Wenn du Homeschooling in Georgien planst, ist die gute Nachricht schnell erzählt: Das georgische Bildungsrecht kennt einen ausdrücklichen Weg, allgemeinbildende Programme selbstständig zu erarbeiten und den Bildungsstand über staatlich anerkannte Prüfungen nachzuweisen. Dieser Weg heißt Eksternat und ist keine Duldung, sondern geltendes Recht. Er ist damit deutlich mehr, als die meisten Nachbarländer bieten.

Die Rechtslage im Überblick

Das georgische Bildungssystem beruht auf dem Gesetz über die allgemeine Bildung von 2005, dem Gesetz zur Verbesserung der Bildungsqualität und dem Nationalen Curriculum. Zuständig ist das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Jugend Georgiens. Das Gesetz räumt jeder Person das Recht ein, die Programme der Primar-, Basis- und Sekundarstufe eigenständig zu erarbeiten. Die Bedingungen für die Anerkennung dieses nicht formalen Weges, also die Eksternat-Prüfungen, legt das Ministerium fest.

Was die Novelle vom Juli 2024 geändert hat

Am 18. Juli 2024 wurde das Gesetz über die allgemeine Bildung geändert. Seither reicht die Schulpflicht bis zum sechzehnten Lebensjahr statt bis zum fünfzehnten, womit sie mit dem Mindestalter für reguläre Erwerbsarbeit zusammenfällt. Parallel wurde die Basisstufe von drei auf vier Jahre verlängert, sodass die Pflichtstufe nun die Klassen 1 bis 10 umfasst. Die Klassen 11 und 12 bilden die anschließende Sekundarstufe. Die europäische Bildungsdatenbank Eurydice fasst die Änderungen unter National reforms in General education zusammen.

Für dich heißt das: Der Pflichtzeitraum ist ein Jahr länger geworden, die Möglichkeit, ihn über Eksternat statt über täglichen Schulbesuch zu erfüllen, ist geblieben.

Wie Eksternat praktisch läuft

Der Ablauf ist überschaubar. Du meldest dein Kind für die Prüfung der jeweiligen Klassenstufe an, das Kind lernt zu Hause oder mit einer Online-Schule, und der Bildungsstand wird über die vom Ministerium angesetzte Prüfung festgestellt. Bestehst du, erhältst du den entsprechenden Nachweis für die Klassenstufe. Der Lernweg bleibt frei, der Nachweis ist standardisiert. Genau diese Trennung suchen viele Familien, die aus Deutschland wegziehen.

Rechne mit georgischsprachigen Prüfungsinhalten, die sich am Nationalen Curriculum orientieren. Wer das Modell für die ganze Schulzeit nutzen will, braucht deshalb eine ernsthafte Sprachstrategie oder eine Kombination aus internationalem Abschluss und Eksternat nur für ausgewählte Stufen.

Der Aufenthalt: der einfachste Teil

Georgien ist eines der zugänglichsten Länder der Region. Angehörige vieler Staaten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, dürfen visumfrei bis zu einem Jahr einreisen und sich aufhalten. Aufenthaltstitel für Arbeit, Studium, Unternehmensgründung oder Immobilieneigentum sind ohne große Hürden erreichbar. Die aktuellen Einreisehinweise stehen auf der Georgien-Seite des Auswärtigen Amts.

Wichtig für Familien: Ein Jahr visumfreier Aufenthalt ersetzt keinen steuerlichen Wohnsitz und keine Schulanmeldung. Wenn du das Eksternat-Modell nutzen willst, brauchst du eine belastbare Adresse und eine Anlaufstelle im Bildungssystem, sonst wird die Prüfungsanmeldung mühsam.

Schulen und Lernumgebung in Tiflis

Internationale Schulen

Tiflis hat mehrere internationale Schulen mit IB-Programm, britischem oder amerikanischem Curriculum. Im georgischen Kontext sind diese Schulen teuer, im internationalen Vergleich aber moderat. Für Familien, die Homeschooling nur als Übergangslösung sehen, sind sie eine gute Rückfalloption.

Freilerner-Netzwerke und Lerngruppen

In Tiflis und Batumi hat sich eine sichtbare internationale Community gebildet, aus der heraus Lerngruppen, Sport- und Musikangebote organisiert werden. Wer Freilernen ernst meint, findet hier Anschluss, ohne dass die Kinder isoliert aufwachsen. Wie sich die Modelle voneinander unterscheiden, erklärt der Grundlagentext zu Hausunterricht und Online-Schule.

Alltag, Kosten und Infrastruktur

Die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter dem deutschsprachigen Niveau, das Internet ist schnell und stabil, und Flugverbindungen nach Mitteleuropa sind gut. Ein Überblick über Kosten, Städte und Alltag für ortsunabhängige Familien steht auf der Länderseite von BeyondBorders zu Georgien.

Lehrplan, Material und Prüfungsplanung

Welchen Lehrplan du wählst

Drei Wege sind in Georgien gängig. Erstens der georgische Weg über das Nationale Curriculum mit Eksternat-Prüfungen; er ist der günstigste und schließt formal sauber ab, verlangt aber Georgischkenntnisse. Zweitens ein britisches Programm bis IGCSE und A-Levels, das sich mit externen Prüfungszentren in Tiflis kombinieren lässt. Drittens eine deutschsprachige Fernschule, wenn eine Rückkehr in den deutschsprachigen Raum wahrscheinlich bleibt.

Viele Familien mischen: deutschsprachiger Kernunterricht in Mathematik und Deutsch, englischsprachige Naturwissenschaften, Georgisch als Landessprache. Wichtig ist, dass am Ende ein Abschluss steht, den eine Hochschule oder ein Ausbildungsbetrieb einordnen kann.

