Australien hat eines der striktesten Einfuhrverfahren für Heimtiere weltweit, und es ist zugleich eines der am besten dokumentierten. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit Hund oder Katze nach Australien zieht, arbeitet eine feste Kette von Schritten ab. Jeder Schritt hat eine Frist, und wer eine Frist reißt, beginnt den betreffenden Abschnitt von vorn. Einen Überblick über weitere Zielländer findest du in unserem Bereich Haustiere ins Ausland mitnehmen.
Gruppe 3: Wo Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen
Das Department of Agriculture, Fisheries and Forestry (DAFF) teilt Herkunftsländer in Gruppen ein. Gruppe 1 sind Neuseeland, Norfolk Island und die Cocos-Inseln, Gruppe 2 sind anerkannt tollwutfreie Länder, Gruppe 3 sind Länder mit kontrollierter Tollwutlage. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zu Gruppe 3 und durchlaufen damit das vollständige Verfahren mit Antikörpertest und Wartefrist. Die verbindliche Schrittfolge veröffentlicht DAFF in seinem Step-by-step-Leitfaden für Hunde aus Gruppe-3-Ländern.
Die Schrittfolge im Detail
Dein Tier braucht einen Mikrochip nach ISO 11784/11785. Er muss vor allen weiteren Schritten sitzen und in jedem Dokument identisch auftauchen. Ein Chip, der beim Scannen nicht lesbar ist, stoppt das gesamte Verfahren.
Tollwutimpfung und Antikörpertest
Nach dem Chippen folgt die Tollwutimpfung, danach der Rabies Neutralising Antibody Titre Test. Der Wert muss mindestens 0,5 IE/ml erreichen; der Befund ist zwölf Monate ab Blutentnahme gültig. Entscheidend ist ein Detail, das viele übersehen: Lässt ein amtlicher Tierarzt die Identität deines Tieres vor der Blutentnahme prüfen und dokumentieren, verkürzt sich die spätere Quarantäne von 30 auf 10 Tage. Diese eine Handlung entscheidet über drei Wochen Trennung und über einen erheblichen Teil der Kosten.
Die 180-Tage-Wartefrist
Zwischen dem Antikörpertest und der Ausfuhr liegt eine Wartezeit von 180 Tagen. Sie beginnt mit dem Eingang der Blutprobe im zugelassenen Labor. Zusätzlich muss dein Tier vor der Ausfuhr mindestens 180 Tage durchgehend in einem von DAFF anerkannten Land gelebt haben. Beide Fristen laufen parallel, aber nicht automatisch synchron. Wer sie einmal im Kalender einträgt, sieht sofort, wann eine Ausreise frühestens realistisch ist.
Einfuhrgenehmigung beantragen
Die Einfuhrgenehmigung beantragst du im Behördenportal BICON. Ohne gültiges Permit nimmt keine Airline dein Tier an. Beantrage es, sobald der Titerbefund vorliegt, und rechne mit Bearbeitungszeit. Die Gebühren veröffentlicht DAFF und passt sie regelmäßig an, deshalb prüfst du den aktuellen Stand vor der Antragstellung.
Tests und Behandlungen vor der Ausfuhr
Für Hunde kommen laborgestützte Untersuchungen hinzu, unter anderem auf Leishmania infantum sowie bei nicht kastrierten Tieren auf Brucella canis, jeweils innerhalb von 45 Tagen vor der Ausfuhr. Die früher verlangte Untersuchung auf Ehrlichia canis ist seit dem 1. November 2022 entfallen, weil der Erreger in Australien inzwischen vorkommt. Dazu kommen Behandlungen gegen innere und äußere Parasiten in vorgegebenen Zeitfenstern und das abschließende amtstierärztliche Gesundheitszeugnis.
Ankunft, Quarantäne und Mickleham
Hunde und Katzen dürfen nur über Melbourne einreisen. Von dort werden sie direkt zur staatlichen Quarantänestation in Mickleham gebracht, die DAFF selbst betreibt; die frühere Behörde AQIS existiert seit der Eingliederung ins Landwirtschaftsministerium nicht mehr. Besuche sind während des Aufenthalts nicht möglich, die Tiere werden täglich tierärztlich kontrolliert.
Der Aufenthalt dauert mindestens zehn Tage, bei fehlender Identitätsprüfung vor der Blutentnahme mindestens 30 Tage. Werden Auffälligkeiten festgestellt, verlängert sich die Zeit. Die Quarantänestation in Mickleham bei Melbourne, die einzige des Landes, verlangt für die Mindestaufenthaltsdauer von zehn Tagen etwa 2.000 bis 2.800 AUD, also rund 1.200 bis 1.700 Euro.
Rassen und Ausschlüsse
Australien verbietet die Einfuhr mehrerer Hunderassen und ihrer Kreuzungen, darunter American Pit Bull Terrier beziehungsweise Pit Bull Terrier, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Japanese Tosa und Perro de Presa Canario. Trächtige Tiere in fortgeschrittenem Stadium werden nicht befördert, und viele Airlines lehnen kurznasige Rassen auf Langstrecken grundsätzlich ab. Prüfe diese Punkte, bevor du Geld für Tests ausgibst.
