartezeiten ein. Und wer den portugiesischen Pass anstrebt, braucht seit 2026 einen langen Atem. Ob Portugal auch steuerlich zu deinem Setup passt, klärst du am schnellsten in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Portugal.
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