Homeschooling und Online-Schule sind für Unternehmer und Freiberufler mit Familie oft der eigentliche Grund, warum ein Wegzug ins Ausland überhaupt ernsthaft geprüft wird. In Deutschland ist Hausunterricht praktisch ausgeschlossen, in vielen anderen Ländern ist er selbstverständlich. Dieser Leitfaden ordnet ein, wo Hausunterricht legal ist, wo er genehmigungspflichtig ist und wo er faktisch nicht stattfinden darf. Und er zeigt, welche Online-Schulen sich in der Praxis bewährt haben.
Perspektive Ausland Podcast: Homeschooling
Homeschooling war schon mehrfach Thema in unserem Podcast Perspektive Ausland. Hör dort rein, wenn du Erfahrungen aus erster Hand suchst.
Teil 1 mit Lars Berner, dem Gründer der Wilhelm von Humboldt Online Privatschule: Online Schule und Homeschooling bei Umzug ins Ausland, Teil 1.
Teil 2 mit Sebastian Sauerborn, Vater von neun Kindern, die er zu Hause unterrichtet, an traditionelle Schulen geschickt und an Online-Schulen hat lernen lassen: Online Schule und Homeschooling bei Umzug ins Ausland, Teil 2.
Warum das Interesse am Hausunterricht wächst
Wenn du deinen Wohnsitz ins Ausland verlegst und Kinder hast, standest du früher vor einer einfachen Frage: staatliche Schule oder Privatschule im neuen Wohnsitzland. Seit einigen Jahren kommt eine dritte Option dazu. Entweder unterrichtest du selbst, du holst eine Lehrkraft ins Haus, oder dein Kind besucht eine Online-Schule. Der Markt dafür ist im englischsprachigen Raum groß und wächst auch im deutschsprachigen.
Die Gründe sind bekannt. Viele Eltern zweifeln an der Qualität staatlicher Bildungseinrichtungen, an der Unterrichtsqualität, am Umgang mit Mobbing und an inhaltlichen Schwerpunkten, die sie nicht teilen. Die Pandemie hat den Trend beschleunigt: Auf einmal fand Unterricht zu Hause statt, meist unfreiwillig und mit gemischtem Erfolg. Ein Teil der Eltern hat daraus aber eine andere Schlussfolgerung gezogen. Alternative Lernformen sind nicht nur möglich, sie können funktionieren, und Kindern kann das Lernen dabei sogar mehr Freude machen als der Schulalltag.
Nur hat die Sache in Deutschland einen Haken: Homeschooling ist in Deutschland praktisch verboten. Es besteht eine Präsenzpflicht in einer staatlichen oder staatlich anerkannten Einrichtung. Wer überzeugt ist, dass sein Kind anders lernen soll, hat deshalb nur den Weg ins Ausland. Genau deshalb prüfen Unternehmer und Freiberufler die Homeschooling-Lage potenzieller Wohnsitzländer, bevor sie sich festlegen. In den meisten anderen entwickelten Ländern ist Hausunterricht dagegen legal und teils weit verbreitet, allen voran beim Homeschooling in den USA.
Als jemand, der sieben Kinder viele Jahre in Texas zu Hause unterrichtet hat, kann Sebastian Sauerborn aus eigener Erfahrung sagen: Homeschooling ist intensiv und streckenweise anstrengend, aber sehr bereichernd. Seine Kinder sagen bis heute, diese Zeit seien die schönsten Jahre ihrer Kindheit gewesen. Wie verbreitet der Weg ist, zeigt auch diese Liste: 30 US-Promis, die zu Hause unterrichtet wurden.
Wo Hausunterricht legal ist: drei Kategorien
Die Frage "erlaubt oder verboten" führt in die Irre. Sinnvoller sind drei Kategorien, weil sie beschreiben, was du tatsächlich tun musst. Prüfe jedes Zielland vor der Entscheidung selbst nach, denn Bildungsrecht ändert sich schnell, wie die Beispiele Frankreich und Ungarn zeigen.
- USA: in allen Bundesstaaten legal, die Anforderungen unterscheiden sich stark von Staat zu Staat.
- Kanada: legal, geregelt auf Provinzebene.
- Grossbritannien: elective home education ist zulässig, für Kinder ohne Schulanmeldung ist keine Genehmigung nötig.
- Irland: verfassungsrechtlich abgesichert, mit Registrierung bei der zuständigen Behörde.
- Portugal, Italien: ensino doméstico beziehungsweise istruzione parentale sind geregelt, mit Anzeige und jährlichen Prüfungen.
- Dänemark, Norwegen, Finnland: Bildungspflicht statt reiner Schulpflicht, mit kommunaler Aufsicht.
- Belgien, Polen, Tschechien: legal mit Meldung oder Genehmigung und regelmäßiger Leistungsfeststellung.
