Griechenland zieht jedes Jahr tausende Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Bevor du den Umzug ans Mittelmeer festmachst, solltest du eine Frage sauber klären: Wie bist du in Griechenland krankenversichert? Die Antwort hängt davon ab, ob du dort arbeitest, eine Rente beziehst oder von Erspartem lebst. Einen automatischen Zugang zum griechischen Gesundheitssystem gibt es nicht: Wer weder angestellt noch selbstständig ist und keine Rente aus der Heimat bezieht, muss sich privat versichern.
Dieser Leitfaden zeigt dir, wie das System aus EFKA und EOPYY funktioniert, welche Wege für Angestellte, Selbstständige, Rentner und Privatiers offenstehen und welche Versicherungen für Expats du zusätzlich brauchst.
So funktioniert das griechische Gesundheitssystem
Griechenland hat seine Sozialversicherung in den vergangenen Jahren stark umgebaut. Heute laufen alle Zweige über einen einzigen Träger: den e-EFKA (Einheitlicher Träger für Sozialversicherung). Er zieht die Beiträge für Rente, Kranken- und Unfallversicherung ein. Die Gesundheitsleistungen selbst kauft die nationale Gesundheitsorganisation EOPYY ein: Sie schließt Verträge mit Ärzten, Kliniken und Apotheken und legt fest, was erstattet wird. Behandelt wirst du im staatlichen Gesundheitsdienst ESY oder bei EOPYY-Vertragsärzten.
Der Schlüssel zum System ist die AMKA-Nummer, die griechische Sozialversicherungsnummer. Ohne AMKA kein Kassenarzt, kein E-Rezept, keine Erstattung. Du bekommst sie bei den Bürgerzentren (KEP), sobald du legal in Griechenland lebst und arbeitest oder als EU-Bürger deinen Anspruch nachweist.
Als Arbeitnehmer meldet dich dein griechischer Arbeitgeber automatisch beim e-EFKA an. Die Beiträge werden vom Bruttolohn abgezogen, der Krankenversicherungsanteil liegt bei gut 7 Prozent, geteilt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Damit sind ambulante Behandlungen, Krankenhausaufenthalte im ESY und der Großteil der Medikamente abgedeckt, oft mit Zuzahlungen.
Selbstständige melden sich selbst an: Zuerst brauchst du die Steuernummer AFM beim Finanzamt, dann die Gewerbeanmeldung, danach wirst du beitragspflichtig beim e-EFKA. Statt einkommensabhängiger Prozentsätze wählst du eine von mehreren festen Beitragsklassen, die Kranken- und Rentenversicherung kombinieren. Der Einstieg liegt bei rund 250 Euro im Monat, höhere Klassen bringen später mehr Rente.
Privatiers und Remote Worker
Lebst du von Kapitalerträgen oder arbeitest remote für Kunden außerhalb Griechenlands, hast du keinen automatischen Zugang zu EFKA und EOPYY. Für diese Gruppe ist eine internationale Krankenversicherung die realistische Lösung. Sie ist zugleich Voraussetzung für die Anmeldebescheinigung, denn bei der Registrierung als EU-Bürger mit mehr als drei Monaten Aufenthalt verlangt die Ausländerbehörde einen Nachweis über Krankenversicherungsschutz und ausreichende Mittel.
Rentner: Mit dem S1-Formular ins griechische System
Beziehst du eine gesetzliche Rente aus Deutschland oder Österreich, bleibt deine heimische Krankenkasse zuständig. Du beantragst dort das Formular S1 und registrierst es beim e-EFKA. Danach nutzt du das griechische Gesundheitssystem wie ein Einheimischer, die Kosten rechnet Griechenland mit deiner Kasse ab. Deine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlst du weiter auf die Rente in der Heimat.
Für Schweizer gilt: Die obligatorische Krankenpflegeversicherung endet grundsätzlich mit der Ausreise. Als Rentner mit ausschließlich Schweizer Rente kannst du dich aber über das Freizügigkeitsabkommen weiterhin in der Schweiz versichern und ebenfalls per S1 in Griechenland einschreiben. Wie die Absicherung im Ruhestand grenzübergreifend funktioniert, erklärt unser Schwesterportal im Detail im Beitrag zur Krankenversicherung für Rentner im Ausland; für den Standort selbst lohnt der Blick auf die Seite zu Griechenland als Ruhestandsziel.
Wichtig: Das S1 deckt nur den staatlichen Standard. Öffentliche Krankenhäuser sind auf den Inseln und auf dem Land dünn gesät, Wartezeiten sind real. Viele Rentner ergänzen deshalb eine private Police für Privatkliniken in Athen oder Thessaloniki.
Private Krankenversicherung: Kosten und Leistungen
Eine internationale Krankenversicherung für Auswanderer kostet in Griechenland je nach Alter, Selbstbehalt und Leistungsumfang etwa 100 bis 300 Euro im Monat. Dafür bekommst du freie Arztwahl, Behandlung in Privatkliniken, kürzere Wartezeiten und, je nach Tarif, den medizinischen Rücktransport in die Heimat. Griechische Versicherer bieten daneben lokale Policen (IPMI) an, die oft günstiger sind, aber nur in Griechenland gelten und im Alter stark teurer werden.
Achte bei der Auswahl auf drei Punkte: unbegrenzte Laufzeit statt Reisetarif, Mitversicherung von Vorerkrankungen nach Gesundheitsprüfung und Geltung bei Heimatbesuchen. Viele Policen begrenzen Aufenthalte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf wenige Wochen pro Jahr.
