Wenn du mit Hund oder Katze nach Bolivien ziehst, entscheidet ein Dokument über alles andere: das Permiso Zoosanitario de Importación. Diese Einfuhrgenehmigung stellt der Servicio Nacional de Sanidad Agropecuaria e Inocuidad Alimentaria aus, kurz SENASAG. Ohne sie wird dein Tier an der Grenze nicht abgefertigt, und nachträglich lässt sie sich nicht besorgen.

Die Einfuhrgenehmigung von SENASAG

Der Antrag läuft über die zuständige Departementsstelle von SENASAG und ist formalisiert. Verlangt werden unter anderem das ausgefüllte Antragsformular mit der Kennung SENASAGIMPFOR001, ein an die Departementsleitung gerichtetes Schreiben, eine Packliste mit Alter, Geschlecht, Farbe, Impfungen und dem Zweck der Einfuhr sowie der Zahlungsbeleg über die Gebühr. Wurde das Tier gekauft, kommt eine Rechnung oder Proforma hinzu. Alle Angaben müssen in spanischer Sprache vorliegen.

Die Gebühr wird per Einzahlung oder Überweisung auf das Konto von SENASAG bei der Banco Unión geleistet; den Beleg legst du dem Antrag bei. Nach der Dokumentenprüfung erteilt die Behörde das Permiso Zoosanitario de Importación. Die Anforderungen und den Ablauf beschreibt das bolivianische Außenhandelsportal in seiner Übersicht SENASAG importación perros gatos requisitos. Die Behörde selbst erreichst du über senasag.gob.bo.

Das Zeugnis aus dem Herkunftsland

Zusätzlich zur Genehmigung braucht jedes einzelne Tier ein Certificado Zoosanitario des Herkunftslandes. Es weist die Identität des Tieres, den Gesundheitszustand, die Impfungen und die Parasitenbehandlungen aus und wird von einem amtlichen Tierarzt unterschrieben und gestempelt. Aus Deutschland und Österreich stellt dies das zuständige Veterinäramt beziehungsweise die Bezirksverwaltungsbehörde aus, in der Schweiz gilt der Weg über das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Bei Katzen aus Drittstaaten verlangt SENASAG eine Impfung innerhalb der letzten 60 Tage vor dem Verladedatum gegen Katzenseuche und, für Tiere über drei Monate, gegen Tollwut. Für Hunde gilt eine entsprechende Vorgabe mit Tollwutimpfung und den üblichen Kernimpfungen. Die maßgebliche Liste steht im Anforderungsblatt für Heimtiere aus Drittländern, das SENASAG veröffentlicht; lass sie dir mit dem Permit zusammen schriftlich bestätigen, denn sie wird gelegentlich angepasst.

Mikrochip und Identität

Eine ISO-konforme Mikrochip-Kennzeichnung nach 11784/11785 ist der praktische Standard und sollte vor der Tollwutimpfung gesetzt werden, damit Chip und Impfdatum im selben Dokument stehen. Die Chipnummer muss auf jedem Blatt identisch sein, vom Antrag über das Zeugnis bis zum Impfausweis. Zahlendreher sind der häufigste Grund für Rückfragen bei der Kontrolle.

Andere Tierarten und größere Gruppen

Das beschriebene Verfahren gilt für Hunde und Katzen. Für Vögel, Reptilien, Nager und andere Arten arbeitet SENASAG mit eigenen Anforderungsblättern, und bei geschützten Arten kommen die Papiere des Artenschutzabkommens hinzu. Frag in diesen Fällen vorab schriftlich bei der Departementsstelle an und plane deutlich mehr Vorlauf ein.

Für die Ausreise aus der EU gilt zudem die Grenze von fünf Tieren pro Person im nichtkommerziellen Verkehr. Wer mehr Tiere mitnimmt, fällt unter die strengeren Handelsregeln mit zusätzlichen Genehmigungen. Diese Weiche wird beim Antrag gestellt und lässt sich später nicht mehr korrigieren.

Die häufigsten Fehler

  1. Das Permit wird zu spät beantragt und liegt am Abflugtag nicht vor.
  2. Unterlagen sind nicht auf Spanisch eingereicht und werden zurückgewiesen.
  3. Die Katzenimpfung liegt außerhalb des Fensters von 60 Tagen vor dem Verladedatum.
  4. Die Chipnummer weicht zwischen Antrag, Zeugnis und Impfausweis ab.
  5. Der Zielflughafen La Paz wird gebucht, ohne die Höhenverträglichkeit des Tieres zu prüfen.

Ankunft: erst SENASAG, dann alles andere

Am Flughafen meldest du dich mit dem Tier bei der Veterinärstelle von SENASAG, bevor du die reguläre Einreisekontrolle durchläufst. Vorgelegt werden die Originaldokumente: Permiso Zoosanitario, Certificado Zoosanitario, Impfnachweis und Heimtierausweis. Das Personal gleicht die Chipnummer ab und untersucht das Tier klinisch.

Sind die Papiere vollständig, folgt die Freigabe ohne Quarantäne. Fehlen Unterlagen oder zeigt das Tier Krankheitszeichen, kann eine Absonderung angeordnet werden, deren Kosten du trägst. Plane deshalb einen großzügigen Zeitpuffer nach der Landung ein und lege alle Papiere griffbereit in einer Mappe zusammen, nicht im aufgegebenen Gepäck.

