Griechenland gehört zu den sicheren Ländern Europas, wenn man Kriminalität als Maßstab nimmt. Gewaltverbrechen gegen Ausländer sind selten, die Gesellschaft ist offen gegenüber Zugezogenen, und im ländlichen Raum gilt ein Sicherheitsgefühl, das in Mitteleuropa längst verloren gegangen ist. Das eigentliche Sicherheitsthema in Griechenland heißt Natur. Die Waldbrandgefahr ist derzeit in großen Teilen des Landes sehr hoch, und das ist kein saisonales Randthema, sondern der Faktor, der Wohnortwahl, Versicherung und Notfallplanung bestimmt.

Was die offizielle Lagebewertung sagt

Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Griechenland enthalten keine Reisewarnung. Als aktuelle Schwerpunkte werden genannt: sehr hohe Waldbrandgefahr wegen Hitze und geringer Niederschläge, Taschendiebstahl in Athen, Thessaloniki und Piräus sowie wiederkehrende Demonstrationen und Streiks. Das österreichische BMEIA bewertet die Lage identisch.

Feuersaison: die konkrete Lage

Griechenland kämpft aktuell an mehreren Fronten mit Vegetationsbränden. Die größte Brandfront liegt rund 60 Kilometer westlich von Athen, während sich die Lage auf Kreta entspannt. Für die Region um Athen und die Südhälfte Euböas gilt die Warnstufe 5, die höchste Stufe der griechischen Waldbrandgefahrenskala.

Praktisch bedeutet das:

  • Aktiviere die Cell-Broadcast-Warnungen auf deinem Mobiltelefon. Griechenland verschickt Evakuierungsanweisungen über das 112-System direkt an alle Geräte in der betroffenen Zelle, oft auf Griechisch und Englisch.
  • Bei Warnstufe 4 und 5 sperren die Behörden regelmäßig Waldgebiete und Nationalparks. Wandern trotz Sperrung ist strafbar.
  • Offenes Feuer, Grillen und Arbeiten mit Funkenflug sind in der Feuersaison verboten. Fahrlässige Brandstiftung wird in Griechenland streng verfolgt.
  • Wenn du in Waldrandlage wohnst, halte einen brandschutzfreien Streifen um das Haus frei und plane zwei voneinander unabhängige Fluchtwege.

Die Hitze selbst ist ein eigenständiges Risiko. Temperaturen über 40 Grad sind im Sommer regelmäßig, und die Behörden schließen bei Extremhitze zeitweise Sehenswürdigkeiten und ordnen Arbeitspausen an.

Erdbeben und Stürme

Griechenland ist das seismisch aktivste Land Europas. Spürbare Beben sind Normalität, schwere Beben mit Gebäudeschäden treten in Abständen von wenigen Jahren auf. Anfang 2025 hat ein Bebenschwarm bei Santorin gezeigt, wie schnell das Alltag wird: Über Wochen erschütterten Beben die Insel im Minutentakt, Seismologen hielten ein Hauptbeben ab Stärke 6 für möglich, Flüge und Fähren von der Insel waren ausgebucht, und Schulen blieben geschlossen.

Für dich ist daraus vor allem eine Konsequenz zu ziehen: Prüfe beim Kauf oder bei der Anmietung, nach welcher Erdbebennorm ein Gebäude errichtet wurde. Griechenland hat seine Bauvorschriften mehrfach verschärft, Altbauten vor 1985 sind deutlich anfälliger. Von August bis November folgt zudem die Sturmsaison mit Starkregen und lokalen Überschwemmungen, die in kurzer Zeit Straßen unpassierbar machen.

Kriminalität im Alltag

Das dominierende Delikt ist Taschendiebstahl. Das Auswärtige Amt beschreibt die Zahl in Athen, Thessaloniki und Piräus als hoch, mit einem Schwerpunkt von April bis November und besonderer Häufung in der Athener Metro, am Flughafen, an den Fährterminals und rund um Monastiraki und Omonia. Typisch sind Ablenkungsmanöver in Gruppen und Gedränge beim Ein- und Aussteigen.

Wohnungseinbrüche sind in bestimmten Athener Vierteln und in Ferienhaussiedlungen ein Thema, besonders außerhalb der Saison, wenn Häuser leer stehen. Gewaltkriminalität gegen Ausländer bleibt selten. Ein Sonderfall sind Demonstrationen: In Athen rund um den Syntagma-Platz und die Polytechnio-Gegend kommt es bei politischen Anlässen zu Zusammenstößen mit Tränengaseinsatz. Diese sind gut vorhersehbar, weil sie an Jahrestage und Streiks gebunden sind.

Drogenbesitz wird unabhängig von der Menge hart bestraft. Das Fotografieren militärischer Anlagen ist verboten, was an Grenz- und Inselstandorten schneller relevant wird als gedacht. Und die Ausfuhr archäologischer Fundstücke, auch von Scherben vom Strand, ist ein ernsthaftes Delikt mit Haftandrohung.

Verkehr und Gesundheit

Die Verkehrstotenrate liegt über dem EU-Durchschnitt. Kritisch sind zweirädrige Fahrzeuge, schlecht ausgeleuchtete Landstraßen und der Mietrollerverkehr auf den Inseln. Ein Rollerunfall ohne passenden Führerschein bedeutet regelmäßig, dass die Versicherung nicht zahlt. Für die A1-Klasse gilt in Griechenland dieselbe Nachweispflicht wie zu Hause, und Vermieter kontrollieren das nicht immer.

Medizinisch ist die Versorgung in Athen und Thessaloniki gut, auf kleineren Inseln dagegen auf Erstversorgung beschränkt. Ernstere Fälle werden per Hubschrauber verlegt. Die Europäische Krankenversicherungskarte deckt die staatliche Grundversorgung, nicht aber Rücktransporte und private Kliniken.

