Korruption in Usbekistan ist das Thema, an dem sich der Ruf des Landes entscheidet. Kaum ein Staat hat seinen Wert im Korruptionsindex in einem Jahrzehnt so stark verbessert, und kaum ein Staat zeigt gleichzeitig so deutlich, wo Reformen an ihre Grenzen stoßen. Wenn du aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Usbekistan ziehst oder dort Geschäfte aufbaust, brauchst du beide Seiten dieser Geschichte.
Die Zahlen: großer Sprung, jetzt Seitwärtsbewegung
Im Corruption Perceptions Index 2025 von Transparency International, veröffentlicht im Februar 2026, erreicht Usbekistan 31 von 100 Punkten und Rang 124 von 182 bewerteten Staaten. Im Vorjahr waren es 32 Punkte (Rang 121), 2023 ebenfalls 32. Der Kontext macht den Unterschied: 2012 lag Usbekistan bei 17 Punkten und 2015 bei 19, also im Bereich der geschlossensten Diktaturen der Region. Der Anstieg um vierzehn Punkte in gut einem Jahrzehnt gehört weltweit zu den größten Verbesserungen, die Entwicklung seit 2023 ist allerdings flach. Nachvollziehen kannst du das auf der Usbekistan-Seite von Transparency International.
Zum Vergleich: Deutschland liegt bei 77 Punkten, Österreich bei 69, die Schweiz bei 80. Nachbarn in Zentralasien ordnen sich so ein: Kasachstan 38 Punkte, Kirgisistan 26, Tadschikistan 19, Turkmenistan 17. Usbekistan liegt damit im Mittelfeld der Region, nicht an der Spitze und nicht am Ende.
Die Antikorruptionsagentur und was 2026 neu ist
Usbekistan hat seit 2020 eine eigene Antikorruptionsagentur, die durch Präsidialdekret geschaffen wurde und dem Präsidenten sowie dem Parlament berichtet. Grundlage der Arbeit ist das Antikorruptionsgesetz von 2017 nebst nationaler Strategie. Die Agentur betreibt Präventionsprogramme, Vermögenserklärungen für Amtsträger und ein Meldesystem und ist unter anticorruption.uz erreichbar.
Ende Dezember 2025 hat Präsident Mirziyoyev eine neue Stufe ausgerufen. Ab dem 1. Januar 2026 bekommt jede staatliche Stelle einen eigenen stellvertretenden Leiter für Compliance und interne Antikorruptionskontrolle, koordiniert vom Compliance-Dienst der Präsidialverwaltung. 2026 wurde als Jahr mit besonderem Schwerpunkt auf Korruptionsbekämpfung ausgerufen. Ob daraus mehr wird als eine weitere Kontrollschicht, ist offen. Für dich als Ausländer ist die Nachricht trotzdem nützlich: Es gibt inzwischen benannte Ansprechpartner innerhalb der Behörden, an die du dich bei Forderungen wenden kannst.
Realistisch bleiben solltest du bei zwei Punkten. Erstens ist die Agentur nicht unabhängig, sondern Teil der Exekutive. Zweitens richten sich Verfahren in der Praxis überwiegend gegen mittlere Ebenen. Große Vermögensfragen im Umfeld der Führung werden nicht öffentlich verhandelt.
Bürokratie im Alltag eines Zuwanderers
Für Staatsangehörige Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist die kurzfristige Einreise visumfrei möglich. Wichtiger ist die Meldepflicht: Du musst deinen Aufenthaltsort binnen weniger Tage registrieren lassen, im Hotel geschieht das automatisch, in einer Privatwohnung über das elektronische Meldesystem. Fehlende Registrierungsnachweise sind der häufigste Anlass für Ärger bei der Ausreise und ein klassischer Anlass für die Forderung nach einer informellen Lösung. Sammle jeden Registrierungsbeleg lückenlos, auch für einzelne Nächte auf Reisen.