- Australien, Neuseeland: legal mit Registrierung beziehungsweise Exemption Certificate.
- Österreich: häuslicher Unterricht ist nach Anzeige möglich, mit jährlicher Externistenprüfung. Die Anforderungen wurden zuletzt verschärft.
Kategorie 2: legal, aber genehmigungs- und aufsichtspflichtig
- Frankreich: seit dem Gesetz 2021-1109 ist die instruction en famille ab dem Schuljahr 2022/2023 genehmigungspflichtig. Es gibt nur vier zulässige Gründe: Gesundheit oder Behinderung, intensive sportliche oder künstlerische Praxis, Wanderleben der Familie oder große Entfernung zur Schule und eine besondere Situation des Kindes mit pädagogischem Projekt.
- Bahamas: seit dem Education Act 2026 ist die home school eine von drei anerkannten Schulformen, mit jährlicher Registrierung, Plan, Mindeststundenzahl und Prüfungspflicht.
- Saint Kitts und Nevis, Grenada: Hauserziehung ist im Education Act geregelt, mit Bildungsplan drei Monate vor Beginn und jährlicher Registrierung beim Chief Education Officer.
- Belize: über die Formel "at school or otherwise" zulässig, in der Verwaltungspraxis aber mit Antrag, Qualifikationsnachweis und Hausbesuchen verbunden.
- Schweiz: kantonal geregelt. Einige Kantone erteilen Bewilligungen, andere lassen Hausunterricht praktisch nicht zu.
- Ungarn: seit 2020 deutlich eingeschränkt und an eine behördliche Genehmigung gebunden.
Kategorie 3: nicht vorgesehen oder faktisch ausgeschlossen
- Deutschland: Präsenzpflicht, Hausunterricht ist die absolute Ausnahme.
- Schweden: nur bei "synnerliga skäl", also außergewöhnlichen Gründen, praktisch nicht erreichbar.
- Niederlande: nur eine enge Freistellung aus religiös-weltanschaulichen Gründen, kein regulärer Hausunterricht.
- Griechenland, Kroatien, Türkei: kein regulärer Weg für Hausunterricht.
- Tunesien: Schulpflicht von sechs bis sechzehn Jahren, kein Befreiungsverfahren.
- Seychellen: Schulpflicht mit Attendance Officers und Bußgeldern, Hausunterricht ist kein Entschuldigungsgrund.
- Sierra Leone, São Tomé und Príncipe: verpflichtende Grundbildung, aber keine gesetzliche Grundlage für Hausunterricht.
- Brasilien: das Oberste Gericht hat 2018 entschieden, dass Hausunterricht ohne Bundesgesetz nicht praktiziert werden darf, und diese Linie zuletzt bestätigt. Ein Gesetzentwurf liegt beim Senat.
Wichtig: Diese Übersicht ist eine Momentaufnahme, keine Rechtsberatung. Prüfe die Rechtslage deines Ziellandes immer am Gesetzestext und bei der zuständigen Behörde, bevor du dich festlegst.
Worauf es beim Lehrplan wirklich ankommt
Wenn du in ein Land ziehst, in dem Hausunterricht erlaubt ist, brauchst du ein Lehrprogramm, das zu deinem Kind, zu dir und zu eurer Lebenssituation passt. Fünf Punkte helfen bei der Auswahl.
Wähle den passenden Unterrichtsstil
Nicht nur der Lernstil deines Kindes zählt, sondern auch deine eigenen Vorlieben. Vielleicht arbeitet dein Kind gern mit Karteikarten, während du lieber mit Tablet und Software unterrichtest. Suche eine Lösung, mit der ihr beide arbeiten könnt.
Setze klare Prioritäten
Manche Familien legen den Schwerpunkt auf Lesen und Schreiben, andere auf Mathematik oder Sprachen. Wenn ihr euch auf Naturwissenschaften konzentriert, brauchst du kein teures Sprachpaket. Das senkt Druck und Kosten.
Nimm die Interessen deines Kindes ernst
Es wird immer Fächer geben, die deinem Kind weniger liegen. Umso wichtiger ist es, die Themen einzubauen, die es wirklich interessieren. Frage dein Kind zu Beginn des Schuljahres, was es lernen möchte.
Unterschätze den Zeitaufwand nicht
Die wenigsten Eltern haben sechs Stunden am Tag frei. Rechne mit dem Aufwand einer Teilzeitstelle, und überlege ehrlich, wie viele aktive Unterrichtsstunden du leisten kannst und wie lange dein Kind konzentriert lernt.
Nutze Bewertungen und Kostenschätzungen
Setze dir ein Budget und lies Erfahrungsberichte, auch die negativen. Sie zeigen dir, woran ein Programm im Alltag scheitert.