Die Höhe ist das unterschätzte Risiko

Bolivien ist kein Ziel wie jedes andere. El Alto bei La Paz liegt auf rund 4.000 Metern und gehört zu den höchstgelegenen internationalen Flughäfen der Welt. Für ein Tier bedeutet die Landung dort einen abrupten Wechsel von Meereshöhe in extreme Höhenluft, direkt nach einem Langstreckenflug.

Kurznasige Rassen sowie herz- und lungenkranke Tiere sind hier besonders gefährdet. Wenn dein Ziel La Paz ist, prüfe die Alternative über Santa Cruz de la Sierra: Der Flughafen Viru Viru liegt im Tiefland, und die anschließende Reise in die Anden lässt sich langsamer gestalten. Lass die Flugtauglichkeit und die Höhenverträglichkeit vorab von deinem Tierarzt beurteilen und plane in den ersten Tagen keine anstrengenden Spaziergänge.

Grenzübertritt auf dem Landweg

Viele Auswanderer kommen nicht direkt aus Europa, sondern aus einem Nachbarland nach Bolivien, etwa aus Peru, Chile, Argentinien oder Brasilien. Auch dann gelten Permit und Zeugnis: Der Landweg ist kein Schlupfloch, sondern nur ein anderer Kontrollpunkt. An Landgrenzen ist die Besetzung mit Veterinärpersonal allerdings nicht rund um die Uhr gegeben, deshalb klärst du vorab, an welchem Übergang und zu welchen Zeiten eine Abfertigung möglich ist.

Praktisch heißt das: Reise bei Landübertritten früh am Tag an, führe alle Originale mit und rechne mit längeren Wartezeiten. Wer im Bus anreist, sollte den Übergang lieber im eigenen oder gemieteten Fahrzeug nehmen, damit das Tier nicht stundenlang in einem stehenden Bus warten muss.

Flug, Box und Anmeldung

Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum gibt es nicht, die Routen führen über Madrid, Bogotá, Lima, São Paulo oder Panama. Bei jedem Umstieg entscheidet die abfliegende Gesellschaft, ob die Sendung mitgeht. Buche deshalb möglichst durchgehend und lass dir die Beförderung für alle Abschnitte schriftlich bestätigen. Die Anmeldung erfolgt bei den meisten Airlines 48 bis 72 Stunden vor Abflug.

Die Box muss den IATA Live Animals Regulations entsprechen: ausreichend Platz zum Stehen, Drehen und Liegen, allseitige Belüftung, wasserdichter Boden, sicherer Verschluss ohne Vorhängeschloss, Näpfe von außen befüllbar. Gewöhne dein Tier über mehrere Wochen an die Box und füttere zuletzt einige Stunden vor Abflug.

Kosten und Zeitplan

Der Vorlauf ist überschaubar. Rechne mit sechs bis zehn Wochen: Impfstatus prüfen und ergänzen, Permit beantragen und abwarten, Zeugnis kurz vor Abflug ausstellen lassen, Parasitenbehandlung im vorgegebenen Fenster. Der Antrag bei SENASAG braucht Bearbeitungszeit, deshalb beginnt er sinnvollerweise, sobald der Reisetermin grob steht.

Die Kosten setzen sich zusammen aus Impfungen und tierärztlicher Vorbereitung, der amtlichen Bescheinigung, der Gebühr für das Permit, gegebenenfalls einer beglaubigten Übersetzung, der Transportbox und der Beförderung. Der Flug ist der größte Posten und steigt mit Gewicht und Boxenmaß deutlich an. Hol dir schriftliche Angebote statt Erfahrungswerte aus Foren.

Alltag mit Tier in Bolivien

Tierärztliche Grundversorgung ist in La Paz, Santa Cruz und Cochabamba gut erreichbar und deutlich günstiger als in Mitteleuropa. Spezialdiagnostik und aufwendige Chirurgie konzentrieren sich auf Santa Cruz. Nimm einen Vorrat der Dauermedikation mit und lass dir Wirkstoffnamen statt Handelsnamen aufschreiben, damit vor Ort ein verfügbares Präparat gefunden wird.

Im Tiefland sind Zecken, Flöhe und Leishmaniose ganzjährige Themen, im Hochland kommen starke UV-Strahlung und trockene Luft hinzu, die empfindliche Pfotenballen und Nasen belasten. Bei Mietwohnungen sind Tiere häufig erlaubt, aber mit höherer Kaution und schriftlicher Genehmigung. Kläre das vor der Vertragsunterschrift statt danach.

Deine Checkliste für den Umzug nach Bolivien

Vier Dinge musst du in dieser Reihenfolge erledigen: Mikrochip und Impfungen auf Stand bringen, das Permiso Zoosanitario bei SENASAG beantragen, das amtliche Certificado Zoosanitario kurz vor Abflug ausstellen lassen und die Beförderung für die gesamte Strecke schriftlich absichern. Wer diese vier Punkte abhakt, hat den Hauptteil erledigt.

Für eine spätere Rückkehr in die EU gelten eigene Vorgaben, nachzulesen bei der Europäischen Kommission unter Bringing a pet into the EU from a non-EU country. Und wenn du Wohnsitzaufgabe, Aufenthaltstitel und steuerliche Folgen in eine sinnvolle Reihenfolge bringen willst, klärst du das am besten vorab in einem Beratungsgespräch.