Aufenthalt und Arbeit
Längerfristige Aufenthaltstitel und Arbeitsgenehmigungen laufen über die Migrationsbehörden und die Agentur für Außenwirtschaftsbeziehungen. Die Verfahren sind formalisiert und zunehmend digitalisiert, aber langsam. Der Reflex, einen Vermittler mit Beziehungen zu beauftragen, ist verständlich und riskant zugleich. Beauftrage lieber eine registrierte Kanzlei mit schriftlichem Mandat und Honorarrechnung.
Digitalisierung als bester Korruptionsschutz
Die Verlagerung vieler Leistungen in Bürgerdienstzentren und auf staatliche Onlineportale hat den direkten Kontakt zwischen Antragsteller und Sachbearbeiter deutlich reduziert. Wo ein Vorgang online eingereicht, bezahlt und verfolgt werden kann, verschwindet der Spielraum für kleine Zahlungen fast vollständig. Wähle im Zweifel immer den digitalen Weg, auch wenn er langsamer wirkt.
Zoll, Polizei und Devisen
Die Zollabfertigung bleibt der Bereich mit dem größten Ermessen, besonders bei Warenimporten und der Einfuhr von Fahrzeugen. Bei Straßenkontrollen gilt die übliche Regel: Kopien mitführen, ruhig bleiben, nach dem schriftlichen Bescheid fragen. Der Devisenmarkt ist seit der Liberalisierung 2017 weitgehend normalisiert, ein nennenswerter Schwarzmarkt existiert nicht mehr, was eine früher wichtige Korruptionsquelle beseitigt hat.
Immobilien und Gerichte
Ausländer können in Usbekistan Wohnimmobilien erwerben, der Grundstückserwerb ist dagegen stark eingeschränkt, da Boden im Kern staatlich bleibt und über Nutzungsrechte vergeben wird. Prüfe Eigentumsnachweise, Kataster und Baugenehmigungen einzeln und über einen eigenen Anwalt. Die Zivilgerichte arbeiten formal korrekt, gelten aber bei Verfahren mit staatlicher Beteiligung als nicht unabhängig. Schiedsklauseln und Sicherheiten sind deshalb Standard in jedem größeren Vertrag.
Geschäft, Vergabe und Privatisierung
Der riskanteste Bereich ist die Schnittstelle zum Staat. Usbekistan privatisiert seit Jahren Staatsbetriebe, vergibt große Infrastrukturprojekte und arbeitet mit Sonderwirtschaftszonen, in denen Vergünstigungen im Einzelfall gewährt werden. Genau dort entstehen Abhängigkeiten. Wer eine Lizenz, eine Landzuteilung in einer Zone oder einen öffentlichen Auftrag anstrebt, sollte den gesamten Prozess dokumentieren und niemals einen Berater bezahlen, dessen Leistung sich nicht in Schriftstücken zeigt.
Achte besonders auf Beteiligungsstrukturen von lokalen Partnern. Wenn Anteile über Zwischengesellschaften gehalten werden oder ein Partner seine wirtschaftlich Berechtigten nicht offenlegt, ist das Projekt für europäische Banken und Prüfer nicht finanzierbar. Verlange die Offenlegung schriftlich vor Vertragsschluss, nicht danach.
Ein zweiter Punkt betrifft Arbeitsverhältnisse. Löhne teilweise bar und ohne vollständige Meldung auszuzahlen, ist in Teilen der Wirtschaft üblich. Für dich als Arbeitgeber ist das keine Grauzone, sondern ein Verstoß gegen Sozialversicherungs- und Steuerrecht, der bei einer Prüfung sofort auffällt und dich als Ausländer besonders exponiert. Zahle vollständig gemeldet, auch wenn Wettbewerber es anders machen.