Neun Online-Schulen im Überblick
Manche Familien unterrichten selbst, andere setzen auf eine Online-Schule. Sie kostet mehr, bringt aber qualifizierte Lehrkräfte, Struktur und Mitschüler. Gerade ältere Kinder profitieren davon. Die folgenden Anbieter geben dir ein Gefühl für Angebot und Preisniveau. Prüfe Konditionen und Akkreditierung vor der Anmeldung immer selbst.
- Wilhelm von Humboldt Online Privatschule: deutschsprachige Online-Schule in Costa Rica für die Jahrgänge 1 bis 12, unterrichtet nach baden-württembergischem Lehrplan. Kosten: etwa 300 bis 500 Euro pro Kind und Monat.
- Harrow School Online: englischsprachige Online-Schule im Vereinigten Königreich für junge Erwachsene von 16 bis 18 Jahren. Standardgebühr für eine Vollzeit-Einschreibung etwa 5.250 Pfund pro Trimester, Stipendien möglich.
- King's InterHigh: britische internationale Online-Schule mit Primar-, Sekundar- und Oberstufenunterricht für Schüler von 7 bis 18 Jahren. Jahreskosten etwa 2.750 bis 6.605 Pfund.
- Crimson Global Academy: Online-Schule mit Sitz in Auckland, Neuseeland, für Schüler von 13 bis 18 Jahren, britisches und amerikanisches Curriculum. Jahreskosten etwa 2.700 bis 16.100 US-Dollar.
- Avenues: The World School: Schule mit Sitz in New York für Schüler von 2 bis 18 Jahren, US-Curriculum. Jahreskosten bis rund 30.000 US-Dollar.
- HEBO-Webschule: Online-Schule aus Mönchengladbach, bereitet per Videokonferenz auf deutsche Schulabschlüsse vor.
- Deutsche Fernschule: staatlich zugelassener Fernschulunterricht aus Wetzlar für deutschsprachige Vorschul- und Grundschulkinder im Ausland.
- Calvert Academy, heute als Imagine Learning Excellence Academy geführt: akkreditierter Online-Unterricht mit individuellen Lernplänen. Jahreskosten je nach Jahrgangsstufe etwa 2.072 bis 3.192 US-Dollar.
- Florida Virtual School: für Florida Residents kostenfreie Online-Schule mit breitem Kursangebot für verschiedene Altersstufen.
Wegzug sauber vollziehen: was Eltern häufig übersehen
Die deutsche Präsenzschulpflicht endet nicht dadurch, dass du im Ausland unterrichtest, sondern dadurch, dass dein Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aufgibt. Melde die gesamte Familie ab und sichere Nachweise über den neuen Lebensmittelpunkt: Mietvertrag, Aufenthaltstitel, Einschreibebestätigung und Reisedokumente. In Österreich ersetzt der häusliche Unterricht die Schulpflicht nur nach Anzeige und mit Externistenprüfung, in der Schweiz entscheidet der Kanton über die Bewilligung.
Denke die steuerliche Seite gleich mit. Ein Wegzug verschiebt die steuerliche Ansässigkeit, und bei Anteilen an Kapitalgesellschaften kann eine Wegzugsbesteuerung greifen. Die Details je Zielland findest du im Steueratlas, die Grundlagen zur deutschen Regelung in unserem Beitrag zur Wegzugsbesteuerung.
So unterstützt dich unsere Kanzlei
Wir begleiten deine Wohnsitzverlagerung ins steuergünstige Ausland steuerlich und rechtlich, aus der Praxis unserer Kanzlei St Matthew. Je nach Land binden wir eine lokale Partnerkanzlei ein, behalten aber die Gesamtkoordination. Wir haben über 100 Unternehmern und Geschäftsleuten geholfen, ihre Steuerbelastung deutlich zu senken. Sorgfältige Planung, gründliche Beratung und eine steuerrechtlich einwandfreie Ausgestaltung im Rahmen der internationalen Steuergesetzgebung haben dabei oberste Priorität.
So triffst du die Länderentscheidung
Mach die Bildungsfrage zum eigenen Prüfpunkt deiner Länderauswahl, nicht zur Fußnote. Fünf Kriterien reichen in der Regel: Gibt es eine gesetzliche Grundlage für Hausunterricht, wie hoch ist die Aufsichtsdichte, welche Abschlüsse sind vor Ort erreichbar, sind sie in Europa anschlussfähig, und trägt der Aufenthaltstitel einen mehrjährigen Bildungsweg. Wer diese fünf Punkte beantwortet, sortiert Zielländer schnell.
Der zweite Ratschlag aus der Praxis: Plane zweigleisig. Erfülle die lokalen Anforderungen und wähle für den Abschluss ein international anerkanntes Curriculum. Das kostet etwas mehr, hält aber alle Wege offen, auch den zurück. Wenn du deinen Wegzug mit Kindern steuerlich und rechtlich sauber aufsetzen willst, buche ein Beratungsgespräch zum Wegzug.
