Wer mit Hund oder Katze nach Vanuatu auswandern will, stößt auf eine Regel, die alles andere bestimmt: Vanuatu ist tollwutfrei und lässt Heimtiere nur aus einem sehr kleinen Kreis von Herkunftsländern zu. Ein Direktflug mit dem Tier aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist nicht vorgesehen. Wer das früh versteht, spart sich Monate an falscher Planung und mehrere tausend Euro an vergeblichen Vorbereitungen.

Die entscheidende Vorgabe: Herkunftsland statt Impfpass

Die Einfuhrbedingungen von Biosecurity Vanuatu knüpfen nicht in erster Linie an Impfungen an, sondern an das Land, aus dem das Tier verschifft wird. Hunde dürfen nur aus Australien oder Neuseeland nach Vanuatu einreisen. Für Katzen kommt Neukaledonien als drittes zugelassenes Herkunftsgebiet hinzu. Tiere, die sich innerhalb der letzten 180 Tage in einem Land mit Tollwut oder mit unbekanntem Tollwutstatus aufgehalten haben, werden abgewiesen. Deutschland, Österreich und die Schweiz zählen in dieser Systematik nicht zu den zugelassenen Herkunftsländern, auch wenn dort seit Jahren keine terrestrische Tollwut mehr auftritt.

Praktisch heißt das: Dein Tier muss den Umweg über Australien oder Neuseeland nehmen, dort regulär einreisen, die dortige Quarantäne absolvieren und anschließend die Wartefrist abwarten, bevor der Weiterflug nach Port Vila möglich wird. Auch Zwischenlandungen und Umladungen sind nur in Australien, Neuseeland oder Neukaledonien erlaubt. Ein Stopover in Singapur oder Dubai mit dem Tier an Bord macht die Sendung unzulässig.

Formulare, Gebühren und Ansprechpartner veröffentlicht die Behörde selbst im Bereich Imports von Biosecurity Vanuatu. Dort beantragst du auch das Import Permit, ohne das keine Airline dein Tier annimmt.

Der reale Weg: erst Australien oder Neuseeland, dann Vanuatu

Alles beginnt mit dem Mikrochip nach ISO 11784/11785. Erst danach zählt eine Tollwutimpfung. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar: Wird zuerst geimpft und dann gechipt, muss die Impfung wiederholt werden. Im Anschluss folgt der Tollwut-Antikörpertest, den Australien und Neuseeland beide verlangen. Der Titer muss mindestens 0,5 IE/ml betragen, gemessen in einem dafür zugelassenen Labor.

Schritt zwei: Einreise in das Zwischenland

Australien rechnet nach der Blutentnahme eine Wartezeit von 180 Tagen bis zur Ausfuhr und verlangt zusätzlich eine Einfuhrgenehmigung, einen Test auf Leishmaniose und, bei nicht kastrierten Rüden, auf Brucella canis. Nach der Landung in Melbourne folgen mindestens zehn Tage in der staatlichen Quarantänestation Mickleham. Neuseeland arbeitet nach dem Import Health Standard 2026 mit einer Identitätsprüfung durch einen amtlichen Tierarzt mindestens sechs Monate vor Ankunft, einer Einfuhrgenehmigung und ebenfalls mindestens zehn Tagen Quarantäne in einer MPI-zugelassenen Einrichtung bei Auckland oder Christchurch.

Schritt drei: der Weiterflug nach Port Vila

Für den letzten Abschnitt brauchst du ein gültiges Import Permit von Biosecurity Vanuatu und ein internationales Tiergesundheitszeugnis, das ein amtlicher Tierarzt des Ausfuhrlandes unterschreibt. Das Zeugnis darf bei Abflug nicht älter als 48 Stunden sein. Das Tier reist als manifestierte Luftfracht, nicht als Handgepäck und nicht in der Kabine. Flugdatum und Flugnummer meldest du dem Principal Veterinary Officer spätestens einen Werktag vor dem Abflug. Biosecurity Vanuatu hat Gesundheitsbedingungen und Musterzeugnis zuletzt überarbeitet, die vollständige Umstellung galt ab dem 30. Mai 2024.