Material und Technik

Digitale Lizenzen sind in Georgien der praktischere Weg als Buchsendungen aus Europa, weil Zoll und Laufzeiten unberechenbar sind. Die Internetversorgung in Tiflis, Batumi und Kutaissi ist schnell und günstig, Stromausfälle sind selten. Für Prüfungen mit Fernaufsicht ist die Infrastruktur ausreichend.

Prüfungstermine früh setzen

Externe Prüfungen haben feste Anmeldefenster, teilweise ein halbes Jahr im Voraus. Trage die Termine in den Familienkalender, bevor du den Lehrplan im Detail baust. Ein verpasstes Prüfungsfenster kostet dich ein ganzes Schuljahr, und das ist der teuerste Fehler im Homeschooling überhaupt.

Krankenversicherung und Absicherung

Eine Pflichtversicherung für Ausländer gibt es nicht. Familien schließen private oder internationale Krankenversicherungen ab; die medizinische Versorgung in Tiflis ist für Standardfälle gut, für Spezialbehandlungen wird häufig nach Istanbul oder Europa ausgewichen. Denke zusätzlich an Unfall- und Haftpflichtschutz, weil Kinder ohne Schulbesuch nicht über eine Einrichtung mitversichert sind.

Vergleich mit Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland besteht Schulbesuchspflicht nach Landesrecht, Hausunterricht ist praktisch ausgeschlossen. Österreich kennt eine Unterrichtspflicht mit häuslichem Unterricht nach Anzeige und jährlicher Externistenprüfung. Die Schweiz überlässt die Frage den Kantonen, mit sehr unterschiedlichen Bewilligungspraxen. Georgien liegt näher am österreichischen Modell als am deutschen: Der Staat kontrolliert das Ergebnis, nicht den Weg dorthin.

Der Unterschied zu Österreich liegt im Aufwand. In Georgien fehlt die jährliche Berichtspflicht gegenüber einer Bildungsdirektion, dafür ist die Prüfung sprachlich anspruchsvoller, wenn dein Kind kein Georgisch spricht.

Der Zeitplan für die ersten zwölf Monate

Wer strukturiert vorgeht, hat den Bildungsteil in einem Jahr sauber aufgesetzt. Vor dem Umzug: Zeugnisse übersetzen und beglaubigen lassen, Lehrplan festlegen, Online-Schule oder Fernschule buchen. In den ersten Wochen vor Ort: Wohnung anmieten, Adresse dokumentieren, Aufenthaltstitel beantragen, wenn du länger als das visumfreie Jahr bleiben willst.

Im ersten Halbjahr: Kontakt zur zuständigen Bildungsverwaltung aufnehmen und den Ablauf der Eksternat-Anmeldung klären, Sprachunterricht starten, Lerngruppen suchen. Im zweiten Halbjahr: erste Prüfung ablegen oder zumindest fest terminieren. Wer die Prüfungsanmeldung länger als ein Jahr aufschiebt, verliert die Übersicht über den Klassenstand.

Für wen Georgien wirklich passt

Georgien trägt vor allem bei Familien, die selbstständig oder ortsunabhängig arbeiten, die Bildungsfreiheit über Bequemlichkeit stellen und die bereit sind, sich auf eine neue Sprache und Schrift einzulassen. Es trägt weniger gut bei Familien, die dauerhaft nur auf Deutsch unterrichten wollen und trotzdem einen lokalen Abschluss erwarten.

Auch die Region gehört in die Abwägung. Georgien liegt in einer politisch bewegten Nachbarschaft, und Teile des Staatsgebiets stehen nicht unter Kontrolle der Regierung in Tiflis. Für die Wohnortwahl ist das relevanter als der Mietpreis, und es gehört in jede ehrliche Familienplanung.

Steuern und Struktur nicht vergessen

Georgien ist auch steuerlich interessant, unter anderem wegen des Status für Kleinunternehmer und der territorial geprägten Besteuerung. Die belastbaren Zahlen dazu stehen in der Länderübersicht auf steueratlas.info. Entscheidend ist aber nicht der georgische Steuersatz, sondern der saubere Wegzug aus dem alten Wohnsitzstaat. Wer diesen Schritt unterschätzt, zahlt am Ende doppelt.

Für die Reihenfolge aus Wohnsitzverlagerung, Firmenstruktur und Familienplanung bietet unsere Kanzlei St Matthew ein Beratungsgespräch zum Umzug nach Georgien an.

Häufige Stolperfallen

Erstens: Der visumfreie Aufenthalt verleitet dazu, gar nichts zu regeln. Ohne Meldeadresse und Aufenthaltstitel wird die Prüfungsanmeldung zur Odyssee. Zweitens: Viele Familien beginnen mit Eksternat und merken erst in Klasse 9, dass sie eigentlich einen international verwertbaren Abschluss brauchen. Drittens: Die Sprachfrage wird verdrängt. Plane Georgisch von Anfang an ein, wenn du den staatlichen Nachweisweg gehen willst.

Dein nächster Schritt nach Tiflis

Georgien gehört 2026 zu den wenigen Ländern, in denen Bildungsfreiheit nicht auf einer Lücke beruht, sondern auf einer Regel. Der Eksternat-Weg macht Hausunterricht rechtssicher, die Novelle von 2024 verlängert lediglich den Zeitraum, in dem dieser Nachweis zu erbringen ist.

Klär in dieser Reihenfolge: Aufenthalt und Adresse, dann Lehrplan und Sprache, dann Prüfungsstrategie, dann Steuern. Wer sich weiter umsehen möchte, findet in der Übersicht Homeschooling im Ausland die Länder mit vergleichbar klaren Regeln.