Tschechien ist eines der sichersten Länder Europas, und das lässt sich mit Zahlen belegen statt mit Gefühl. Die Polizei registrierte im letzten Berichtsjahr 170.051 Straftaten, ein Rückgang um 1,9 Prozent oder 3.271 Fälle. Für Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das ein Standort, an dem persönliche Sicherheit im Alltag kein Planungsthema ist. Die relevanten Themen liegen woanders: Prag als Sonderfall, eine anhaltende Hepatitis-A-Welle und ein paar Regeln, deren Verletzung teuer wird.

Offizielle Lagebewertung

Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für die Tschechische Republik enthalten keine Reisewarnung. Genannt werden Kleinkriminalität in Prag und touristischen Zentren, Risiken durch nicht lizenzierte Taxis, überhöhte Rechnungen in Bars sowie ein Warnhinweis zu Straßenwechselstuben. Das österreichische BMEIA bewertet die Lage ebenso.

Prag ist der Sonderfall

Die Kriminalität konzentriert sich stark auf die Hauptstadt. In Prag wurden 2.988,4 Straftaten je 100.000 Einwohner registriert, das entspricht rund einem Viertel der gesamten tschechischen Kriminalität. Häufigstes Delikt landesweit ist Diebstahl, insbesondere Taschendiebstahl.

Die Hotspots sind vorhersehbar: Karlsbrücke, Altstädter Ring, Wenzelsplatz, die Metrolinien A und B sowie der Hauptbahnhof. Klassische Maschen sind der Falschgeldwechsel auf der Straße, Rechnungen in Bars ohne Preisaushang, Taxis ohne Taxameter mit dem Vier- bis Fünffachen des üblichen Preises und der angebliche Zivilpolizist, der Ausweis und Bargeld kontrollieren will. Echte tschechische Polizisten verlangen niemals, dass du ihnen Bargeld aushändigst.

Wechsle Geld ausschließlich in Banken oder bei etablierten Wechselstuben mit ausgewiesenem Kurs ohne Kommission, nutze App-vermittelte Fahrdienste oder telefonisch bestellte Taxis und lass dir in Lokalen vor der Bestellung die Karte mit Preisen geben. Die tschechische Policie České republiky unterhält für Prag eine Touristenpolizei mit fremdsprachigem Personal.

Die tschechische Polizei benennt die Radikalisierung junger Menschen als ernsthaftes Problem, insbesondere im Umfeld von Schulen. Hintergrund ist auch der Amoklauf an der Karlsuniversität in Prag im Dezember 2023, der schwerste Anschlag dieser Art in der Geschichte des Landes. Er hat zu einer Verschärfung des Waffenrechts geführt. Für den Alltag bleibt das Risiko statistisch sehr gering, aber es gehört zu einer ehrlichen Lagebeschreibung dazu.

Gesundheit: die Hepatitis-A-Welle

Seit Anfang 2025 verzeichnet Tschechien einen deutlichen Anstieg der Hepatitis-A-Infektionen. Betroffen sind vor allem Prag sowie Karlsbad und die Regionen Mittelböhmen und Mähren-Schlesien. Das Auswärtige Amt empfiehlt eine Impfung. Wenn du längerfristig in Tschechien lebst oder Kinder in Betreuungseinrichtungen hast, ist das keine optionale Reiseimpfung, sondern eine sinnvolle Standardvorsorge.

Das Niveau der medizinischen Einrichtungen ist insgesamt gut. Das Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Tschechien bezieht Leistungen der Krankenversicherung bei vorübergehendem Aufenthalt ein, sodass du im Krankheitsfall grundsätzlich versorgt wirst. Für einen dauerhaften Wohnsitz brauchst du allerdings eine Anmeldung im tschechischen System oder eine private Vollversicherung.

Naturgefahren und Umwelt

Tschechien hat wenige Naturgefahren, aber zwei wiederkehrende. Hochwasser an Elbe, Moldau und Oder trifft in unregelmäßigen Abständen ganze Landstriche; die Ereignisse von 1997, 2002 und 2013 haben Milliardenschäden verursacht. Prüfe vor jedem Immobilienkauf die Hochwassergefahrenkarte und die Versicherbarkeit gegen Überschwemmung.

Zweitens Waldbrände: Der Nationalpark Böhmische Schweiz ist wegen Bränden teilweise gesperrt, der Zutritt ist zwischen 22 und 6 Uhr untersagt. Nach dem Großbrand von 2022 gelten dort dauerhaft strengere Regeln. In den Wäldern Südböhmens und Mährens ist zudem die Zeckendichte hoch, FSME kommt vor, und eine Impfung ist bei ländlichem Wohnsitz sinnvoll.

Regeln, deren Verletzung teuer wird

  • Beim Autofahren gilt die Null-Promille-Grenze absolut. Es gibt keinen Toleranzwert, auch nicht für Restalkohol am Morgen.
  • Winterreifenpflicht vom 1. November bis 31. März
  • Vignettenpflicht für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen auf Autobahnen, elektronisch und tagesgenau buchbar
  • Rauchverbot in allen Restaurants und Bars
  • Ausweispflicht: Führe Personalausweis oder Reisepass mit, Kontrollen sind zulässig

Notrufnummern

  • Einheitlicher Notruf: 112
  • Polizei: 158
  • Rettungsdienst: 155
  • Feuerwehr: 150
  • Stadtpolizei: 156

Wohnen, Arbeiten und Steuern

Als EU-Bürger genießt du volle Freizügigkeit, musst dich aber bei längerem Aufenthalt bei der Ausländerpolizei melden und für Arbeit oder Selbstständigkeit im Sozialversicherungssystem registrieren. Der Wohnungsmarkt in Prag und Brünn ist angespannt, in Regionalstädten wie Pilsen, Olmütz oder Budweis deutlich entspannter. Vergleichszahlen aus dem Nachbarland findest du im Leitfaden zum Wohnung mieten in Österreich, wenn du zwischen beiden Standorten abwägst. Für den Erwerb gilt der Leitfaden zum Immobilienkauf in Tschechien, in dem auch das Katasterverfahren erklärt wird.

