Die Komoren gelten als ruhiges Ziel, und die Zahlen stützen das: Das Auswärtige Amt beschreibt die Kriminalitätsrate mit Stand 1. August 2026 als niedrig und führt keine Reisewarnung für den Inselstaat. Wenn du dich mit der Sicherheit auf den Komoren beschäftigst, verschiebt sich der Schwerpunkt damit weg von Gewaltkriminalität hin zu drei anderen Feldern: politischer Instabilität, Naturgefahren auf einem aktiven Vulkanarchipel und einer Gesundheitsversorgung, die in Notfällen nicht trägt.
Der Inselstaat zwischen Mosambik und Madagaskar besteht aus Grande Comore, Mohéli und Anjouan, ist islamisch geprägt und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Genau diese Armut prägt auch das Kriminalitätsbild, und sie erklärt, warum Vorsicht hier weniger mit Gewalt als mit Gelegenheit zu tun hat.
Politische Lage: ruhig, aber nicht stabil
Bei den Präsidentschaftswahlen Anfang 2024 wurde Azali Assoumani wiedergewählt. Die Opposition erhob Vorwürfe massiver Wahlmanipulation, die daraus folgenden Demonstrationen eskalierten und forderten Tote und Verletzte. Das ist kein Randdetail aus der Vergangenheit, sondern das Muster, mit dem du auf den Komoren rechnen musst: Der Alltag ist überwiegend friedlich, politische Anlässe können aber binnen Stunden umschlagen.
Historisch hat der Inselstaat seit der Unabhängigkeit 1975 über zwanzig Putsche und Putschversuche erlebt, dazu die Sezessionskrise um Anjouan mit dem Militäreinsatz der Afrikanischen Union im Jahr 2008. Die Lage ist heute ruhiger als damals, aber die Spannungen zwischen den Inseln und der Zentralregierung sind nicht ausgeräumt. Halte dich von politischen Versammlungen fern, auch von scheinbar friedlichen, und verzichte darauf, dich öffentlich zur Innenpolitik zu äußern.
Kriminalität und Alltagssicherheit
Laut den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts ist die Kriminalitätsrate niedrig, mit Eigentumsdelikten muss aber jederzeit und überall gerechnet werden, weil sie stark armutsgetrieben sind. Typisch sind Entreißdiebstahl und Diebstahl aus Fahrzeugen. Gewaltverbrechen gegen Ausländer sind selten.
Praktisch bedeutet das: Geld, Ausweispapiere, Führerschein und wichtige Dokumente sicher verwahren, Kopien getrennt aufbewahren und bargeldlose Zahlung bevorzugen, wo sie möglich ist. Lass nichts sichtbar im Auto, auch nicht kurz. Auf Moroni bezogen heißt das zusätzlich, nach Einbruch der Dunkelheit unbeleuchtete Wege zu meiden. Als Frau solltest du dich zudem auf konservative Kleidungsnormen einstellen, denn die Komoren sind stark muslimisch geprägt, und Rücksicht auf lokale Gepflogenheiten senkt hier Konfliktpotenzial im Alltag spürbar.
Naturgefahren: Vulkan und Zyklone
Die Komoren liegen in einer seismisch aktiven Zone, vulkanische Aktivität kann jederzeit auftreten. Der Karthala nahe der Hauptstadt Moroni ist ein aktiver Vulkan und einer der größten aktiven Krater weltweit. Seine Ausbrüche in den Jahren 2005 und 2006 führten zu Ascheregen, verunreinigtem Trinkwasser und Evakuierungen.
Dazu kommen Monsun und tropische Wirbelstürme, die den Archipel vor allem in der Regenzeit von Dezember bis April treffen und in der Vergangenheit erhebliche Schäden angerichtet haben. Zyklon Kenneth im Jahr 2019 zerstörte auf Grande Comore tausende Häuser. Für dich heißt das: Sturmfeste Bauweise, ein Vorrat an Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten für mindestens eine Woche sowie ein netzunabhängiges Radio gehören zur Grundausstattung. Der Beitrag zu Naturkatastrophen auf den Komoren ordnet die saisonalen Muster genauer ein.
Gesundheit: hier liegt das größte Risiko
Das Auswärtige Amt weist für Grande Comore ein hohes und für Mohéli und Anjouan ein mittleres Malariarisiko aus. Dazu kommen von Mücken übertragene Erkrankungen wie Chikungunya und Denguefieber sowie ein hygienebedingtes Choleravorkommen. Konsequenter Mückenschutz, Trinkwasseraufbereitung und sorgfältige Lebensmittelhygiene sind hier keine Empfehlung, sondern Alltagsroutine.
Die medizinische Versorgung ist ausdrücklich nicht mit Europa vergleichbar und technisch problematisch. Diagnostik, Intensivmedizin und planbare Operationen bedeuten in der Praxis eine Ausreise, meist nach Réunion, Mauritius oder Südafrika. Ohne Auslandskrankenversicherung mit Ambulanzflug und garantiertem Rücktransport solltest du auf den Komoren nicht leben. Bring einen Vorrat aller Dauermedikamente mit, denn die Verfügbarkeit vor Ort schwankt stark und Fälschungen sind ein reales Problem.