Für Urlauber und Neuankömmlinge in der Übergangszeit gilt: Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) deckt medizinisch notwendige Behandlungen im staatlichen System ab, wie die EU-Kommission auf ihrer Seite zur Gesundheitsversorgung bei vorübergehendem Aufenthalt erläutert. Rücktransporte und Privatkliniken zahlt sie nie. Aktuelle Hinweise zur Sicherheits- und Versorgungslage findest du beim Auswärtigen Amt.
GKV, Anwartschaft und der Weg zurück
Mit der Abmeldung deines deutschen Wohnsitzes endet in der Regel die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer die Rückkehroption offenhalten will, sollte vor dem Wegzug eine Anwartschaftsversicherung prüfen: Gegen einen kleinen Monatsbeitrag sichert sie dir den Wiedereinstieg ohne erneute Gesundheitsprüfung, bei privat Versicherten unterscheidet man die kleine und die große Anwartschaft mit Erhalt der Altersrückstellungen. Kehrst du innerhalb der EU zurück und warst zuletzt in Griechenland gesetzlich versichert, werden deine Versicherungszeiten europaweit zusammengerechnet, das erleichtert die Rückkehr in die GKV erheblich.
Kläre vor dem Umzug außerdem, welche Bestandsverträge du kündigst und welche du mitnimmst. Haftpflicht- und Unfallpolicen lassen sich oft auf Auslandstarife umstellen, die deutsche Pflegepflichtversicherung endet dagegen mit der GKV-Mitgliedschaft, private Pflegezusatztarife mit Weltgeltung schließen die Lücke.
Diese Versicherungen brauchst du in Griechenland außerdem
Kfz-Haftpflicht: gesetzlich vorgeschrieben für jedes in Griechenland zugelassene Fahrzeug. Nach der Wohnsitznahme musst du dein Auto ummelden und lokal versichern.
Gebäude- und Hausratversicherung: nicht Pflicht, aber wegen des realen Erdbeben- und Waldbrandrisikos dringend sinnvoll. Achte darauf, dass Erdbebenschäden ausdrücklich eingeschlossen sind, viele Standardpolicen nehmen sie aus.
Privathaftpflicht: in Griechenland wenig verbreitet, für Auswanderer aus dem DACH-Raum aber Standard. Internationale Expat-Policen kombinieren Haftpflicht, Unfall und Hausrat häufig in einem Paket.
Auch praktische Themen wie die Wohnungssuche solltest du versicherungsseitig mitdenken: Vermieter verlangen zunehmend einen Haftpflichtnachweis. Worauf du beim Mieten einer Wohnung in Griechenland achten solltest, liest du in unserem separaten Leitfaden.
Heimatbesuche, Studium und der Papierkram vor dem Wegzug
Prüfe in deiner Police unbedingt die Regeln für Heimatbesuche: Viele Auslandskrankenversicherungen decken Aufenthalte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nur für 30 bis 60 Tage pro Jahr, längere Rückkehrphasen brauchen eine Ergänzung oder einen Tarif mit erweiterter Heimatdeckung. Nimm außerdem trotz Privatpolice immer die EHIC mit, sie garantiert dir bei Notfällen in der gesamten EU die Grundversorgung im staatlichen System.
Studierende fahren mit der EHIC vergleichsweise weit, denn die heimische Kasse bleibt während eines Studiums meist zuständig. Griechische Universitäten verlangen bei der Einschreibung dennoch einen Versicherungsnachweis; für längere Studien- und Erasmus-Aufenthalte empfiehlt sich eine günstige Studenten-Auslandspolice mit Rücktransport und Verlängerungsoption ohne neue Gesundheitsprüfung.
Vor dem Wegzug gehören drei Behördengänge auf die Liste: die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt (in Österreich bei der Wohnsitzgemeinde, in der Schweiz beim Einwohneramt) rund um den Auszug, die schriftliche Information an deine Krankenkasse mit dem Ausreisedatum und die Kündigung oder Umstellung der übrigen Verträge. Haftpflicht-, Hausrat- und Kfz-Policen kennen beim Wegzug oft Sonderkündigungsrechte mit Fristen von einem bis drei Monaten. Bewahre die Abmeldebescheinigung gut auf, du brauchst sie in Griechenland immer wieder, etwa bei Banken, Behörden und der Steuerregistrierung.
Dein Fahrplan für den Start in Griechenland
Kläre zuerst deinen Status: Angestellt oder selbstständig heißt EFKA und EOPYY plus optionaler Privatschutz. Rente heißt S1-Formular vor der Abreise beantragen. Privatier heißt internationale Police vor dem Umzug abschließen, denn ohne Versicherungsnachweis gibt es keine Anmeldebescheinigung. Besorge dir früh AFM und AMKA, beide Nummern brauchst du für fast jeden Behördengang.
Und weil die Versicherungsfrage in Griechenland eng mit Steuerfragen verwoben ist, vom Non-Dom-Regime bis zur 7-Prozent-Pauschale für Rentner, lohnt es sich, beides zusammen zu planen. In einem Beratungsgespräch zum Umzug nach Griechenland bekommst du eine ehrliche Einschätzung, ob dein Setup steuerlich und sozialversicherungsrechtlich trägt.