Wer die Bedingungen verletzt, riskiert Hartes: Nicht regelkonforme Tiere werden auf Kosten des Halters in Quarantäne genommen, zurückgeschickt oder eingeschläfert. Das ist kein theoretisches Restrisiko, sondern die ausdrückliche Rechtsfolge in den Einfuhrbedingungen.

Flugverbindungen und Transportboxen

Air Vanuatu hat den internationalen Linienbetrieb nach der Insolvenz im Mai 2024 eingestellt. Die Strecke nach Port Vila bedienen inzwischen vor allem Virgin Australia, Solomon Airlines und Aircalin. Die Kapazitäten für lebende Tiere sind knapp, und nicht jede Gesellschaft nimmt Hunde. Buche den Frachtplatz deshalb vor allen anderen Reiseschritten und lass dir die Annahme schriftlich bestätigen.

Die Transportbox muss der Container Requirement 1 der IATA Live Animals Regulations entsprechen: stabil, allseitig belüftet, mit wasserdichtem Boden und sicherem Verschluss ohne Vorhängeschloss. Jedes Tier reist in einer eigenen Box, zwei Tiere in einer Kiste sind nicht zulässig. Gewöhne dein Tier vier bis sechs Wochen vorher an die Box, damit sie am Reisetag kein Angstraum ist.

Die Dokumentenkette aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Für den ersten Abschnitt zählt das Recht des Zwischenlandes, nicht das von Vanuatu. Aus Deutschland und Österreich reist dein Tier auf Basis des EU-Heimtierausweises, ergänzt um die Exportbescheinigung, die dein zuständiges Veterinäramt ausstellt. In der Schweiz läuft die Ausfuhr über die Vorgaben des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, das die Formulare unter Reisen mit Heimtieren bereitstellt.

Alle Papiere müssen in englischer Sprache vorliegen oder beglaubigt übersetzt sein, und jede Angabe muss deckungsgleich sein: Chipnummer, Impfdatum, Impfstoffcharge, Laborbefund. Ein einziger Zahlendreher zwischen Testbefund und Zeugnis führt am Abfertigungsschalter zur Ablehnung der Sendung, und der nächste Frachtplatz ist oft erst Wochen später frei.

Welche Tiere überhaupt infrage kommen

Das gesamte Verfahren ist auf Hunde und Katzen zugeschnitten. Für Vögel, Reptilien, Nager und Kleinsäuger gelten eigene, deutlich engere Bedingungen, und viele Arten sind schlicht nicht zugelassen, weil ein tollwutfreier Inselstaat jedes zusätzliche Einschleppungsrisiko vermeidet. Wenn du ein anderes Tier als Hund oder Katze mitnehmen willst, hole dir vor jeder weiteren Planung eine schriftliche Auskunft von Biosecurity Vanuatu ein. Mündliche Zusagen von Airlines oder Speditionen sind an dieser Stelle wertlos.

Zu bedenken ist außerdem, dass Vanuatu keine eigene Zuchtbuch- oder Registrierungsinfrastruktur nach europäischem Muster hat. Wer mit einem Zuchttier plant, sollte die Papiere im Herkunftsland belassen und Kopien mitführen, weil Ersatzdokumente vor Ort praktisch nicht zu beschaffen sind.

Rassen, Alter und Ausschlussgründe

Australien und Neuseeland sind auf dem Zwischenweg die eigentlichen Filter. Beide Länder verbieten die Einfuhr von American Pit Bull Terrier, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Japanese Tosa und Perro de Presa Canario sowie von Kreuzungen dieser Rassen. Wer einen solchen Hund hält, erreicht Vanuatu über den regulären Weg nicht. Neuseeland lässt zudem keine Tiere zu, die am Verschiffungstag mehr als 42 Tage trächtig sind. Kurznasige Rassen wie Mops oder Bulldogge nehmen viele Airlines auf Langstrecken gar nicht mit, weil das Kreislaufrisiko im Frachtraum zu hoch ist.

