Haustiere nach Indien mitzunehmen ist kein Gesundheitsthema, sondern ein Einfuhrrechtsthema. Nicht die Impfungen entscheiden über den Flug, sondern die Frage, unter welchem der zulässigen Wege du dein Tier einführst. Wer das nicht klärt, bekommt kein Advance No Objection Certificate, und ohne dieses Papier nimmt keine Airline den Hund mit.

Zuständig sind die Animal Quarantine and Certification Services (AQCS) im Ministerium für Tierhaltung und Milchwirtschaft, mit Stationen an den Einreiseflughäfen. Dieser Leitfaden erklärt die drei Wege, die tatsächlichen Fristen und den Punkt, den fast alle falsch verstehen: Die Quarantäne ist in Indien die Ausnahme, nicht die Regel.

Die drei Wege der Einfuhr

Jede Einfuhr eines Hundes oder einer Katze muss einem von drei Fällen zugeordnet werden. Von dieser Zuordnung hängt ab, welche Nachweise du beibringen musst.

  • Transfer of Residence: Du verlegst deinen Wohnsitz nach Indien und weist einen Auslandsaufenthalt von mehr als zwei Jahren nach, dazu Visumsstornierung oder Umzugsnachweis.
  • Re-Import: Das Tier hat Indien früher verlassen und kehrt zurück. Dafür brauchst du das ursprüngliche AQCS-Ausfuhrzeugnis.
  • Kurzaufenthalt: Alle übrigen Fälle. Hier ist vorab eine Lizenz der Generaldirektion für Außenhandel (DGFT) nötig, und sie muss vor dem Antrag auf das NOC vorliegen.

Als Begleittiere im Reisegepäck werden bis zu zwei Hunde oder Katzen abgewickelt. Wer mehr mitnehmen will, landet im gewerblichen Einfuhrverfahren mit deutlich höherem Aufwand.

Der Antrag auf das Advance NOC geht mindestens sieben Werktage vor dem Abflug an die zuständige AQCS-Station. Beizufügen sind Impf- und Chipnachweis, das amtliche Gesundheitszeugnis mit der vorgeschriebenen Anlage, Flugticket oder Luftfrachtbrief und eine Passkopie. Nach Prüfung stellt die Station das Advance NOC in der Regel innerhalb eines Werktags aus, zusammen mit dem Prüfschema für die Untersuchung bei Ankunft.

Der praktische Kern dieser Regel steht in den Verfahrensunterlagen der Behörde: Die Airline befördert das Tier nicht, solange das Advance NOC fehlt. Details und Formularanlagen findest du bei den Import- und Exportverfahren der AQCS, die Verfahrensbeschreibung für Hunde als Standard Operating Procedure for Import of Pet Dogs.

Impfungen, Chip und Gesundheitszeugnis

Zuerst der Mikrochip nach ISO 11784 beziehungsweise 11785, danach die Tollwutimpfung. Wird vor dem Chippen geimpft, lässt sich die Impfung keinem identifizierbaren Tier zuordnen und muss wiederholt werden, samt neuer Wartefrist. Die Tollwutimpfung muss bei der Einreise gültig sein; üblich ist ein Abstand von mindestens 30 Tagen zwischen Impfung und Abflug.

Bei Hunden erwartet Indien zusätzlich den Schutz gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza und Leptospirose, bei Katzen die übliche Kombinationsimpfung. Das amtstierärztliche Gesundheitszeugnis wird kurz vor dem Abflug ausgestellt und vom zuständigen Veterinäramt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gegengezeichnet. Für Katzen kommt eine gesonderte Untersuchung auf Katzenschnupfen und verwandte Erkrankungen im Zeitfenster von sieben Tagen vor Abflug dazu.

Eine Liste verbotener Hunderassen für die Einfuhr führt Indien nicht. Diskussionen um sogenannte gefährliche Rassen betreffen die Haltung im Inland und werden auf Ebene der Bundesstaaten und Gemeinden geführt, nicht an der Grenze. Übertrage britische Rasselisten also nicht auf Indien.

Ankunft: warum die Quarantäne kein Automatismus ist

Hunde und Katzen dürfen nur über bestimmte Flughäfen einreisen, in der Praxis Delhi, Mumbai, Chennai, Kolkata, Bengaluru und Hyderabad. Dort untersucht ein AQCS-Tierarzt das Tier nach einem festen Prüfschema. Ist es gesund und stimmen die Papiere, wird das finale NOC direkt am Flughafen ausgestellt und du nimmst dein Tier mit.

Nur wenn das Tier die Untersuchung nicht besteht oder klinische Anzeichen einer der geprüften Erkrankungen zeigt, geht es in die Quarantänestation, und zwar für 15 Tage auf deine Kosten, inklusive der nötigen Labortests. Fallen die Befunde negativ aus, folgt danach das finale NOC. Die verbreitete Aussage, jedes Tier müsse in Indien pauschal 15 Tage in Quarantäne, trifft den Regelfall also nicht.

