Indien zieht Fachkräfte, Unternehmer und Menschen mit familiären Wurzeln an, und es ist ein Land, in dem Digitalisierung und Papierbürokratie unmittelbar nebeneinander existieren. Korruption in Indien begegnet dir deshalb selten als großer Skandal und sehr oft als kleine Reibung: eine Bescheinigung, die ohne Zusatzzahlung liegen bleibt, ein Anschluss, der plötzlich Wochen dauert, eine Anzeige, die nicht aufgenommen wird. Dieser Leitfaden zeigt dir die Zahlen, die Institutionen und die Stellen, an denen du selbst etwas ändern kannst.

Indien im Korruptionswahrnehmungsindex 2025

Transparency International hat den Korruptionswahrnehmungsindex 2025 im Februar 2026 veröffentlicht. Indien erreicht 39 von 100 Punkten und liegt auf Rang 91 von 182 Ländern, einen Punkt besser als im Vorjahr. Der weltweite Durchschnitt beträgt 42 Punkte. Indien liegt damit knapp darunter, aber klar vor Bangladesch. Die vollständige Zeitreihe findest du im Länderprofil bei Transparency International.

Der Index misst Expertenurteile über den öffentlichen Sektor. Er bildet nicht ab, wie unterschiedlich die Erfahrung von Bundesstaat zu Bundesstaat ausfällt. Zwischen einer Verwaltung in Bengaluru oder Pune und einer Distriktbehörde in einem strukturschwachen Bundesstaat liegen Welten.

Die Antikorruptionsarchitektur

Der Lokpal ist die nationale Antikorruptionsombudsstelle. Das Gesetz stammt von 2013, besetzt wurde das Amt aber erst 2019. Zuständig ist der Lokpal für Amtsträger des Bundes bis hinauf zum Premierminister. Die Bilanz ist ernüchternd: Von rund 6.955 eingegangenen Beschwerden führten nur 289 zu Vorprüfungen und lediglich sieben Fälle bis zur Anklagestufe. 2025 wurde immerhin eine eigene Anklageabteilung eingerichtet, was ein Schritt in Richtung eigenständiger Verfahrensführung ist. Auf Ebene der Bundesstaaten existieren Lokayuktas mit sehr unterschiedlicher Schlagkraft.

CVC, CBI und Enforcement Directorate

Die Central Vigilance Commission beaufsichtigt die Korruptionsermittlungen des Central Bureau of Investigation. Das CBI hat allerdings ein strukturelles Problem: Für Ermittlungen in einem Bundesstaat braucht es dessen Zustimmung, und mehrere Bundesstaaten haben ihre generelle Zustimmung zurückgezogen. Ermittlungen scheitern damit teils an Zuständigkeit statt an Beweisen. Das Enforcement Directorate verfolgt Geldwäsche und wird von der Opposition regelmäßig als politisches Instrument kritisiert.

Das Gesetz und seine Bremse

Grundlage ist der Prevention of Corruption Act von 1988, novelliert 2018. Die Novelle hat die Geberseite ausdrücklich unter Strafe gestellt, was für dich unmittelbar relevant ist. Sie hat aber auch eine vorherige behördliche Zustimmung eingeführt, bevor gegen Beamte wegen Handlungen im Amt ermittelt werden darf. Diese Hürde gilt als eine der wirksamsten Ermittlungsbremsen des Systems.

Bürokratie im Alltag: die Punkte, die dich betreffen

FRRO-Registrierung und Visum

Wer mit einem Visum von mehr als 180 Tagen Gültigkeit einreist, muss sich in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft beim Foreigners Regional Registration Office registrieren, heute weitgehend digital über das e-FRRO-Portal. Adresswechsel, Verlängerungen und Ausreisegenehmigungen laufen über dieselbe Stelle. Die Registrierung ist kostenlos oder kostet eine geringe Gebühr, Verspätungen ziehen jedoch Strafzahlungen nach sich, und genau in dieser Situation entstehen Angebote für eine schnelle Lösung.

PAN, Bankkonto und OCI

Für Steuer, Miete und Bankkonto brauchst du eine PAN-Nummer. Personen indischer Abstammung nutzen häufig die OCI-Karte, die Aufenthalt und viele wirtschaftliche Rechte erleichtert, aber kein Wahlrecht und keinen Erwerb landwirtschaftlicher Flächen einschließt. Die Antragsstrecken sind digitalisiert, und je digitaler ein Vorgang, desto weniger Ansatzpunkte für informelle Zahlungen.

Immobilien: das größte Risiko

Indien führt kein garantiertes Eigentumsregister. Eine Registrierung beim Sub-Registrar dokumentiert die Urkunde, garantiert aber nicht den Titel. Ohne eine unabhängige Titelprüfung über mehrere Jahrzehnte zurück solltest du keine Immobilie kaufen. Personen mit Wohnsitz außerhalb Indiens dürfen außerdem grundsätzlich kein Grundeigentum erwerben; für Personen indischer Abstammung gelten Sonderregeln, landwirtschaftliche Flächen und Plantagen bleiben ausgenommen. Stempelsteuer und Kreisrichtwerte schaffen weitere Anreize für Unterverbriefung, auf die du dich nicht einlassen solltest.

Polizei und Informationsrecht

Die Aufnahme einer Anzeige ist ein bekannter Reibungspunkt, ebenso Verkehrskontrollen. Ein wirksames Gegenmittel ist das Recht auf Information: Über einen förmlichen Auskunftsantrag lässt sich der Bearbeitungsstand eines Vorgangs abfragen, was Verfahren oft schneller in Bewegung bringt als jede Zahlung. Hinweise zu Einreise, Sicherheit und Gesundheit findest du in den Länderinformationen des Auswärtigen Amts zu Indien.