Für den Fall, dass eine Behörde eine Zahlung außerhalb der Gebührenordnung verlangt, gibt es seit den Reformen einen formalen Beschwerdeweg über die virtuelle Empfangsstelle des Präsidenten und über die Antikorruptionsagentur. Solche Beschwerden werden tatsächlich bearbeitet, wenn sie konkret, datiert und belegt sind. Anonyme Sammelvorwürfe verlaufen dagegen im Sand.
Was in Deutschland, Österreich und der Schweiz strafbar bleibt
Auch wenn eine Zahlung in Taschkent unauffällig wirkt: Die Bestechung eines usbekischen Amtsträgers ist für dich als Deutscher, Österreicher oder Schweizer eine Straftat im Heimatland. In Deutschland stellt § 335a StGB ausländische und internationale Bedienstete den deutschen Amtsträgern gleich, seit November 2015. In Österreich greift § 307 StGB zusammen mit dem Amtsträgerbegriff des § 74 Abs. 1 Z 4a StGB, ermittelt wird durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die Schweiz erfasst die Bestechung fremder Amtsträger in Art. 322septies StGB.
Hinzu kommt die Unternehmenshaftung über § 30 OWiG, das österreichische Verbandsverantwortlichkeitsgesetz und Art. 102 StGB in der Schweiz. Eine Ausnahme für kleine Beschleunigungszahlungen existiert nirgends, und die Beträge sind steuerlich nicht abziehbar. Wer international finanziert, hat zusätzlich die Compliance-Anforderungen von Banken und Entwicklungsbanken am Hals, die Usbekistan-Projekte besonders genau prüfen.
Deine Arbeitsregeln vor Ort
- Nutze konsequent staatliche Onlineportale und Bürgerdienstzentren statt persönlicher Vorsprachen.
- Bewahre alle Registrierungsnachweise bis zur Ausreise auf, auch für kurze Aufenthalte in anderen Städten.
- Beauftrage nur Dienstleister mit Rechnung, Vertrag und Steuernummer. Barhonorare ohne Beleg sind ein Warnsignal.
- Bestehe bei jeder Zahlung auf der offiziellen Gebührenquittung mit Rechtsgrundlage.
- Nutze bei Forderungen die neue Compliance-Struktur der Behörde, bevor du eskalierst.
- Halte die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes im Blick, besonders für Grenzregionen im Fergana-Tal.
Was Auswanderer aus der Region berichten
Der praktische Eindruck vieler deutschsprachiger Zuwanderer weicht vom Indexwert ab, und das hat einen Grund. Alltagskorruption in Form direkter Geldforderungen an Privatpersonen ist in Taschkent und Samarkand deutlich seltener geworden, seit Gebühren elektronisch gezahlt werden und Termine über Portale vergeben sind. Was bleibt, ist die zweite Ebene: Ermessensentscheidungen, bei denen ein Vorgang schneller oder langsamer laufen kann, und bei denen niemand offen Geld verlangt, aber ein Bekannter empfohlen wird. Wer freundlich bleibt, alles schriftlich einreicht und Fristen selbst nachhält, kommt in der Regel ohne Zahlung durch. Wer unter Zeitdruck steht und die Sprache nicht spricht, zahlt am Ende häufiger.
So gehst du das Thema in Usbekistan an
Usbekistan ist ein Land in echter Bewegung, aber mit 31 Punkten weiterhin klar im Risikobereich. Der praktische Alltag ist für Ausländer meist unauffälliger, als der Indexwert vermuten lässt, weil viele Standardvorgänge digitalisiert sind. Kritisch bleibt alles, was Ermessen erfordert: Zoll, Bau, Lizenzen, öffentliche Aufträge. Wer dort arbeitet, braucht klare interne Regeln und eine dokumentierte Zahlungshistorie. Die steuerliche Seite deines Wegzugs solltest du unabhängig davon frühzeitig klären, denn Ansässigkeit und Wegzugsbesteuerung entscheiden sich in deinem Herkunftsland. Ein Beratungsgespräch ist dafür der schnellste Einstieg.