Kannst du selbst nicht am Flughafen sein, darfst du eine Vertretung bevollmächtigen; die Behörde sieht dafür ein eigenes Formular vor. Kommt dein Tier als Luftfracht, wird die Zollanmeldung von der AQCS-Station online freigegeben, sobald das Advance NOC vorliegt. Rechne trotzdem mit mehreren Stunden Abfertigung und plane den Ankunftstag nicht mit Anschlussterminen voll.

Wird ein Tier abgelehnt, etwa weil Papiere und Chip nicht zusammenpassen, trägst du die Kosten für Rückführung oder weitere Untersuchungen. Deshalb lohnt es, Chipnummer, Impfeintrag und Zeugnis vor Abflug Zeichen für Zeichen abzugleichen. Eine falsch abgetippte Ziffer ist der häufigste vermeidbare Fehler dieses Verfahrens.

Kosten und Transport

Auf der Strecke nach Indien nehmen mehrere Airlines kleine Hunde und Katzen in die Kabine, wenn Tier und weiche Tasche zusammen rund acht Kilogramm nicht überschreiten. Größere Tiere reisen im klimatisierten Frachtraum oder als Luftfracht. Für den Frachtraum gilt die IATA-Norm: stabile Box, verschraubte Tür, Belüftung an mindestens drei Seiten, Näpfe von außen befüllbar.

  • Mikrochip: rund 30 bis 60 Euro
  • Impfungen mit Eintrag: etwa 60 bis 120 Euro
  • Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis: 30 bis 100 Euro
  • Tollwut-Antikörpertest für den Rückweg: 80 bis 150 Euro
  • NOC-Gebühren und Abwicklung vor Ort: meist 50 bis 250 Euro
  • IATA-Transportbox: 80 bis 300 Euro
  • Luftfracht für einen mittelgroßen Hund nach Delhi oder Mumbai: meist 1.000 bis 2.500 Euro
  • Komplettabwicklung über eine Tierspedition: 1.800 bis 4.000 Euro

Erfahrungswerte, keine Tarife. Kurznasige Rassen werden im Frachtraum häufig abgelehnt, und zwischen April und Juni führen Temperaturgrenzen regelmäßig zu Stornierungen. Nachtflüge sind die verlässlichere Wahl.

Gewöhne dein Tier vier Wochen vorher an die Box, und zwar mit offener Tür, Decke und Futter darin. Beruhigungsmittel gehören nicht in den Frachtraum, weil sie Kreislauf und Temperaturregulation stören können. Beschrifte die Box mit Name, Chipnummer und Kontaktdaten, und befestige eine wasserfeste Hülle mit einem Papiersatz außen.

Alltag mit Tier in Indien

In Delhi, Mumbai, Bengaluru und Chennai findest du gut ausgestattete Kleintierpraxen, teils mit Bildgebung und Fachdisziplinen. Außerhalb der Metropolen wird es dünn. Tollwut ist im Land präsent, weshalb der Impfschutz lückenlos bleiben muss und Kontakt zu freilaufenden Hunden ein echtes Risiko darstellt.

Hitze, Monsunfeuchte und Straßenverkehr bestimmen den Alltag. Spaziergänge gehören in die Morgen- und Abendstunden, Zeckenprophylaxe und Herzwurmschutz sind ganzjährig Pflicht. Beim Wohnen entscheidet oft die Eigentümergemeinschaft: In vielen Wohnanlagen sind Hunde eingeschränkt zugelassen, und die Erlaubnis gehört vor der Unterschrift geklärt.

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Der Rückweg in die EU

Indien gehört nicht zu den gelisteten Drittländern. Für die Wiedereinreise braucht dein Tier deshalb einen Tollwut-Antikörpertest nach der Delegierten Verordnung (EU) 2026/131, die seit dem 22. April 2026 gilt: Blutprobe frühestens 30 Tage nach der Impfung, Titer von mindestens 0,5 IU/ml, danach drei Monate Wartezeit, dazu eine Tiergesundheitsbescheinigung. Die Kommission fasst die Regeln unter Bringing a pet into the EU from a non-EU country zusammen.

Die Dreimonatsfrist entfällt, wenn die Blutentnahme vor der Ausreise in der EU erfolgt ist und im Heimtierausweis steht. Indien verlangt den Test nicht, du machst ihn trotzdem: Rund 100 Euro sind billiger als ein Tier, das drei Monate in Delhi wartet.

Deine Reihenfolge bis zum Abflug

Kläre zuerst den Einfuhrweg, denn davon hängt alles Weitere ab. Danach Chip und Impfungen prüfen, den Titertest in Europa erledigen, bei Bedarf die DGFT-Lizenz beantragen, in der letzten Woche das amtliche Gesundheitszeugnis holen und spätestens sieben Werktage vor Abflug das Advance NOC beantragen. Erst wenn das NOC vorliegt, ist der Flug sicher.

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