Was der Umzug realistisch kostet

Rechne in zwei Blöcken. Der erste Block ist die Einreise in Australien oder Neuseeland: Titertest, Genehmigung, amtstierärztliche Zeugnisse, Langstreckenflug als Fracht und der Quarantäneaufenthalt. Für die zehn Tage in Mickleham veranschlagt die australische Behörde etwa 2.000 bis 2.800 AUD, also rund 1.200 bis 1.700 Euro. Der zweite Block ist der Weiterflug in die Südsee samt Permit, Zeugnis und Abfertigung.

In Summe landen viele Halter bei 6.000 bis 10.000 Euro pro Tier, weil zwischen beiden Blöcken ein halbes Jahr Aufenthalt im Zwischenland liegt, in dem Unterbringung und Betreuung ohnehin anfallen. Diese Zahlen sind Erfahrungswerte und ersetzen kein Angebot: Lass dir Frachtrate, Quarantänegebühr und Abfertigung vor der Buchung schriftlich geben.

Leben mit Tier auf den Inseln

Die tierärztliche Versorgung konzentriert sich auf Port Vila und in geringerem Umfang auf Luganville. Komplexe Chirurgie, Onkologie oder aufwendige Bildgebung gibt es im Land nicht. Im Ernstfall bedeutet das eine Ausreise nach Australien oder Neuseeland samt der dortigen Einfuhrformalitäten. Lege deshalb eine Rücklage an, statt auf eine Versicherung zu vertrauen, die im Pazifik oft nur eingeschränkt leistet.

Das tropische Klima fordert europäische Rassen. Hohe Luftfeuchtigkeit, eine ganzjährige Zeckensaison und Herzwurmrisiko verlangen eine durchgehende Parasitenprophylaxe, die du dir vor Ort verschreiben lässt. Schatten, kühle Rückzugsorte und Spaziergänge am frühen Morgen sind keine Komfortfragen, sondern Gesundheitsschutz. Freilaufende Hunde sind auf den Inseln verbreitet, halte deinen Hund in Siedlungsnähe deshalb an der Leine.

Rückreise in die EU mitdenken

Plane den Weg zurück schon jetzt. Für die Wiedereinreise eines Hundes oder einer Katze in die EU gelten eigene Regeln: Mikrochip, gültige Tollwutimpfung und, je nach Herkunftsland, ein Antikörpertest, dessen Blutprobe frühestens 30 Tage nach der Impfung genommen wurde, gefolgt von einer Wartezeit von drei Monaten. Ob dein Aufenthaltsland auf der EU-Liste steht und der Test damit entfällt, liest du bei der Europäischen Kommission unter Bringing a pet into the EU from a non-EU country nach. Halte den Titerbefund deshalb durchgehend gültig, solange du im Ausland lebst, dann bleibst du jederzeit reisefähig.

Was das für dich und dein Tier bedeutet

Vanuatu ist mit Hund oder Katze machbar, aber nicht direkt. Der Weg führt zwingend über Australien oder Neuseeland und dauert vom ersten Tierarzttermin bis zur Ankunft in Port Vila realistisch zwölf bis achtzehn Monate. Wer diese Zeit nicht hat, sollte den Wegzug in zwei Etappen denken: zuerst selbst nach Australien oder Neuseeland, dort ankommen, und die Südsee als zweiten Schritt planen.

Wenn du parallel die steuerliche und aufenthaltsrechtliche Seite deines Wegzugs sortieren willst, bringt dich ein Beratungsgespräch am schnellsten zu einer belastbaren Reihenfolge. Denn wann du deinen Wohnsitz in Deutschland aufgibst, entscheidet oft darüber, welches Zwischenland für dein Tier überhaupt praktikabel ist.