Steuerlich ist Tschechien für Unternehmer und Selbstständige attraktiv, unter anderem wegen des Pauschalsteuerregimes für Kleinunternehmer und moderater Sätze bei der Einkommensteuer. Die aktuellen Werte findest du im Steueratlas-Profil zu Tschechien. Wie sich Wohnsitz, Firmensitz und Lebensqualität verbinden lassen, beschreiben die Beiträge Auswandern nach Tschechien und Tschechien als Wohn- und Unternehmenssitz. Für den Ruhestand schlüsselt Ruhestand im Ausland zu Tschechien Rente, Steuern und Erbrecht auf. Die deutsche Seite deines Wegzugs klärst du im Beratungsgespräch zum Umzug nach Tschechien. Weitere Länderprofile findest du in unserer Übersicht zur Sicherheit im Ausland.

Regionale Unterschiede

Außerhalb Prags fällt die Kriminalitätsbelastung deutlich ab. Brünn als zweitgrößte Stadt liegt spürbar darunter, Universitätsstädte wie Olmütz, Pilsen und Budweis gelten als sehr sicher und sind zugleich erheblich günstiger. Strukturschwächere Regionen im Nordwesten, insbesondere die Bezirke Ústí und Karlsbad, weisen höhere Werte bei Eigentumsdelikten und sozialen Problemlagen auf.

Ein Sonderfall sind die Grenzregionen zu Deutschland und Österreich. Dort gab es historisch ein Problem mit grenznaher Kleinkriminalität und mit Märkten, auf denen Fälschungen und illegale Angebote verkauft wurden. Die Lage hat sich deutlich entspannt, die grenzüberschreitende Polizeikooperation funktioniert. Für Pendler zwischen Sachsen, Bayern oder Niederösterreich und Tschechien ist die Sicherheitslage kein Hinderungsgrund mehr.

Sprache und Integration

Tschechisch ist eine anspruchsvolle Sprache mit sieben Fällen und einer Aussprache, die Deutschsprachigen zunächst schwerfällt. In Prag und Brünn kommst du im internationalen Umfeld mit Englisch weit, bei Behörden, Handwerkern und Ärzten außerhalb der Zentren jedoch nicht. Wer dauerhaft bleibt, sollte mindestens Grundkenntnisse aufbauen, weil sich damit der gesamte Alltag verändert.

Gesellschaftlich sind Tschechen zurückhaltender als es der touristische Eindruck vermuten lässt. Nachbarschaftskontakte entstehen langsam, dafür belastbar. Deutschsprachige Netzwerke existieren in Prag, Brünn und Pilsen, sind aber klein genug, dass du nicht in einer Parallelwelt landest.

Verkehr und öffentlicher Nahverkehr

Der öffentliche Nahverkehr in Prag, Brünn und Ostrava ist dicht, günstig und sicher, auch nachts. Die häufigsten Vorfälle sind Taschendiebstähle in vollen Bahnen, nicht Übergriffe. Kontrolleure arbeiten in Zivil und verhängen sofortige Bußgelder, was ohne gültiges Ticket schnell teuer wird.

Im Straßenverkehr liegt die Unfallschwere über dem deutschen Niveau, besonders auf zweispurigen Landstraßen mit Überholmanövern. Rechne mit strengen Kontrollen bei Geschwindigkeit und Alkohol. Bei Alkohol am Steuer droht neben einer hohen Geldstrafe der sofortige Führerscheinentzug, der auch für Ausländer im Land gilt. Auf Autobahnen gilt Vignettenpflicht, die elektronisch geprüft wird.

Kosten und Wohnqualität

Die Lebenshaltungskosten liegen insgesamt unter dem deutschen Niveau, wobei sich der Abstand bei Mieten in Prag stark verringert hat. Lebensmittel, Gastronomie, Handwerkerleistungen und Nahverkehr bleiben deutlich günstiger. Energiekosten sind nach den Preissprüngen der vergangenen Jahre auf westeuropäischem Niveau angekommen.

Bei Bestandsimmobilien lohnt der Blick auf die Bausubstanz. Plattenbauten aus sozialistischer Zeit sind vielerorts saniert und energetisch in Ordnung, andere nicht. Klassische Prüfpunkte sind Dämmung, Heizsystem, Zustand der Steigleitungen und die Rücklagen der Eigentümergemeinschaft. Lass dir vor dem Kauf immer einen aktuellen Katasterauszug zeigen, weil Belastungen und Wegerechte dort eingetragen sind und in Tschechien häufiger vorkommen als erwartet.

Wie sicher Tschechien für dich wirklich ist

Wenn du außerhalb der Prager Touristenzonen wohnst, dich an die Verkehrsregeln hältst und gegen Hepatitis A geimpft bist, hast du in Tschechien ein Sicherheitsniveau, das dem deutschen entspricht oder es übertrifft. Die Delikte, die dich realistisch treffen, sind Taschendiebstahl und Übervorteilung, und beide lassen sich durch Verhalten fast vollständig ausschließen. Der teuerste Fehler in Tschechien ist nicht Kriminalität, sondern ein Glas Wein vor der Autofahrt.