Der Umzug nach Kanada gehört für Hunde und Katzen aus dem deutschsprachigen Raum zu den einfachsten Tiertransporten überhaupt. Kanada verlangt keine Einfuhrgenehmigung für private Heimtiere, keinen Titertest und keine Quarantäne. Trotzdem scheitern Einreisen regelmäßig, weil ein einziges Dokument nicht die Form hat, die die Canadian Food Inspection Agency vorschreibt.

Was die CFIA tatsächlich verlangt

Zuständig ist die Canadian Food Inspection Agency, kurz CFIA, kontrolliert wird an der Grenze durch die Canada Border Services Agency. Für privat mitreisende Hunde und Katzen aus einem Land, das Kanada nicht als tollwutfrei einstuft, gilt eine einzige Kernanforderung: ein gültiges Tollwutimpfzeugnis in englischer oder französischer Sprache, ausgestellt und unterschrieben von einem zugelassenen Tierarzt.

Dieses Zeugnis muss das Tier eindeutig beschreiben und belegen, dass der Impfschutz zum Zeitpunkt der Einreise noch läuft. Üblicherweise enthält es Rasse, Geschlecht, Farbe, Alter und Chipnummer sowie Impfdatum, Impfstoffname, Chargennummer und Ablaufdatum. Kanada schreibt keine Wartezeit nach der Impfung vor. Die Impfung muss bei der Ankunft schlicht gültig sein, was je nach Impfstoff bis zu drei Jahre bedeuten kann.

Als tollwutfrei erkennt die CFIA nur eine kurze Liste an, darunter Australien, Fidschi, Finnland, Island, Irland, Japan, Neuseeland, Schweden und das Vereinigte Königreich. Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen nicht darauf, obwohl sie seit Jahren frei von terrestrischer Tollwut sind. Für dich heißt das nur: Du gehst den normalen Weg mit Impfzeugnis, nicht den verkürzten.

Tiere unter drei Monaten sind von der Tollwutimpfpflicht ausgenommen und dürfen einreisen. Ein generelles Mindestalter für private Heimtiere gibt es nicht. Sobald der Hund oder die Katze drei Monate alt ist, greift die Impfpflicht. Ab acht Monaten stellt die CFIA im Auswahlverfahren zusätzliche Fragen zum Reisezweck, weil sie private von gewerblichen Importen trennt.

Ein Mikrochip ist bundesrechtlich nicht vorgeschrieben, praktisch aber unverzichtbar: Er verknüpft Tier und Papier eindeutig und ist bei jeder späteren Rückreise in die EU zwingend. Nutze einen Chip nach ISO 11784 oder 11785 und lass ihn setzen, bevor geimpft wird. Für Katzen gelten dieselben Regeln wie für Hunde, ab drei Monaten mit Tollwutzeugnis, darunter ohne.

Post-Import-Quarantäne gibt es für private Hunde und Katzen aus keinem Herkunftsland. Am Flughafen prüft ein Beamter die Papiere, kontrolliert das Tier auf sichtbare Krankheitszeichen und gibt es frei. Rechne mit 15 bis 30 Minuten, wenn die Unterlagen vollständig sind. Fehlt ein Dokument, entscheidet der Beamte vor Ort, ob nachgereicht werden darf oder ob das Tier auf deine Kosten untergebracht wird.

Frettchen, Vögel und Kleintiere

Frettchen behandelt Kanada wie Hunde und Katzen: unter drei Monaten ohne Impfnachweis, darüber mit gültigem Tollwutzeugnis. Für Ziervögel, Reptilien, Amphibien und Nagetiere führt die CFIA eigene Abfragepfade, und die Anforderungen unterscheiden sich stark nach Art und Herkunftsland. Bei geschützten Arten kommen Ein- und Ausfuhrpapiere nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES hinzu, die in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz ausstellt. Plane hier mehrere Monate ein und kläre die Anforderungen schriftlich, bevor du buchst.