Notrufnummern

  • Einheitlicher Notruf: 112
  • Polizei: 100
  • Rettungsdienst: 166
  • Feuerwehr und Waldbrandmeldung: 199
  • Küstenwache: 108
  • Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes eintragen

Wohnen, Steuern und Ruhestand

Wenn du eine Wohnung suchst, sind Lage und Bausubstanz die beiden Sicherheitsfaktoren, die alles andere überlagern. Wie der Markt funktioniert und worauf du bei Verträgen achten musst, steht im Leitfaden zum Wohnung mieten in Griechenland. Weitere Länderprofile findest du in unserer Übersicht zur Sicherheit im Ausland.

Steuerlich ist Griechenland für Zuzügler interessant, weil es mehrere Sonderregime gibt, darunter eine Pauschalbesteuerung ausländischer Renten. Wie das in der Praxis funktioniert, beschreibt unsere Kanzlei St Matthew im Beitrag In Griechenland leben und Steuern sparen. Die Rentenperspektive im Detail schlüsselt Ruhestand im Ausland zu Griechenland auf, und die aktuellen Steuersätze findest du im Steueratlas-Profil zu Griechenland. Ob dein Fall die Voraussetzungen erfüllt, klärst du am besten in einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Griechenland.

Inseln und Festland: zwei verschiedene Sicherheitslagen

Auf dem Festland und in den größeren Städten hast du eine dichte Infrastruktur mit Krankenhäusern, Feuerwehr und Polizei in erreichbarer Nähe. Auf kleineren Inseln ändert sich das grundlegend: Dort gibt es oft nur ein Gesundheitszentrum mit Erstversorgung, eine kleine Polizeidienststelle und keine Berufsfeuerwehr. Bei einem ernsten medizinischen Notfall auf einer Kleininsel entscheidet die Verfügbarkeit des Rettungshubschraubers und das Wetter über den Ausgang.

Auch die Versorgung hängt an der Fähre. Bei Sturm werden Verbindungen kurzfristig gestrichen, teils mehrere Tage in Folge. Wenn du auf einer Insel lebst, gehören Medikamentenvorrat, Bargeldreserve und Lebensmittelvorrat zur normalen Haushaltsführung, besonders im Winterhalbjahr, wenn die Taktung ohnehin ausgedünnt ist.

Erdbebenversicherung und Bausubstanz

Erdbebenschäden sind in griechischen Gebäudeversicherungen häufig nicht automatisch enthalten, sondern eine gesonderte Deckung mit eigenem Selbstbehalt. Bei Immobilienfinanzierungen verlangen die Banken sie meist, bei Barkäufen fehlt sie oft. Prüfe drei Punkte: Baujahr und angewandte Erdbebennorm, das Vorliegen einer statischen Bestandsprüfung und den konkreten Umfang der Deckung einschließlich Selbstbehalt. Bei Altbauten in Athen ist zusätzlich zu klären, ob Schwarzbauten oder nachträgliche Aufstockungen vorhanden sind, weil das im Schadensfall die Regulierung blockiert.

Wasser, Strömung und Sommerhitze

Die häufigste Todesursache für ausländische Besucher in Griechenland ist Ertrinken, gefolgt von Verkehrsunfällen. Die meisten Strände sind unbewacht, und bei Meltemi-Wind entstehen an den Ägäisküsten starke ablandige Strömungen. Ein zweiter Faktor ist die Kombination aus Hitze, Alkohol und Schwimmen, die in jeder Saison Opfer fordert. Schwimme nicht allein, nicht direkt nach dem Essen und nicht bei starkem Wind mit auflandiger Brandung.

Bei Extremhitze verlagerst du Aktivitäten am besten in die frühen Morgen- und späten Abendstunden. Der griechische Staat ordnet an heißen Tagen Zwangspausen für Außenarbeiten an und schließt archäologische Stätten über Mittag.

Grenzregionen und Migration

An den Seegrenzen in der östlichen Ägäis und an der Landgrenze zur Türkei am Evros besteht eine hohe Präsenz von Grenzschutz, Küstenwache und Frontex. Für Anwohner und Zugezogene ergeben sich daraus keine unmittelbaren Sicherheitsrisiken, wohl aber Einschränkungen: verstärkte Kontrollen, Sperrgebiete in Grenznähe und ein striktes Fotografierverbot rund um militärische Einrichtungen. Auf einigen Inseln sind Aufnahmeeinrichtungen ein politisch aufgeladenes Thema mit gelegentlichen Protesten auf beiden Seiten.

Bürokratie als Alltagsfaktor

Griechenland hat seine Verwaltung stark digitalisiert. Über das Portal gov.gr laufen inzwischen Meldebescheinigungen, Vollmachten und viele Steuervorgänge digital. Voraussetzung ist die Steuernummer AFM und ein Zugang zu den Steuerbehörden. Ohne AFM und griechisches Bankkonto kannst du weder Mietvertrag noch Stromanschluss noch Sozialversicherung ordentlich abwickeln. Das ist die erste Aufgabe nach der Ankunft, und sie dauert länger, als die meisten planen.

Wie sicher Griechenland für dich wirklich ist

Wenn du in einer Stadtwohnung ohne Waldrandlage lebst, deine Taschen im Blick behältst und im Sommer die Warnstufen verfolgst, ist Griechenland ein sehr sicheres Land. Wenn du dir ein Haus im Pinienwald kaufst, verschiebt sich das Risikoprofil erheblich, und zwar dauerhaft. Die wichtigste Sicherheitsentscheidung in Griechenland triffst du beim Kauf oder bei der Anmietung, nicht im Alltag.