Als Notrufnummern werden die 17 für die Polizei und die 15 für medizinische Notfälle genannt. Beide funktionieren nicht durchgehend zuverlässig, und ein flächendeckender Rettungsdienst existiert nicht. Speichere daher zusätzlich die Direktnummern der Klinik El-Maarouf in Moroni, deines Versicherers und einer ortskundigen Vertrauensperson.
Konsularische Betreuung ohne Botschaft vor Ort
Auf den Komoren gibt es keine deutsche Botschaft. Zuständig ist nach aktuellem Stand die Deutsche Botschaft in Daressalam in Tansania. Österreich und die Schweiz betreuen den Inselstaat ebenfalls von Vertretungen in der Region aus, das österreichische Außenministerium veröffentlicht seine Bewertung in den Reiseinformationen für die Komoren, die Schweiz in den EDA-Reisehinweisen.
Diese Konstellation hat Folgen: Passverlust, Beglaubigungen oder Hilfe in einer Notlage laufen über Distanz und dauern. Trag dich vor der Ausreise in die Krisenvorsorgeliste ein und hinterlege bei einer Vertrauensperson in Europa Kopien von Pass, Versicherungspolice und Vollmachten.
Einreise, Aufenthalt und Betrugsrisiken
Für die Einreise wird ein Visum benötigt, das in der Regel unkompliziert bei Ankunft am Flughafen Moroni gegen Gebühr erteilt wird. Der Reisepass muss ausreichend lange gültig sein, und ein Rückflugticket wird verlangt. Wer länger bleiben oder arbeiten will, braucht eine Aufenthaltsgenehmigung der Einwanderungsbehörde. Rechne mit persönlichen Behördengängen, mit Papierakten statt Online-Verfahren und mit Bearbeitungszeiten, die sich nicht planen lassen.
Ein eigenes Kapitel sind die Staatsbürgerschaftsangebote, die im Zusammenhang mit den Komoren immer wieder im Umlauf sind. Das frühere komorische Passprogramm ist von den Behörden für ungültig erklärt worden und war Gegenstand eines großen Korruptionsskandals. Angebote, die dir einen komorischen Pass gegen Zahlung versprechen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrug oder führen zu Dokumenten ohne Rechtswirkung. Finger weg, unabhängig davon, wie seriös die Präsentation wirkt.
Auch bei Immobilien ist Vorsicht angebracht. Landrechte sind traditionell geprägt, die Registerlage ist lückenhaft, und Eigentumsnachweise sind häufig unvollständig. Zahle niemals vor gesicherter Eintragung und lass jeden Vertrag durch einen unabhängigen Anwalt vor Ort prüfen.
Infrastruktur, Verkehr und Alltag
Strom fällt regelmäßig aus, die Wasserversorgung ist nicht durchgängig gesichert, und die Internetverbindung ist störanfällig. Wer beruflich auf Erreichbarkeit angewiesen ist, braucht eine Notstromlösung und einen zweiten Mobilfunkanbieter als Rückfallebene. Der Straßenzustand ist überwiegend schlecht, Beleuchtung fehlt, und Nachtfahrten über Land sind riskant. Die Fährverbindungen zwischen den Inseln entsprechen nicht europäischen Sicherheitsstandards, Überladung ist verbreitet, und schwere Fährunglücke hat es wiederholt gegeben. Nimm im Zweifel den Flug statt der Fähre.
Amtssprachen sind Komorisch, Arabisch und Französisch. Ohne Französisch kommst du im Behördenkontakt und beim Arzt kaum weiter, Englisch hilft nur punktuell. Die deutschsprachige Gemeinde ist verschwindend klein, tragfähige Kontakte entstehen eher über internationale Organisationen und die französischsprachige Community.
Im Kontakt mit Polizei und Verwaltung gilt Zurückhaltung. Fotografiere keine Militär-, Hafen- oder Flughafenanlagen und keine Uniformierten. Führe stets eine beglaubigte Passkopie mit dir, den Originalpass lässt du besser im Hotelsafe oder in der Wohnung. Alkohol ist gesellschaftlich nicht akzeptiert und außerhalb weniger Hotels kaum erhältlich, öffentlicher Konsum sorgt für Ärger. Während des Ramadan wird tagsüber in der Öffentlichkeit weder gegessen noch geraucht, und wer sich daran hält, vermeidet die häufigsten Reibungspunkte im Alltag. Homosexuelle Handlungen sind auf den Komoren strafbar, das ist für Betroffene ein ernstzunehmendes rechtliches Risiko und kein bloßes gesellschaftliches Thema.
Worauf du dich auf den Komoren einstellen musst
Die Komoren sind kein Land, in dem du dich vor Überfällen fürchten musst. Sie sind ein Land, in dem eine Blinddarmentzündung, ein Zyklon oder ein politisch aufgeladenes Wahlwochenende sehr schnell ernst werden können. Wer das akzeptiert und entsprechend vorsorgt, kann hier ruhig und günstig leben.
Setze deine Prioritäten in dieser Reihenfolge: Versicherung mit Evakuierungsdeckung, Impf- und Malariaschutz, Vorratshaltung für Sturmsaison und Stromausfälle, danach Wohnort und Behördenwege. Und wenn Wohnsitz, Steuerpflicht und Meldefragen sauber geregelt sein sollen, klärst du sie am besten vorab in einem Beratungsgespräch.