Rassenrecht ist Provinz- und Gemeindesache

Ein hartnäckiges Missverständnis: Kanada hat kein landesweites Einfuhrverbot für bestimmte Hunderassen. Rassenspezifische Gesetzgebung liegt bei den Provinzen und Kommunen. Ontario verbietet über den Dog Owners Liability Act Besitz, Zucht, Übertragung und Import von Pitbulls, und dieses Verbot gilt 2026 unverändert. Erfasst sind American Pit Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier und Hunde, die diesen im Erscheinungsbild deutlich ähneln.

Auch einzelne Städte, etwa Winnipeg, führen eigene Rasselisten. Bevor du eine Provinz auswählst, prüfe deshalb zwei Ebenen: die Provinzgesetzgebung und die Satzung deiner künftigen Gemeinde. Ein Abstammungsnachweis hilft in der Praxis, weil Beamte im Zweifel nach Erscheinungsbild entscheiden. Die aktuellen Einfuhrschritte für alle Tierarten stellt die CFIA über ihr Auswahlwerkzeug auf der Seite Bringing animals to Canada bereit.

Vorbereitung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Der EU-Heimtierausweis allein reicht Kanada nicht, weil er nicht auf Englisch oder Französisch geführt wird. Lass dir deshalb ein separates Tollwutzeugnis in der Zielsprache ausstellen. In Deutschland macht das der Haustierarzt, die Beglaubigung übernimmt bei Bedarf das Veterinäramt. In Österreich läuft die amtstierärztliche Bestätigung über die Bezirksverwaltungsbehörde, in der Schweiz über den kantonalen Veterinärdienst. Die Schweizer Ausfuhrschritte erklärt die BLV-Seite zu Reisen mit Hunden, Katzen und Frettchen im Detail.

  • Acht Wochen vorher: Chip prüfen, Tollwutimpfung auffrischen oder verlängern lassen, Tierplatz im Flug reservieren.
  • Sechs Wochen vorher: IATA-konforme Transportbox besorgen und mit dem Training beginnen. Die Box muss so groß sein, dass das Tier aufrecht stehen, sich drehen und liegen kann.
  • Zwei Wochen vorher: Tollwutzeugnis auf Englisch oder Französisch ausstellen lassen, Chipnummer gegenprüfen, Kopien anfertigen.
  • Wenige Tage vorher: Abschlusscheck beim Tierarzt, Parasitenbehandlung, Boxenbeschriftung mit Kontaktdaten und Live-Animal-Aufklebern.

Flug und Kosten

Air Canada, Lufthansa, Swiss und Austrian fliegen Tiere nach Toronto, Montreal, Vancouver und Calgary. Kleine Tiere bis rund acht Kilogramm inklusive Tasche reisen in der Kabine, größere im beheizten und druckbelüfteten Frachtraum. Kurznasige Rassen sind bei vielen Airlines vom Frachttransport ausgeschlossen. Beachte außerdem die Temperaturgrenzen: Im kanadischen Winter lehnen Fluggesellschaften Tiertransporte ab, wenn es am Zielort zu kalt ist, im Sommer bei zu großer Hitze am Abflugort.

Kalkuliere 30 bis 60 Euro für den Chip, 30 bis 50 Euro für die Impfung, 50 bis 150 Euro für Zeugnis und Beglaubigung, 80 bis 400 Euro für die Box und je nach Gewicht 700 bis 2.200 Euro für den Flug im Frachtraum. Eine Tierspedition mit Rundumbetreuung liegt bei 1.500 bis 3.500 Euro. Melde das Tier spätestens 48 Stunden vor Abflug bei der Airline an, denn die Zahl der Tierplätze pro Maschine ist begrenzt und in den Sommermonaten früh ausgebucht.

Die Box selbst ist kein Nebenschauplatz. Das Behältnis muss aus stabilem Hartplastik oder Metall bestehen, an mindestens drei Seiten belüftet sein, eine auslaufsichere Bodenwanne und eine sichere Verriegelung ohne Vorhängeschloss haben. Wasserspender müssen von außen befüllbar sein. Kaufe die Box mindestens vier Wochen vor dem Flug, stelle sie offen in den Wohnraum und füttere darin. Beruhigungsmittel sind im Frachtraum in aller Regel tabu, weil sie Kreislauf und Temperaturregulation beeinträchtigen. Sprich stattdessen mit deinem Tierarzt über Futterzeiten: Die letzte größere Mahlzeit liegt üblicherweise vier bis sechs Stunden vor Abflug, Wasser bleibt bis kurz davor verfügbar.