Was sich messbar verbessert hat

Digitalisierung als Korruptionsbremse

Der größte Fortschritt der letzten Jahre kam nicht aus dem Strafrecht, sondern aus der Verwaltungstechnik. Sozialleistungen und Subventionen werden heute überwiegend direkt auf Bankkonten überwiesen, statt über Zwischenstellen ausgezahlt. Steuererklärungen, Gesellschaftsregister, Mautzahlungen und ein großer Teil der öffentlichen Ausschreibungen laufen über zentrale Portale. Jeder Vorgang, der ohne persönlichen Kontakt abgeschlossen werden kann, entzieht der Kleinkorruption die Grundlage. Genau deshalb solltest du den digitalen Weg auch dann wählen, wenn der Gang zum Amt schneller wirkt.

Wahlkampffinanzierung und Transparenz

Ein wichtiger Einschnitt betraf die Parteienfinanzierung: Das System anonymer Wahlkampfanleihen wurde vom Obersten Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt, weil es Spender und Empfänger verschleierte. Die Entscheidung hat gezeigt, dass die Justiz in Grundsatzfragen unabhängig entscheidet, auch gegen die Regierung. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie die Lücke gefüllt wird.

Große Unterschiede zwischen den Bundesstaaten

Indien ist föderal, und Verwaltungsqualität ist Ländersache. In einigen Bundesstaaten sind Grundbuchdaten digitalisiert, Baugenehmigungen laufen online und Bürgerbüros arbeiten mit festen Bearbeitungsfristen. In anderen bleibt jeder Vorgang Verhandlungssache. Prüfe vor der Wahl deines Wohnorts nicht nur Klima, Kosten und Schulen, sondern auch, wie weit die dortige Verwaltung digitalisiert ist. Dieser Faktor beeinflusst deinen Alltag stärker als jede nationale Rangliste.

Sieben Regeln für saubere Vorgänge

  • Nutze konsequent Online-Portale, auch wenn der Schalterweg kürzer erscheint.
  • Bestehe auf Eingangsnummer und Quittung für jeden Antrag.
  • Setze bei Verzögerungen einen Auskunftsantrag statt eines Anrufs bei einem Vermittler.
  • Beauftrage Anwälte und Steuerberater direkt, nicht über den Verkäufer oder Vermieter.
  • Zahle Kaufpreise vollständig über Bankwege und dokumentiere die Herkunft der Mittel.
  • Melde dich beim FRRO fristgerecht und halte Adressänderungen aktuell.
  • Lehne jede Bargeldforderung höflich, aber ausnahmslos ab.

Warum eine kleine Zahlung dich zu Hause trifft

Der indische Prevention of Corruption Act stellt seit 2018 auch den Geber unter Strafe. Entscheidender für dich ist aber die Rechtslage daheim: Wer einen indischen Amtsträger besticht, macht sich in Deutschland strafbar. § 335a StGB stellt ausländische und internationale Bedienstete den inländischen Amtsträgern gleich, sodass die §§ 331 bis 334 StGB greifen. Österreich verfolgt Bestechung über § 307 StGB mit dem weiten Amtsträgerbegriff des § 74 StGB, die Schweiz über Art. 322septies StGB.

Für kleine Beschleunigungszahlungen gibt es in keiner der drei Rechtsordnungen eine Ausnahme. Wer als Unternehmen tätig ist, riskiert zusätzlich Verbandsgeldbußen, die Einziehung von Erlösen und den Ausschluss von öffentlichen Vergaben.

Was du tust, wenn eine Zahlung erwartet wird

Die Situation kündigt sich meist durch Verzögerung an, nicht durch eine offene Forderung. Ein Antrag bleibt liegen, ein Termin verschiebt sich, ein Formular sei angeblich unvollständig. Frag in diesem Moment nach der Vorgangsnummer, nach dem zuständigen Sachbearbeiter und nach der Bearbeitungsfrist. Reiche im Zweifel einen förmlichen Auskunftsantrag zum Bearbeitungsstand ein. Bleib höflich, bleib schriftlich, und lass den Vorgang niemals über einen Vermittler laufen, der eine schnelle Lösung verspricht.

Für Unternehmen gilt zusätzlich, was auch Prüfer erwarten: eine schriftliche Antikorruptionsrichtlinie, klare Freigabegrenzen für Zahlungen, ein Meldeweg außerhalb der Projektlinie und dokumentierte Schulungen für entsandte Beschäftigte. Diese Punkte kosten wenig und entscheiden im Ernstfall darüber, ob eine Einzelverfehlung als solche behandelt wird oder als Organisationsversagen.

Dein nächster Schritt für Indien

Indien ist ein Land, in dem du mit Geduld, Papierdisziplin und digitalen Kanälen sehr weit kommst, ohne je informell zu zahlen. Die Reibung ist real, aber sie lässt sich planen: früh beantragen, Belege sammeln, Fristen halten, unabhängige Berater beauftragen. Wo es um Immobilien oder Firmenbeteiligungen geht, entscheidet die Sorgfalt vor der Unterschrift über alles, was danach kommt.

Die steuerlichen Rahmendaten, von der Ansässigkeitsprüfung bis zur Quellenbesteuerung, findest du im Länderprofil Indien auf steueratlas.info. Wenn du deinen Wegzug, deine Steuerpflicht in Deutschland und deine Struktur vor Ort klären willst, buch dir ein Beratungsgespräch.