Papiere aus der DACH-Region und der Flugtag
Aus Deutschland und Österreich reist dein Tier mit dem EU-Heimtierausweis und der amtstierärztlichen Exportbescheinigung, die das zuständige Veterinäramt beziehungsweise die Bezirksverwaltungsbehörde ausstellt. Schweizer Halter nutzen die Ausfuhrunterlagen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Alle Dokumente müssen in englischer Sprache vorliegen, und der Amtstierarzt unterschreibt und stempelt. Der Haustierarzt allein genügt nicht.
Die Transportbox muss den IATA Live Animals Regulations entsprechen: ausreichend Platz zum Stehen, Drehen und Liegen, allseitige Belüftung, wasserdichter Boden, sicherer Verschluss ohne Vorhängeschloss und eine Kennzeichnung als Lebendtiersendung. Gewöhne dein Tier über mehrere Wochen an die Box, füttere zuletzt einige Stunden vor Abflug und verzichte auf Beruhigungsmittel, sofern dein Tierarzt sie nicht ausdrücklich für den Flug verordnet. Sedierte Tiere lehnen viele Gesellschaften ab, weil die Kreislaufregulation im Frachtraum leidet.
Was der Umzug kostet
Neben der Quarantäne fallen an: Mikrochip und Impfungen, der Antikörpertest im zugelassenen Labor, die Laboruntersuchungen auf Leishmaniose und gegebenenfalls Brucellose, die amtstierärztlichen Zeugnisse, die Einfuhrgenehmigung, die IATA-konforme Transportbox, die Luftfracht ab Europa nach Melbourne und die Abfertigung vor Ort. Bei großen Hunden ist die Frachtrate der größte Posten.
Viele Halter landen insgesamt im mittleren vierstelligen Bereich pro Tier. Belastbar wird die Zahl erst mit drei schriftlichen Angeboten: Tierarzt, Spedition oder Airline und die aktuell gültige Gebührenübersicht von DAFF. Hüte dich vor Pauschalpreisen ohne Gültigkeitsdatum, gerade die Frachtraten schwanken saisonal deutlich.
Katzen: was anders läuft
Für Katzen gilt dieselbe Grundstruktur aus Mikrochip, Tollwutimpfung, Antikörpertest, Wartefrist, Einfuhrgenehmigung und Quarantäne in Mickleham. Die zusätzlichen Bluttests, die bei Hunden auf Leishmaniose und Brucellose zielen, entfallen; stattdessen stehen Behandlungen gegen innere und äußere Parasiten sowie das amtstierärztliche Zeugnis im Vordergrund. Auch für Katzen entscheidet die Identitätsprüfung vor der Blutentnahme über zehn oder dreißig Tage Quarantäne.
Praktisch unterschätzt wird der Stress: Katzen reagieren auf Frachtraum, Abfertigung und Kennel oft empfindlicher als Hunde. Ein frühes Boxentraining, eine vertraute Decke und ein ruhiger, abgedunkelter Rückzugsort in den ersten Tagen nach der Entlassung machen einen spürbaren Unterschied.
Nach der Quarantäne
Nach der Entlassung folgt der Alltag: In allen Bundesstaaten ist die Registrierung von Hunden bei der Gemeinde Pflicht, meist verbunden mit einer Jahresgebühr, die für kastrierte Tiere niedriger ausfällt. Leinenpflicht, Zugangsverbote an bestimmten Stränden und Vorgaben zur Einzäunung regeln die Councils lokal, die Unterschiede zwischen Nachbargemeinden sind erheblich.
Ein zweiter Punkt betrifft die Wohnungssuche: Viele Vermieter in australischen Städten fragen nach einer Tierbewerbung mit Referenzen des vorherigen Vermieters und Nachweisen zu Kastration und Entwurmung. Wer diese Unterlagen bereits im Gepäck hat, verschafft sich einen realen Vorteil auf einem angespannten Mietmarkt.
Gesundheitlich sind Zecken, Herzwurm und Hitze die drei großen Themen. Die Paralysezecke an der Ostküste ist für Hunde und Katzen lebensgefährlich, eine ganzjährige Prophylaxe ist dort Standard. Plane außerdem Zeit für die Eingewöhnung ein: Tiere kommen nach der Quarantäne oft verunsichert heraus und brauchen ein bis zwei Wochen, bis Fressen und Schlafen wieder normal laufen.
Dein nächster Schritt Richtung Australien
Der Zeitplan steht und fällt mit zwei Terminen: der Identitätsprüfung vor der Blutentnahme und dem Tag, an dem die Probe im Labor eingeht. Von dort sind es 180 Tage bis zur frühestmöglichen Ausreise. Setze diese beiden Termine zuerst, alles andere ordnet sich unter. Wer mit Umzug, Visum und Wohnungssuche jongliert, sollte die Tierlogistik als eigenständiges Projekt führen.
Für die steuerliche Seite des Wegzugs, insbesondere Wohnsitzaufgabe und Wegzugsbesteuerung, klärst du die Reihenfolge sinnvollerweise vorab in einem Beratungsgespräch zu Australien. Wer aus Australien später weiter in den Pazifik will, hat übrigens Türen offen, die aus Europa verschlossen sind: Vanuatu etwa lässt Hunde ausschließlich aus Australien und Neuseeland einreisen. Die Rückkehr in die EU wiederum richtet sich nach den Vorgaben der Europäischen Kommission unter Bringing a pet into the EU from a non-EU country.