Nach der Ankunft: Registrierung, Klima, Kosten

Hundelizenzen vergeben die Gemeinden. In vielen Städten Ontarios musst du deinen Hund innerhalb von 30 Tagen registrieren, die Jahresgebühr liegt meist zwischen 25 und 60 kanadischen Dollar und setzt einen aktuellen Tollwutnachweis voraus. Katzen sind in den meisten Gemeinden nicht registrierungspflichtig, einzelne Städte weichen davon ab.

Die tierärztliche Versorgung ist dicht und gut, aber nicht billig. Eine Routineuntersuchung kostet 80 bis 150 kanadische Dollar, Impfungen 60 bis 120 pro Dosis, ein Notfall schnell mehrere hundert. Tierkrankenversicherungen kosten je nach Tarif 30 bis 80 kanadische Dollar im Monat. Rechne beim Klima mit echten Umstellungen: Bei Temperaturen unter minus 15 Grad brauchen kleine und kurzhaarige Hunde Mantel und Pfotenschutz, Streusalz greift Ballen an, und die trockene Heizungsluft im Winter macht empfindlichen Tieren zu schaffen. Zecken und Lyme-Borreliose sind in Teilen Ontarios und der Atlantikprovinzen verbreiteter als in Mitteleuropa, Herzwürmer kommen regional vor. Sprich die Prophylaxe im ersten Termin mit einem lokalen Tierarzt durch.

Für die Rückreise in die EU bist du gut aufgestellt: Kanada steht in Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2026/636, ein Tollwut-Antikörpertest entfällt damit. Du brauchst Mikrochip, laufende Tollwutimpfung, ein Tiergesundheitszeugnis eines amtlichen Tierarztes mit zehn Tagen Gültigkeit bis zur Grenzkontrolle und die Erklärung über den nicht kommerziellen Charakter der Reise. Die Details stehen in den Einreiseregeln der EU-Kommission für Heimtiere aus Drittstaaten.

Wohnen, Alltag und Auslauf

Mietwohnungen dürfen Haustiere in mehreren Provinzen nicht pauschal verbieten, Vermieter arbeiten stattdessen mit Kautionen, Gewichtsgrenzen oder einer Obergrenze für die Zahl der Tiere. Kläre das im Mietvertrag, bevor du unterschreibst. In den Städten ist die Infrastruktur exzellent: Toronto zählt rund 70 eingezäunte Hundeauslaufflächen, Vancouver rund 40, dazu kommen Hundetagesstätten für etwa 30 bis 50 kanadische Dollar pro Tag. Leinenpflicht gilt außerhalb ausgewiesener Freilaufzonen, Verstöße kosten je nach Gemeinde 100 bis 300 kanadische Dollar. Die Kotbeutelpflicht wird konsequent kontrolliert.

Beim Futter lohnt sich Geduld. Europäische Marken sind teils erhältlich, aber teuer. Eine Umstellung auf lokale Produkte über sieben bis zehn Tage verhindert Verdauungsprobleme. Ketten wie PetSmart, Pet Valu und Global Pet Foods sind landesweit vertreten, in abgelegenen Regionen läuft vieles über Lieferdienste.

Womit du jetzt anfangen solltest

Setze zuerst die Provinzfrage, dann die Papiere. Wenn deine Rasse in Ontario unter das Verbot fällt, ändert kein Dokument etwas daran, und ein Wechsel nach British Columbia oder Alberta löst das Problem an einem Nachmittag. Steht das Ziel fest, brauchst du im Wesentlichen ein sauberes Tollwutzeugnis in der richtigen Sprache und einen bestätigten Tierplatz im Flug. Wer den Ruhestand in Kanada plant, findet die Renten- und Visumsfragen kompakt bei Ruhestand im Ausland. Die steuerliche Seite des Wegzugs klärst du am besten vorab in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Kanada.